BI, SIS®, Expertenstandards & Qualitätsindikatoren

Zusammenhänge erkennen - Fallen vermeiden - perfekt dokumentieren, Verständlich erklärt - für Einsteiger & Profis geeignet
 
 
Schlütersche (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 12. Juli 2019
  • |
  • 168 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-8426-8958-9 (ISBN)
 
Fast die Hälfte der Einrichtungen in Deutschland hat auf das Strukturmodell (Abkürzung: SIS®) umgestellt und somit entbürokratisiert. Allerdings besteht immer noch das Problem, wie sie das Neue Begutachtungsinstrument (BI), die Expertenstandards und die neuen Qualitätsindikatoren sinnvoll einbinden.

BI und SIS® sollen nach Expertenmeinung nicht miteinander verknüpft werden. Doch ihre Überschriften ähneln einander. 2018/19 kommen noch die Qualitätsindikatoren (Qi) hinzu, mal ganz abgesehen von den Expertenstandards, die auch berücksichtigt werden müssen.

Dieses Buch bringt Ordnung ins Chaos und vereint vier wesentliche Elemente der Pflege unter einem Hut:
1. BI
2. SIS®
3. Expertenstandards
4. Qualitätsindikatoren

Wer weiß, was zusammengehört (und was nicht), kann seine Pflegedokumentation sehr schlank abbilden, den richtigen Pflegegrad bestimmen und auch die geforderte Qualität nachweisen.
  • Deutsch
  • Hannover
  • |
  • Deutschland
  • 2,14 MB
978-3-8426-8958-9 (9783842689589)
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Jutta König ist Altenpflegerin, Pflegedienst- und Heimleitung, Wirtschaftsdiplom-Betriebswirtin Gesundheit (VWA), Sachverständige bei verschiedenen Sozialgerichten im Bundesgebiet sowie beim Landessozialgericht in Mainz, Unternehmensberaterin, Dozentin in den Bereichen SGB V, SGB XI, Haftungs- und Betreuungsrecht

3 Das Begutachtungsinstrument (BI) - Aufbau und Logik


Das Begutachtungsinstrument (BI), erstmals ab 1. Januar 2017 angewendet, hat nach dem Strukturmodell das zweite große Umdenken in der Pflege nach sich gezogen. Das BI wurde in der Anfangsphase 2015 auch NBA (Neues Begutachtungsassessment) genannt, später - ab 2016 - auch NBI (Neues Begutachtungsinstrument)26. Heute spricht man nur noch vom Begutachtungsinstrument, BI27

Das BI hat dafür gesorgt, dass der Begriff der Pflegebedürftigkeit gänzlich neu angewendet wird. Schauten wir im alten System (gültig 1995 bis 2016) immer mit unseren fachlichen Augen auf den Pflegebedürftigen, so ist die neue Herangehensweise eine alleinige Betrachtung aus seiner Sicht. Es ist also jetzt völlig unerheblich, wer dem Pflegebedürftigen hilft, ob überhaupt jemand hilft, welche Leistungen benötigt oder abgerufen werden. Wenn der Pflegebedürftige Hilfe benötigt, ist es unerheblich, wie umfangreich und zeitaufwändig diese erfolgt. Die Berechnung erfolgt allein aus der Frage heraus, wie sehr er in seiner Fähigkeit oder Selbstständigkeit eingeschränkt ist. Erst das ergibt die Punkte, die für einen Pflegegrad ausschlaggebend sind.

Kann ein behinderter Mensch den Transfer aus dem Bett selbstständig durchführen, wenn auch mit Unterstützung von Hilfsmitteln, ist er selbstständig und erhält 0 Punkte.

Kommt ein Klient nicht allein aus dem Bett, ist er unselbständig und erhält 3 Punkte. Auch wenn er die Hilfe von zwei Pflegekräften benötigt und ggf. noch ein Lifter als Hilfsmittel eingesetzt werden muss.

Wenn jemand bettlägerig ist und gar nicht aus dem Bett transferiert wird, ist er unselbstständig und erhält ebenfalls 3 Punkte.

Fazit Die Selbstständigkeit ist das Maß der Dinge

Es wird also nicht die Einschränkung oder die Behinderung an sich bewertet, sondern allein die Einschränkung der Selbstständigkeit, die sich durch eine gesundheitliche Beeinträchtigung ergibt.

Ein weiteres Beispiel ist der Toilettengang, im BI »Benutzung einer Toilette« genannt:

Wenn ein demenziell veränderter Mensch bei der Suche nach einer Toilette an ungewöhnliche Orte uriniert (Blumentopf, Fahrstuhl, Mülleimer etc.) und man ihm mehrfach am Tag sagen muss, wo die Toilette ist, erhält er die wenigsten Punkte. Er braucht eben nur eine punktuelle Anleitung und kann das Meiste noch selbstständig erledigen. (Die Fehlhandlung wird nicht an dieser Stelle bewertet, sondern teilweise im Modul 3 berücksichtigt.)

Ist ein Klient bettlägerig und kann die Toilette nicht selbstständig aufsuchen, so erhält er den Höchstpunktwert (3 Punkte), weil er unselbstständig ist. Es ist allerdings unerheblich, ob er zudem einen Katheter hat. Es bleibt beim Höchstwert der Punkte, obwohl dieser Klient nicht wirklich Arbeit macht.

Diese beiden Beispiele sollen die Herangehensweise in diesem System verdeutlichen. Aus Sicht des Pflegebedürftigen ist die Punktvergabe möglicherweise »gerecht«. Aus Sicht der Pflege wird aber offenbar, dass der Aufwand nicht annähernd abgebildet wird.

Fazit Maßgeblich ist allein die Fähigkeit des Pflegebedürftigen

»Es ist unerheblich, welche Hilfeleistungen tatsächlich erbracht werden. Die Beurteilung der Selbständigkeit erfolgt auch dann, wenn die Person die betreffende Handlung bzw. Aktivität in ihrem Lebensalltag nicht (mehr) durchführt. So ist beispielsweise die Selbständigkeit beim Treppensteigen auch dann zu beurteilen, wenn die Wohnung im Erdgeschoss liegt und in der Wohnung gar keine Treppen vorhanden sind. Für die Beurteilung der Selbständigkeit ist unerheblich, welche personelle Unterstützung die Person bei einer Handlung bzw. Aktivität tatsächlich erhält.«*

* GKV & MDS 2017, S. 36. Im Internet: https://www.mds-ev.de/themen/pflegebeduerftigkeitund-pflegebegutachtung/das-neue-begutachtungsinstrument.html, Zugriff am 5. April 2019

Neben der veränderten Herangehensweise ist natürlich die richtige Anwendung der Module wesentlich.

3.1Das BI - so wichtig wie nie zuvor


Bislang brauchen Sie das Begutachtungsinstrument lediglich für die Einstufung. Ungenauigkeiten in der Bewertung, etwa 2 statt 3 Punkte, sind dabei unerheblich. Die Punkte in den Modulen werden gewichtet und ergeben den Pflegegrad. So kann ein demenziell erkrankter Mensch 75 Punkte erreicht haben, die mit 62,5 Punkten gewichtet werden. Das BI ist für die Einstufung recht weitläufig nutzbar und führt dennoch zum hoffentlich richtigen Pflegegrad.

Für die Qualitätsindikatoren ( Kap. 5.1.2), also die interne Ermittlung der Qualität, ist ein sehr viel feingerastertes Betrachten unabdingbar. Hier kann bereits ein Punkt mehr oder weniger darüber entscheiden, in welcher Risikogruppe ein Bewohner eingruppiert wird. Ein einziger Punkt kann auch darüber entscheiden, ob Mobilität, Selbstversorgung und Alltagsgestaltung beim Klienten positiv entwickelt und gefördert wurden. Und somit nimmt u.U. ein Punkt Einfluss auf das Ergebnis des QI.

Aus meiner Sicht sind die Pflegekräfte noch nicht flächendeckend mit den Inhalten des Begutachtungsinstruments (BI) und den Begutachtungs- Richtlinien (BRi) vertraut. Oft werden in den Modulen nur die Überschriften angeschaut und der Punktwert eher aus dem Bauch heraus eingegeben. Aber dieser (für die Einstufung irrelevante) Fehler schlägt sich bei den Qualitätsindikatoren (QI) negativ nieder.

Beispiel BRi und Qualitätsindikatoren

Eine pflegebedürftige, aber kognitiv klare Bewohnerin klingelt mehrfach in der Nacht, weil sie dies oder jenes möchte oder erfragt. Wie selbstständig ist diese Dame bei Modul 6 »Ruhen und Schlafen«?

Sie ist unselbstständig! Wenn Pflegekräfte nur die Überschrift »Ruhen und Schlafen« betrachten, kommen sie vermutlich zu einem anderen Ergebnis. Doch die BRi sagen klar, wer mindestens dreimal in der Nacht Unterstützungsbedarf hat (egal weswegen), ist automatisch unselbstständig. Wie etwa auch Personen, die gelagert oder bei denen Inkontinenzmaterialien gewechselt werden.

Ein Pflegebedürftiger sitzt in einem für ihn angepassten Therapierollstuhl. Ohne diesen Therapiestuhl könnte er nicht frei sitzen, würde umkippen. Wie viele Punkte erhält die Person bei »Halten stabiler Sitzposition« in Modul 1? Viele Pflegekräfte werten anhand der Überschrift diesen Menschen als unselbstständig und geben 3 Punkte.

Doch die BRi stellen klar, dass dieser Mensch mit 1 Punkt als überwiegend selbstständig zu bewerten ist. Denn unselbstständig sind nur Menschen, die permanent liegen müssen. Dieser Pflegebedürftige aber kann mit Hilfe des Therapiestuhls überwiegend selbstständig sitzen.

Auch hier hat eine falsche Bewertung möglicherweise weitreichende Folgen für die Qualitätsindikatoren. Denn bereits beim QI 1 geht es um den Erhalt der Mobilität und ein Punkt kann dazu führen, dass die Mobilität nicht erhalten und gefördert wurde und somit der QI 1 schlechter bewertet wird. Es wäre schade, wenn Ihr Ergebnis schlechter ist als es der Realität entspricht, nur weil Ihre Punktvergabe nicht exakt war. ( S. 71).

3.2Modul 1: Mobilität28


»Die Einschätzung richtet sich ausschließlich danach, ob die Person in der Lage ist, ohne personelle Unterstützung eine Körperhaltung einzunehmen/zu wechseln und sich fortzubewegen.«29 Es zählen also Körperkraft, Balance, Bewegungskoordination etc., aber nicht die zielgerichtete Fortbewegung. Es werden also auch nicht die Folgen einer kognitiven Beeinträchtigung bewertet. Es stellt sich schlicht nicht die Frage, ob der Pflegebedürftige die Toilette findet, sondern ob er dorthin laufen kann. Es stellt sich auch nicht die Frage, ob der Pflegebedürftige durch die Räume irrt und gesucht werden muss oder ob er vergisst, sich umzulagern. Es zählt einzig und allein, ob er über die körperliche Fähigkeit verfügt, dies tun zu können.

Fazit Kognitive Einschränkungen fallen nicht ins Gewicht

Alle kognitiv eingeschränkten oder psychisch Kranken, die mobil sind, haben im Modul Mobilität schon mal 15 Punkte weniger. Ein Pflegegrad 5 rückt so in weite Ferne.

Wer körperliche Einschränkungen hat, ist in den Bereichen der Mobilität unterschiedlich selbstständig bzw. unselbstständig:

Beim Treppensteigen gibt es allerdings eine Besonderheit: Es ist unerheblich, ob der Antragsteller überhaupt Treppen im Hause hat. Es ist auch einerlei, ob er die vorhandene Treppe überhaupt gehen müsste, z. B. weil es einen Fahrstuhl gibt.

Ob eine Treppe gegangen wird oder nicht - sie...

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