Kämpferseele

Die Stürme meines Lebens
 
 
SCM Hänssler (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 11. August 2020
  • |
  • 368 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7751-7492-3 (ISBN)
 
Sie ist jung, sucht Grenzerfahrungen, will wissen, dass Gott trägt - auch wenn sie nur mit einer Plastiktüte loszieht. Alles, was sie hat, verschenkt sie an Brasiliens Straßenkinder, bringt die krassesten Schicksale aus den Slums zwischen Buchdeckel. Jetzt erzählt Damaris Kofmehl ihren eigenen "True-Life"-Thriller, vom Leben mit den Helden aus ihren Büchern. Und auch von der Liebe zu Demetri, Ex-Drogendealer aus den USA: die interkulturelle Hochzeit, Hand in Hand für Menschen am Rand der Gesellschaft, Intrigen, Verrat, Flucht und der tragische Tod der Liebe ihres Lebens. Plötzlich bricht Damaris' Welt zusammen. Ihr Glaube steht vor einer Zerreißprobe. Bis Gott ihr mitten im Schmerz den Mut schenkt, allen Umständen zum Trotz wieder aufzustehen ...

Inkl. 16-seitigem Bildteil
  • Deutsch
  • Holzgerlingen
  • |
  • Deutschland
  • 13,52 MB
978-3-7751-7492-3 (9783775174923)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Damaris Kofmehl ist eine christliche Bestsellerautorin. Die Schweizerin aus Zürich schrieb ihr erstes Buch mit 15 Jahren und hat seither 40 Bücher veröffentlicht, welche in mehrere Sprachen übersetzt wurden, darunter eine Fantasy-Trilogie und 23 Thriller, die auf wahren Begebenheiten beruhen. Ihre Buchrecherchen führten sie unter anderem nach Brasilien, Pakistan, Guatemala, Chile, Peru, Australien und in die USA. Mit ihren Büchern, die häufig von wahren und heftigen Lebensgeschichten handeln, (Bankräuber, Drogendealer, Mörder etc.) möchte sie aufzeigen, dass es für Gott keine unmöglichen Fälle gibt und dass sich ein Leben mit ihm lohnt.

[ Zum Inhaltsverzeichnis ]

Die Drogenreha im Wald


»Willkommen in Amerika!«

Demetri begrüßte mich strahlend und nahm mir meinen Koffer ab. »Hattest du einen guten Flug?«

»Ja, danke.«

»Zum ersten Mal in den Vereinigten Staaten?«

»Ja, zum ersten Mal.«

»Es wird dir gefallen. Ich habe dich bei einer Freundin von mir einquartiert, da in meiner WG kein Platz mehr ist. Ich schlage vor, wir bringen dein Gepäck zu ihr und dann fahren wir aufs Land.«

»Aufs Land?«

»Na ja, eigentlich ist es ein Trailerpark mitten im Wald. Aber wir nennen es eben >Land<. Ich habe dort eine Drogenreha aufgebaut. Verrückte Geschichte. Die Jungs kommen zu mir, völlig am Ende, und Gott macht sie von einem Tag auf den anderen frei. Ohne Entzug, einfach so.«

»Echt?«

»Ja. Wir erleben Wunder über Wunder. Ich hatte immer die Vision, mich für die Kaputten einzusetzen, diejenigen, denen keiner mehr eine Chance gibt. Deswegen war ich auch so angetan, als du uns in São Paulo die Welt der Straßenkinder gezeigt hast. Ich komme selber von der Straße, wie du weißt, und das Schicksal dieser jungen Menschen bricht mir das Herz. Und ich weiß, es bricht auch Gott das Herz. Er wünscht sich nichts sehnlicher, als eben diesen Kids seine Liebe zu schenken und sie aus dem Dreck zu holen. Für ihn ist nichts unmöglich.«

Ich hörte Demetri begeistert zu, während ich neben ihm herging. Wir hatten seinen Wagen noch nicht einmal erreicht, als mir ein flüchtiger Gedanke durch den Kopf schoss: So einen Mann wünsche ich mir! Genau wie dieser Demetri müsste er sein!

Wir fuhren zu Christa, einer jungen Familienfrau mit zwei kleinen Kindern, die mir für die Dauer meines Aufenthaltes ein Gästebett zur Verfügung stellte. Anschließend fuhren wir aufs Land.

Es war der 15. November 2002, ein wunderschöner Tag. Die Sonne schien von einem stahlblauen Himmel und die Blätter der herbstlichen Bäume leuchteten in den schönsten Gelb- und Orangetönen. Demetri hatte die Heizung voll aufgedreht, da es trotz der Sonne kaum zehn Grad warm war.

»Ich war ziemlich überrascht, von dir zu hören«, sagte er, während wir durch den endlosen Wald außerhalb von Hillsborough in North Carolina fuhren. »Ich wollte dich nämlich auch kontaktieren.«

»Ach ja?«

»Ja. Die ganzen Straßenkinder in São Paulo haben mich nicht mehr losgelassen. Ich bin ihretwegen sogar aus der Band geflogen.«

»Aus der Band geflogen? Wegen der Straßenkinder? Wie geht das denn?«

»Na ja, es war so was wie ein Interessenkonflikt. Ich hatte nur noch Augen für die Straßenkids. Egal, wo ich sie traf, auf dem Weg zur Bandprobe oder auf dem Weg zurück zum Hotel, zogen sie mich in ihren Bann. Ich konnte gar nicht anders, als stehen zu bleiben und mit ihnen zu reden.«

»Du sprichst Portugiesisch?«

»Nein, kein Wort. Aber ich ging auf sie zu, deutete auf mich und sagte: >Hi. Me Gringo. American Singer.< Es war total lustig. Sie fragten mich dann die ganze Zeit, ob ich happy sei. Sie sagten ständig happy, happy. Bis ich kapierte, dass sie damit eigentlich das Wort >Rap< meinten. Ich bin zwar kein Rapper, aber das zu erklären, hätte eh nicht funktioniert. Also begann ich einfach zu singen. Im Nu strömten die Kids aus allen Richtungen herbei, scharten sich um mich, klatschten, tanzten, und einige schlugen auf einem umgedrehten Plastikeimer den Takt dazu. Dann begann einer sogar noch zu breakdancen. Es war der Wahnsinn, sag ich dir! Innerhalb von Sekunden verwandelte sich der graue, harte Alltag dieser Kids in ein Festival. Die Straße wurde zur Bühne und ich war der Weltstar. Du hättest ihre leuchtenden Augen sehen sollen, ihre Begeisterung. Es war Lebensfreude pur. Und genau da spürte ich in mir den Wunsch, mich für diese Kids einzusetzen. Alle hatten mich vor ihnen gewarnt, wie gefährlich sie seien und dass sie die Passanten ausraubten. Aber in meinen Augen waren es einfach nur Kids, die Liebe brauchten. Tja, und dann hat mich David Pierce, unser Bandleiter, aus der Band geschmissen.«

»Aber wieso denn?«

»Er meinte, ich sei überhaupt nicht mehr bei der Sache, seit ich bei jeder Gelegenheit mit den Straßenkindern abhänge. Ich versuchte ihm zu erklären, dass ich das nicht mit Absicht machte. Ich fühlte mich einfach zu diesen Kids hingezogen. Es war, als würde ich hierher gehören, als wäre meine Mission von Anfang an nicht No Longer Music gewesen, sondern die Straßenkids. Ja, und dann kamst du und hast mir gesagt, ich solle nach Brasilien zurückkommen. Deine Worte haben mich wie ein Schwert durchbohrt. Ich wusste, das kam von Gott. Und da wusste ich, dass ich eines Tages nach São Paulo zurückkehren und mit Straßenkindern arbeiten würde. Im vergangenen halben Jahr habe ich begonnen, Pläne zu schmieden. Ich habe sogar schon ein Ticket für den 16. Dezember gekauft.«

»Du kommst nach São Paulo zurück?«

»Ja. Und dich habe ich als Kontaktperson in meine Pläne integriert.«

»Mich?«

»Tamari Komel in São Paulo kontaktieren für mögliche Zusammenarbeit. So steht's auf meiner To-do-Liste.«

Ich schmunzelte. Tamari Komel, klingt irgendwie süß, dachte ich und unterließ es, ihm zu sagen, dass ich eigentlich Damaris Kofmehl hieß.

»Das ist wirklich unglaublich«, sagte ich. »Du bist mehr als willkommen in São Paulo. Was ich damals sagte, habe ich ernst gemeint: Wir könnten Leute wie dich wirklich gebrauchen. Weißt du, ich bin aus dem Projekt bei HCI ausgestiegen und gerade dabei, mein eigenes Straßenkinderprojekt aufzuziehen.«

»Tatsächlich?«

»Ja, aber leider läuft es nicht wie geplant. Um ehrlich zu sein, stecke ich grad ziemlich in der Klemme.«

»Wieso?«

Ich seufzte und dann erzählte ich ihm alles. Ich erzählte ihm von meinem Dilemma, dass Gott mir so klar gesagt hatte, ich müsse aussteigen, obwohl ich das ja gar nicht wollte, und dass ich jetzt deswegen ohne Job und ohne Visum dastand und keinen Plan hatte, was Gott damit bezweckte. Ich schüttete Demetri regelrecht mein Herz aus und er hörte mir geduldig zu. Zum Schluss erzählte ich ihm, wie ich Gott im Park bestürmt hatte, mir endlich seinen Plan zu verraten und wie mir die Idee mit dem Buch gekommen und er mir eingefallen sei.

»Tja, und hier bin ich nun also.«

»Hier bist du nun also«, meinte Demetri und sah mich von der Seite an. »Weißt du, was ich glaube? Ich glaube, Gott hat dich nicht wegen des Buches hergeschickt. Ich glaube, er hat etwas ganz anderes vor mit diesem Aufenthalt.«

»Meinst du? Was denn?«

»Keine Ahnung. Wir werden es herausfinden. So, wir sind da.«

Er bog von der Hauptstraße ab und parkte zwischen den Bäumen. Wir stiegen aus. Vor mir, mitten im Wald, standen drei ausgediente, mit Efeu und Moos bewachsene Wohnwagen und eine alte Scheune.

»Das ist das Land«, verkündete Demetri stolz. »Ich habe es von einem Anwalt geschenkt gekriegt.«

»Geschenkt?«

»Das ist eine Story für sich. Ich habe einige Zeit in einem Obdachlosenheim gearbeitet. Einer der Obdachlosen war Jeff, ein Anwalt, der seine Anwaltslizenz verloren hatte, weil er für die Mafia Geld gewaschen hatte. Tja, und der hat mir das Land geschenkt.«

»Das ist ja der Hammer.«

»Ich sage dir ja, wir erleben hier Wunder über Wunder. Da oben auf dem Baum sitzt übrigens auch ein Wunder.«

Ich folgte seinem Zeigefinger und blickte nach oben. Zu meiner Überraschung sah ich mitten auf einem Baum einen jungen Burschen mit grünen Haaren sitzen. Er hielt einen Becher in der Hand, ließ die Beine baumeln und winkte uns grinsend zu.

»Wer ist das?«

»Das ist Aaron, mein Mitarbeiter.«

»Oh .«

»Aaron würde ich auf jeden Fall mit nach Brasilien nehmen. Er hat mal mit der Organisation Jugend mit einer Mission einen Einsatz in Brasilien gemacht und spricht sogar ein paar Fetzen Portugiesisch.«

»Und warum sitzt er auf einem Baum?«

»Ach, Aaron ist ein Hippie und mit seinen Gedanken ständig irgendwo in den Wolken. Aber er liebt Jesus von ganzem Herzen. Hey, Aaron!«, rief Demetri in den Baum hoch. »Das ist die Schriftstellerin, von der ich dir erzählt habe!«

»Cool, Mann!«, rief Aaron zurück. »Bin gleich da!«

Er kletterte vom Baum herunter, kam auf uns zugehüpft und begrüßte mich mit einem warmen Lächeln.

»Ich bin Aaron.«

»Damaris«, stellte ich mich vor.

»Ich habe gehört, du willst ein Buch über Demetri schreiben?«

»Ja, genau.«

»Das ist gut. Der Kerl hier hat echt eine Story zu erzählen. Er war mal eine Dragqueen, hast du das gewusst?«

»Eine was?«

»Ach, das wird er dir alles selber erzählen. Willst du mal probieren?« Er streckte mir seinen Becher entgegen. »Kalter Kaffee und Coca-Cola. Habe ich selbst zusammengemixt. Schmeckt richtig gut.«

Ich lehnte höflich ab. Ein seltsamer Kauz, dachte ich. Aber irgendwie liebenswert.

Wir gingen weiter zur Scheune, die, wie Demetri mir erklärte, gleichzeitig Gemeinschaftsraum und Kirche war.

»Die Kirche nennen wir Open Arms, weil alle willkommen sind.«

Vor der Scheune trafen wir auf einen molligen Burschen mit Pearcings, Stachelfrisur und schwarzer Biker-Lederjacke. Trotz frostiger Temperaturen trug er kurze Hosen. Er war über einen leeren Metalleimer gebeugt, in dem ein Feuerchen brannte, und stocherte mit einem Ast darin herum. Keine Ahnung, wieso. Er nickte uns zu, als wir an ihm vorbeikamen, und widmete sich dann wieder seinem Feuer.

»Das ist Rob«, sagte Demetri. »Er trinkt seinen eigenen Urin.«

»Er...

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