Der Thron von Medeenah

 
 
Books on Demand (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 20. November 2019
  • |
  • 328 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7494-6367-1 (ISBN)
 
Ohne Macht und Familie und unter dem zweifelhaften Schutz des Nomadenfürsten Halessan am Rande der großen Wüste aufgewachsen, verfolgt Prinzessin Nhadijah zielstrebig ihren Plan: Als stolze Thronfolgerin zieht sie in die ehemalige Königsstadt Medeenah ein, doch sieht sie darin nur eine Zwischenstation auf ihrem Weg zum Königsthron ihrer Ahnen in der Hauptstadt Rhubijah. Aber der Weg zur Macht bleibt steinig: Ihre Untertanen haben nicht auf eine neue Herrscherin gewartet und die Loyalität ihrer Getreuen wird erschüttert durch Schlachten und Intrigen. So kommt alles anders als geplant: Nhadijah muss sich auf eine gefahrenvolle Reise begeben, um sich der Krone und des Thrones würdig zu erweisen.
1. Auflage
  • Deutsch
  • 0,73 MB
978-3-7494-6367-1 (9783749463671)
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Kapitel III


Medeenah


Sie ist überwältigend«, flüsterte Nhadijah. Die Prinzessin saß auf ihrem Schimmel und blickte völlig ergriffen über die weite Ebene unter ihr. Am Horizont erhob sich auf sanften Hügeln die Stadt Medeenah.

Der Morgennebel verhüllte die höchsten Stellen der Stadt, sodass sie ihr eigentliches Ziel gar nicht erkennen konnte. Aber allein das Wissen, dass er da war, genügte ihr vollkommen: der alte Königspalast von Medeenah.

Selbst mit oder gerade wegen dieses geheimnisvollen weißen Flecks war Medeenah der unglaublichste und faszinierendste Ort, den sie in ihren siebzehn Jahren je zu Gesicht bekommen hatte. Zugegebenermaßen hatte sie nur wenige Vergleichsmöglichkeiten. Außer der Thronstadt, die sie mit drei Jahren hatte verlassen müssen und an deren Aussehen sie sich nur äußerst vage erinnern konnte, war der einzige ihr bekannte größere bewohnte Ort das Tal der aliten gewesen. Sie konnte nicht einmal sagen, ob die Erinnerung an die Thronstadt wirklich real war oder Teil ihrer Fantasie, genährt von den wehmütigen Erzählungen ihres Volkes. Die darauffolgenden vierzehn Jahre wurden beherrscht von den Zeltlagern der aliten und einigen kleinen Oasenstädten in den Ausläufern der großen Wüste. Die aliten besuchten diese Städte auf ihren Wanderungen, um Handel zu treiben, bestenfalls. Bisweilen hatte alessan eine etwas einseitige Interpretation dieses Begriffs an den Tag gelegt.

Auch das Zeltlager im Tal der aliten war beeindruckend gewesen, besonders nachts im Schein der Aberhunderten von Lagerfeuern. Aber dennoch war es kein Vergleich mit der dreitausend Jahre alten ehemaligen Königsstadt Medeenah.

Von der Wüste aus gesehen wurde Medeenah von zwei gewaltigen Ringmauern und dem dazwischenliegenden Fluss Medeen geschützt. Der Fluss war zwar außerordentlich breit, dafür aber kurz. Er musste irgendwo im fernen Aureengebirge weit unter Tage entspringen und über viele Meilen durch unterirdische Zuflüsse gespeist werden. Erst im Wald am Fuße der Gebirgsausläufer, bereits innerhalb der äußeren Stadtmauer Medeenahs, trat er aus einer riesigen Höhle zutage, um majestätisch vor der Stadt seine letzten Meilen in Richtung Meer zurückzulegen. Zwischen den beiden Mauern befanden sich das wahrscheinlich fruchtbarste Land des gesamten Rhubischen Königreiches und eine Handvoll kleiner Dörfer und Wälder. Drei Garnisonen wachten über diese Kostbarkeit zwischen den Mauern.

Vom Fluss aus stieg das mit Mohnblumen übersäte Gelände sanft, aber stetig an.

Die Stadt selbst war nahe der inneren Mauer sehr dicht besiedelt. Je weiter nach oben man sich jedoch wandte, desto größer wurden die Gärten, Felder und Weinberge zwischen den einzelnen Gebäuden. Auf dem vorerst höchsten Punkt, umgeben von Terrassen und Palmenhainen, überspannte schließlich der Fürstenpalast eine riesige Kluft im Fels. Durch diese Kluft führte die Straße noch weiter hinauf zum noch immer im Morgendunst verborgenen Königspalast von Medeenah. Was dahinter lag, kannte Nhadijah nur aus Erzählungen: Eine Klippe fiel tief und beinahe senkrecht zum Meer hin ab. An dessen Ufer befand sich das Hafenviertel Alt-Medeenah, welches nur über Seilwinden, Aufzüge und einige halsbrecherisch gefährliche Fußpfade mit der Stadt verbunden war.

Das war es, was Nhadijah bisher über Medeenah wusste. Und noch etwas wusste sie: Der alte Königspalast wurde vor rund achthundert Jahren vom damaligen König Selim III. aufgegeben. Aber dort befand sich noch immer ein steinerner Thron. Der Thron von Medeenah war der Schlüssel zur Rückeroberung ihres Reiches. Wenn es Nhadijah gelang, die zweitgrößte Stadt des Rhubischen Königreichs unter ihre Herrschaft zu bringen, würde sie von hier aus Stück um Stück jede weitere Stadt des Reiches zurückgewinnen. Und am Ende ihres Traumes würde sie endlich auf dem Thron ihres Vaters in ihrer Heimatstadt Rhubijah sitzen. Das war sie Immanuel VI., ihrem Bruder Haqon und ganz besonders sich selber schuldig.

Aber auch der Thron von Medeenah wollte erst erobert werden. Denn wie ihr erzählt worden war - und sie hatte keinen Grund, an diesen Gerüchten zu zweifeln -, hatte Fürst Miael IV. von Medeenah sich angemaßt, selbst auf ebendiesem Thron Platz zu nehmen. Prinzessin Nhadijah war hier, um diesen Fehler zu korrigieren und sich selbst auf dem steinernen Thron zu setzen. Zumindest so lange, bis sie den Königsthron von Rhubijah erobern würde.

»Ja, das ist sie wirklich«, erwiderte Morteqaï, der rechts von Nhadijah im Sattel seines struppigen, sehnigen Rappen saß. Der alte Mann, dessen Augen in seinen fast siebzig Lebensjahren die halbe Welt gesehen hatten, schien nicht minder überwältigt vom Anblick der Stadt als die Prinzessin selbst. Vor vierzehn Jahren war Morteqaï von einem Wimpernschlag zum nächsten ihr Ersatzvater geworden. Hunderte Male hatte er ihr die Geschichte schon erzählt. Abends an den Feuerstellen der aliten, tagsüber, wenn sie sehnsüchtig grübelnd in die weite Wüste hinausblickte, und nachts, wenn ein böser Traum sie aus dem Schlaf aufschrecken ließ. Es war keine schöne Geschichte. Aber sie rief ihr in Erinnerung, woher sie kam, wer sie war und dass da Menschen waren, die ohne Zögern ihr Leben für sie opfern würden. Sie kannte das Schicksal ihrer Familie nicht mit Sicherheit. Noch immer klammerte sie sich an die Hoffnung, ihre Mutter habe sich vielleicht doch retten können. Solange es diese Hoffnung gab, fühlte sie sich etwas weniger verloren in dieser Welt.

Morteqaïs Erzählungen ließen hingegen keinen Zweifel über das Schicksal ihres Vaters Immanuel VI. und jenes ihres Bruders Kronprinz Haqon offen. Die beiden waren die ersten Opfer von Immanuels Cousin Melaons Putsch gewesen. Als Kronmarschall war Melaon erster Minister, Oberbefehlshaber der Armee und Stellvertreter des Königs. Er selbst war es, der während des Umtrunks im Anschluss an eine Sitzung des Thronrats den ahnungslosen König und danach auch dessen Sohn über die Brüstung der Terrasse vor dem Thronsaal warf. Im Gegensatz zu den übrigen nicht eingeweihten Thronräten verstand Morteqaï, der als Vizekommandant der Throngarde seinen Vorgesetzten an diesem Tag im Rat vertreten hatte, sofort, was vor sich ging, und flüchtete vor dem darauffolgenden Massaker an Immanuels Ministern. Die arglos im Palasthof spielende Prinzessin Nhadijah ergriff er geistesgegenwärtig bei seiner Flucht und versteckte das zappelnde kleine Mädchen unter seinem Umhang.

Es gelang ihm, sich mit Nhadijah an den Wachen vorbei aus der Stadt zu schleichen. Im Tempel auf dem Berg vor der Stadt brachte er sich und die kleine Prinzessin vorerst in Sicherheit. Einige Tage später nahm er von dort aus über eine vertrauenswürdige Priesterin Kontakt zu seinen engsten Vertrauten in der Throngarde auf. Als sich eine Woche nach dem Putsch die Lage in der Stadt zu normalisieren schien, verließen im allgemeinen Trubel des Krönungsfestes Melaons I. rund fünfzehnhundert Soldaten des Heeres und der Throngarde die Thronstadt und flohen unter Morteqaïs Führung als treue Anhänger ihrer künftigen Königin in den Südosten des Reiches. Viele wurden dabei von ihren Familien begleitet, sodass der gesamte Tross fast dreitausend Menschen zählte.

Als die Flüchtenden etliche Wochen später nach der Durchquerung der großen Wüste das Tal der aliten erreichten, war ihre Zahl beinahe auf die Hälfte geschrumpft. Weit über tausend Menschen hatten die Rettung ihrer Thronfolgerin mit ihrem Leben bezahlt. Knapp zweitausend waren Nhadijah geblieben, von welchen sie inzwischen wusste, dass sie auf der Stelle bereit wären, dasselbe Opfer zu erbringen. Allen voran Morteqaï, der selbst keine Familie hatte, aber für Nhadijah sofort die Vaterrolle übernahm, als es darauf ankam. Liebevoll, fürsorglich und aufopfernd hatte er sich um die kleine Prinzessin gekümmert, sie beschützt und ihr alles beigebracht, was er ihr beibringen konnte. Seine Rolle war kein Vergleich zu jener alessans gewesen, den Nhadijah, berechnend wie sie war, immer als ihren Vater bezeichnet hatte. Der Wüstenkönig war ihre Goldquelle gewesen, ihr Hoflieferant für Nahrungsmittel und Soldaten, mehr nicht. Natürlich war sie ihm dankbar für die jahrelange Gastfreundschaft. Aber geliebt, wie sie Morteqaï liebte, hatte sie alessan nie. Ganz anders waren dagegen ihre Gefühle für dessen Sohn. Kronprinz adeen flankierte Nhadijah nun zu ihrer Linken, während sie Medeenah bestaunte. alessan hatte ihn als Heerführer der aliten entsandt, weil das alitenheer weder auf die Befehle Nhadijahs noch auf jene des alten Ritters Morteqaï hören würde. Es musste einer der ihren sein, der sie befehligte, und wer würde sich dazu besser eignen als adeen? Er war der tapferste, mutigste, stärkste und schnellste Kämpfer des gesamten Volkes. Groß gewachsen mit sonnengebräunter Haut, schwarzem Haar und beinahe ebenso schwarzen Augen, denen Nhadijah fast so...

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