Der Zirkus der Nacht

Echo I
 
 
Books on Demand (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 15. Januar 2018
  • |
  • 692 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Adobe DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7460-0472-3 (ISBN)
 
Der Krake hat seine Arme überall, heißt es in den Berichten über Mafia, Geheimbünde und Logen. Und wer sich ihm widersetzt, für den gibt es kein Entkommen. Das erfährt Jacques Morand, Capitaine der Fremdenlegion, kurz vor seinem Ruhestand am eigenen Leib. Als er beginnt, sich für seine Vergangenheit zu interessieren, wird er plötzlich des Mordes beschuldigt und von der Polizei, der Legion und dem 'Russen', einem angeheuerten Auftragsmörder, gejagt. Auf seiner Flucht, die ihn vom südfranzösischen Marseille bis in das kleinstädtisch-deutsche Oldenburg führt, findet er heraus, was an seiner Vergangenheit so brisant ist und wohinter seine Verfolger her sind: Es ist der Hinweis auf ein jahrhundertelang gehütetes Geheimnis des Templerordens. Auch der junge Taxifahrer Marburg, den er auf seiner Flucht kennenlernt, scheint auf mysteriöse Weise mit den Templern verbunden zu sein. Zusammen mit Marburg versucht Morand, seinen Hals zu retten, indem er seinen Verfolgern zuvorkommt. Denn nur er weiß jetzt, wo sich dieses Artefakt befindet ...
1. Auflage
  • Deutsch
  • 1,28 MB
978-3-7460-0472-3 (9783746004723)
3746004721 (3746004721)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Jörg Hartmut Kohn, Jahrgang 1962, wurde in Oldenburg geboren und studierte Wirtschaftswissenschaften in Wilhelmshaven. Er arbeitet als Leiter Finanzen/Controlling und lebt in Rastede. Neben dem Schreiben malt er. Einige seiner Acryl-Gemälde wurden 2015 in Oldenburg im Rahmen einer einmonatigen Ausstellung gezeigt und können unter www.jkohn.de eingesehen werden.

1. ACHT DER KELCHE


"Garçon, si ton destin exige une victoire,

n'oublie jamais ce nom: Camerone".

Camerone, Jean-Pax Mefret, 1981, "Collection

Combat"

"Zum Ende des Dienstes in der Fremdenlegion

schließlich führt der Weg den Legionär ein letztes

Mal in das 1er R.E., um administrativ die Rückkehr

ins Zivilleben vorzubereiten."

Entnommen: www.lalegion.de, eine "Internetseite

über die Französische Fremdenlegion", 1999

1. AUBAGNE, FRANKREICH, FREITAG, 24. AUGUST 1984


Jossele, kleiner Jossele. Worte, die so vertraut waren wie die Stimme, die zu ihnen gehörte. Und obwohl sie ihm im Kopf rumgeisterten seit er ein kleiner Junge war, mal mehr, mal weniger, konnte er beides doch keiner Begebenheit in seinem Leben zuordnen. Capitaine Jacques Morand wischte die Gedanken ein weiteres Mal mit einem Kopfschütteln fort. Er stand auf, strich sich automatisch glättend über die Uniform und ging zum Fenster. Ein ungeduldiger Blick auf die Armbanduhr. Sein Termin beim Patron war um zehn, nun war es drei Minuten nach. Der Colonel ließ ihn warten! Das wäre bei Leclercque, seinem Vorgänger, nicht passiert. Doch der war nun, wie man sich erzählte, in Paris. Wieder schweiften seine Gedanken ab. Dort unten auf dem breiten Paradeplatz stand das Ehrenmal der Legion, das Monument Aux Morts, verlassen in der Morgensonne. In Gedanken sah er sich dort noch stehen, am 30. April, dem Jahrestag der Schlacht von Camerone, der an jedem Standort der Welt, von jeder Einheit der Fremdenlegion gefeiert wird. Camerone, das ist für die Legion Sinnbild für Durchhaltewillen und Gehorsam - und zugleich ihr höchster Feiertag. Besonders natürlich hier, im Maison Mère, dem Mutterhaus der Legion in Aubagne, einige Kilometer östlich von Marseille. Morand, und das betrachtete er als die höchste Auszeichnung seiner Laufbahn, hatte als Offizier der ersten Compagnie dort unten vor allen Besuchern und angetretenen Legionären während der Zeremonie die üblichen Passagen aus der Geschichte der Schlacht vorgelesen. Eine Tradition und in der Tat eine Ehre, die im Rahmen der Feierlichkeiten nur verdienten Offizieren zuteil wurde.

Und jetzt? Jetzt war es vorbei, seine Dienstzeit, sein Leben - was für ihn im Augenblick das Gleiche war. Das schwarze Loch, in das er fallen würde, lag unüberwindbar und drohend vor ihm. Die feierliche Entlassung nach fast vierzig Dienstjahren. Was konnte schon sein, jenseits der Legion? Eine Antwort darauf hatte Morand in den letzten Jahren nicht gefunden, und das würde vermutlich auch so bleiben. Die Legion entließ ihn so feierlich, wie sie nur konnte: Auskleidung, Verabschiedung durch den Regimentskommandeur, ein letztes Gespräch mit dem Chef der Aufklärung, Überreichung des Veteranen-Abzeichens und dann raus aus der Kaserne. Er haßte den Gedanken, doch der Zeitpunkt war nun fast gekommen.

Die Tür des kleinen Vorzimmers öffnete sich, Colonel Pétain, der Kommandeur des Ersten Fremdenregiments, das seit je her hier in Aubagne beheimatet war, trat heraus, lächelte, als Morand sich zu ihm umwandte, und machte eine einladende Geste. Morand folgte ihr. Beide Männer waren in etwa gleich groß, sie trugen ihre Uniform mit Stolz, waren durchtrainiert, und ihr kurzgeschorenes, graumeliertes Haar ließ sie trotz des Altersunterschiedes von nahezu zwanzig Jahren, durchaus ähnlich aussehen. Morands Blick fiel im Vorbeigehen auf den Adjutanten hinter dem Vorzimmerschreibtisch. Für einen Augenblick beneidete er den jungen Soldaten um alles, was noch vor ihm lag.

Pétain setzte sich und bot Morand eine Zigarre an. Kopfschütteln. Nein, Zigarren waren nichts für ihn.

Mit einer lässigen Handbewegung schloß der Colonel die Zigarrendose und stellte sie wieder auf seinen Schreibtisch. "Nun Capitaine, keine zwei Wochen mehr, dann sind Sie frei." Was als Scherz gemeint war, löste bei Morand nur ein widerwilliges Lächeln aus. Er hatte geahnt, daß diese Mischung aus steifer Gutmütigkeit und Schadenfreude, die vor ihm saß, eine weitere Bewährungsprobe in seiner zu Ende gehenden Dienstzeit werden würde. Nein, er würde sich alles andere als frei fühlen. Morand sah seinen Vorgesetzten abwartend an. Pétain aber empfand gar keine Schadenfreude. Es war nicht sein erstes Gespräch dieser Art. Nur die Jungen waren froh, wenn sie ihre fünf oder zehn Jahre Legion hinter sich hatten. Mit Morand war das etwas anderes, er hatte fast vierzig Jahre gedient und war vor 15 Jahren zum Offizier befördert worden. Eine Besonderheit für einen Ausländer, da die Offizierslaufbahn in der Regel nur Franzosen vorbehalten war. "Was haben Sie jetzt vor?" fragte der Colonel und griff mit einem schmalen Lächeln nach Morands Stammakte. "Werden Sie fortgehen aus Frankreich?"

"Keine Ahnung." Der Capitaine zuckte mit den Schultern und dachte an seine Wohnung in Marseille, die er vor einigen Monaten, nach dem Einsatz im Tschad, und nachdem ihm endgültig klargeworden war, daß er den Rest seiner Dienstzeit hier in der Stammeinheit verbringen würde, gemietet hatte. Dann plötzlich wurde ihm bewußt, daß er sehr wohl einen Plan hatte, eine vage Idee, die sich im Laufe der letzten Monate immer mehr zu verfestigen schien. "Ich werde mich auf die Suche nach meinen Eltern machen", sagte er schließlich mit rauher Stimme. "Sie leben nicht mehr, da bin ich mir sicher. Aber irgendeinen Hinweis wird es ja wohl noch geben."

"Die Morands." murmelte Pétain und sah in die Akte. "Moerkerke", fragte er schließlich. "Wo ist das?"

Einen Augenblick mußte der Capitaine überlegen, denn das Elternhaus hatte er nicht gemeint. "Belgien", erklärte er sodann. "Ein kleiner Ort in der Nähe der Küste. Aber."

"Ach ja, Sie sind ja Belgier!"

Morand schnaubte. "Nein", sagte er tonlos. Das hatte er auch einmal gedacht. "Ich bin Deutscher. Meine Eltern waren jedenfalls Deutsche." Er überlegte einen Augenblick. Das, was er vorhatte, war keineswegs einfach. Er hatte lange darüber nachgedacht und war zu der Einsicht gelangt, daß sein Vorhaben, sich auf die Suche nach seiner Vergangenheit zu machen, nicht ohne die Hilfe der Legion zu bewerkstelligen war. Ob es ein Grabstein war oder irgendein sonstiger Hinweis auf seinen Vater, seine Mutter oder deren Familie. Er nahm an, daß keiner von ihnen das Dritte Reich überlebt hatte. Und die Legion verfügte über einen eigenen Geheimdienst, das Deuxième Bureau, das offiziell zwar in den französischen Auslandsnachrichtendienst eingegliedert worden war, zu dem der Colonel aber sicher noch Kontakt haben dürfte. "Ich brauche Ihre Hilfe", sagte er zu Pétain gewandt.

Der Colonel reagierte nicht sofort. Scheinbar regungslos überflog er die folgenden Seiten von Morands Stammakte, bis zu jener verblichenen Kopie, die seltsamerweise einen Stempel mit deutschem Reichsadler aufwies. Er machte ein Fragezeichen daneben. Es stimmte also offenbar, Morand war tatsächlich Deutscher. Er legte die Akte vor sich auf den Tisch. Na und wenn schon, dachte er. Die Deutschen stellten seit je her den größten Teil der Fremdenlegionäre. Pétain lächelte gezwungen und rief sich Morands letzte Worte wieder ins Gedächtnis. "Hilfe?" fragte er. "Wobei?"

"Bei der Suche nach meinen Eltern."

"Die Adresse in Belgien?" fragte Pétain, krauste die Stirn und warf einen Blick auf die Akte. Im selben Moment wurde ihm klar, daß Morand nicht Moerkerke meinte.

Bevor Morand etwas antworten konnte, klingelte das Telefon. Der Colonel machte eine entschuldigende Geste und nahm ab. "Was ist?" Er lauschte einige Sekunden in den Hörer. "Das Deuxième Bureau?" fragte er überrascht. Dann, mit einem Seitenblick auf den Capitaine, fügte er hinzu: "Nein, nicht hier", sagte er knapp, "ich komme rüber." Mit einem Seufzer stand Pétain auf, bedeutete Morand zu warten und verließ das Büro. Als die Tür ins Schloß fiel, beugte sich Morand vor und griff über den Tisch nach seiner Stammakte. Er blätterte sie nur kurz durch, ohne zu wissen, weshalb. Vielleicht war es Pétains Notiz, die ihn neugierig gemacht hatten, vielleicht auch nur der Drang zu lesen, was die Legion über ihn wußte.

Einsatzbefehle, Lehrgangszeugnisse, Beurteilungen - auf den ersten Blick nur gute - machten den Großteil der Unterlagen aus. Dann stieß er auf eine abgegriffene, blasse Seite, auf der ein deutscher Reichsadler prangte, eine Geburtsurkunde, seine Geburtsurkunde, die Geburtsurkunde, die ihn vor fünfundvierzig Jahren dazu getrieben hatte, von zu Hause fortzulaufen. Dahinter noch ein Dokument, ebenfalls auf deutsch, und ein Brief. Er las seinen Vornamen, zugegeben, Jacques war kein seltener Name, aber es war zweifelsfrei seiner. Die Legion wußte Bescheid. Er hatte es nie erwähnt, also hatten sie Erkundigungen eingezogen über ihn. Er zuckte mit den Schultern und blätterte weiter. Lieber Claes, las er, bitte nimm dich in tiefster Christenpflicht dieses Kindes an. Claes, so hieß sein Vater. Sein...

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