Wir haben doch noch eine gebogene Wurst für die Not im Keller!

April 2014 Ein Journal
 
 
TWENTYSIX (Verlag)
  • 1. Auflage
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  • erschienen am 20. November 2019
  • |
  • 280 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7407-0257-1 (ISBN)
 
Franziska, Wandermusikantin, schildert ihren Alltag im April 2014.
Ihr Thema zu jener Zeit: "Unschuldig im Knast" - ferner: Zeitgeschen, Kriminalfälle, Begegnungen, Gedanken, sowie Verdrüsse und Prüfungen, die einem das Leben auferlegt.
1. Auflage
  • Deutsch
  • 0,39 MB
978-3-7407-0257-1 (9783740702571)
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Ihren Feinschliff fürs Leben erhielt Franziska König in einer chinesischen Grundschule, einer österreichischen Hauptschule, einer japanischen Normschule und einer amerikanischen Bibelschule.
Hernach besuchte sie das Gymnasium in Aurich/Ostfriesland, und studierte schließlich an den Musikhochschulen in Wien und Trossingen Violine bei ihrem Vater Prof. Wolfram König, einem grandiosen Pädagogen mit magischer Sogwirkung auf Frauen, der es auf dem Gebiet der Violinpädagogik wie kein Zweiter verstand, aus Stroh Gold zu spinnen.

Heute lebt Franziska König in Grebenstein, einer Kleinstadt nahe Kassel, und führt dort das Leben ihrer jüngst verstorbenen Oma Ella fort, in deren Wohnung sie gezogen ist, um sich schon jetzt wie eine junggebliebene 100-jährige fühlen zu dürfen.
Auch den ausdünnenden Freundeskreis von Oma Ella hat sie übernommen: Mehrere ältere Leute zwischen 71 und 93 Jahren, die z.T. nur noch mit Spinnweben ans irdische Leben befestigt sind.
Mit ihrer zierlichen, eleganten Schrift hat Franziska bereits mehr als 120 dicke Tagebücher vollgeschrieben. Bestrebt, die interessantesten Geschehnisse aus ihrem Leben, ihrem Umfeld, aber auch dem Weltgeschehen drumherum, mit besonderem Augenmerk auf Kriminalfälle und Alltagsdramen, einzufangen und zu Romanen jener Art zu verarbeiten, die auch kultürliche und anspruchsvolle Leser gerne zur Hand nehmen.

Dies ist nur ein kleiner Teil der Biografie einer Wandermusikantin und unermüdlichen Chronistin.
Den kompletten Lebenslauf findet man nach ihrem Ableben in Form unzähliger dicker Tagebücher in alten Schränken in Grebenstein, Aurich und Niederösterreich, ihrem Elternhaus.
Auf ihrer Webseite: http://www.franziska-koenig.de spricht Franziska in einem Interview, das sie einmal einem Hochglanzmagazin gegeben hat, auch über ihre Arbeit als Schriftstellerin. Darauf befindet sich auch ihre Bibliografie mit Leseproben.

Dienstag, 1. April


Aurich/Ostfriesland

So richtig schön wurde es leider nicht.
Ab Nachmittag verbräsigte sich der Himmel und
wurde ganz gelb - und dabei handelte es sich auch
noch um das Gelb eines mürrischen und
desillusionierten chinesischen Bergarbeitergesichts,
und dann regnete es auch noch ein bißchen

Ich dachte an Rehlein als Tagesjubilatorin im Glanze ihres biblischen Alters, und fühlte mich leicht niedergeschlagen. 75 Jahre!

Leuchtet da nicht unweigerlich eine alte Huzzl vor dem geistigen Auge auf, wenn man beispielsweise in der Zeitung liest "..eine 75-jährige Frau."?

Auf der Ostfrieslandpromenade wetzte ich jenem kleinen Wäldchen entgegen, das ans Altenheim Popens geschmiegt ist.

Dort pflege ich allmorgendlich hinzuhoppeln, um dem drohenden Alter davonzurennen und Kalorien abzuschütteln. Und diese Logik führe man sich mal vor Augen:

Ich stürme dem Altenheim entgegen, um dem Alter davonzurennen! Da lacht man doch wohl? Währenddessen dachte ich mir aus, wie ich vermutlich tatsächlich 110 Jahre alt werde, da ich mich ja kaum abnutze?

Man rennt da rum, beginnt sich alt und überflüssig zu fühlen, und hat ja doch noch 60 stolze Jahre vor sich?

Der Weg zum Wäldchen ist von armseligen Hochhäusern gesäumt, doch die grünspanigen Bäume am Wegesrand wiederum gefallen, und ich freute mich, wenn irgendwo hinter einem Fenster ein Licht ansprang. Auch dort hatte sich jemand in den noch frischen Tag hinein erhoben.

Und dann begrüßte ich den Peter, den 13-jährigen Sohn meiner Freundin Maria, auf seinem Radl, mit dem er in die Schule strebte.

Angehalten hat er allerdings nicht, und entfernte sich in rasender Geschwindigkeit, so daß er bald klein wurde wie ein Pünktchen.

Daheim war es eigentlich eher kühl, so daß man froh an seinem heißen Karo-Kaffee sein durfte.

Wieder bildete ich mir ein, mir einen 37C° Fall in der ZDF-Mediathek "verdient" zu haben, und sei es "vorverdient", denn um 11 Uhr wollte ich als mobile Bratschenlehrerin zu Frau Linke nach Horumersiel fahren.

Doch mein Auto war eingeparkt, und nicht ohne Bänge denkt man an die zum verröcheln neigende Batterie.

Zunächst schaute ich mir einen Film über eine junge Dame an, die einfach verschwand, nachdem sie sich auf eine einsame Wanderung begeben hatte. Sie hieß Diana, und stand bei ihrer Mutter im Ruf größter Untüchtigkeit.

Und dabei hatte sie doch sogar einen Roman geschrieben, den allerdings leider niemand lesen wollte, weil niemand Zeit dafür zu haben schien.

Sie hinterlässt einen ratlosen Lover (einen milden jungen Herrn), und ein heute 8-jähriges Söhnchen.

Hernach schaute ich einen Film über drei sog. "Power-Frauen" an, die a) je mehrere Kinder bekamen, und sich dann b) in die Chefetagen vorarbeiteten, so daß sie für die Kinder eigentlich keine Zeit hatten.

Doch dank modernster Kommunikäischns wie man so sagt, steht man ja ständig in virtuellem Kontakt, und einmal hat man genau gemerkt, wie sich die eine Power-Frau dazu zwingen mußte, sich für ihre Kinder zu interessieren.

Es handelte sich um drei Damen, die unentwegt organisieren, und das Leben in Siebenmeilenstiefeln durchschreiten. Und dann muß man "Qualitätszeit" für die Familie aushandeln.

Es fallen Worte wie "Strategie" und "Option".

Eine von denen sah leider häßlich aus, so fand ich. Hinzu kam noch ein eher unerfreulicher Karrierefrauencharakter: Unverbindlich und knapp in ihrem Wesen.

Eine andere wiederum hatte einen etwas schiefen Mund, der dem Gesicht einen leicht verächtlichen Zug verlieh. Vielleicht hat aber auch das leicht Verächtliche, mit dem man als rechte Hand des Chefs auf die Untergebenen blickt, den schiefen Mund nach sich gezogen?

All dies schien sich im Laufe der Zeit um ihre Grundpersönlichkeit herum gebildet zu haben, und spiegelte nun ihre geheimsten Gedanken.

Und diese Powerfrau hatte vier Kinder zwischen sechs und einem Jahr.

Abends bringt man die Kinder ins Bett, und wenn man Glück hat, dann ist man gegen ½ 10, 10 mit diesem sauren Programm durch, und dann steht Zweisamkeit in der Paarbeziehung auf der Agenda.

..nur mit Mühe ließ ich mich selber aus diesem trödeligen Dasein herauspressen, und die Powerfrauen haben mich leider nicht dazu inspiriert, es ihnen gleich zu tun, wenn auch das Beätchen in mir gehofft haben mag, die könnten mir als schönes Beispiel für den Fortsatz des Lebens dienen?

Wenig später saß ich auf dem roten Sitzklos und fühlte mich ganz ratlos, da bei Frau Linke niemand ans Telefon ging.

"Sie ist tot!" dachte ich unglücklich.

Nur wenige Tage, nachdem ich Rehlein in einem Brief dichterisch geschildert hatte, daß mein Goldesel nicht mehr richtig frisst, ist Frau Linke gestorben.

In meinem Kopf spielte sich ein mögliches Szenarium ab.

Unbekümmert sage ich beim Frühstück:

"Ich glaub´, Frau Linke ist gestorben!"

Doch das Julchen findet es ekelhaft, so zu reden.

".und hinzu in triumphierendem Tonfall!" nagelt sie mich unschön auf eine Verfehlung fest.

Im oberen Stockwerk begann ein Konzert:

Das Yaralein plärrte barmend, weil es sich nicht ankleiden lassen wollte.

Wenig später lief es mit bloßen Füßen auf den von mattem Sonnenschein nur schwach geheizten Steinplatten der Terrasse.

Zum Frühstück aßen wir das längliche Baguette, das ich allerdings in der Mitte durchgebrochen hatte, so daß es a) nicht mehr lang war, und sich b) hinzu erschütternd schnell verkürzte.

Ming und Julchen telefonierten meist, und ich bespaßte das Pröppilein, das mir heut jedoch ein wenig knöterig schien.

Der Tee war hinzu leider etwas wässrig geraten, und diensteifrig kochte ich neues Wasser für einen besseren Tee - doch irgendwie brachten wir als Frühstücksgesellschaft kein Bein auf die Erde.

Das nächste Telefonat war für mich:

Frau Linke kommt jetzt doch erst am Samstag hierher zu uns.

"Sonst wäre ich ja schon wieder einen halben Tag lang aushäusig gewesen!" sagte ich erklärend, als ich mich an die Frühstückstafel zurücksetzte.

""Schon wieder"??" lachte man, denn ich bin ja immer da.

"Dann ist man den halben Tag weg, und wird auch noch geblitzt", ging ich nicht groß auf das untertönige Gelache ein.

Der Flitzer-Blitzer, den man heimlich in das flirrende Gebüsch am Wegesrand Richtung Küste eingebastelt hatte, erinnerte mich an die Tante Bea: Jemand, der etwas Beklagenswertes an seinem Gegenüber entdecken will!

Etwas, was man dem Beätchen ja so gern unter die Nase reiben würde, doch täte man´s, so würde sie ärgerlich und sagt: "Du bist mir zu kompliziert!"

Bei meinen Karriereaufschäumungsversuchen fühlte ich mich mutlos und hinzu leicht verdrossen.

Hi und da rief ich jemanden an, um einen Konzerttermin zu bekommen.

"Vielleicht im Jahre Zweitausendvierzig!" scherzte der Pfarrer aus Niestetal, doch dann schaute er auf das Jahr 2018 drauf.

Und man bräuche das Konzertexamen!

Denn es spielen nur hochkarätige Musiker dort.

Ich litt unter hartnäckigen Kopfschmerzen, die sich die Stirn hinab bis kurz über die Augenwurz ergossen.

Trotzdem kochte ich los, nachdem ich im Bioladen ein paar Eier gekauft hatte.

Nach einer Weile hatten sich auf leisen Sohlen zwei Gäste angesammelt: Die Tatjana (Tati) mit der kleinen Klara, die man alsbald in Yaraleins Pröppihochsitz hineinschraubte, wo sie von Mutti Tati mit einem sanddornfarbenen Brei gefüttert wurde.

Bei uns gab´s wie alle Tage eine simple Gemüsepfanne (Pastinaken, rote Paprika, Möhren und Süßkartoffeln) auf bunten Zwirbelnudeln.

Die kleine Klara im Pröppihochsitz ruderte mit den Armen und bewegte die Finger.

"Was hab ich dich lieb!" sagte die Tatjana zu ihrem verschmusten kleinen Töchterlein - und das Julchen meinte lachend, dies würde sie dem ihrigen auch den ganzen Tag sagen.

"Man denkt immer man wüßte was Liebe ist!" fuhr die Tatjana in ihrem plapprig klingenden Psychologat unbekümmert fort. "Aber wenn man so etwas Kleines hat, dann ist das doch wohl noch eine Stufe mehr!"

Ob die Tatjana wohl vor hat, sich als feste Freundin des Hauses zu etablieren?

Nun jedenfalls strebte sie erstmal zum Baumarkt, und der süße Ming malte ihr den Weg so gewissenhaft auf, und berücksichtigte bei seiner künstlerischen Zeichnung jede noch so kleine Wegbiegung.

Das Pröppilein schlief derweil im Garten, und von der Ferne wirkte es direkt so, als sei der Kinderwagen leer, und das Baby geraubt.

Am Spätnachmittag...

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