So sündig küsst kein Gentleman

Historischer Liebesroman
 
 
Mira Taschenbuch Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 1. August 2018
  • |
  • 416 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Adobe DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-95576-838-6 (ISBN)
 
Seinen Reichtum hat er auch seiner Skrupellosigkeit zu verdanken! Bürgerlich geboren, ist Rhys Winterborne heute einer der vermögendsten Männer in London. Aber erst eine adelige Gattin wird ihm den Respekt der blaublütigen Gesellschaft sichern. Als er der unerfahrenen Lady Helen begegnet, will er alles daransetzen, um sie zum Altar zu führen. Doch der Standesunterschied scheint zu groß - bis ihn Lady Helen in aller Verschwiegenheit aufsucht. Die Sehnsucht in ihren Augen verrät Rhys, was er wissen will, und er macht ihr einen skandalösen Vorschlag: Wenn sie sich ihm jetzt sofort hingibt, müssen sie heiraten ... »Eine großartige, unvergessliche Liebesgeschichte.« Romantic Times Book Reviews
weitere Ausgaben werden ermittelt
Ihre preisgekrönten historischen Liebesromane, die in 20 Sprachen übersetzt sind und eine begeisterte Leserschaft gekonnt in vergangene Epochen entführen, haben Lisa Kleypas den Ruf einer Top-Autorin eingebracht. Regelmäßig finden sich ihre Bücher auf den Bestsellerlisten rund um den Globus. Mit ihrem Ehemann und ihren beiden Kindern lebt die Autorin in Texas.

1. Kapitel

Mr. Winterborne, eine Frau wünscht Sie zu sprechen.«

Rhys blickte mürrisch von den Papieren auf seinem Schreibtisch auf.

Mrs. Fernsby, seine Privatsekretärin, eine adrette, zur Fülle neigende Frau in mittleren Jahren stand auf der Türschwelle seines Büros und musterte ihn hinter runden Brillengläsern.

»Sie wissen, dass ich um diese Zeit keine Besucher empfange.« Als morgendliches Ritual verbrachte er die erste halbe Stunde des Tages damit, seine Korrespondenz ungestört zu lesen.

»Ja, Sir, aber es handelt sich um eine Dame, die .«

»Es ist mir einerlei, ob sie die verdammte Königin ist«, schimpfte er. »Schicken Sie sie weg!«

Mrs. Fernsby presste die Lippen zu einem schmalen Strich aufeinander und verschwand. Die Absätze ihrer Schuhe klapperten im Stakkato auf dem Fußboden.

Rhys wandte sich wieder dem Schreiben in seiner Hand zu. Nur selten gestattete er sich, die Geduld zu verlieren, aber seit einer Woche war er von düsterer Schwermut befallen, und jeder, der es wagte, ihn zu stören, bekam seine schlechte Laune zu spüren.

Alles wegen einer Frau, an die er keinen einzigen Gedanken verschwenden sollte.

Lady Helen Ravenel . eine junge Dame, kultiviert, unschuldig, schüchtern und aristokratisch. All das, was er nicht war.

Ihre Verlobung hatte nur zwei Wochen gedauert, bis Rhys es vollbracht hatte, alles zu ruinieren. Bei seiner letzten Begegnung mit Helen war er ungeduldig und fordernd gewesen und hatte sie geküsst, wonach er sich lange gesehnt hatte. Sie hatte sich in seinen Armen verkrampft und ihn brüsk von sich gestoßen. Ihre Verachtung hätte nicht deutlicher sein können. Die Szene hatte mit Tränen ihrerseits und Zorn seinerseits geendet.

Am nächsten Tag hatte Lady KathleenTrenear, die Witwe von Helens verstorbenem Bruder, ihn aufgesucht und zur Rede gestellt. Helen sei so niedergeschlagen, dass sie einen Migräneanfall erlitten habe.

»Sie will Sie nie wiedersehen«, hatte Kathleen unverblümt erklärt.

Rhys konnte es Helen nicht verdenken, die Verlobung gelöst zu haben. Sie passten eindeutig nicht zueinander. Sein Wunsch, die Tochter einer aristokratischen Familie zur Frau zu nehmen, verstieß gegen alle Regeln der Gesellschaft, auch gegen den Willen Gottes. Bei all seinem Reichtum hatte Rhys weder die Manieren noch die Erziehung eines Gentlemans vorzuweisen. Mit seinem gebräunten Gesicht, der schwarzen Haarmähne und der Muskelkraft eines Arbeiters glich er auch im Aussehen nicht einem feinen Herrn.

Im Alter von dreißig Jahren hatte er aus dem kleinen Laden seines Vaters in der High Street das größte Warenhaus Großbritanniens gemacht. Er besaß Fabriken, Handelshäuser, Ländereien, Pferdegestüte, Wäschereien und Mietshäuser in der Stadt. Er saß im Vorstand von Reedereien und Eisenbahngesellschaften. So erfolgreich er auch sein mochte, die Grenze, die durch die Tatsache gezogen wurde, als Sohn eines Gemüsehändlers geboren zu sein, würde er nie überschreiten können.

Erneutes Klopfen holte ihn aus seinen Grübeleien. Mit finsterer Miene blickte er auf, als Mrs. Fernsby erneut eintrat.

»Was wollen Sie noch?«, fragte er ungehalten.

Die Sekretärin rückte ihre Brille gerade und antwortete resolut: »Falls Sie nicht wünschen, die Dame gewaltsam entfernen zu lassen, besteht sie darauf, so lange zu warten, bis Sie mit ihr sprechen.«

Rhys' Ärger verwandelte sich in Verblüffung. Keine Frau seines Bekanntenkreises, ob respektabel oder nicht, würde es wagen, ihm Bedingungen zu stellen. »Ihr Name?«

»Will sie nicht nennen.«

Er schüttelte ungläubig den Kopf. Wie hatte es die Besucherin überhaupt geschafft, bis zu ihm vorzudringen? Er bezahlte eine kleine Armee von Wachleuten, die ihn vor lästigen Unterbrechungen schützten. Ein absurder Gedanke schoss ihm durch den Sinn, der seinen Puls beschleunigte.

»Wie sieht sie aus?«, fragte er beklommen.

»Sie trägt Trauer und einen Gesichtsschleier. Schlank, mit leiser Stimme.« Nach kurzem Zögern ergänzte Mrs. Fernsby trocken: »Ihre Ausdrucksweise ist ausgesprochen kultiviert.«

Als ihm die Erkenntnis dämmerte, spürte er einen Stich der Sehnsucht, der ihm die Brust verengte. »Yr Dduw«, knurrte er. Es schien unmöglich zu sein, dass Helen ihn aufsuchte. Aber irgendwie ahnte er, dass sie es war, spürte es bis ins Knochenmark. Wortlos stand er auf und eilte mit langen Schritten an Mrs. Fernsby vorbei.

»Mr. Winterborne«, entfuhr es der Sekretärin, die ihm folgte. »Sie sind in Hemdsärmeln. Ihr Gehrock .«

Rhys achtete nicht auf sie und betrat sein mit Ledersesseln ausgestattetes Vorzimmer.

Beim Anblick der Besucherin hielt er jäh inne und zog den Atem scharf ein.

Der Trauerschleier verbarg Helens Gesicht, aber er erkannte ihre aufrechte Haltung und ihre gertenschlanke Figur.

Er musste sich zwingen, näher zu treten. Unfähig, ein Wort über die Lippen zu bringen, stand er vor ihr. Groll schnürte ihm die Kehle zu, und dennoch atmete er gierig ihren süßen Duft ein. Ihre Gegenwart erregte ihn, Hitze durchströmte ihn, sein Herzschlag trommelte gegen seine Rippen.

Aus einem der angrenzenden Büroräume drang das Klappern von Schreibmaschinen in die Stille.

Es war unverzeihlich von Helen, ihn ohne Begleitung aufzusuchen. Ihr Ruf könnte darunter leiden. Er musste sie unverzüglich nach Hause schicken, bevor jemand sie erkannte.

Aber zuvor wollte Rhys wissen, was sie zu ihm geführt hatte. Sie war zwar behütet und unschuldig, aber sie war nicht dumm und würde dieses enorme Risiko nicht ohne guten Grund eingehen.

Er wandte sich an Mrs. Fernsby. »Meine Besucherin bleibt nicht lange. Sorgen Sie dafür, dass wir nicht gestört werden.«

»Ja, Sir.«

Sein Blick richtete sich wieder auf Helen.

»Kommen Sie mit mir«, befahl er barsch und wandte sich zum Gehen.

Stumm tat sie, wie ihr geheißen, ihre Röcke streiften raschelnd die Wand des schmalen Flures. Ihre Kleidung war altmodisch und abgetragen, ein deutlicher Hinweis auf verarmte Verhältnisse. War das der Grund ihres Besuches? Befanden die Ravenels sich in dringenden Geldnöten, die sie trotz ihrer Abneigung dazu veranlassten, seine Frau werden zu wollen?

Bei Gott, dachte Rhys grimmig, er würde es genießen, wenn sie ihn bat, sie zurückzunehmen. Natürlich würde er ablehnen und sie mit Genugtuung leiden sehen, als Vergeltung für die Qualen, die er in der letzten Woche ausgestanden hatte. Jeder, der es gewagt hatte, sich mit ihm anzulegen, könnte ihr bestätigen, dass er weder Gnade noch Vergebung kannte.

Sie betraten sein weitläufiges Büro mit hohen Doppelfenstern und weichen, edlen Teppichen auf dem Parkett. Auf dem riesigen Schreibtisch aus poliertem Walnussholz stapelten sich Akten und Dokumente.

Rhys nahm ein Stundenglas zur Hand und drehte es mit ausladender Geste um. Der Sand würde in exakt fünfzehn Minuten die untere Hälfte des Glastrichters füllen. Sie sollte wissen, dass sie sich in seiner Welt befand, in der Zeit eine große Rolle spielte, über die nur er bestimmte.

Er wandte sich Helen mit spöttisch hochgezogenen Brauen zu. »Letzte Woche wurde ich davon in Kenntnis gesetzt, dass Sie .«

Er stockte mitten im Satz, als Helen ihren Schleier zurückschlug und ihn mit dem sanften Ernst ansah, der ihn schon bei ihrer ersten Begegnung fasziniert hatte. Ihre Augen glänzten wie silbriger Dunst im Mondlicht. Ihr feines hellblondes Haar war zu einem Chignon im Nacken geschlungen, nur eine seidig schimmernde Locke umschmeichelte ihr linkes Ohr.

Zum Teufel mit ihr! Und mit ihrer Schönheit!

»Bitte verzeihen Sie.« Helen fixierte ihn unverwandt. »Dies ist die erste Gelegenheit, die sich mir bot, um Sie aufzusuchen.«

»Sie dürften nicht hier sein.«

»Es gibt Dinge, die ich mit Ihnen besprechen muss.« Sie warf einen scheuen Blick zu einem Stuhl. »Wenn Sie nichts dagegen haben .«

»Setzen Sie sich.« Rhys machte keine Anstalten, ihr behilflich zu sein. Da Helen keinen Gentleman in ihm sah, würde er sich auch nicht so benehmen. Er setzte sich halb auf die Kante seines Schreibtischs und verschränkte die Arme vor der Brust. »Sie haben nicht viel Zeit«, sagte er kalt und nickte knapp zur Sanduhr. »Nutzen Sie sie.«

Helen nahm Platz, ordnete ihre Röcke und streifte die schwarzen Handschuhe ab.

Rhys wurde der Mund trocken beim Anblick ihrer zarten Finger. Sie hatte für ihn Klavier gespielt in Eversby Priory, dem Anwesen ihrer Familie. Fasziniert hatte er dem flinken Spiel ihrer Finger zugesehen, die wie kleine weiße Vogelschwingen über die Tasten flatterten. Aus einem unerfindlichen Grund trug sie noch immer seinen Verlobungsring, den lupenreinen Diamanten im Rosenschliff, der sich kurz an ihrem Handschuh verhakte.

Ihr schwarzer Schleier hing ihr wie eine Rauchwolke über den Rücken. Helen begegnete seinem Blick in dem knisternden Schweigen, ein rosiger Hauch überflog ihre Wangen. »Mr. Winterborne, ich hatte meine Schwägerin nicht gebeten, Sie letzte Woche aufzusuchen. Ich fühlte mich unpässlich, wusste jedoch, was Kathleen vorhatte .«

»Sie sagte, Sie sind krank.«

»Ich hatte nur Kopfschmerzen, mehr nicht .«

»Anscheinend war ich der Grund dafür.«

»Kathleen machte zu viel Aufhebens darum .«

»Sie sagte, Sie wollten mich nie wiedersehen.«

Ihr rosiger Hauch vertiefte sich. »Ich wünschte, sie hätte diese Worte nicht wiederholt«, entfuhr es ihr aufbrausend...

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