Das Leben und das Schreiben

Memoiren
 
 
Heyne (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 18. Februar 2011
  • |
  • 384 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-05400-7 (ISBN)
 
"Ich schreibe so lange, wie der Leser davon überzeugt ist, in den Händen eines erstklassigen Wahnsinnigen zu sein." Stephen King



Während der Genesung nach einem schweren Unfall schreibt Stephen King seine Memoiren - Leben und Schreiben sind eins. Ein unverzichtbarer Ratgeber für alle angehenden Schriftsteller und eine Fundgrube für alle, die mehr über den König des Horror-Genres erfahren wollen. Ein kluges und gleichzeitig packendes Buch über gelebte Literatur.



»Eine Konfession.« Frankfurter Allgemeine Zeitung

  • Deutsch
  • München
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  • Deutschland
Heyne
  • 4,06 MB
978-3-641-05400-7 (9783641054007)
3641054001 (3641054001)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Stephen King, 1947 in Portland, Maine, geboren, ist einer der erfolgreichsten amerikanischen Schriftsteller. Bislang haben sich seine Bücher weltweit über 400 Millionen Mal in mehr als 50 Sprachen verkauft. Für sein Werk bekam er zahlreiche Preise, darunter 2003 den Sonderpreis der National Book Foundation für sein Lebenswerk und 2015 mit dem Edgar Allan Poe Award den bedeutendsten kriminalliterarischen Preis für Mr. Mercedes. 2015 ehrte Präsident Barack Obama ihn zudem mit der National Medal of Arts. 2018 erhielt er den PEN America Literary Service Award für sein Wirken, gegen jedwede Art von Unterdrückung aufzubegehren und die hohen Werte der Humanität zu verteidigen.

Seine Werke erscheinen im Heyne-Verlag.

ÜBER DAS SCHREIBEN (S. 165-166)

Es gibt keine bösartigen Hunde, glaubt man dem Titel eines beliebten Handbuches, aber erzählen Sie das mal den Eltern eines Kindes, das von einem Pitbull oder einem Rottweiler angegriffen wurde. Die steigen Ihnen aufs Dach. Auch wenn ich denjenigen, der sich zum ersten Mal ernsthaft an einen Text macht, gern ermuntern würde, kann ich doch nicht lügen und behaupten, es gebe keine schlechten Autoren. Tut mir leid, aber es gibt Unmengen von schlechten Schreibern. Manche arbeiten in der Redaktion Ihrer örtlichen Zeitung, für gewöhnlich besprechen sie kleine Theateraufführungen oder lassen sich hochtrabend über die heimischen Sportmannschaften aus.

Manche haben sich ein Haus in der Karibik erschrieben, ziehen eine Spur von pulsierenden Adverbien, hölzernen Charakteren und scheußlichen Passivkonstruktionen hinter sich her. Andere wieder stellen sich auf öffentlichen Poetry Slams zur Schau, tragen schwarze Rollkragenpullover und knittrige Khakihosen und deklamieren holprige Knittelverse über »meine zornigen lesbischen Brüste« und »die schräge Gasse, in der ich den Namen meiner Mutter schrie«.

Die Verteilung von Talent und Kreativität lässt sich, wie in anderen Bereichen auch, bei Schriftstellern mittels einer Pyramide darstellen. Die Basis wird von den schlechten Schreibern gebildet. Darüber befindet sich eine nur geringfügig kleinere, aber einladende Gruppe: Das sind die passablen Schriftsteller. Auch ihre Namen kann man unter dem Personal der örtlichen Zeitungsredaktion finden, in den Regalen der städtischen Buchhandlung oder bei Veranstaltungen wie dem Offenen Mikro.

Das sind Menschen, die wissen, dass eine Lesbe zwar zornig sein kann, ihre Brüste aber Brüste bleiben. Die nächste Stufe ist deutlich schmaler. Hier finden sich die wirklich guten Autoren. Und über ihnen - über fast allen von uns - schweben Menschen wie Shakespeare, Faulkner, Yeats, Shaw und Eudora Welty. Sie sind Genies, göttliche Zufälle mit einer Begabung, die wir nicht begreifen können, erlangen schon gar nicht. Meine Güte, die meisten Genies verstehen sich noch nicht einmal selbst, und viele von ihnen führen ein elendes Leben, weil sie wissen (zumindest bis zu einem gewissen Grad), dass sie einfach nur außergewöhnlich große Glückspilze sind. Sie sind die intellektuelle Version von Supermodels, die zufällig mit den richtigen Wangenknochen und dem Geschmack der Zeit entsprechenden Brüsten geboren wurden.

Mit zwei simplen Thesen komme ich nun zum Kern dieses Buches. Erstens: Um gut zu schreiben, muss man die Grundlagen beherrschen (Wortschatz, Grammatik, Stilistik) und die dritte Ebene des Werkzeugkastens mit dem richtigen Werkzeug bestücken. Zweitens: Zwar kann man aus einem schlechten Schriftsteller keinen passablen und aus einem guten Schriftsteller kein Genie machen, doch ist es mit sehr viel harter Arbeit, Hingabe und Unterstützung im richtigen Moment durchaus möglich, von einem passablen zu einem guten Autor zu werden. Leider ist die Zahl der Kritiker und Schreiblehrer spärlich, die diese Überzeugung teilt. Viele haben zwar eine liberale politische Einstellung, sind jedoch auf ihrem Spezialgebiet absolute Betonköpfe.

Die Männer und Frauen, die auf die Straße gehen, um gegen den Ausschluss von Afroamerikanern und eingeborenen Amerikanern (ich kann mir vorstellen, was Mr. Strunk zu diesen politisch korrekten, aber umständlichen Ausdrücken gesagt hätte) aus dem Country Club zu protestieren, sind oft dieselben, die ihrer Klasse erzählen, die schriftstellerische Begabung als solche sei gegeben und unveränderlich - einmal Schmierfink, immer Schmierfink. Selbst wenn ein Schriftsteller in der Achtung von ein, zwei einflussreichen Kritikern steigt, wird er seinen früheren Ruf nicht los - so wie eine ehrbare Ehefrau, die in ihrer Jugend nichts ausgelassen hat.

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