Strandkorbküsse oder Der Anti-Verliebtheits-Pakt

 
 
Oetinger (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 21. Mai 2020
  • |
  • 304 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-86418-106-1 (ISBN)
 
Verliebt in den Ferien
Bei meiner Wolle: Dana und ihre beste Freundin Fee leben in einem kleinen Dorf am Deich, sind passionierte Strick-Fans und haben einen Schwur: Keine Jungs vor 18! Doch dann tauchen Chris und Mick auf, und schwupps sind erst Fee und dann auch Dana in heftiges Gefühlschaos verwickelt. Wie soll man aber auch einem Freundschaftsbändchen strickenden Jungen widerstehen?
Mit coolen DIY-Anleitungen für echte Fans - Ferien-Feeling garantiert!
  • Deutsch
  • Hamburg
  • |
  • Deutschland
  • 2,36 MB
978-3-86418-106-1 (9783864181061)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Regine Kölpin ist 1964 in Oberhausen geboren, lebt seit dem 5. Lebensjahr an der Nordseeküste und schreibt Romane und Geschichten unterschiedlicher Genres. Sie ist auch als Herausgeberin tätig und an verschiedenen Musik- und Bühnenproduktionen beteiligt. Außerdem hat sie etliche Kurztexte publiziert. Regine Kölpin ist verheiratet mit dem Musiker Frank Kölpin. Sie haben fünf erwachsene Kinder, mehrere Enkel und leben in einem kleinen Dorf an der Nordsee. In ihrer Freizeit verreisen sie gern mit ihrem Wohnmobil, um sich für neue Projekte inspirieren zu lassen. Ihre Lesungen gestaltet die Autorin oft mit dem Gitarrenduo "Rostfrei".

Ein Jahr später


____ 1 ____


Der Wecker klingelt wie immer unangenehm, und das Scheppern reißt mich aus dem Schlaf. Ich schlage ihn aus und recke mich erst einmal. Es scheint ein schöner Tag zu sein, denn ein paar Sonnenstrahlen schummeln sich an meinem Vorhang vorbei und lassen die Staubkörner im Licht tanzen.

Viel Zeit habe ich aber nicht, liegen zu bleiben. Der Schulbus wartet leider nicht, und ich möchte in Ruhe mit meiner Mutter frühstücken. Pa ist sicher schon im Stall.

Im Augenblick ist Lammzeit, und auf dem Hof ist deswegen die Hölle los, weil wir die Schafe zu keiner Zeit unbewacht im Stall lassen dürfen. Die Lammzeit beginnt immer Anfang März und dauert etwa vier Wochen. Währenddessen sind die Stunden, die man als Familie miteinander hat, stets gezählt, weil einer meiner Eltern ständig bei den Schafen sein muss. Momentan kommen Tag und Nacht mehrere Lämmer auf die Welt, manchmal sogar gleichzeitig. Ich finde es immer wieder aufregend, auch wenn es in unserer Deichschäferei dann stressig zugeht.

In einer Woche beginnen allerdings die Osterferien. Ich bin froh darüber, denn dann darf ich auch in der Nacht bei den Geburten helfen. Es ist immer unglaublich aufregend, das zu tun. Welch toller Augenblick, wenn ein Lämmchen auf die Welt kommt und den ersten Atemzug tut! Ich bin inzwischen in der Geburtshilfe ganz gut, das kommt von allein, wenn man damit groß wird und sich ein bisschen dafür interessiert. Während der Schulzeit erlauben mir meine Eltern nicht, nachts bei den Geburten zu helfen, weil ich für die Schule fit sein muss. Ist zwar verständlich, aber ich fiebere trotzdem immer den Ferien entgegen, damit ich mehr im Stall sein kann. Das ist in diesem Jahr besonders wichtig für mich, weil der Geburtstermin meines Lieblingsschafs Miep näher rückt. Ich will unbedingt dabei sein, wenn sie lammt; auch wenn es nachts passiert. Miep ist wirklich mein absolutes Lieblingstier. Sie hat eine leicht grau melierte Wolle, und ich habe sie selbst mit der Flasche großgezogen. Deswegen sind Miep und ich auch die allerbesten Freundinnen. Neben Fee, versteht sich. Wer behauptet, Schafe wären dumm, hat Miep noch nicht kennengelernt. Sie ist ziemlich gewitzt und kann sogar Weidetore öffnen. Pa achtet immer sehr darauf, dass die Riegel wirklich gut einrasten, sonst kann es passieren, dass meine Schafdame sie einfach aufmacht. Überhaupt kennen uns unsere Tiere. Miep freut sich immer unbändig. Wenn ich den Stall betrete, blökt sie wie verrückt und läuft sofort auf mich zu. So ein bisschen bin ich schließlich wie ihre Mama. Diese Schaffreundschaft ist etwas sehr Besonderes.

Ich beeile mich im Bad, denn ich höre Ma schon in der Küche hantieren. Das Frühstück ist unsere heilige Zeit, die wir unglaublich genießen, weil wir momentan nur dann ein paar Dinge in Ruhe besprechen können. Meine Morgentoilette geht ohnehin immer fix. Ich dusche, springe in meine Klamotten, die in der Regel aus einer Jeans und einem einfachen Sweater bestehen, und kämme meine roten Locken, was allerdings zwecklos ist. Sie lassen sich nicht bändigen. Ich strecke mir, wie jeden Morgen, die Zunge raus, weil ich mich selbst nicht besonders hübsch finde. Rote Locken nebst fast weißer Haut, die nicht nur im Gesicht über und über mit Sommersprossen bedeckt ist, sind echt nicht der Hit. Außerdem bin ich viel zu groß. Das alles werten auch die dunkelgrünen Augen nicht auf, um die Fee mich beneidet. Als ob sie das nötig hätte! Sie mit ihrer schlanken Figur, und den hüftlangen, pechschwarzen Haaren und dunkelbraunen Schokoaugen! Also, wenn ich ein Junge wäre . Ich verbiete mir diesen Gedanken, schließlich gibt es unseren Schwur, und deshalb ist es besser, wenn sich kein Typ für Fee interessiert. Das würde sie womöglich in unnötige Konflikte bringen.

»Dana!«, ruft Ma von unten durchs Treppenhaus. »Frühstück ist fertig.«

Als ich die Treppe hinabsteige, begrüßen mich Sandy und Sally mit einem leisen »Wuff« und heftigem Schwanzwedeln. Natürlich knuddle ich beide erst einmal ausgiebig, bis sie sich rasch wieder in ihre Körbchen unter der Treppe in der Diele trollen.

Es riecht schon lecker nach Kaffee, Rührei mit Speck und frisch gebackenem Brot. Dazu zieht der süßliche Duft von Kakao durch die Küche. Bei uns gibt es immer ein sehr deftiges Frühstück, zu dem Ma jeden Morgen Brot backt, weil auch unsere beiden Mitarbeiter später etwas Kräftiges zu essen brauchen. Zur Schafschur ist bei uns mehr los, da haben wir meist noch zwei Lohnarbeiter da, die meine Eltern und unsere Mitarbeiter Hilmar und Hero unterstützen. Hilmar wohnt auf dem Hof im Landarbeiterhaus an der Zuwegung, Hero kommt aus dem Dorf. Ich kann beide supergut leiden, weil sie so typisch friesisch sind und nur dann etwas sagen, wenn es was zu sagen gibt.

»Da bist du ja«, begrüßt Ma mich mit einem Kuss auf die Wange. Sie strahlt sogar so früh am Morgen freundlich, das finde ich wunderbar. Meine Mutter ist leicht rundlich gebaut, und das rote, lockige Haar habe ich von ihr geerbt, wobei ich finde, dass es ihr viel besser steht als mir. Sie trägt es aber auch nur kinnlang, manchmal steht es von ihrem Kopf ab, als hätte sie einen feuerroten Helm auf. Sie schert sich aber nicht darum, sondern bindet dann allenfalls einfach ein Kopftuch darüber. Mehr Styling braucht sie nicht.

Ich setze mich an den Tisch, den meine Mutter schon für fünf Personen gedeckt hat. »Kakao oder Tee?«, fragt sie und hält eine Karaffe und eine Kanne hoch.

Ich entscheide mich für Tee, greife nach der Dose mit den Kluntjes, das sind dicke Kandisstücke, und warte auf das leichte Knacken, wenn der heiße Tee darüberläuft. Natürlich darf auch der Sahneklecks, den wir hier Wulkje nennen, nicht fehlen. Er verteilt sich wie eine Wolke im Braun des Tees. Umrühren darf man das alles nicht. Danach belege ich meine Brotschnitte mit Käse und platziere eine Scheibe Gurke darauf. Während ich genüsslich in das noch warme Brot beiße, angle ich nach einer kleinen Tomate.

Fee kommt aus Spanien, wo man nicht so viel frühstückt. Sie isst immer nur ein Croissant mit Marmelade, davon würde ich nicht satt werden. Bei ihnen gibt es auch oft Churros, das ist ein spanisches Gebäck, das in Öl ausgebacken wird. Ihre Mutter kann das meisterhaft. Mit Nuss-Nugat-Creme schmeckt es toll, aber nur Süßes zum Frühstück geht bei mir gar nicht.

»Kommt Fee heute?«, fragt Ma. »Es ist doch Mittwoch und MiFüUhTe.«

Ich nicke mit vollem Mund und greife nach der Schüssel mit dem Rührei.

»Dann heize ich den Kaminofen im Wintergarten vorher ein«, schlägt Ma vor. »Ich hoffe, es kommen zuvor nicht zu viele Lämmer auf einmal. Bitte erinnere mich nachher daran, wenn du aus der Schule kommst. Ich möchte, dass ihr es muckelig warm habt. Die Sonne kommt zwar immer wieder raus, aber ohne Ofen ist es im Wintergarten viel zu kalt.«

Ich lächele meiner Mutter zu. Es ist so süß, wie sie sich trotz all der Arbeit bei den Schafen immer noch so sehr um Fee und mich sorgt.

Nach dem Frühstück verabschiede ich mich von meiner Mutter, schlüpfe in meine warme Jacke, wickle den gestrickten Schal um, schnappe die Mütze und überquere den Hof. Mein Rad ist in der Remise untergebracht. Schon jetzt fröstele ich, denn es sah wegen des strahlend blauen Himmels zwar sehr warm aus, aber der Wind pfeift unangenehm um die Ecke der Stallungen. Ich zurre den Schal fester um meinen Hals und rücke die Pudelmütze zurecht. Einen Augenblick zögere ich noch, weil ich überlege, Handschuhe mitzunehmen, aber ich habe keine Lust, zurück ins Haus zu laufen. Auf den zwei Kilometern ins Dorf zur Bushaltestelle werden mir meine Hände schon nicht abfrieren. Also rauf aufs Fahrrad und los.

Schon nach kurzer Zeit sind meine Hände feuerrot und fast gefühllos. Mit steif gefrorenen Fingern versuche ich, mein Rad in Diekhusen an der Bushaltestelle abzuschließen. Dabei gleitet mir der Schlüssel dreimal aus der Hand. Als ich es endlich geschafft habe, warte ich auf Fee, die wie immer auf die Minute pünktlich um die Ecke saust.

Wer sie kennt, braucht eigentlich keine Uhr. Wie sie das Timing so exakt hinbekommt, ist mir ein Rätsel. Sie ist der am besten organisierte Mensch, den ich kenne.

Fee wohnt in einem Neubau am Rand von Diekhusen. Es ist schön und modern bei ihnen. Ich mag den Garten besonders, der wie ein spanischer Innenhof gestaltet ist. Dort stehen große Blumenkübel um einen kleinen Brunnen herum. Es sind sogar kleine Palmen dabei. Die müssen sie zum Überwintern aber immer in die Garage stellen. Überall im Hof sind Wege angelegt, und auf den Beeten befinden sich Tonfiguren und riesige Amphoren. Die Terrassen sind alle mit Terrakottafliesen gepflastert.

»Mann, ist das kalt heute«, sagt Fee nun bibbernd. Sie friert immer noch eine Spur mehr als ich. Die Bushaltestelle ist vor dem Wind kaum geschützt, weil sie direkt an der baumfreien Landstraße steht. Deshalb ist es hier sehr zugig. Wir sind froh, dass der Bus nicht lange auf sich warten lässt und wir endlich einsteigen können. An sich fahre ich nur ungern Bus, weil es meist eng und stickig ist, aber heute bin ich wirklich froh, nicht die ganze Strecke bis nach Wesens mit dem Rad fahren zu müssen. Bei dem starken Wind muss man an der Küste ordentlich strampeln, und es ist unangenehm, den ganzen Tag mit verschwitzten Klamotten im Klassenzimmer zu sitzen. Im Sommer radeln wir aber trotzdem oft die sieben Kilometer dorthin.

Die Fahrt zur Schule zieht sich unendlich. Alle hängen müde auf den Sitzen und tippen auf den Handys herum. Auch so etwas, was mich nervt. Ich sehe lieber aus dem Fenster und schaue in die vorüberziehende Landschaft....

Dateiformat: ePUB
Kopierschutz: Wasserzeichen-DRM (Digital Rights Management)

Systemvoraussetzungen:

Computer (Windows; MacOS X; Linux): Verwenden Sie eine Lese-Software, die das Dateiformat EPUB verarbeiten kann: z.B. Adobe Digital Editions oder FBReader - beide kostenlos (siehe E-Book Hilfe).

Tablet/Smartphone (Android; iOS): Installieren Sie bereits vor dem Download die kostenlose App Adobe Digital Editions (siehe E-Book Hilfe).

E-Book-Reader: Bookeen, Kobo, Pocketbook, Sony, Tolino u.v.a.m. (nicht Kindle)

Das Dateiformat ePUB ist sehr gut für Romane und Sachbücher geeignet - also für "fließenden" Text ohne komplexes Layout. Bei E-Readern oder Smartphones passt sich der Zeilen- und Seitenumbruch automatisch den kleinen Displays an. Mit Wasserzeichen-DRM wird hier ein "weicher" Kopierschutz verwendet. Daher ist technisch zwar alles möglich - sogar eine unzulässige Weitergabe. Aber an sichtbaren und unsichtbaren Stellen wird der Käufer des E-Books als Wasserzeichen hinterlegt, sodass im Falle eines Missbrauchs die Spur zurückverfolgt werden kann.

Weitere Informationen finden Sie in unserer E-Book Hilfe.


Download (sofort verfügbar)

7,99 €
inkl. 5% MwSt.
Download / Einzel-Lizenz
ePUB mit Wasserzeichen-DRM
siehe Systemvoraussetzungen
E-Book bestellen