Die Hansi Flick Story

Geschichte eines Fußballwunders
 
 
C.H. Beck (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 13. Mai 2021
  • |
  • 222 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-406-76938-2 (ISBN)
 
Frankfurt, 2. November 2019: Der FC Bayern verliert 1:5 gegen Eintracht Frankfurt. Einen Tag später wird Niko Kovac entlassen und Hansi Flick, der ewige Mann im Hintergrund, übernimmt "bis auf weiteres". Lissabon, 23. August 2020: Hansi Flick gewinnt mit dem FC Bayern die Champions League und damit das zweite "Triple" der Vereinsgeschichte.

Dazwischen liegen 36 Spiele und eine der unglaublichsten Erfolgstorys der Fußballgeschichte. Christof Kneer lässt den Leser noch einmal mitfiebern und erzählt die Hansi Flick Story mit viel Witz und Charme aus einer intimen Kenntnis der Ereignisse und Personen heraus. Er beschreibt die Spiele, analysiert das Erfolgsrezept und fragt, wie Flick zu dem wurde, der er heute ist. Dabei entsteht das inspirierende Porträt eines Menschen, der mit seiner bescheidenen, konzentrierten, menschlichen Art zum Vorbild geworden ist. Es ist eine Art modernes Märchen, eine Cinderella-Story: vom unterschätzten Assistenten zum Welttrainer. Fast wie das Drehbuch für einen Hollywood-Film, dessen Autor man der kitschigen Überzeichnung zeihen würde, wenn die Geschichte nicht wahr wäre.
  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
  • 3,57 MB
978-3-406-76938-2 (9783406769382)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Christof Kneer ist der Fußball-Chef der Süddeutschen Zeitung. Hansi Flick beobachtet und begleitet er seit vielen Jahren. Nur wenige kennen den FC Bayern und seinen neuen Erfolgstrainer so gut wie er.
  • Intro
  • ZUM BUCH
  • ÜBER DEN AUTOR
  • INHALT
  • PROLOG
  • SPIEL 0 | 2.11.?2019: Eintracht Frankfurt - FC Bayern 5:1
  • TEIL 1: DER NETTE HERR FLICK
  • SPIEL 1 | 6.11.2019: FC Bayern - Olympiakos Piräus 2:0 (Champions League)
  • SPIEL 2 | 9.11.2019: FC Bayern - Borussia Dortmund 4:0
  • SPIEL 3 | 23.11.2019: Fortuna Düsseldorf - FC Bayern 0:4
  • SPIEL 4 | 26.11.2019: R. Stern Belgrad - FC Bayern 0:6 (Champions League)
  • TEIL 2: AUF MESSERS SCHNEIDE
  • SPIEL 5 | 30.11.2019: FC Bayern - Bayer Leverkusen 1:2
  • SPIEL 6 | 7.12.2019: Bor. Mönchengladbach - FC Bayern 2:1
  • SPIEL 7 | 11.12.2019: FC Bayern - Tottenham Hotspur 3:1 (Champions League)
  • SPIEL 8 | 14.12.2019: FC Bayern - Werder Bremen 6:1
  • SPIEL 9 | 18.12.2019: SC Freiburg - FC Bayern 1:3
  • SPIEL 10 | 21.12.2019: FC Bayern - VfL Wolfsburg 2:0
  • TEIL 3: EIN STIFT FÜR HANSI
  • SPIEL 11 | 19.1.2020: Hertha BSC - FC Bayern 0:4
  • SPIEL 12 | 25.1.2020: FC Bayern - Schalke 04 5:0
  • SPIEL 13 | 1.2.2020: FSV Mainz 05 - FC Bayern 1:3
  • SPIEL 14 | 5.2.2020: FC Bayern - TSG Hoffenheim 4:3 (Pokal, Achtelfinale)
  • SPIEL 15 | 9.2.2020: FC Bayern - RB Leipzig 0:0
  • SPIEL 16 | 16.2.2020: 1.FC Köln - FC Bayern 1:4
  • SPIEL 17 | 21.2.2020: FC Bayern - FC Paderborn 3:2
  • SPIEL 18 | 25.2.2020: FC Chelsea - FC Bayern 0:3 (Champions-League, Achtelfinal-Hinspiel)
  • TEIL 4: DER DAHOAM-TRAINER
  • SPIEL 19 | 29.2.2020: TSG Hoffenheim - FC Bayern 0:6
  • SPIEL 20 | 3.3.2020: FC Schalke 04 - FC Bayern 0:1 (Pokal, Viertelfinale)
  • SPIEL 21 | 8.3.2020: FC Bayern - FC Augsburg 2:0
  • SPIEL 22 | 17.5.2020: Union Berlin - FC Bayern 0:2
  • TEIL 5: CHEF
  • SPIEL 23 | 23.5.2020: FC Bayern - Eintracht Frankfurt 5:2
  • SPIEL 24 | 26.5.2020: Borussia Dortmund - FC Bayern 0:1
  • SPIEL 25 | 30.5.2020: FC Bayern - Fortuna Düsseldorf 5:0
  • SPIEL 26 | 6.6.2020: Bayer Leverkusen - FC Bayern 2:4
  • TEIL 6: FAST NORMALE TITEL
  • SPIEL 27 | 10.6.2020: FC Bayern - Eintracht Frankfurt 2:1 (Pokal, Halbfinale)
  • SPIEL 28 | 13.6.2020: FC Bayern - Bor. Mönchengladbach 2:1
  • SPIEL 29 | 16.6.2020: Werder Bremen - FC Bayern 0:1
  • SPIEL 30 | 20.6.2020: FC Bayern - SC Freiburg 3:1
  • SPIEL 31 | 27.6.2020: VfL Wolfsburg - FC Bayern 0:4
  • SPIEL 32 | 4.7.2020: Bayer Leverkusen - FC Bayern 2:4 (Pokalfinale)
  • TEIL 7: REISE ZUR SONNE
  • SPIEL 33 | 8.8.2020: FC Bayern - FC Chelsea 4:1 (Champions League, Achtelfinal-Rückspiel)
  • SPIEL 34 | 14.8.2020: FC Barcelona - FC Bayern 2:8 (Champions League, Viertelfinale)
  • SPIEL 35 | 19.8.2020: Olympique Lyon - FC Bayern 0:3 (Champions League, Halbfinale)
  • SPIEL 36 | 23.8.2020: Paris St. Germain - FC Bayern 0:1 (Champions League Finale)
  • EPILOG
  • DANKSAGUNG
  • Impressum

SPIEL 0 | 2.11.?2019

Eintracht Frankfurt - FC Bayern 5:1


Hansi Flick sieht, wie Jérôme Boateng an der Mittellinie losläuft, er läuft und läuft und kommt dem Frankfurter doch nicht näher. Es sieht etwas angestrengt aus, wie er da rennt, man hört es ächzen und knirschen, oder bildet man sich das nur ein? Als der Stürmer kurz verzögert, holt Boateng etwas auf, aber dann, ein kleiner Haken, schon ist er wieder ausgespielt. Jetzt bleibt ihm nur noch eins, er streckt sein rechtes Bein aus, stochert im Laufweg des Frankfurters herum und nimmt gleichzeitig beide Arme nach oben - ein weltweit anerkanntes Zeichen aus der Gebärdensprache des Fußballs, das so viel wie «Ich hab' übrigens gar nichts gemacht!» bedeutet.

Aber man kennt das ja: Ausgerechnet Schiedsrichter scheinen diese Sprache nicht zu verstehen oder nicht verstehen zu wollen. Und so stellt sich auch Markus Schmidt aus Stuttgart, der an diesem 2. November 2019 die Partie zwischen Eintracht Frankfurt und dem FC Bayern München leitet, unwissend. Gar nichts gemacht? Er zeigt auf den Elfmeterpunkt und Boateng die gelbe Karte.

Hätte so ein Moment ausgereicht, um den 10. Spieltag der Saison 2019/2020 zu einem Wendepunkt in der Geschichte des FC Bayern zu machen? Wahrscheinlich nicht. Wahrscheinlich hätten die Frankfurter ihren Elfmeter verwandelt, und die Münchner hätten trotzdem irgendwann ihr Tor geschossen und dann vielleicht noch eines. Am Ende hätten sie knapp gewonnen. Und Niko Kovac wäre erst mal im Amt geblieben.

Und Hansi Flick, der seit Juli 2019 offiziell dem Trainerstab von Niko Kovac angehört? Der wäre auch weiterhin nicht im Bild gewesen, wenn die Kameras zur Bayern-Bank hinausgeblendet hätten. Die Kameras hätten da draußen zwei Kovac-Brüder eingefangen, den Trainer Niko und den Co-Trainer Robert, einen ohne und einen mit Brille, sorgenvoll dreinblickend, beratend, flüsternd. Und irgendwie allein.

Hansi Flick sitzt nicht zwischen den beiden, auf der Bank des FC Bayern ist er seit Monaten eine Randfigur. Sollen wir auswechseln? Wie reagieren wir auf den Elfmeter? An den Kovac-Konferenzen am Spielfeldrand nimmt Flick nur selten teil.

Es ist keine leichte Aufgabe, den Anfang einer Geschichte zu finden, deren Ende jeder kennt. Hat die Hansi-Flick-Story ihren Ursprung in den ersten Minuten dieses Fußballspiels vom 2. November 2019? Ist diese achte Spielminute der Anfang von allem, sind es die Momente danach? Es gibt am Ende gar keinen Elfmeter und keine gelbe Karte, nach kurzer Betrachtung des Fernsehbildes am Spielfeldrand korrigiert sich Schiedsrichter Schmidt doppelt.

Gut für die Bayern: Es gibt nur Freistoß statt Elfmeter. Aber Boateng sieht Rot statt Gelb.

82 Minuten in Unterzahl. Die Bayern sind verloren, das Spiel endet eins zu fünf.

Ein Glücksfall für die Münchner, wie man heute weiß.

Niemand konnte damals ahnen, dass dieses Foul der Prolog einer unglaublichen Geschichte sein würde. Und niemand hat neuneinhalb Monate später mehr an dieses Foul gedacht, mit dem alles begann.

Neuneinhalb Monate später stemmt Jérôme Boateng im Estadio da Luz in Lissabon die Champions-League-Trophäe in die Höhe, Trainer Hansi Flick setzt sich neben Joshua Kimmich, Serge Gnabry und David Alaba in den Mittelkreis, auf einmal geht das Flutlicht aus. Vier Männer sitzen jetzt da im Dunkeln, Bierflaschen in der Hand. Drei große Jungs auf Klassenfahrt, der Vertrauenslehrer neben ihnen.

36 Spiele hat Hans-Dieter Flick gebraucht, um vom sehr netten, aber auch sehr unscheinbaren Assistenten zu einem Cheftrainer zu werden, der bei der Wahl zum Welttrainer des Jahres 2020 den zweiten Platz belegt - hinter Jürgen Klopp, dem der Erfolg bei dieser Abstimmung fast ein wenig unangenehm war. Und das will etwas heißen, denn Klopp liebt den Erfolg. Er liebt ihn so sehr, dass er ihn manchmal mit Grimassen herbeizwingt, die ihn auf offener Straße mit dem Strafgesetzbuch in Konflikt bringen würden. Klopp ist mit dem FC Liverpool im Jahr 2020 englischer Meister geworden, eine Ewigkeit hatte die Stadt auf diesen Titel gewartet - aber was ist ein Meistertitel, was ist ein Meistertitel gegen Hansi Flicks Quintupel, gegen den Gewinn von deutscher Meisterschaft, DFB-Pokal, Champions League, nationalem und internationalem Supercup? Später wird Flick mit seiner Mannschaft noch die Klub-WM gewinnen und damit sechs Titel errungen haben, viele Fans wussten gar nicht, dass es so viele überhaupt gibt. Nur Pep Guardiola hat das mit dem FC Barcelona mal geschafft, im Jahr 2009.

Heute weiß man, welchen Dienst Jérôme Boateng seinen Bayern am 2. November 2019 erwiesen hat. Sein Foul ist das erfolgreichste Foul der Vereinsgeschichte, es ist das Sechs-Titel-Foul. Hansi Flick ist ein Mensch, der sich weigert, Erfolge auf sich zu beziehen, Erfolge zu teilen, ist eine seiner Lieblingsbeschäftigungen. Auch deshalb ist die Hansi-Flick-Story vor allem für Hansi Flick eine großartige Sache: weil er all die Titel nicht nur seinen Spielern und seinem Trainerstab zuschanzen kann. Wenn Hansi Flick es genau nimmt, dann kann er auch dem Frankfurter Stürmer Gonçalo Paciência danken, der Boateng damals davongerannt ist, er kann Markus Schmidt und Sascha Stegemann danken, dem Schiedsrichter und dem Videoreferee der Partie in Frankfurt, deren nachträglich verhängter Platzverweis dieses 1:5 erst ausgelöst hat.

Dieses 1:5 ist zu viel. Es ist zu viel für Niko Kovac, es ist jener harte Fakt, der sich nicht mehr zurechtreden lässt. Der Trainer ist ohnehin in schwerster Erklärungsnot nach Frankfurt gereist, an jenen Ort, an dem er sich als Trainer für den FC Bayern erst interessant gemacht hat. Nun ist er mit den Münchnern auf Platz 4 abgerutscht, nach den bayerischen Rechenregeln ist das genau drei Plätze zu tief. Die Bayern sind punktgleich mit dem SC Freiburg und Schalke 04, nur noch einen Punkt vor Frankfurt, Wolfsburg und Hoffenheim, das ist laut bayerischem Knigge keine standesgemäße Gesellschaft. Den Bayern droht das Mittelfeld der Tabelle - ein Ort, an dem sie sich in etwa so wohlfühlen wie Uli Hoeneß im Gästezimmer von Christoph Daum.

Schon vor diesem Spiel war Kovac wochenlang damit beschäftigt gewesen, seine eigenen Sätze wieder einzufangen. Der berühmteste Satz aus dieser Zeit hat es inzwischen ins historische Zitatenlexikon des Klubs geschafft, ein Satz, der einem mit dem Wissen von heute grotesk vorkommt. Wenn «Not am Mann» sei, werde Thomas Müller «mit Sicherheit auch seine Minuten bekommen» - mit dieser Einschätzung verstörte Kovac den Verein und vor allem Thomas Müller, der mit einem abgründigen «nothing to say, wie der Engländer sagt» konterte. Beinahe ins Zitatenlexikon schaffte es Kovac' Antwort auf die Frage, warum er nicht auch so einen leidenschaftlichen Pressingfußball wie Jürgen Klopp in Liverpool spielen lasse: Man müsse auch die Spielertypen dazu haben, meinte Kovac, «man kann nicht versuchen, 200 km/h auf der Autobahn zu fahren, wenn sie nur 100 schaffen». Eine hübsche Metapher war das für: Meine Spieler, die können das halt nicht. Und nach dem mühevoll mit 2:1 gewonnenen Pokalspiel beim Zweitligisten VfL Bochum vier Tage vor dem 1:5 in Frankfurt sagte Kovac: «Da sieht man mal, was passiert, wenn alle machen, was der Trainer sagt. Dann funktioniert das auch.»

Das sollte ein Lob für den Gegner werden, aber man muss kein FC-Bayern-Spieler sein, um sich auszumalen, wie dieser Satz in der Spielerkabine ankam. Beim verzweifelten Versuch, Autorität und Deutungshoheit zu bewahren oder wenigstens zurückzugewinnen, verlor der Trainer beides erst recht.

Es habe «sicherlich Strömungen innerhalb der Mannschaft gegeben, die den Trainer weghaben wollten», wird Uli Hoeneß zwei Wochen später im ZDF-Sportstudio einräumen. An der Vereinsspitze kennen sie in diesen Tagen natürlich die Trainerunverträglichkeit, die sich im Team ausgebildet hat, die Spieler vermissen ein wenig Wärme und einen funktionstüchtigen taktischen Kompass, und das Trainerduo Kovac & Kovac nehmen sie zunehmend als eine Art Staat im Freistaat wahr. Einem Co-Trainer können Spieler sonst auch mal sagen: Du, frag doch mal den Chef, ob wir mal ein bisschen weniger ausradeln, oder ob er seine Ansprache vielleicht ein bisschen ins...

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