Augen zur Vergangenheit

 
 
TWENTYSIX (Verlag)
  • 4. Auflage
  • |
  • erschienen am 14. November 2018
  • |
  • 420 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7407-2052-0 (ISBN)
 
Christin, die 30-jährige obdachlose Heldin ist am Ende ihrer Kraft. Doch das Schicksal hat etwas Bedeutendes für sie vorgesehen. Nach einigen wirren Zufällen wird sie auf eine abenteuerliche Zeitreise geschickt, welche ihr Leben verändert. In einem mittelalterlichen Kloster, unter der Führung der heute berühmten Äbtissin Hildegard von Bingen wird sie in die klösterliche Gemeinschaft aufgenommen und als Schwesternschülerin in Kräuterheilkunde unterwiesen. Beim Zusammenleben mit den Nonnen erkennt sie, wie viele menschliche Werte in unserer zivilisierten Welt weitestgehend verloren gingen. Doch die Zeit im Kloster ist begrenzt, eines Tages muss Christin zurück in die reale Gegenwart und ihr Leben neu ordnen. Wird sie das erworbene Wissen und die Lehren aus ihrer Zeitreise hier anwenden können?
4. Auflage
  • Deutsch
  • 0,52 MB
978-3-7407-2052-0 (9783740720520)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Die Autorin ist hauptberuflich als Buchhalterin tätig und liebt den Umgang mit Zahlen. Doch auch Buchstaben und die Verwendung der deutschen Sprache bereiten ihr Freude. So wurde sie aufgrund Ihrer Großmutter, die Deutschlehrerin war, frühzeitig an die Stilsicherheit und Ausdruckstärke herangeführt. Als ihr die Zahlenwelt allein nicht mehr genügte und etliche Lebenserfahrungen sie fast zu erdrücken drohten, griff sie endlich zur Feder!!!

Hildegard nahm sich Zeit für Christin, das tat sie immer, wenn sie dieser jungen Frau oder jüngeren Klosterschülerinnen begegnete. Im Allgemeinen strahlten alle Schwestern des Benediktinerordens auf dem Rupertsberg eine gewisse Ruhe und Geduld aus, obwohl Unterschiede im Temperament erkennbar waren. Dies lag zum einen am Altersunterschied, aber auch an dem damit verbundenen Erfahrungsschatz der Schwestern.

Doch bei Hildegard staunte Christin immer wieder. Sie hatte sich vor ihrem "Fall" zum Leben auf der Straße viel mit dem Wirken und Dasein von Ordensschwestern in der Vergangenheit beschäftigt, alte Klostermauern besichtigt. An Führungen durch Kräutergärten hatte sie ebenfalls teilgenommen. Da kam man natürlich um die Hildegard von Bingen nicht herum.

Ihr Wesen wurde als liebevoll und diszipliniert, als charakterstark und durchsetzungsfreudig, aber auch unsicher und selbstzweifelnd dargestellt. Einige Charaktereigenschaften schienen zusammengenommen nicht auf eine einzelne Person zu passen und doch war Hildegard genau so. Sehr streng, diszipliniert, selbstzweifelnd war sie zu sich selbst und den ihr direkt unterstellten Schwestern. Mut machend und Hilfe leistend, weise Voraussicht habend, somit Angst nehmend und Selbstvertrauen gebend, war sie zu jüngeren Schwestern und dem Gast Christin, die alle zu ihr aufschauten. Unnachgiebig, hartnäckig und herausfordernd trat sie im Kampf gegen Ungerechtigkeiten auf, um die Durchsetzung der Interessen ihres Klosters und den damit verbundenen Glauben zu gewährleisten. Ihre Visionen, von denen Christin sehr viel gelesen hatte und die zum Teil damit verbundenen Schwächeanfälle bzw. Krankheiten waren bisher noch nicht aufgetreten. Christin war sehr froh darüber.

Sie teilte der Äbtissin ihre Lehrwünsche mit. Diese fanden bei Hildegard eine große Fürsprache. Sie war erfreut, dass sich Christin auch für die Lebensregeln des Ordens interessierte. Allerdings betonte sie hierbei, dass ein gewisser Glauben schon mitgebracht werden müsse. Bisher habe sie den bei ihr nicht gespürt. Das würde Probleme im Verständnis der Bibel mit sich bringen, doch alle Schwestern stünden hier zur Verfügung, um ihr beim Lernen und Fühlen zu helfen.

Am Abend nach diesem Gespräch lag Christin lange wach und dachte über die Worte der Äbtissin nach. Der Unterricht in Kräuterkunde begann erst in zwei Tagen, bis dahin sollte Christin den Küchendienst mit absolvieren. Zusätzlich durfte sie die Gebetsstunden besuchen. Die Fragen, die sich ihr im Bezug auf die Religion ergaben, konnte sie genau dort beantwortet bekommen. Langsam wurde auch klar, warum sie exakt diesen Dienst bekam, denn im Küchenbereich waren für diese Woche die ältesten, aber eben auch erfahrensten Schwestern in Bibelkunde eingeteilt. Hildegard versprach sich mehrere Vorteile von dieser Konstellation. Zum einen konnte Christin hier Fragen über Fragen stellen. Sie würde perfekte Antworten im Hinblick auf den Glauben und die verschiedenen Kräuter, die verarbeitet wurden, erhalten. Zum anderen konnten die älteren Frauen durchaus Hilfe beim Schleppen der schweren Tröge von einer Jüngeren brauchen.

Christin hatte dem Gesang gelauscht und festgestellt, dass so manche Schwester unfähig war, auch nur einen Ton richtig zu treffen. Trotzdem waren genau diese Ordensmitglieder mit so viel Leidenschaft und Hingabe bei der Musik, dass sie sich fragte, wie das wohl möglich war? Konnte man solche Schwestern nicht von der musischen Seite befreien, ihnen deutlich machen, dass sie vielleicht eher auf anderen Gebieten ihre Stärken hatten? Doch die ältere Schwester, die sie vorsichtig nach diesem Hintergrund befragte, antwortete nur, dass es nicht auf die Ausführung direkt ankam. Hier wird auch niemand für bestimmte Tätigkeiten oder Aufgaben ausgegrenzt. Dem Orden kommt es auf die Entwicklung der Fähigkeiten jeder einzelnen Schwester an und noch wichtiger ist, dass diese an sich glaubt. Das erreicht man nicht durch Ausschluss aus einem bestimmten Kreis oder Gebiet. Jeder hat Stärken und Schwächen in sich. Gott hilft den Schwächeren zur Stärke. Andererseits sollten die stärkeren Schwestern auf diesem Gebiet als Helfer Gottes die Weisheit sowie ihre Fähigkeiten weitergeben.

So entstehen Hingabe und das stärkende Gefühl des Zusammenhaltes sowie der Freude des Miteinanders. Das Miterleben des Wachsens der eigenen Fähigkeiten immer unter Gottes Hand, gibt so viel Selbstvertrauen, vermittelt Geborgenheit, dass es hier möglich ist, auch unter einfachsten Bedingungen glücklich zu sein.

Christin war beeindruckt. Von dieser Seite hatte sie die Welt noch nicht betrachtet. Wieso war sie eigentlich als Kind auf solche Gedankengänge nicht gebracht worden? Ihre Großmutter hatte manchmal sanft darauf hingewiesen. In Gesprächen auf dem Friedhof, zu dem sie Christin oft begleitete, hatte sie auf die einfachen Dinge und Schönheiten des Lebens aufmerksam gemacht.

Doch wenn sie an ihre Freizeit als Kind dachte, war im Bereich der Sportgruppe Kindertanz eine strenge Auswahl getroffen und die, die am Prüfungstag kein Taktgefühl zeigen konnten, nach Hause geschickt, also regelrecht aussortiert worden. Klar, die Kindertanzgruppe hatte nun einen guten Ausgangspunkt, konnte auch bald kleine Auftritte vorführen. Doch hatte das zur Stärkung des Selbstwertgefühls der abgewiesenen Kinder beigetragen? Es war nun Sache der Eltern, dem Sprössling eine andere Richtung als sinnvolle Freizeitbeschäftigung vorzugeben. Zugegeben, der Umgang mit Enttäuschungen und kleineren Tiefschlägen wurde geschult.

Allerdings ist gerade die Musik mit ihren vielen Nuancen und dem Unterschied der Tonfolge ein Bindeglied der Menschen vieler Nationen. Die Sprache der Musik wird überall verstanden. Die Leistungsgesellschaft in Christins Zeit um 2014 herum, wurde immer anspruchsvoller. Man verlangte ja nun sogar beim Schulantritt schon Fähigkeiten der Kinder, wie Zählen bis Einhundert und ein paar einfache Buchstaben, dass sich Christin gefragt hatte, wieso dann überhaupt noch die erste Klasse abhalten? Die Kinder sollten in der Vorschule so viel lernen, wie sie selbst in der ersten Klasse beigebracht bekommen hatte. Spiel und Spaß, einfach Kind sein, blieben auf der Strecke. Kleine Erwachsene, die den Ernst der Lage bereits erkannt hatten und denen die Grundbegriffe der Bildung bereits eingebläut worden waren, wurden gefordert. Wer dies ab dem Beginn der Schule verstanden hatte, startete eine steile Karriere. Die anderen Schulkinder blieben förmlich auf der Strecke. Der Grundstein für die zukünftige Lebensplanung wurde kurz nach dem Kindergarten gelegt. Auf Spiele sollte verzichtet werden, denn nach dem Schulstress kamen die Hausaufgaben, danach die von den Eltern verplante Freizeitgestaltung, wie Flöte spielen, Tanz- oder Sportgruppe, Laienspiel oder was auch sonst sich die Erziehungsberechtigten für ihre Kinder vorstellten und vielleicht selbst nie erreicht hatten. Kleine Soldaten, so kam es Christin immer mehr vor, wurden herangezüchtet. Waffen waren der Bildungsstand, später der Beruf sowie die Lebensumstände, wie Haus, Yacht, Riesenauto oder Ähnliches, nachdem man dann bewertet wurde.

Ja, Christin hatte schmerzlich erkennen müssen, dass die Wertschätzung der Eltern von der Größe des Grundstückes und dem Grad der Bildung abhing. Untereinander erzählte man sich, was aus den Kindern geworden war. Dabei ging es nicht nur um das Wohlbefinden, gesundheitliche Aspekte oder Anschauungen traten dabei in den Hintergrund. Das machte doch einen Menschen, ein Individuum aus. Es zählte nicht. Wichtig war vor allem, was viel verwerflicher in Christins Augen war, ob der studierte Emporkömmling nun einen gut bezahlten Führungsposten begleitete, sein Haus ansehnlich und die Geldquelle als riesig zu bezeichnen war. Darauf wurde man als Kind reduziert, unter diese Messlatte der studierten Nachbarskinder wurde man geworfen. Die Leistungsgesellschaft macht selbst vor der kleinsten Einheit der Gesellschaft, der Familie nicht halt. Immer mehr Ausbrüche aus diesem System waren zu verzeichnen, doch das genügte noch lange nicht zum Umdenken.

Wie schön und angenehm war da hingegen der Zusammenhalt dieser Schwestern, die nicht gegeneinander gierten oder der Anderen etwas neideten. Mit diesem wohligen Gefühl der sicheren Geborgenheit des Klosters schlief sie schließlich ein.

Am nächsten Tag, als sie in der Küche zur Arbeit erschien, waren die Schwestern etwas durcheinander, denn zum Kräuterbrot benötigte man nun einmal Kräuter. Genau die hatte man am gestrigen Abend und am heutigen Morgen nicht erhalten, da die zuständige Schwester von Magen- und Darmkrämpfen geplagt, dies nicht geschafft hatte. So schnell konnte auch keine Ersatzschwester diese Tätigkeit übernehmen. Schließlich war es wichtiger, erst einmal dieser kranken Mitschwester zu helfen.

Christin verstand die Aufregung nicht und fragte vorsichtig nach, ob es denn überhaupt nicht ging, wenn man einmal keine frischen Kräuter nehmen würde.

"Doch, natürlich geht das auch, denn beim Backprozess werden diese durch die übergroße Hitze sowieso getrocknet und gleichzeitig verbacken. Es gibt nur so viel zu tun. Im Moment hat...

Dateiformat: EPUB
Kopierschutz: Wasserzeichen-DRM (Digital Rights Management)

Systemvoraussetzungen:

Computer (Windows; MacOS X; Linux): Verwenden Sie eine Lese-Software, die das Dateiformat EPUB verarbeiten kann: z.B. Adobe Digital Editions oder FBReader - beide kostenlos (siehe E-Book Hilfe).

Tablet/Smartphone (Android; iOS): Installieren Sie bereits vor dem Download die kostenlose App Adobe Digital Editions (siehe E-Book Hilfe).

E-Book-Reader: Bookeen, Kobo, Pocketbook, Sony, Tolino u.v.a.m. (nicht Kindle)

Das Dateiformat EPUB ist sehr gut für Romane und Sachbücher geeignet - also für "fließenden" Text ohne komplexes Layout. Bei E-Readern oder Smartphones passt sich der Zeilen- und Seitenumbruch automatisch den kleinen Displays an. Mit Wasserzeichen-DRM wird hier ein "weicher" Kopierschutz verwendet. Daher ist technisch zwar alles möglich - sogar eine unzulässige Weitergabe. Aber an sichtbaren und unsichtbaren Stellen wird der Käufer des E-Books als Wasserzeichen hinterlegt, sodass im Falle eines Missbrauchs die Spur zurückverfolgt werden kann.

Weitere Informationen finden Sie in unserer E-Book Hilfe.


Download (sofort verfügbar)

9,99 €
inkl. 19% MwSt.
Download / Einzel-Lizenz
ePUB mit Wasserzeichen-DRM
siehe Systemvoraussetzungen
E-Book bestellen