Der weiße Löwe von Thabur

Die Löwenblut-Saga
 
 
SCM Hänssler (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 6. September 2019
  • |
  • 512 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7751-7473-2 (ISBN)
 
Ein packender Fantasy-Roman mit geistlicher Wahrheit aus der Feder von Bestseller-Autorin Damaris Kofmehl!
Leandro ist auf Löwenjagd. Plötzlich stürzt er durch einen unsichtbaren Durchgang in eine andere Welt: Thabur. Er erfährt, dass er Teil einer uralten Prophezeiung ist. Gemeinsam mit einem geheimnisvollen weißen Löwen soll er das Volk aus der Knechtschaft des Tyrannen Rhakan befreien. Das kämpferische Waldmädchen Tajana, der unmusikalische Barde Björg und der einbeinige Schmied Jahron werden seine Gefährten. Doch Rhakans beste Krieger sind ihnen auf den Fersen. Gelingt es dem Tyrannen, den weißen Löwen zu töten, ist das Schicksal Thaburs besiegelt. Gejagt von Schattenkriegern und finsteren Kreaturen suchen Leandro und seine Freunde verzweifelt nach Verbündeten, um Rhakan vom Thron zu stürzen. Die Schlacht um Thabur hat begonnen...
Damaris Kofmehl trägt den Stoff dieser Geschichte schon über zehn Jahre im Herzen. Eindrücklich werden geistliche Wahrheiten greifbar: Christus lebt in uns wie das Löwenblut in Leandro.
  • Deutsch
  • Asslar
  • |
  • Deutschland
  • 3,69 MB
978-3-7751-7473-2 (9783775174732)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Damaris Kofmehl ist Bestseller-Autorin und erzählt wahre Begebenheiten als True-Life-Thriller, Fantasy und Biografien. Ihre Buchrecherchen führten sie unter anderem nach Brasilien, Pakistan, Guatemala, Chile, Peru, Australien und in die USA. Sie lebte lange unter Straßenkindern in Brasilien und heute wieder in ihrem Heimatland, der Schweiz.
www.damariskofmehl.ch

[ Zum Inhaltsverzeichnis ]

DIE EINLADUNG


Die Sonne stand bereits hoch am Himmel, als Leandros Handy klingelte. Ein müdes Grummeln war zu hören. Der Zwanzigjährige streckte seine Hand unter der Bettdecke hervor, tastete blind auf dem Nachttischchen herum, bekam das vibrierende Mobiltelefon zwischen die Finger und zog die Hand zurück unter die warme Decke.

»Ja? Hallo?«

»Hey, Leo! Bist du das?«

»Ja«, brummte der junge Mann müde. »Wer ist da?«

»Ich bin's, dein Freund Benni!«

»Ich kenne keinen Benni.«

»Wir sind zusammen in die sechste Klasse gegangen! Erinnerst du dich nicht an mich? Benni, dein Freund und Leidensgenosse?«

»Benni?!« Leandro warf die Bettdecke zurück und blinzelte gegen das Tageslicht. »Benni Meier?!«

»Ganz genau! Ich hatte gehofft, dass du noch dieselbe Nummer hast. War mir nicht sicher nach all den Jahren. Lange her, was?«

»Eine Ewigkeit!« Erst jetzt bemerkte Leandro, dass er noch immer dieselbe nasse Kleidung trug wie auf der Brücke. Die Feuchtigkeit hatte sich in die Bettdecke und das Spannleintuch gesogen.

»Wie geht's dir?«, fragte Leandro seinen alten Schulkameraden aus reiner Höflichkeit. Eigentlich hatte er keinen Bock, sich mit ihm zu unterhalten. Sie waren zwar zusammen zur Schule gegangen, aber dicke Freunde waren sie nie gewesen.

»Mir geht's gut«, sagte Benni fröhlich und kam gleich auf den Punkt. »Ich würde dich über Pfingsten gerne nach Afrika einladen. Hättest du Lust?«

»Afrika? Wie kommst du darauf, mich nach Afrika einzu-laden?«

»Ein Freund ist kurzfristig abgesprungen. Und da bist du mir eingefallen. Keine Ahnung wieso. Jedenfalls ist die Safari bereits gebucht und wir haben einen Platz frei. Na, was sagst du?«

Leandro dachte kurz nach. An Pfingsten hatte er noch nichts vor, und dass Benni ihn nach jahrelanger Funkstille ausgerechnet am Morgen, nachdem er beinahe von einer Brücke gesprungen war, kontaktierte, konnte kaum ein Zufall sein. Außerdem hatte er Gott um ein Zeichen gebeten. Vielleicht war das ein Zeichen.

»Wer ist sonst noch dabei?«

»Zwei Freunde von mir, Daniel und Philipp. Sind beide aus meiner Kirche.«

»Aha«, sagte Leandro. Er hatte befürchtet, dass es einen Haken gab. »Du weißt schon, dass ich die Fronten gewechselt habe, Benni, oder?«

»Wie, die Fronten gewechselt?«

»Ich gehör nicht mehr zum frommen Lager. Ich meine, wirklich nicht mehr.« Er betrachtete die Klauenringe an seinen Fingern.

»Oh«, meinte Benni, machte eine Pause und fügte hinzu: »Na, dann haben wir uns ja einiges zu erzählen auf dem Flug nach Lumbana! Du müsstest dich übrigens noch gegen Dengue impfen lassen. Und dein Reisepass sollte noch mindestens sechs Monate gültig sein. Du hast doch einen Reisepass, oder?«

»Hab ich, ja, aber .«

»Gut! Ich schick dir die Reisedetails auf dein Handy. Das wird super!«

Leandro gab es auf. Offenbar war es in Bennis Augen bereits eine beschlossene Sache, dass er mitkam.

Nun, vielleicht wird es ja ganz amüsant werden, überlegte Leandro. Und falls mir die drei frommen Pappnasen zu langweilig oder zu nervig werden, kann ich immer noch mein eigenes Ding durchziehen. Bestimmt würde er irgendwo einen interessanten Voodooladen finden. Man konnte nie wissen, was das Schicksal in Afrika für ihn bereithielt.

Zwei Wochen später traf sich Leandro mit Benni, Daniel und Philipp am Flughafen. Um sicherzugehen, dass sie wussten, mit wem sie es zu tun hatten, zog Leandro seine schwarze Kluft und alle Klauenringe an, die er finden konnte, und schminkte sich schwarz um die Augen. Er hätte es genauso gut lassen können, denn es schien keinen zu interessieren, dass er wie ein Zombie gekleidet war. Stattdessen kam Benni - der sich kein bisschen verändert hatte, wie es schien - strahlend auf ihn zu, umarmte ihn stürmisch und sagte:

»Schön, dich zu sehen, Leo! Mann, ist das lange her! Darf ich vorstellen: Daniel und Philipp.« Sie schüttelten sich gegenseitig die Hände. Die Jungs sahen extrem langweilig und brav aus. Daniel trug eine dicke Brille und sah aus wie ein Computerfreak, Philipp trug Kleider wie ein Opa und hatte fettige Haare. Benni war so pummelig wie früher und für Leandros Geschmack viel zu gut gelaunt. »Daniel, Philipp: Das ist mein Schulfreund Leo.«

»Kollege«, verbesserte ihn Leandro, aber Benni plapperte bereits munter weiter:

»Ich sag euch: Leo war krass drauf damals. Er musste einiges einstecken für seinen Glauben, mehr noch als ich. Die ganze Schule wusste, dass er Christ ist.«

»War. Nicht ist, war«, korrigierte ihn Leandro. »Ich sagte dir schon am Telefon, dass ich mit Gott und dem ganzen christlichen Zirkus nichts mehr am Hut habe.«

»Wieso?«, fragte Philipp sichtlich betroffen. »Was ist passiert?«

»Wieso? Hast du ein Problem damit?«, gab Leandro provokativ zurück. Er wollte jetzt wirklich nicht darüber reden und war ganz froh, dass Benni unbekümmert fortfuhr:

»Schau, ich hab sogar ein Foto von uns ausgegraben.« Er streckte Leandro sein Handy entgegen und zeigte ihm ein altes Klassenfoto. »Da, das bist du. Und ich steh gleich neben dir. Wir waren zwölf Jahre alt, ist das zu fassen? Das bedeutet, wir haben uns acht Jahre nicht gesehen! Acht Jahre!«

»Hat sich einiges verändert seit damals«, murmelte Leandro mit einem bitteren Unterton in der Stimme, und um nicht weiter in der Vergangenheit herumzustochern, fügte er rasch hinzu:

»Wir verpassen noch unseren Flug, wenn wir noch länger hier rumstehen und quatschen.«

Sie machten sich auf den Weg zu ihrem Gate und ließen sich im Wartebereich nieder. Daniel war nicht sehr kommunikativ. Er hatte sich am Automaten eine Tüte Chips geholt und knabberte die Dinger wie ein Hamster, während er auf seinem Handy herumtippte. Benni laberte indessen fast ununterbrochen. Philipp hörte ihm brav zu, nickte und warf zwischendurch ein »Hm« oder »Finde ich auch« oder »Ach sag bloß« ein. Leandro saß schweigsam daneben und kam sich vor wie ein Außerirdischer. Warum um alles in der Welt hatte er sich darauf eingelassen, mit drei Christen in die Ferien zu gehen? Und dann noch mit drei absoluten Losern, wie es schien? Er war keiner mehr von ihnen. Er war durch mit dem Thema Kirche und Christentum, und das aus gutem Grund.

Seine Eltern waren Christen und hatten ihn von klein auf mit in die Kirche geschleppt. Mit zehn Jahren wusste er alles über den christlichen Glauben, was es darüber zu wissen gab, und kannte sämtliche biblischen Geschichten auswendig. Eine bewusste Entscheidung für Gott hatte er nie getroffen, betrachtete sich aber dennoch als Christ. So war er aufgewachsen und erzogen worden. Was sollte er sonst sein? Mit zwölf Jahren hörte er in einem Gottesdienst, dass man als Christ zu seinem Glauben stehen müsse. Also nahm er am nächsten Tag die Bibel mit in die Schule, setzte sich in der Pause auf ein Mäuerchen und las darin. Die Spötter ließen nicht lange auf sich warten. Kai, ein großer arroganter Junge, stellte sich mit verschränkten Armen vor ihn hin, im Schlepptau drei Jungs, die ihren Anführer überallhin begleiteten.

»Seht euch den Spinner an! Bist du jetzt total von der Rolle? Du glaubst nicht ernsthaft an Gott und die Bibel, oder?«

Leandro reckte sein Kinn, nahm all seinen Mut zusammen und erklärte mit fester Stimme: »Doch, das tue ich. Ich bin nämlich Christ!«

Die Jungs brachen in schallendes Gelächter aus. Leandro war sowieso nicht sehr beliebt an der Schule und als schräger Kauz und Einzelgänger verschrien. Sogar die Lehrer waren der Meinung, er gehöre in eine Sonderschule, weil er sich keine fünf Minuten auf etwas konzentrieren konnte und sehr wirre und morbide Fantasien hatte. Dass er sich jetzt auch noch als Christ outete, war ein gefundenes Fressen für seine Feinde.

»Du bist Christ? Na, dann lass mal sehen!«

Ehe Leandro etwas dagegen unternehmen konnte, landete Kai eine derbe Ohrfeige auf seiner Wange. Die Jungs grölten schadenfroh. »Jetzt musst du mir noch die andere Wange hinhalten. So steht's in der Bibel!«

Kai holte zu einem zweiten Schlag aus, doch Leandro duckte sich instinktiv, was seinen Kontrahenten nur umso mehr in Fahrt brachte.

»Hey, du Pfeife, du darfst dich nicht wehren! Das ist gegen die Regel!«

Leandro wollte aufstehen und davonlaufen, aber die Jungs ließen ihn nicht durch. Einer stieß ihn gegen die Schulter, der zweite schlug ihm die Bibel aus der Hand. Und dann bearbeiteten sie ihn von allen Seiten mit ihren Fäusten. Leandro hob schützend die Hände vor den Kopf. Er verlor das Gleichgewicht und stürzte, wobei er sich den Ellbogen aufschürfte. Die Jungs trampelten so lange auf ihm herum, bis ein Lehrer angerannt kam und ihn befreite. Als er nach der Pause mit einem blutenden Ellbogen und einer aufgeplatzten Lippe zurück ins Schulhaus humpelte, die zerknitterte Bibel unter dem T-Shirt vergraben, stupste ihn plötzlich jemand von hinten an. Es war Benni aus seiner Klasse. Benni wurde wegen seines Glaubens schon länger von allen belächelt und gehänselt.

»Das war sehr mutig von dir, Leo«, flüsterte er, als sollte das irgendein Trost sein. »Du und ich, wir müssen zusammenhalten.«

Von diesem Tag an waren Benni und Leandro heimliche Verbündete. Es nützte ihnen allerdings herzlich wenig. Jetzt, wo es sich herumsprach, dass auch Leandro Christ war, wurden sie eben beide gemobbt. Sie waren die Ausgestoßenen, die, auf denen jeder nach Belieben herumhacken konnte. Die Mädchen tuschelten hinter vorgehaltener Hand und kicherten, wenn sie im Flur an...

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