Weihnachten am Arsch der Welt

Liebesroman
 
 
BookRix (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 18. November 2019
  • |
  • 202 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7487-2099-7 (ISBN)
 
Eine bezaubernde Weihnachtskatastrophe. Mit Herzklopf-Garantie! Wenn man alleine in den Bergen Weihnachten feiern will, welchen Gefahren begegnet man da? Vielleicht Verbrechern? Gutaussehenden Männern? Vielleicht beidem? Oder am Ende der ganz großen Liebe? Vivi hat die Nase gestrichen voll. Als sie am Heiligabend zu ihren Eltern kommt, verkünden die ihre Trennung. An Weihnachten! Vivi will nur noch weg - weit weg. Im Computer findet sie ein Angebot: Ein Wellness-Wochenende in einem Luxushotel hoch in den Bergen von Davos! Doch sie ist nicht die Einzige, die dorthin will. Das Hotel wird auch von einer Gruppe Weihnachtsmännern heimgesucht, die nichts Gutes im Schilde führen! Und was ist mit dem unverschämt gutaussehenden Schweizer Cowboy namens Andriu, dem Vivi auf der Reise zum Hotel begegnet? Ist auch er Teil des großen Komplotts in den Bergen? Mutig und bis über beide Ohren verliebt stürzt sich Vivi in die Gefahren ... Die etwas andere Weihnachtskomödie mit Pulsgarantie! Der Roman enthält sanfte Erotik und ganz viel Liebe.
  • Deutsch
  • 0,73 MB
978-3-7487-2099-7 (9783748720997)

Kapitel 1


Vivi saß, die Arme komisch verhakt, in dem hart gepolsterten Sitz und sah die Welt am Fenster vorüberziehen. Die sanften Bögen der Überlandleitungen schwangen sich von Mast zu Mast, verschwanden hinter verschlafenen Tannen, schossen an silbernen Feldern wieder hervor, bis sie irgendwann ohne Abschied abbogen und in die Ferne zogen. Vivi fühlte sich wie einer dieser Masten. Einsame Gestalten, die draußen auf ewig dem Wind und Regen ausgesetzt waren. Hier drinnen roch es muffig nach feuchtem Regenmantel und ausgezogenen Schuhen. Sie wollte sich anlehnen, doch ihr Hals knickte ständig zur Seite und ihr Nacken tat weh.

Gegenüber saß ein Herr, der anscheinend in der unbequemen Haltung schlafen konnte. Obwohl es angenehm warm war, trug er eine dieser Bärenjäger-Mützen: mit dick gefütterten Ohrenklappen und Schuhbändeln zum Hochbinden, sodass man ein wenig dem ähnelte, was man eigentlich jagen wollte. Darunter befand sich ein schnarchendes Gesicht mit weit auseinander liegenden Augen und ungepflegtem, grauem Vollbart. Vivi schätzte ihn auf sechzig oder auch älter. Im Schlaf sahen alle Menschen wie Greise aus. Sie bewunderte noch einen Moment seine Ruhe, dann sah sie wieder aus dem Fenster und verfluchte ihre Idee.
Der Zug musste bald Basel erreichen und von da ging es tiefer in die Schweiz, weiter nach Davos, bis sie die hohen Berge sehen würde. Auf einem dieser Berge, dem Jakobshorn, lag ihr Ziel.

Dieses Jahr wollte sie Weihnachten am Arsch der Welt verbringen. Der Arsch der Welt war für Vivi oben, nicht unten (was man ja vermuten könnte, aber sie dachte immer irgendwie verkehrt herum: Sie schrie »Links!«, wenn sie rechts meinte, und zog an Türen, wenn man drücken musste).

Und wenn schon oben, dann ganz oben! Also hatte sie im Internet nach Bergen gesucht, und auf den Bergen nach einem Hotel. War eigentlich einfach gewesen. Da kein Mensch in einem offiziellen Am-Arsch-der-Welt-Hotel Weihnachten feiern wollte, hatten sie auch noch ein Zimmer frei. Okay, in Wirklichkeit war das Hotel ziemlich teuer: Es gab nur noch ein Wellness-Luxus-Wochenende für alle, die dem Weihnachtstrubel entfliehen wollten. Aber es musste sein. Weil Weihnachten für Vivi gestorben war.

 

Ihr persönlicher Weltuntergang hatte sich am 23. Dezember angekündigt. Wie immer wollte sie Heiligabend bei ihren Eltern zuhause verbringen. Ein Ereignis, das sie trotz ihrer siebzehn Jahre wie ein Kind glücklich machte. Mit Ferienbeginn der Internatsschule hatte sie sich von Stuttgart in den Zug gesetzt und fuhr in die heimelige Rhön zurück. Ihre Eltern besaßen eines dieser breit gezogenen Häuser mit wuchtigem Dach und passendem Carport, das jedem Spaziergänger sagte, dass sich hier ein erfolgreicher Unternehmer zur Ruhe gesetzt hatte. Dort, im ausgebauten Dachgeschoss, wartete ihr altes Jugendzimmer mit der Blümchendecke. Dort konnte sie für kurze Zeit in ihre Kindheit tauchen.

Doch dieses Jahr war etwas anders. Schon am Telefon hatte Mama wie ausgehöhlt geklungen. Und als Vivi mit dickem Koffer in der Tür stand, waren die Umarmungen zwar herzlich aber ungelenk. Ihre Mutter warf einen Blick zu ihrem Vater, der so viel sagte wie: Bring es endlich über dich!

»Vivienne? Hörst du uns mal kurz zu?«

Vivi wollte nicht zuhören, aber das ging natürlich nicht. Etwas Bedrohliches lag in der Luft.

»Vivienne, wir werden immer für dich da sein .«

Der Ton von Papas Stimme schnürte ihr den Magen zu.

»Aber deine Mama und ich wollen bald getrennte Wege gehen. Wir haben uns einfach auseinandergelebt. Mama wird in eine andere Wohnung ziehen. Nicht weit entfernt .«

Nun bekam sie eine Gänsehaut. Was ging denn hier ab? Sie blickte wild von einem zum anderen. Erst jetzt bemerkte sie die Kälte, die im Raum hing. Ihre Eltern schwiegen sich an. Nur die Tränen, die auf Mamas Gesicht wie kleine Perlen glitzerten, waren laut.

Ihre Mutter drehte sich ruckartig um und flüchtete in die Küche. Vivi stellte sich ihrem Vater in den Weg. »Was ist passiert?«, keuchte sie. Er spielte mit einem Whiskeyglas, in dem es traurig schwappte. »Weißt du, Vivienne . manchmal geht die Liebe einfach verloren.«

Vivis Wangen brannten. »Aber ihr seid doch meine Eltern!«, rief sie mit erstickender Stimme. Ihr Vater kippte den Rest des Glases hinunter. Dann schaute er aus dem Fenster in den lautlosen Winterwind, der die Wipfel des angrenzenden Waldes durcheinander fegte. »Vivienne, ich habe jemanden kennengelernt. Du wirst sie mögen.«

Er sagte dies so ruhig, als ginge es um das Mittagessen und der Rotkohl wäre alle. Und gerade diese Kälte ließ Vivi ins Leere fallen. Ihre Gedanken irrten umher, weil sie es nicht wahrhaben wollte. Wie lange ging das schon so? Wann hatte ihr Vater die Reißleine gezogen?

Erinnerungen flackerten auf. Seit dem Beginn des Internats war sie nur noch selten zuhause gewesen. Aber jetzt sah sie es wieder vor sich: die kalten Blicke der Mutter, das Zischen des Vaters, wenn ihre Eltern miteinander geredet hatten. Über ihrer Familie hing schon lange eine dicke schweigende Wolke, die sich unaufhaltsam vollsog. War sie insgeheim aus dem Elternhaus geflohen, um der Wahrheit zu entkommen?

Jetzt hatte sich die dunkle Last entladen. Vivi stand regungslos im Wohnzimmer, gelähmt von diesem Wolkenbruch, aber ihr Kopf arbeitete auf Hochtouren. Zitternd blickte sie in die Augen ihres Vaters. Sie rang nach Luft, um die eine Frage noch herauszubringen.
»Was. Ist. Mit. Weihnachten?«

Sie bemerkte im Augenwinkel eine Bewegung. Ihre Mutter stand in der Küchentür. »Weihnachten wird dieses Jahr anders sein .«, sagte sie tonlos und bückte sich, um eine Schüssel aus dem Unterschrank zu holen.

Vivi schmiss die Jacke in die Ecke und rannte die Treppe nach oben. Erst die polierten Sandsteinstufen, dann die schmalen Holztritte bis ins Dachgeschoss. Sie ließ die Tür knallen und warf sich blind vor Tränen auf ihr altes Mädchenbett. An jenem Tag war Weihnachten gestorben.

 

Die schrille Pfeife schreckte Vivi auf. Sie musste eingedöst sein und fand sich zusammengesunken auf dem Sitz. Der Zug hatte Fahrt aufgenommen und schoss durch den nebligen Morgen. Unter ihrem Ohr galoppierten die Eisenräder. Als sie träge emporkam, fand sie ihr Abteil neu besetzt: Nahe der Schiebetür saß ein Paar in feinen Kleidern. Die Frau trug ihre rabenschwarzen Haare kunstvoll hochgesteckt und war geschminkt wie eine Diva. Ihre Augenbrauen bildeten hohe Bögen und an ihren Ohren baumelten diamantbesetzte Creolen. Der Mann trug seine Haare zurückgekämmt. Seine Augen waren hinter einer getönten Brille versteckt, deren Farbe von tiefem Pink bis in blasses Lila reichte. Ein Seidenschal quoll wie eine Schlange aus seinem Hemdkragen. Beide schenkten ihr ein steifes Lächeln.

Vivi wollte gerade wieder die Augen schließen, als ihr Blick auf den Fensterplatz gegenüber fiel. Sofort war sie hellwach. Der schnarchende Bärenjäger war verschwunden, anscheinend war er während ihres Nickerchens ausgestiegen, und stattdessen lümmelte sich jetzt ein junger Mann im Sitz, der nicht gegensätzlicher zu dem mondänen Paar hätte sein können.

 Er trug einen braunen Filzhut und schlief wie ein Cowboy, der in der Sonne döste. Unter der steifen Krempe schaute ein Wust strohblonder Haare hervor, der dem Gesicht etwas Lausbubenhaftes gab. Überhaupt war da etwas in seinem breiten Mund, in dem scharfen Kinn, das selbst im Schlaf zu lächeln schien.

Sein Hemd war aus grobem, ausgebleichtem Leinen. Es stand am Hals offen und gab den Blick auf seine gebräunte Brust frei. Die Beine steckten in einer steifen Hose, die unten zugebunden war. Wie in alten Bergsteigerfilmen, dachte Vivi. Dazu passten seine robusten Schnürschuhe. Er schien aus einer anderen Zeit zu kommen. Einer Zeit, in der man mit der Sonne aufstand und sein Tagewerk noch unter freiem Himmel verrichtete.

Während Vivi ihren Rücken streckte, wackelte die Hutkrempe. Als sie wieder hinüber blickte, traf sie auf schiefergraue Augen, die sie neugierig beobachteten. Der Mund darunter lächelte. Schöne schmale Lippen!, dachte Vivi und drehte sich schnell zum Fenster.

»Bisch uff Löitsch ga, Mädli?«

Vivi warf den Kopf herum. Der junge Mann hatte sie anscheinend angesprochen. Jetzt schob er seinen Hut in den Nacken und funkelte mit den Augen, als ob er sie entlarvt hätte. Er setzte erneut an: »Ich meinte, ob du ausgerissen bist.«

Vivi schoss das Blut in die Wangen. Sie reckte das Kinn. »Ich bin aus Deutschland. Ich komme aus Stuttgart. Und« - ihre Stimme wurde wacklig - »besuche Verwandte, um dort Weihnachten zu feiern.« Wieso sollte sie diesem frechen Kerl auch erzählen, wohin sie wirklich wollte? Sie zog ihren Pulli gerade und wischte sich die Haare hinters Ohr.

Ihr Gegenüber schien davon unbeeindruckt. »Du bist ausgebüchst, das rieche ich.« Er ließ seinen Blick einmal über sie gleiten. Vivi glühte jetzt wie eine Wärmelampe. War es wirklich so offensichtlich? Sie sah an sich hinunter. Wenn man Hals über Kopf im Morgengrauen aufbrach, durfte man nicht wählerisch sein. Die frischen Klamotten hatte sie sich aus ihrem Kleiderschrank zusammengesucht: Ihre alte Lieblingsjeans mit den...

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