Glauben ist menschlich - Ausgabe 2020

Argumente für die Torheit vom gekreuzigten Gott
 
 
Calwer (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen im November 2020
  • |
  • 350 Seiten
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7668-4538-2 (ISBN)
 
Dass Glauben menschlich ist, beweist uns der Alltag von Minute zu Minute. Ohne Vertrauen auf andere, die Technik, auf mich und meine Fähigkeiten ist dieses Leben nicht zu bestehen. Unglaube kann immer nur eine bestimmte Sache oder Person meinen, aber keine Grundeinstellung sein. Von dieser Erkenntnis her wird der christliche Glaube in seinen geschichtlichen Ausformungen und Antworten für das Leben in der Gegenwart befragt.

Aus dem Inhalt:

Überlegungen zur Frage nach dem Sinn des Lebens
Das Verhältnis von Glaube, Theologie und Naturwissenschaften
Der christliche Glaube in einem Satz
Die soziale Verantwortung von Christinnen und Christen
Andersdenkende und andere Religionen
2020
  • Deutsch
  • Stuttgart
  • |
  • Deutschland
  • Überarbeitete Ausgabe
  • 1,08 MB
978-3-7668-4538-2 (9783766845382)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Dr. theol. Peter Kliemann war bis zu seinem Ruhestand Professor am Staatlichen Seminar für Diadaktik und Lehrerbildung (Gymnasium) in Tübingen. Er ist Autor zahlreicher Lehrwerke und Fachpublikationen.
  • Cover
  • Titel
  • Impressum
  • Inhalt
  • Vorwort
  • Kapitel I: Was soll das alles?
  • Erste Überlegungen zur Frage nach dem Sinn des Lebens
  • Die Frage nach dem Sinn des Lebens stellt man nicht jeden Tag
  • Woran du dein Herz hängst, das ist dein Gott
  • Um den Sinn des Lebens muss man streiten
  • Gott = Liebe?
  • Kapitel II: Gott? Gibt es den überhaupt?
  • Der neuzeitliche Atheismus als Herausforderung für den christlichen Glauben
  • »Lasst uns essen und trinken
  • denn morgen sind wir tot!«
  • Drei Argumente gegen Gott
  • Kann man die Existenz Gottes beweisen?
  • Ludwig Feuerbach: Gott - eine Projektion des Menschen
  • Rückfragen an Feuerbach
  • Karl Marx: Religion als Opium des Volkes
  • Rückfragen an Marx
  • Friedrich Nietzsche: Gott ist tot!
  • Nietzsche für Christen?
  • Noch einmal: Kann man die Existenz Gottes beweisen?
  • Albert Camus: Das Leben als Sisyphosarbeit
  • Von welchem Gott ist eigentlich die Rede?
  • Kapitel III: Fängt der Glaube da an, wo das Wissen aufhört?
  • Zum Verhältnis von Glauben, Theologie und Naturwissenschaften
  • Der Glaube an Gott und die Naturwissenschaften - ein unüberwindlicher Gegensatz?
  • 7 Tage oder 18 Milliarden Jahre? Wie entstand die Welt?
  • Wie Naturwissenschaftler arbeiten
  • Glaube und Theologie
  • Wie gläubig müssen Theologen sein?
  • Theologie - eine Wissenschaft?
  • Die historisch-kritische Methode
  • Theologie als Hermeneutik
  • Die Bibel: Gottes Wort oder Menschenwort?
  • Vom Nebeneinander zum Miteinander von Naturwissenschaft und Theologie: Gemeinsame Schritte ethischer Urteilsfindung
  • Kapitel IV: Sind alle Götter gleich?
  • Gottesglaube im Alten Testament
  • Warum Christen das Alte Testament lesen
  • »Jahwe« - ein Name als Programm
  • Die Zehn Gebote - ein Dokument der Befreiung
  • »Auge um Auge, Zahn um Zahn«?
  • Jahwe oder Baal?
  • Prophetischer Protest: z.B. Amos aus Thekoa
  • »Macht euch die Erde untertan!«
  • Exkurs: Gottes Ebenbild und die moderne Biotechnologie
  • Das Tun-Ergehens-Prinzip: »Wer eine Grube macht, der wird hineinfallen .«
  • Krise und Eschatologisierung des Tun-Ergehens-Prinzips
  • Wendezeit?
  • Kapitel V: Ein Hingerichteter als Retter der Welt?
  • Jesus von Nazareth, der Christus
  • Zur Quellenlage
  • Historisch gesicherte Fakten
  • »Siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch«
  • Müssen Christen an Wunder glauben?
  • Jesu Hinrichtung
  • Können Tote auferstehen?
  • Ehrentitel: Christus - Sohn Gottes - »von einer Jungfrau geboren«
  • Historischer Jesus - verkündigter Christus
  • Jesus aus nichtchristlicher Sicht I: z.B. Schalom Ben-Chorin
  • Jesus aus nicht-christlicher Sicht II: Wie sehen Muslime Jesus von Nazareth?
  • Zuspruch und Anspruch: Die Bergpredigt
  • Kapitel VI: Gott ist Liebe
  • Der christliche Glaube in einem Satz
  • Sex - Eros - Agape
  • Liebe überschreitet Grenzen
  • Agape zwischen »schon« und »noch nicht«
  • Kämpferische Liebe
  • Gott der Liebe - Gott des Gerichts
  • Trinitarische Liebe
  • Von der Theorie zur Praxis
  • Kapitel VII: Wie böse ist der Mensch?
  • Freiheit - Verantwortung - Sünde - Schuld: Das christliche Bild vom Menschen
  • Ein Bild vom Menschen hat jeder
  • Thomas Hobbes: Der Mensch ist von Natur aus böse
  • Wie friedlich ist der Frieden? Thomas Hobbes in der Kritik
  • Jean-Jacques Rousseau: Der Mensch ist von Natur aus gut
  • So gut ist der Mensch nicht! Jean-Jacques Rousseau in der Kritik
  • ». denn das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf« (1. Mose 8,21)
  • Wie die Sünde in die Welt kam (1. Mose 2-11)
  • Denkmodell Heilsgeschichte: Der Mensch als Entwurf seiner selbst
  • Martin Luther: Von der Freiheit eines Christenmenschen
  • Schlüsselbegriffe christlicher Anthropologie: Freiheit - Verantwortung - Sünde - Schuld
  • Zum Beispiel: Christsein in der Leistungsgesellschaft
  • Zum Beispiel: Christsein in Partnerschaft und Ehe
  • Zum Beispiel: Christsein in unverschuldetem Leid und Unrecht
  • Kapitel VIII: Politik - ein schmutziges Geschäft?
  • Zum Verhältnis von Kirche, Staat und Politik
  • Von den ersten christlichen Gemeinden zur Kirche
  • »Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist .«
  • Typen des Verhältnisses von Kirche und Staat
  • Martin Luther: Von weltlicher Obrigkeit .
  • Widerstand gegen die Obrigkeit?
  • Das »Landesherrliche Kirchenregiment«
  • Evangelische Kirche unter dem Hakenkreuz
  • Kirche und Staat in der Bundesrepublik Deutschland
  • Religionsunterricht als »ordentliches Lehrfach«?
  • Bewusste Wahrnehmung des Öffentlichkeitsauftrags der Kirche: Die Denkschriften der EKD
  • Zum Beispiel: Die Ostdenkschrift von 1965
  • Gratwanderung: Evangelische Kirche in der DDR
  • Zukunft der Kirche - Kirche der Zukunft?
  • Kapitel IX: Was geht uns das an?
  • Zur sozialen Verantwortung der Christinnen und Christen
  • Was wir allzugern verdrängen
  • Auf der Seite der Armen und Entrechteten
  • Zum Beispiel: Die »Soziale Frage« des 19. Jahrhunderts
  • Kirchliches Versagen
  • Johann Hinrich Wichern
  • Karl Marx/ Friedrich Engels: Das Manifest der Kommunistischen Partei
  • Wie die Soziale Frage des 19. Jahrhunderts »gelöst« wurde
  • Lehren aus der Geschichte
  • Konsequenzen für die Gegenwart
  • Sonntag - ein Tag wie jeder andere?
  • Kapitel X: Gibt es eine christliche Ethik?
  • Handeln ist menschlich: Ethik, Ethos und Moral
  • Begriffliche Annäherungen: Moral ? Ethik
  • Alles determiniert? Alles relativ?
  • Der Ansatz des Utilitarismus: Was nützt das?
  • Immanuel Kant: Das moralische Gesetz in mir
  • Aristoteles: Ethik als Lebenskunst
  • Diskursethik: Lasst uns darüber reden
  • Gibt es eine spezifisch christliche Ethik?
  • Kapitel XI: Wie spät ist es?
  • Anmerkungen zu Zeit und Zukunft aus christlicher Sicht
  • Was ist Zeit?
  • Die Entdeckung der Zukunft: Zyklische und lineare Vorstellungen von Zeit
  • Apokalypse jetzt? Die Offenbarung des Johannes
  • Persönlich gefragt: Was kommt nach meinem Tod?
  • Chronos und Kairos
  • Kapitel XII: Soll jeder nach seiner Fasson selig werden?
  • Zum Dialog mit Andersdenkenden und Anhängern anderer Religionen
  • Wie hältst du's mit der Mission?
  • Mission muss sein - aber in welcher Form?
  • Absolutheitsanspruch und Toleranz
  • Entwicklungshilfe contra Mission?
  • Synkretismus als Chance und Gefahr
  • Quintessenz
  • Anmerkungen
  • Stichwortverzeichnis

Kapitel I

Was soll das alles?

Erste Überlegungen zur Frage nach dem Sinn des Lebens

Die Frage nach dem Sinn des Lebens stellt man nicht jeden Tag

Auch Menschen, die sich nicht als besonders religiös bezeichnen würden, für die Gott vielleicht gar kein Thema mehr ist, fragen gelegentlich nach dem »Sinn des Lebens«. Wer sich auf diese Frage ernsthaft einlässt, wird schnell merken, dass sie nur die Überschrift für eine Fülle von weiteren, zum Teil eher theoretischen, zum Teil aber auch sehr existentiellen Fragen ist, die traditionellerweise im Rahmen von Religion und Theologie formuliert und reflektiert wurden:

Warum bin ich überhaupt auf der Welt? Gibt es einen Ursprung und ein Ziel allen Lebens? Oder ist letztlich alles Zufall? Welchen Unterschied macht dies für meine konkrete Lebensgestaltung? Wie hängt mein Leben mit dem Leben der anderen zusammen? Ist es egal, ob ich so oder anders lebe? Gibt es Kriterien für Gut und Böse? Gibt es überhaupt so etwas wie »den Sinn des Lebens«? Kann ich für mich und andere befriedigend leben, wenn ich davon ausgehe, dass das Leben gar keinen Sinn hat? Was ist ein erfülltes, geglücktes Leben, was ein missglücktes? Wie gehe ich mit Leid, Unrecht und Schicksalsschlägen um? Gibt es ein Leben nach dem Tod? Ändert die Antwort auf diese Frage etwas an dem Leben vor dem Tod?

Man könnte also, ohne Andersdenkende und Andersgläubige vereinnahmen zu wollen, sagen, dass es sich bei der Sinnfrage - der Frage nach dem Woher, Wohin und Wozu des Lebens - um eine neuzeitliche säkularisierte Fassung der Gottesfrage handelt.6

Dass der Mensch überhaupt nach dem Sinn seines Lebens fragt, unterscheidet ihn aus der Sicht heutiger Verhaltensforschung vom Tier.7 Während Tiere in ihrem Verhalten weitgehend durch ihre Instinkte geleitet werden, sind diese Instinkte beim Menschen verkümmert. Der Mensch ist ein »Mängelwesen«, das einerseits die einmalige Freiheit hat, andererseits aber auch dazu gezwungen ist, sich zu entscheiden, wie es sein Leben gestalten will. Da die Möglichkeiten hierzu zwar nicht für jeden Einzelnen, aber doch für die Gattung Mensch nahezu unbegrenzt sind, sind auch die Lebensentwürfe und Lebensmodelle der Menschen je nach historischen, gesellschaftlichen und biographischen Gegebenheiten sehr unterschiedlich und vielfältig.

Die Frage nach dem Sinn des Lebens stellt man nicht jeden Tag. Wir können lange Zeit sehr gut von einem vorläufigen Ziel, von einem Termin und Projekt zum anderen leben, ohne uns über tiefgründige Fragen philosophischer oder theologischer Art überhaupt Gedanken zu machen. Es wäre schlimm, wenn es anders wäre. Denn wenn sich einem die Frage nach dem Sinn des Lebens aufdrängt, dann ist dies in der Regel ein Signal dafür, dass die bewährten Wahrnehmungs- und Handlungsmuster des Alltags durcheinandergeraten sind, dass nicht mehr klar ist, warum und wie man eigentlich leben soll. Wer plötzlich schwer krank wird, wer einen Freund oder Verwandten verliert, wer in der Schule oder im Beruf versagt, wer arbeitslos ist, wer ein behindertes Kind zur Welt bringt, wessen Beziehung in die Brüche geht, der fragt nach dem Sinn des Lebens, und zwar nicht selten recht verzweifelt.

Weil kein Mensch gegen solche Situationen gefeit ist und weil Verzweiflung ein schlechter Ratgeber ist, ist es gut, die Frage nach dem Sinn des Lebens auch schon einmal dann zu stellen und zu durchdenken, wenn man nicht unter einem akuten Sinndefizit leidet.

Woran du dein Herz hängst, das ist dein Gott

Auch wer nicht ständig über den Sinn des Lebens nachdenkt, unterstellt nichtsdestoweniger immer schon einen bestimmten Sinn. Martin Luther hat dies in seinem Großen Katechismus von 1529 in der Auslegung zum 1. Gebot so formuliert:

»Was heißt >einen Gott haben< bzw. was ist >Gott<? Antwort: Ein >Gott< heißt etwas, von dem man alles Gute erhoffen und zu dem man in allen Nöten seine Zuflucht nehmen soll. >Einen Gott haben< heißt also nichts anderes, als ihm von Herzen vertrauen und glauben; in diesem Sinn habe ich schon oft gesagt, dass allein das Vertrauen und Glauben des Herzens einem etwas sowohl zu Gott als zu einem Abgott macht. Ist der Glaube und das Vertrauen recht, so ist auch dein Gott der rechte Gott, und umgekehrt, wo das Vertrauen falsch und unrecht ist, da ist auch der rechte Gott nicht. Denn die zwei gehören zusammen, Glaube und Gott. Das nun, sage ich, woran du dein Herz hängst und worauf du dich verlässest, das ist eigentlich dein Gott.«8

Luther fasst an dieser Stelle die Begriffe »Glauben« und »Gott« sehr weit. Man kann sich kaum einen Menschen vorstellen, der in diesem Sinn nicht an etwas glaubt, der sein Herz nicht an etwas hängt, der nicht irgendwo einen bewussten oder unbewussten Orientierungspunkt hat, für den nicht irgendetwas oder irgendjemand im Leben das Wichtigste ist. Auch ein Atheist glaubt nach Luthers Verwendung des Begriffs also an etwas, auch wenn er es vielleicht gar nicht benennen kann und will.

Wenn das, »woran du dein Herz hängst ., eigentlich dein Gott« ist, dann ist damit allerdings noch nicht ausgemacht, um was für einen Gott es sich handelt, ob er wirklich den Namen Gott verdient oder nur ein Scheingott (»Abgott«) ist und ob er »in allen Nöten« auch wirklich hält, was man sich von ihm verspricht.

Wir hängen unsere Herzen, meist ohne uns dessen richtig bewusst zu sein, an Geld, Beruf, Karriere, Eigenheim, Hobbies, Ehepartner, Freunde, Kinder, Schönheit, Unterhaltung, Kleidung, soziales Ansehen und anderes, das nützlich und erstrebenswert sein mag, bei dem sich in schwierigen Lebenssituationen aber sehr schnell zeigt, dass wir falschen Gottheiten und Abgöttern gedient haben, die keineswegs »in allen Nöten« eine »Zuflucht« bieten (vgl. dazu auch schon das Gleichnis vom reichen Kornbauern, Lk 12,16-21). Was alles den Sinn des Lebens nicht garantiert, lässt sich also bei einiger Selbstkritik relativ leicht erkennen, wesentlich schwieriger ist es hingegen, zu diesem Thema etwas Positives zu formulieren.

Um den Sinn des Lebens muss man streiten

In früheren Jahrhunderten bot in unserem Kulturkreis die biblisch-christliche Tradition ein in Einzelheiten zwar immer auch heftig umstrittenes, insgesamt aber doch allgemein akzeptiertes Erklärungsmodell für die verschiedenen Fragen und Situationen des alltäglichen Lebens, aber auch für die Bewältigung von individuellen, familiären und gesamtgesellschaftlichen Krisen. Dieses Erklärungsmodell ist heute vielen Menschen nicht mehr oder nur ungenügend bekannt, und schon gar nicht mehr von allen als selbstverständlicher Bezugs- und Orientierungsrahmen akzeptiert. Das biblisch-christliche Erklärungsmodell ist fraglich geworden; an seine Stelle ist jedoch bisher kein gleichwertiger Ersatz getreten, so dass ein weltanschauliches Vakuum entstanden ist, das sowohl im Leben des Einzelnen als auch im politischen Leben in einer oft nur notdürftig durch Geschäftigkeit und Krisenmanagement überdeckten Orientierungslosigkeit zum Ausdruck kommt.

In einer Gesellschaft, die sich nur langsam wandelte, war die Anzahl der möglichen Lebensmodelle noch überschaubar. In unserer sich mit rasantem Tempo, aber ohne klar erkennbare Zielrichtung verändernden Gesellschaft übersteigt die Vielfalt von z.T. nur sehr kurzlebigen, oft auch von den Massenmedien, der Werbung und der Unterhaltungsindustrie gezielt ins Spiel gebrachten Lebensentwürfen nicht selten die Wahrnehmungs- und Strukturierungsfähigkeit des Einzelnen.

Das entstandene weltanschauliche Vakuum versuchen u.a. verschiedene wissenschaftliche Disziplinen, vor allem die Sozialwissenschaften, zu füllen, indem sie immer wieder Modelle geglückten Lebens entwerfen. Dabei kann allerdings nicht übersehen werden, dass es kaum möglich ist, die gewachsene und im Alltag auch einfacher Menschen fest verankerte Tradition von Religionen einfach durch das nüchterne und notwendigerweise distanziert-kritische Kalkül wissenschaftlicher Forschung zu ersetzen.

Immerhin kann man aus sozialwissenschaftlichen Untersuchungen z.B. lernen,

- dass es für menschliches Leben wichtig ist, dass die Kommunikation mit anderen Menschen gelingt (was natürlich genauer zu definieren wäre!);

- dass es für menschliches Leben wichtig ist, dass der Mensch sich realisierbare Aufgaben stellt, dass er sich für etwas engagiert;

- dass es für menschliches Leben wichtig ist, dass der Mensch sich mit der Endlichkeit seines Lebens, mit seinen Schwächen, mit dem Tod und der Möglichkeit von Schicksalsschlägen auseinandersetzt;

- dass die Erfahrung von Sinn nicht durch bloße Reflexion herstellbar ist, sondern vor allem auch durch emotionale und unbewusste Faktoren mitbestimmt wird;

- dass das, was der eine als sinnvolles Leben empfindet, für den anderen noch lange nicht sinnvoll sein muss;

- dass einem Menschen, der am Sinn des Lebens zweifelt, menschliche Zuwendung mehr nützt als alle Theorien über den Sinn des Lebens.

Weil der Mensch - heute mehr denn je - den Sinn seines Lebens erst suchen muss, kann kein einzelner Mensch oder keine Menschengruppe sich anmaßen, den Sinn des Lebens für alle Menschen in allen Situationen zu kennen. Jeder kann nur artikulieren und versuchen, anderen plausibel zu machen, worin er aufgrund seiner Erfahrungen und seines Wissens den Sinn des Lebens sieht. Wer sich damit nicht zufrieden geben und Eindeutigkeit um jeden Preis erzielen will, läuft Gefahr, anderen Menschen physisch oder psychisch Gewalt anzutun,...

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