Hopsgegangen

Ein Niederrhein-Krimi
 
 
Bastei Lübbe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 26. November 2019
  • |
  • 270 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7325-8224-2 (ISBN)
 
Tatort Niederrhein

INHALT: So ein Mist aber auch! Eigentlich wollte Privatdetektiv Lukas Born zusammen mit der Journalistin Natascha einen Informanten treffen. Doch am Treffpunkt in Rheinberg taucht nur Natascha auf, und die liegt leblos auf dem Boden. Und da kriegt Born auch schon selbst eins übergezogen.

Als er wieder zu sich kommt, ist Natascha verschwunden. Die Polizei sieht keinen Handlungsbedarf, Lukas hingegen schon. Denn er ahnt, dass Natascha an etwas Großem dran war. Und tatsächlich täuscht ihn sein Gefühl auch diesmal nicht. Leider. Denn die Beule an seinem Kopf ist nur der Anfang allen Übels ...

Ein neuer Fall für den niederrheinischen Privatdetektiv Lukas Born - für alle Kluftinger-Fans und Leser von Regionalkrimis!

ÜBER DIE REIHE: Nachdem Hauptkommissar Lukas Born vom Dienst suspendiert wurde, zieht der nun arbeitslose Ermittler auf den Campingplatz "Happy Eiland" im niederrheinischen Labbeck. Zusammen mit Mischlingshund Manolo (Lieblingsgericht: Brötchen mit Leberwurst) versucht Born, sein Leben neu zu ordnen - und stellt als Privatdetektiv unter Beweis, dass er selbst in skurrilen Fällen nach wie vor den richtigen Riecher hat ...

eBooks von beTHRILLED - mörderisch gute Unterhaltung.
weitere Ausgaben werden ermittelt

Erwin Kohl wurde 1961 in Alpen am Niederrhein geboren und hat diese herrliche Tiefebene seither nicht verlassen - derzeit wohnt er mit seiner Familie in Wesel am Niederrhein. Bevor er 2001 mit dem Schreiben begann, arbeitete er u.a. als Taxifahrer, Eisverkäufer, Kinobetreiber, Partnervermittler, DJ und Friedhofsgärtner. Die unterschiedlichen Charaktere, die er während dieser beruflichen Stationen kennen gelernt hat, skizziert er mit besonderem Vergnügen in seinen Regionalkrimis.

Website des Autors: http://www.erwinkohl.de/.

1


Das Messer in seiner Hand wirft im fahlen Licht des Mondes einen gespenstischen Schatten auf die gelbe Zeltplane. Hundegebell ertönt aus dem Nachbarzelt. Er wirbelt herum, bleibt einige Sekunden regungslos stehen, beobachtet seine Umgebung. Ich habe das Gefühl, dass mir der Mann jetzt direkt in die Augen sieht. Er hat die Kapuze tief in die Stirn gezogen. Ich suche nach Schutz, ducke mich hinter den Radkasten des LKWs. Das Bellen ist in misstrauisches Knurren übergegangen. Ich krieche unter den Auflieger hindurch zur anderen Seite. Mit drei, vier schnellen Schritten überbrücke ich die freie Fläche zum Cateringzelt, taste mich dann vorsichtig an der Plane entlang. Eine falsche Bewegung, ein verräterisches Geräusch, und die letzten drei Nächte waren umsonst.

Rasputin, der Köter des Zirkusdirektors, hat sich offenbar wieder schlafen gelegt, und das Pudel-Rudel scheint sich mental auf den Auftritt am Nachmittag vorzubereiten. Die aufgebrezelten Edeltölen eignen sich sowieso nicht als Wachhunde. Einen kurzen Moment hatte ich daran gedacht, Manolo mitzunehmen. Aber mein Hund würde die Zielperson warnen, bevor diese auch nur einen Schritt auf das Gelände gesetzt hätte.

»Ich will, dass Sie den Mistkerl auf frischer Tat erwischen und einkassieren, kapiert?«, lautete die unmissverständliche Aufgabenstellung.

Die einsetzende Stille macht mich nervös. Ich trete versehentlich vor einen der eisernen Pflöcke, mit denen die Spannseile im Boden befestigt sind, unterdrücke den aufkommenden Schmerz. Wenige Augenblicke später kann ich den Platz in der Mitte überblicken. Er ist leer. Das verschlossene Zelt gegenüber, in dem die tierischen Stars vom »Zirkus Don Calli« residieren und auf das es der Täter abgesehen haben dürfte, schmiegt sich weiterhin in die schemenhafte Landschaft. Um unbemerkt dorthin zu gelangen, müsste ich den Umweg durch die Wohnwagenburg der Artisten gehen. Dauert viel zu lange. In der Hoffnung auf eine andere Eingebung bleibe ich, wo ich bin und beobachte den Ort des baldigen Geschehens.

Im Vergleich zu den vorhergehenden beiden Nächten, die überwiegend aus Untätigkeit und lauwarmem Kaffee aus der Thermoskanne bestanden, verspricht diese ein gewisses Spannungspotential.

Wenige Minuten später ist es so weit. Aus der mobilen Tierunterkunft dringt eine merkwürdige Unruhe.

Wie ist er da reingekommen?

Die Frage kriecht noch durch meinen Verstand, als die Zeltplane aufgeht und einen Wimpernschlag später Zirkusponys über den Platz galoppieren, gefolgt von einem Kamel, zwei Lamas und dem verschlafen dreinblickenden Pudel-Rudel. Untermalt wird das Ganze von Rasputins wütendem Gebell. Okay, Zugriff!

Während das Kamel die gewonnene Freiheit zunächst für eine intensive Darmentleerung nutzt, renne ich los. Im nächsten Augenblick erkenne ich den Kerl mit dem Messer in der Hand. Er bleibt für den Bruchteil einer Sekunde stehen, sieht zu mir herüber, rennt dann in Richtung des Kassenhäuschens. Gut zwanzig Meter liegen zwischen uns. Ich laufe vor das Hinterteil eines Lamas, fünfundzwanzig Meter. Egal, das ist zu schaffen. Ich ziehe das Tempo an, zumindest möchte ich das. Aber ausgerechnet in diesem Augenblick rutscht mir an der Stelle, an der sich vor wenigen Minuten noch der Kamelschwanz gehoben hat, das Standbein weg, und ich klatsche bäuchlings auf die Wiese. Scheiße.

Ich richte mich auf, meine Blicke wandern hochgradig verärgert über die verdreckten Klamotten, da kitzelt etwas in meinem linken Ohr. Als ich mich herumdrehe, sehe ich in die grinsenden Augen des Kamels.

»Musst du ausgerechnet hierhin kacken, du Mistvieh«, schreie ich den Wüstenfrachter an. Der mahlt noch zwei Runden mit den Kiefern und trottet dann gelangweilt davon. Aus dem Augenwinkel bemerke ich, dass in den Wohnwagen rundum nacheinander die Lichter angehen. Aufgeregtes Stimmengewirr dringt durch die lauwarme Nacht. Mir reicht's, das brauche ich jetzt nicht. Feierabend.

Alle Scheiben heruntergekurbelt, das Gebläse bis zum Anschlag aufgedreht. Nutzt nicht viel, Emmas Fahrgastzelle stinkt wie Wims Jauchegrube. Ich gewinne zunehmend den Eindruck, dass es Tiere gibt, die schon zu Lebzeiten verfaulen. Die 300-Euro-Fangprämie, die mir der Herr Direktor als Belohnung schwarz in die Kralle drücken wollte, hätte ich gut gebrauchen können. Stattdessen erwartet mich nun eine dreimonatige Kürzung meiner Hartz-IV-Bezüge. Gibt so Tage.

Eine halbe Stunde, bevor dieser sich verabschiedet, stelle ich Emma reichlich schräg auf eineinhalb Parkplätze vor den Toren von Happy Eiland. Ich will hier nur noch raus.

Das Leben auf einem Campingplatz kann sehr schön sein. Vor allem aber ist es für arbeitslose Ex-Polizisten bezahlbar. Ganz nebenbei erhält man eine Vielzahl an sozialen Kontakten. Darauf würde ich jetzt allerdings gerne verzichten. Leider führt der Weg vom Parkplatz zu meinem Mobilheim an Lissys Bistro vorbei.

Der Biergarten ist noch gut gefüllt. Jünter, mein Gladbacher Freund, winkt mir zu. Ein großes Pils hat was, aber ich will Lissy mit meinem Gestank nicht das Geschäft verderben. Ich deute Jünter an, später zu kommen, und umkurve das Bistro weitläufig. Erst jetzt erkenne ich meinen Hund, der offenbar bei Lissy auf mich gewartet hatte. Er schnüffelt einmal kurz an meiner Hose und wendet sich angewidert ab. Mimose.

Wenn die Gäste leise sind und Lissy gut drauf ist, hängt sie schon mal ein Stündchen dran. Eine kalte Dusche, ein paar Bierchen mit den Nachbarn und eine schöne Frau, die mich anschließend erwartet, könnten diesen Abend retten, sinniere ich. Am Mobilheim angekommen muss ich feststellen, dass sich Träume auch mal in umgekehrter Reihenfolge erfüllen können.

»Da sind Sie ja endlich, ich wollte die Hoffnung schon begraben.«

Auf meiner Bank im Minivorgarten sitzt eine dunkelhaarige, schlanke Frau mit mandelbraunen Augen und lächelt mich an. Sie trägt ein schulterfreies Top mit einem Dekolleté, das der eingeschlafenen Fantasie auf die Sprünge hilft. Ihre Finger gehen reflexartig zur Nase.

»Entschuldigung«, ich deute auf meine verdreckte Kleidung, »ich bin nicht auf Damenbesuch eingerichtet. Mein Auftraggeber betreibt einen Zirkus.«

Stimmt nicht ganz, hört sich aber besser an.

»Natascha Feldmann«, sie reicht mir die Hand, »ich hatte eigentlich gehofft, dass Sie Zeit für mich haben. Wie naiv von mir!«

Ich setze mich neben sie, rutsche bis an die linke Lehne, damit ich ihre helle Hose nicht versaue. Ich sehe in ihr Gesicht und hoffe für einen Augenblick, dass ihr Anliegen privater Natur ist. Wie naiv von mir!

»Was den Auftrag im Zirkus betrifft, den konnte ich vor einer halben Stunde abschließen.«

»Wirklich? Das trifft sich gut.«

»Ja. Ich werde jetzt erstmal richtig ausschlafen, und dann bin ich ganz für Sie da.«

Ihr Lächeln weicht einem gespielt traurigen Ausdruck.

»Schade. Mir ist natürlich klar, dass ich sehr spät dran bin, aber . ich bräuchte Ihre Unterstützung noch heute Nacht.«

Die Hoffnung kehrt zurück. Ich schiebe sie zur Seite. Erstmal.

»Selbstverständlich würde ich den kompletten Tagessatz inklusive Spesen bezahlen .«

»Ich kann es mir ja mal anhören«, antworte ich eine Spur zu überhastet.

»Schön. Ich bin für ein großes Magazin als investigative Journalistin tätig und aktuell - wieder einmal - an einer sehr brisanten Sache dran. Morgen früh um vier Uhr treffe ich mich mit einem Informanten, der für die Story eminent wichtig ist. Der ungewöhnliche Zeitpunkt war eine seiner Bedingungen, sorry.«

Inzwischen ist Manolo eingetrudelt. Natascha streckt die Hand aus, um ihn zu streicheln. Manolo bleibt vor ihr stehen und fletscht die Zähne. Seine Nackenhaare richten sich auf, ich ziehe ihn zu mir und drücke sein Hinterteil runter. So kenne ich meinen Hund nicht, er ist Fremden gegenüber eigentlich aufgeschlossen.

»Sorry. Er hat wohl schlechte Laune.«

Sie geht mit einem angedeuteten Lächeln darüber hinweg.

»Okay, welche Rolle soll ich bei diesem Treffen spielen?«

»Die Aussage dieses Informanten dürfte einigen Leuten den Boden unter den Füßen wegziehen. Einen äußerst fruchtbaren Boden wohlgemerkt. Es gibt Hinweise, dass sie das verhindern wollen.«

»Ich bin Privatdetektiv und kein Bodyguard.«

»Eben.«

Manolo macht es sich vor unseren Füßen bequem, die Augen auf meine Besucherin gerichtet. Ich verstehe nicht, worauf sie hinauswill.

»Bodyguards sind viel zu auffällig. Ich möchte, dass Sie unsichtbar im Hintergrund agieren und nur im Ernstfall eingreifen. Sie verfügen über eine Polizeiausbildung, wissen also, wann das nötig sein wird. Außerdem möchte ich Sie für den Fall, dass wir gestört werden, mit der Ermittlung der Störenfriede beauftragen.«

Ich atme tief durch. Einen Auftrag könnte ich gut gebrauchen, andererseits meldet meine innere Stimme Gefahr.

»Ich besitze keine Waffe, ist Ihnen das klar?«

»Ja. Ich kann Sie beruhigen. Erstens reden wir hier nicht von der Mafia, und zweitens werde ich es nicht auf eine Konfrontation ankommen lassen. Der Treffpunkt bietet einen perfekten Fluchtweg. Sobald jemand dort auftaucht, geben Sie mir Bescheid, und ich bringe den Informanten und mich sofort aus der Gefahrenzone. Glauben Sie mir, ich mache sowas nicht zum ersten Mal.«

Irgendwas gefällt mir an der Sache trotzdem nicht. Ich bin sicher, sie sagt mir nicht die ganze Wahrheit.

»Dann mal Butter bei die Fische. Wer ist der Informant, wen soll er ans Messer liefern und warum?«

»Darüber möchte ich Ihnen keine Auskunft geben.« Sie öffnet ihre Handtasche, entnimmt ihr einen Stapel Scheine. Grüne Scheine, die mag ich besonders. »Das sind...

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