Spätsommer-Zauber

 
 
neobooks Self-Publishing
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 8. November 2018
  • |
  • 179 Seiten
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7427-1684-2 (ISBN)
 
Dynamische junge Bürgermeisterin und erfolgloser Künstler, kann das funktionieren? Es gibt jede Menge Gründe dagegen: Sie ist durchgetaktet von Termin zu Termin, er weiß nicht, wohin im Leben; sie liebt ihre kleine Heimat, er ist ein Herumtreiber; sie will ein marodes Hotel abreißen, das ihm aus romantischen Gründen am Herzen liegt. Aber trotz aller Differenzen, Bürgermeisterin Claudia Herzog und Kettensägen-Schnitzer Lutz Türmer schaffen es auch nicht, sich aus dem Weg zu gehen. Das unschlüssige Hin und Her mündet in ein Liebes-Chaos ohnegleichen, als der Hotel-Magnat Hansalbrecht Baruch im Ort auftaucht - im Schlepptau eine alte Freundin von Lutz. Aber die ist anscheinend ein bisschen mehr als das und obendrein zu allem entschlossen ...
  • Deutsch
  • 0,83 MB
978-3-7427-1684-2 (9783742716842)
Manfred Köhler, geboren 1964 in Hof, arbeitet seit 1994 als freiberuflicher Redakteur und Autor. Mit dem Thriller "Schreckensgletscher" war er für den Glauser-Krimipreis 2008 nominiert. Aktuell erhältlich sind derzeit über 50 E-Books, Printveröffentlichungen und Hörbücher. Außerdem zahlreiche Beiträge für Krimi-Anthologien der verschiedensten Verlage.

Kapitel 2



Hansalbrecht Baruch jun. sprang bei laufendem Motor aus seinem nachtblauen Porsche, rannte federnd um die Motorhaube herum und öffnete galant wie ein Chauffeur die Beifahrertür.

Vera Süß-Meißner wusste nicht, wie ihr geschah. Ihre kleine, etwas größer gewordene Welt hatte sich in den letzten Minuten auf den Kopf gestellt. Zuweilen passierte in einer Stunde mehr als sonst in einer Woche, einem Monat.

"Kommen Sie, kommen Sie!"

"Aber ..."

Ehe sie sich's versah, hatte Hans, wie sie ihn der Kürze halber in Gedanken nannte, sie an seine Seite gezogen. Rücken zu dem überdimensionalen Hotel am Berghang, das wie ein angegrautes Königsschloss wirkte, erklickte er mit seinem Smartphone ein Selfie von sich, ihr und dem Panorama im Hintergrund. Ein paar mal gewischt und getupft, schon hatte er das Foto gepostet.

"Facebook?", fragte Vera. "Oh, bitte nicht!"

"Sind Sie nicht Kaffeehaus-Besitzerin?", fragte er leichthin.

Das war seine allererste Frage gewesen, als er sie vorhin aufgelesen hatte, noch vor der Frage nach ihrem Namen: Was machen Sie beruflich? Es wollte ihr nun so vorkommen, als reite er darauf herum, aber das tat er nicht. Sie spürte sein Interesse, seine Anteilnahme. Seinen aufrichtigen Wunsch, ihr zu helfen. Nicht nur das. Aktiv unter die Arme zu greifen. Dabei nicht locker zu lassen bis zum Erfolg.

"Na ja. Schon."

"Lektionen Nummer eins bis drei: Werbung, Werbung, Werbung. Wie heißt Ihr Laden?"

"Mein, äh ... Café Meißner, Füssen."

"... mit Café Meißner, Füssen, hier: Krötenbachsgrün im Frankenwald", diktierte er sich selbst, während er die Worte eintippte. "Sie brauchen einen Firmen-Account, sofort. Wir machen das ..."

Während er gerade noch tippte, schaute er schon über den Ort zum Hotel hoch und zeigte mit dem Handy darauf.

"... wenn wir da oben einkehren."

"Einkehren? Aber mein Auto, ich dachte ..."

"Ist Ihr Auto kurz davor zu explodieren?"

Er grinste und sah so verdammt gut aus mit seinem Lausbubengesicht.

"Nein. Vermutlich ist Ihnen einfach nur der Sprit ausgegangen, wenn Sie doch gestern so viel herumgefahren sind. Keine Bange."

Schon saß er wieder am Steuer, während sie sich noch umständlich auf den tief liegenden, dynamisch-engen Sportsitz hangelte. Wie schaffte er es bloß, seine zwei Meter Körperlänge so schnell hinunter bis knapp über den Wagenboden zu falten?

Der Motor röhrte. Splitt spritzte.

Erst jetzt dachte sie plötzlich wieder an Lutz. Wie die Sägespähne flogen, wenn er schnitzte. Wie er sie zeit ihrer Bekanntschaft wie eine kleine Schwester auf Abstand gehalten hatte.

Warum fiel ihr das gerade jetzt erst auf? Durch die so rasche Nähe mit Hans?

Irgendwie dachte sie plötzlich ganz anders an den Mann, wegen dem sie überhaupt hier war.


Lutz Türmer tat, was er immer machte, wenn er Informationen zu verarbeiten hatte wie gerade eben die von Böhnlein: Er schmiss die Kettensäge an. Es war seine alte von damals, mit der er seine allererste Skulptur verzapft hatte, einen Pilz. Dieser "Schwamma", wie man im Frankenwald sagte, hatte einen Ehrenplatz in Celestes Werkzeugschuppen, was ihn trotz aller Wut auf sie rührte.

Sprit war genügend da, die Säge lief wie geschmiert. Der Hackklotz am alten Brennholzstapel war etwas lädiert und von Natur aus krumm gewachsen.

Aber besser als nichts. Wie immer legte Lutz los, ohne sich über das, was entstehen sollte, Gedanken zu machen. Es fand wie von selbst seine Form.

Das Zeitloch, in das er beim Arbeiten fiel, erwies sich als nicht tief genug für seinen Gemütszustand. Er erwachte daraus, als er die Säge abstellte, und fand staunend einen Frauenkopf vor sich. Die Ähnlichkeit bei dieser noch groben Arbeit war nicht allzu groß, aber er war zuversichtlich, sie hinzubekommen.

Mit einer alten Feile aus dem Arbeitstisch machte er sich ans Werk. Ganz bewusst jetzt, das Fein-Feilen war immer das Gegenstück zum intuitiven Schnitzen - und sein Markenzeichen. Kein anderer Kettensägen-Künstler, den er kannte, legte Wert auf Details oder griff gar zur Feile.

"Bin das ich?!"

Er erkannte die Stimme und zuckte trotzdem zusammen. Denn das war einfach unmöglich! Wie hätte seine Sponsorin Vera aus Füssen hierher gekommen sein sollen?

Aber sie war es. In Begleitung eines Typen, bei dem Lutz spontan ein bestimmtes Wort einfiel: Hausverbot.

Quatsch! Der schien nett zu sein. Er strahlte und hatte es eilig, mit der ausgestreckten Hand herbeizukommen. Vera wirkte verlegen, in der Gegenwart dieses Kerls aber auch aufgedreht. So was wie ganz frisch von Glück erfüllt ohne es selbst zu merken.

"Hans. Baruch mit Nachnamen. Hansalbrecht Baruch junior, um es vollständig zu machen, aber für Sie oder dich einfach nur Hans."

"Lutz. Du ist schon okay."

Er lächelte und ließ sich auf den Händedruck ein, der zum kurzen, herzlich-brutalen Kräftemessen wurde. Der Kerl war stark. Vera warf sich dazwischen mit einer Begrüßungsumarmung, die irgendwie anders war als sonst. So kurz. Und knapp. Gar nicht verhalten-zudringlich.

"Also, jetzt bin ich aber ...", sagte Lutz verdattert. "Ich weiß nicht, dich hätte ich jetzt ..."

"... überhaupt nicht erwartet, ich weiß schon. Kleine Überraschung."

Aber noch immer keine Erklärung, dachte Lutz. Er schaute, angestrengt lächelnd, zwischen Vera und ihrem Begleiter hin und her. Dass er sich bemühen musste, freundlich-interessiert zu bleiben, hatte letztlich mit seinem immer-noch-Schock in Sachen Celeste zu tun, aber die beiden bezogen es natürlich auf sich und wurden eher verlegener als lockerer.

"Ach ja, das mit dem Kopf da ...", sagte Vera, nur um irgendwas zu sagen. "... den kann ich aber nicht bei mir im Café aufstellen, sonst denken die Leute noch, ich setze mir selbst ein Denkmal, haha."

"Haha, ja ... der war auch nur für hier gedacht", stimmte Lutz ihr zu.

"Das sollen Sie sein? Na, ich weiß nicht."

Hans umrundete die Holz-Büste und machte "tststs". Dann tat er plötzlich erschrocken gegenüber Lutz:

"Nicht, dass du denkst, das Werk gefiele mir nicht. Ganz im Gegenteil. Aber was die Ähnlichkeit betrifft ..."

"Ich habe gerade erst angefangen mit der Reinarbeit", wandte sich Lutz aus der Affäre und hob die Feile, die er immer noch in der Rechten hielt.

"Ein Kettensägenschnitzer mit Feile. Das dürfte einmalig sein, oder?"

"Weiß ich nicht. Ja, kann schon sein. Mach ich schon immer so. Ist wie das Überarbeiten nach dem Schreiben."

"Könnte ich andere Werke von dir sehen? Ich bin ein großer Förderer der Künste."

"Ach ja?"

Lutz schaute ihn ungläubig-zweifelnd-hoffnungsvoll an. Der Typ sah nach Geld aus. Aber auch wie ein Aufzünder vor dem Herrn. Die übertrieben ehrfurchtsvolle Bezeichnung "Werk" ging ihm außerdem auf die Nerven.

"Entschuldigung, Lutz? Ich müsste mich mal ... frisch machen."

"Klar, ja!"

Er wirkte wie aufgeschreckt, setzte sich mit Ruck in Bewegung und stürmte voran vom Schuppen zum Hotel. Schräg unter ihnen glänzte vom verwaisten Parkplatz der nachtblaue Porsche hoch wie eine Geistererscheinung aus besseren Zeiten.

"Was ist?", fragte Hans, dem das ironische Lächeln von Lutz nicht entging.

"Ach, nichts. Ist nur lange her, dass wir hier solche Gäste hatten. Nicht wir, ich äh ... die Hotel-Besitzerin, meine ich."

"Lerne ich die jetzt endlich mal kennen?", fragte Vera.

"Eher nicht."

Lutz beließ es dabei. Seine Wut kam wieder hoch. Oben am Hintereingang wollte er Vera vorangehen lassen, wie es sich gehörte, besann sich aber der Unübersichtlichkeit von Celestes Privaträumen und ging voran bis zur Toilette.

Gerade begriff er die Unannehmlichkeit, mit dem fremden Kerl nun allein zu sein, und sei es nur für ein paar Minuten, da hörte er eine Stimme vom Eingang und das Schaben und Rascheln wie von Taschen an Widerständen im engen Flur.

"Hallo? Schon geöffnet?"

Celestes erster Sauna-Gast des Tages. Und Lutz nun ganz auf sich gestellt damit.


Manche Rathaus-Tage zehrten auch bei einer Bürgermeisterin Claudia Herzog an den Nerven. Sie liebte ihren Job, sie respektierte auch die verrücktesten Anliegen ihrer Bürger. Sie war robust.

Aber sie hatte ein Problem damit, wenn Leute kein Nein akzeptierten wollten und die Vernunft abschalteten, wenn es ihnen gerade passte. Und laut wurden.

Der Betreiber des Krötenbachsgrüner Skihangs war so einer, der Landwirt Hainer Kochdumper. Über eine Stunde, ihre gesamte wöchentliche Bürgersprechstunde lang, hatte er stur und immer wütender eine höhere Förderung für die Instandsetzung seines popeligen Kinderschleppliftes verlangt, weil er damit angeblich einen entscheidenden Beitrag für das touristische Wohl und Wehe der Gemeinde leiste.

"Ich will 90 Prozent!"

"Die Regierung gewährt aber nicht mehr als 45 Prozent."

"Und warum bekommt die Leistner dann 90 Prozent?"

"Das ist doch ein völlig anderes Programm."

Dass es sogar 95 Prozent Förderung waren, verschwieg Claudia besser.

"Ich will aber auch 90."

"Herr Kochdumper, der Gemeinderat hat Ihnen doch schon eine Sonderförderung draufgeschlagen. Insgesamt wird Ihr Lift mit rund 80 Prozent gefördert."

"Ich will aber 90 Prozent."

"Das sind etwa 100 Euro Unterschied."

"Für mich ist das viel Geld."

...

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