Alien Wars - Operation Mars

Roman
 
 
Heyne (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 12. Dezember 2016
  • |
  • 512 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-19578-6 (ISBN)
 
Befreit den Mars!

Nachdem ihr Angriff auf die Erde in letzter Sekunde verhindert werden konnte, haben sich die Lankies auf den Mars zurückgezogen. In Sicherheit sind die Menschen deshalb aber noch lange nicht, denn es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Aliens den blauen Planeten erneut attackieren. Sergeant Andrew Grayson wird beauftragt, die irdischen Verteidigungsanlagen zu verstärken und neue Weltraumsoldaten auszubilden. Doch Grayson hat gerade eigene Probleme, und wenn er scheitert, hängt das Schicksal der Menschheit erneut am seidenen Faden.

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Heyne
  • 0,99 MB
978-3-641-19578-6 (9783641195786)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Marko Kloos wurde 1971 in Deutschland geboren und ist dort auch aufgewachsen, bevor er nach Amerika übersiedelte. Er arbeitete u.a. als Soldat, Verkäufer und IT-Administrator, bevor er seine Leidenschaft für Fantasy und Science Fiction zu seinem Beruf machte und Autor wurde. Er lebt mit seiner Frau und den gemeinsamen zwei Kindern in New Hampshire.

1

GRUNDAUSBILDUNG

Ein Schreibstubenhengst bin ich nicht. Ich wurde zum Kampfsoldaten und zum Gefechtscontroller ausgebildet - folglich bin ich ein »Podhead«, ein »Kanisterkopp«. Der Name kommt daher, weil wir oft Gefechtslandungen in kanisterartigen Abwurfbehältern durchführen. Ich gehöre quasi zu den ersten Molekülen der Speerspitze. Seit einem halben Jahr bin ich auch Zug-Sergeant eines Ausbildungszugs im Rekrutenausbildungszentrum Orem des Nordamerikanischen Commonwealth. Und Zug-Sergeants sitzen nun mal in einem Büro, also gilt das auch für mich. Mein Büro hat einen Schreibtisch und ist ungefähr doppelt so groß wie die größte Kabine, die ich je auf einem Kriegsschiff belegt habe. In den ersten paar Wochen, nachdem ich das Büro bezogen hatte, mutete es völlig irreal an, wenn ich meinen Namen an der Tür sah: PLATOON SGT: SFC GRAYSON.

Zug-Sergeants sind erfahrene Unteroffiziere. Ältere Männer und Frauen. Ich sage mir, dass ich erst siebenundzwanzig bin und schon auf eine fast siebenjährige Dienstzeit zurückblicke - davon fünf Jahre als Unteroffizier. In den neuen NAC-Streitkräften, die aus den Überlebenden der Schlacht um den Mars und die Erde sowie von Zurückgebliebenen des Exodus aufgestellt wurden, bin ich damit ein »alter Hase«. Und das ist ein verdammt beängstigender Gedanke.

Das Büro hat aber auch seine Vorzüge. Wenn ich nachts nicht schlafen kann - was meistens der Fall ist -, habe ich einen Rückzugsort, an dem ich mich beschäftigen kann. Ich muss nicht in meinem Quartier bleiben und mich von unwillkommenen Erinnerungen an gottverlassene Orte quälen lassen, die ein paar Tausend Kilometer oder auch ein paar Dutzend Lichtjahre entfernt sind. Nicht einmal die guten Pharmazeutika können dieses spezielle Programm in meinem Kopf löschen.

Ich blicke vom Holobildschirm meines Netzwerkterminals auf, als ich Schritte draußen auf dem Gang höre. Die Uhr an der Wand zeigt 04:14. Es ist noch über eine Viertelstunde bis zum Wecken und zu früh, als dass schon jemand wach wäre und gestiefelt im Gebäude herumlaufen würde.

Kurz darauf steckt Sergeant Simer den Kopf durch die offene Tür.

»Morgen, Sergeant Grayson.«

»Guten Morgen«, erwidere ich. Sergeant Simer hat heute Nacht Bereitschaft. Der Uffz vom Dienst hat ein kleines Büro im Eingangsbereich des Kompaniegebäudes. Im Zeitalter neuronaler Netzwerke und computerisierter Zugangssysteme ist das eigentlich eine obsolete Tradition, aber eben auch eine Tradition. Und das Militär pflegt viele solcher Traditionen.

»Das Sandwich schmeckt heute Morgen echt scheiße«, verkündet Simer.

»Ach ja?«

Ich winke ihn heran, und er tritt über die Schwelle und kommt zu mir an den Schreibtisch.

»Es kam gerade ein Anruf von der MP der Basis.«

»Oje«, sage ich. »Probleme mit dem Wochenendausgang?«

»Ein paar Rekruten sind am Samstag mit dem Bus in die Stadt gefahren und haben dann einen Zug nach Salt Lake genommen. Sie haben sich besoffen oder zugekifft. Jedenfalls haben sie durch Chip-Manipulation ein Taxi geöffnet, die Wegfahrsperre überwunden und eine Spritztour unternommen.«

»O nein.«

»Doch.« Simer verzieht kurz schmerzlich das Gesicht und fährt fort: »Sie sind dann von der Fahrspur abgekommen und haben einen Hydrobus gerammt. Frontalzusammenstoß mit einem Toten und drei Verletzten.«

»Scheiße«, sage ich. »Hat es einen von unseren Leuten erwischt?«

»Zwei. Einen von Gruppe Eins und einen von der Vier. Die Privates Barden und Perret. Barden ist tot.«

Ich schließe kurz die Augen und stoße einen Seufzer aus.

»Diese Vollidioten. Anderthalb Wochen vor dem Abschluss.«

Ich kannte Private BARDEN, J. von der Personalliste und vom Morgenappell. Seit Beginn der Grundausbildung ist der Ausbildungszug an jedem Werktagmorgen zur Ausgabe des Tagesbefehls vor dem Gebäude angetreten. Er kam auch nicht aus einer Sozialwohnungssiedlung wie die meisten Rekruten. Ich erinnere mich, dass er zur Mittelklasse gehörte und in einer Vorstadt irgendwo im pazifischen Nordwesten lebte. Vielleicht Portland oder SeaTac? Mir ist klar, dass ich mich in den nächsten Tagen mit der Biografie von Private BARDEN, J. vertraut machen muss. Der Zugführer wird bei der Beerdigung anwesend sein, und ich muss ihm ein paar Informationen über den Toten geben.

»Vielen Dank«, sage ich zu Sergeant Simer. »Scheuchen Sie die Frischlinge heute schon früher aus den Federn. Wecken um 04:45. Und Sie können auch schon mal dezent mit dem Zaunpfahl winken, dass etwas im Busch ist. Ich komme zur Befehlsausgabe runter.«

Der Zug ist in einer wie mit dem Laserlineal gezogenen Linie und nach Körpergröße sortiert angetreten. Die Leute tragen standardmäßige NAC-Tarnanzüge, die Stiefel sind auf Hochglanz poliert und der Haarschnitt militärisch korrekt. Meine drei Gruppenführer, die Ausbilder, stehen in Rührt-euch-Stellung vor dem versammelten Zug. Als ich das Gebäude verlasse und mich der versammelten Mannschaft nähere, nehmen die Ausbilder Haltung an.

»Zug, Achtung!«

Vierunddreißig Soldaten schlagen die Hacken zusammen, und der Ausbildungszug nimmt wie ein Mann Haltung an. Ich erwidere den Gruß der Ausbilder und trete vor den Zug.

»Rührt euch.«

Die Rekruten geraten leicht in Bewegung und nehmen eine etwas entspanntere Haltung ein. Dann mustere ich sie für einen Moment wortlos, um sicherzugehen, dass ich ihre ungeteilte Aufmerksamkeit habe.

»Am Freitagnachmittag standen sechsunddreißig Rekruten vor mir, heute sind es nur noch vierunddreißig. Dafür habe ich einen Rekruten auf der Intensivstation von Salt Lake und einen auf einer Bahre im Leichenschauhaus. Rekrut Barden ist an diesem Wochenende bei einem Unfall ums Leben gekommen. Er war auf Drogen und hat seine fahrerischen Fähigkeiten mit einem gestohlenen Fahrzeug überschätzt.«

Es regt sich nichts in den Reihen - nach elf Wochen in der Grundausbildung wissen die Leute, dass sie während der Befehlsausgabe keinen Mucks machen dürfen, solange sie nicht dazu aufgefordert werden. Aber ein paar Rekruten wechseln Blicke, und dem schockierten Ausdruck der meisten nach zu urteilen scheint diese Nachricht ihre Wirkung auch nicht zu verfehlen.

Ich lege wieder eine Pause ein, um die Neuigkeit sacken zu lassen.

»Das ist die neue Grundausbildung«, fahre ich dann fort. »Als ich dort stand, wo ihr nun steht, schlief der ganze Zug in einem großen Raum. Sechsunddreißig Betten und Spinde in zwei Achtzehnerreihen. Sechseinhalb Tage Ausbildung die Woche und einen halben Tag Freizeit. Kein Ausgang bis zum Abschluss. Ihr kennt alle die Horrorgeschichten von den Alten.«

Das entlockt ein paar Rekruten ein Grinsen. Aber das vergeht ihnen schnell wieder, als sie sehen, dass das nicht lustig gemeint war.

»Heute bilden wir euch in Gruppen und Schützenteams aus. Ihr belegt eine Stube mit eurem Team, zwei Stuben pro Gruppe. Vier Rekruten pro Stube. Wir machen das deshalb, weil ihr auch in der Flotte beziehungsweise bei der Rauminfanterie so leben und arbeiten werdet und weil wir euch in der uns zur Verfügung stehenden Zeit optimal auf den Dienst vorbereiten wollen. Ihr bekommt sogar Wochenendausgang. Die meisten von euch wissen dieses Privileg auch zu schätzen. Wie gesagt, die meisten.«

Ich verschränke die Arme auf dem Rücken und schreite langsam die Linie der Rekruten ab. Sie kommen mir so jung vor, obwohl der Großteil von ihnen um die zwanzig Jahre alt und damit nur ein halbes Jahrzehnt jünger ist als ich. Aber dieses halbe Jahrzehnt, das uns voneinander trennt, erscheint mir an dem Punkt, wo ich nun stehe, wie eine Ewigkeit.

»Ich bin nicht angepisst, weil die Privates Barden und Perret mal auf den Putz hauen und in der Stadt Spaß haben wollten. Ich bin angepisst, weil sie sich dabei so blöd angestellt haben. Ich bin angepisst, weil Private Barden sich anderthalb Wochen bevor er die Gelegenheit bekommen hätte, dem Commonwealth etwas für die Zeit und Ressourcen zurückzugeben, die wir in seine Ausbildung investiert haben, umgebracht hat. Und ich bin angepisst, weil wir jetzt zwei Leute in Unterzahl sind, wenn wir euch zur Flotte oder zur Rauminfanterie schicken. Dienstposten, die dringend besetzt werden müssten, werden nun nicht besetzt.«

Ich spreche mit der Stimme und im Tonfall eines Schleifers. Dabei wusste ich gar nicht, dass ich diese Qualitäten besaß, bis ich vor einem halben Jahr turnusmäßig den Dienstposten als Zugführer in NACRD Orem antrat. Immer wenn ich mit dieser besonderen Stimme sprechen muss, brauche ich nur Sergeant Burke zu imitieren, meinen damaligen Ausbilder, an dessen abgehackten, gedehnten Tonfall ich mich noch so gut erinnere, als ob ich die Grundausbildung erst vor einer Woche beendet hätte.

»Ich weiß, was die meisten von euch denken«, fahre ich fort. »Ihr seid im PRC die Kings der Straße gewesen, und ihr glaubt jetzt, ihr könntet mit dieser Tour auch in der großen bösen Welt da draußen durchkommen. Aber ich muss euch sagen, dass es hinter diesen Toren viele Arten gibt, zu sterben. Und wenn ihr schon ins Gras beißen müsst, wäre es mir viel lieber, ihr hättet ein Gewehr in der Hand und würdet gegen einen Angriff der Lankies die Stellung halten, statt zugedröhnt frontal gegen einen Hydrobus zu knallen. Es gibt gute und schlechte Arten zu sterben, und ein beschissener Verkehrsunfall kurz vor dem Abschluss der Grundausbildung ist verdammt noch mal eine verdammt schlechte...

Dateiformat: EPUB
Kopierschutz: Wasserzeichen-DRM (Digital Rights Management)

Systemvoraussetzungen:

Computer (Windows; MacOS X; Linux): Verwenden Sie eine Lese-Software, die das Dateiformat EPUB verarbeiten kann: z.B. Adobe Digital Editions oder FBReader - beide kostenlos (siehe E-Book Hilfe).

Tablet/Smartphone (Android; iOS): Installieren Sie bereits vor dem Download die kostenlose App Adobe Digital Editions (siehe E-Book Hilfe).

E-Book-Reader: Bookeen, Kobo, Pocketbook, Sony, Tolino u.v.a.m. (nicht Kindle)

Das Dateiformat EPUB ist sehr gut für Romane und Sachbücher geeignet - also für "fließenden" Text ohne komplexes Layout. Bei E-Readern oder Smartphones passt sich der Zeilen- und Seitenumbruch automatisch den kleinen Displays an. Mit Wasserzeichen-DRM wird hier ein "weicher" Kopierschutz verwendet. Daher ist technisch zwar alles möglich - sogar eine unzulässige Weitergabe. Aber an sichtbaren und unsichtbaren Stellen wird der Käufer des E-Books als Wasserzeichen hinterlegt, sodass im Falle eines Missbrauchs die Spur zurückverfolgt werden kann.

Weitere Informationen finden Sie in unserer E-Book Hilfe.


Download (sofort verfügbar)

9,99 €
inkl. 19% MwSt.
Download / Einzel-Lizenz
ePUB mit Wasserzeichen-DRM
siehe Systemvoraussetzungen
E-Book bestellen