Diabolic (1). Vom Zorn geküsst

Vom Zorn geküsst:
 
 
Arena (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 5. Januar 2017
  • |
  • 488 Seiten
 
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978-3-401-80658-7 (ISBN)
 

Eine Diabolic ist stark.

Eine Diabolic kennt kein Mitleid.

Eine Diabolic hat eine einzige Aufgabe: Töte, um den einen Menschen zu schützen, für den du erschaffen wurdest.

Als Nemesis und Tyrus sich am Imperialen Kaiserhof begegnen, prallen Welten aufeinander. Sie - eine Diabolic, die tödlichste Waffe des gesamten Universums. Liebe ist ihr völlig fremd. Er - der Thronfolger des Imperiums, der von allen für wahnsinnig gehalten wird. Liebe ist etwas, das ihn nur schwächen würde. Dass ausgerechnet diese beiden zusammenfinden, darf nicht sein. Denn an einem Ort voller Intrigen und Machtspiele ist ein Funke Menschlichkeit eine gefährliche Schwachstelle .

Nemesis und Tyrus. Diabolic und Thronerbe. Ein Mädchen zwischen unbändigem Zorn und ergreifender Liebe, und ein Junge, dem Gefühle das Leben kosten könnten. Eine großes Fantasy-Spektakel, das den Lesern den Atem rauben wird!

weitere Ausgaben werden ermittelt
S. J. Kincaid wuchs in Kalifornien auf und ging in New Hampshire zur Schule. Sie ist Weltenbummler durch und durch und pendelt oft zwischen den USA und Schottland hin und her. Eigentlich wollte sie Astronautin werden, aber ein Mangel an mathematischen Fähigkeiten brachte sie schließlich dazu, Bücher zu schreiben und so in packenden Geschichten die unendlichen Weiten des Universums zu entdecken.

Schuf er,
der das Lamm schuf,
auch dich?

William Blake, Der Tiger

 

 

 

Alle glaubten sie, Diabolics seien furchtlose Kreaturen, doch in meinen ersten Jahren kannte ich nichts als Angst. Die Angst hatte mich auch an jenem Morgen fest im Griff, als die Impyreaner mich in den Gehegen besichtigten.

Sprechen konnte ich nicht, doch ich verstand vieles von dem, was gesagt wurde. In heller Aufregung redete der Gehegevorsteher auf seine Gehilfen ein: Bald würden Senator von Impyrean und seine Frau eintreffen, die Impyreanische Matriarchin. Die Wärter streiften um meinen Käfig und musterten mich von Kopf bis Fuß auf der Suche nach Makeln.

Mit pochendem Herzen und Muskeln, die für den Kampf bereit waren, wartete ich ab. Senator und Matriarchin? Wer war das?

Da kamen sie.

Alle Abrichter, alle Wärter fielen vor ihnen auf die Knie. Ehrfürchtig führte der Gehegevorsteher ihre Hände an seine Wangen. »Euer Besuch ehrt uns.«

Angst durchzuckte mich. Was waren das für Wesen, vor denen sich selbst der schreckliche Gehegevorsteher in den Staub warf? Noch nie hatte ich mich derart eingeengt gefühlt vom leuchtenden Kraftfeld meines Käfigs. Ich quetschte mich in die hinterste Ecke, während Senator von Impyrean und seine Frau herübergeschlendert kamen, um mich durch die transparente Barriere zu begutachten.

»Wie Ihr seht«, sagte der Gehegevorsteher, »ist Nemesis ungefähr im Alter Eurer Tochter und körperlich exakt auf Eure Vorgaben zugeschnitten. In den nächsten Jahren wird sie noch wachsen und an Kraft zulegen.«

»Sicher, dass dieses Mädchen eine Gefahr darstellt?«, erwiderte der Senator gelangweilt. »Sieht mir nach einem verängstigten Kind aus.«

Seine Worte ließen mich frösteln.

Verängstigt durfte ich nicht erscheinen. Mit Angst handelte ich mir Stromstöße ein, reduzierte Rationen und Qualen. Angst durfte ich keinesfalls zeigen. Also warf ich dem Senator einen grimmigen Blick zu.

Als er mein Starren bemerkte, wirkte er überrascht. Sein Mund öffnete sich, er wollte etwas sagen, zögerte dann jedoch und betrachtete mich aufmerksam, bevor er sich wieder von mir abwandte. »Vielleicht haben Sie recht«, murmelte er. »Man sieht es an den Augen - die fehlende Menschlichkeit. Liebste, bist du dir wirklich sicher, dass wir uns eine solche Abscheulichkeit ins Haus holen sollten?«

»Heutzutage hat jede große Familie einen Diabolic. Unsere Tochter darf nicht als einziges Kind schutzlos dastehen.« Damit wandte sich die Matriarchin an den Gehegevorsteher. »Ich wüsste gerne, was wir für unser Geld bekommen.«

»Selbstverständlich«, antwortete dieser mit einem Wink in Richtung eines Wärters. »Irgendein Köder -«

»Nein«, fuhr die Matriarchin dazwischen, ihre Stimme wie ein Peitschenknall. »Wir müssen Gewissheit haben. Wir haben drei Sträflinge mitgebracht, die die Kreatur angemessen fordern werden.«

Der Gehegevorsteher lächelte. »Ausgezeichnete Idee, Grandeé von Impyrean. Hier ist größte Vorsicht angebracht, schließlich wimmelt es von unfähigen Züchtern . aber Nemesis wird Euch nicht enttäuschen.«

Auf das Nicken der Matriarchin hin trat die Gefahr endlich offen zutage: Drei Männer wurden von außerhalb meines Blickfelds zum Käfig getrieben.

Ich drückte mich gegen das Kraftfeld und spürte das vibrierende Kribbeln am Rücken, während sich in meinem Bauch ein eisiger Abgrund auftat. Ich wusste, was geschehen würde. Diese drei waren nicht die Ersten, die dazu verdammt waren, mir einen Besuch abzustatten.

Die Gehilfen des Gehegevorstehers lösten meine Ketten, schalteten das vordere Kraftfeld aus, schubsten die drei zu mir hinein und aktivierten das Feld wieder. Ich atmete stoßweise. Ich wollte das nicht. Ich wollte nicht.

»Was soll das?«, fragte ein Sträfling, dessen Augen zwischen mir und dem Publikum dieser spontanen Vorstellung hin und her huschten.

»Ist das nicht offensichtlich?« Die Matriarchin hakte sich beim Senator unter und nach einem zufriedenen Blick auf ihren Mann belehrte sie die Sträflinge in freundlichstem Tonfall: »Mit brutalen Verbrechen habt ihr euch in diese Lage gebracht - aber jetzt habt ihr die Chance, euch zu retten. Tötet ihr das Kind, wird euch mein Gatte begnadigen.«

Zweifelnd starrten die Sträflinge auf den Senator, der nur gleichgültig mit der Hand wedelte. »So soll es sein.«

Einer der Männer stieß einen hässlichen Fluch aus. »Ich weiß, was für ein Vieh das ist. Haltet Ihr mich für dumm? Dem Ding werde ich nicht zu nahe kommen!«

»Wenn das so ist«, erwiderte die Matriarchin lächelnd, »werdet ihr hingerichtet. Alle drei. Jetzt tötet das Kind.«

Die Sträflinge beäugten mich und nach einer Weile verzerrte sich der Mund des massigsten zum anzüglichen Grinsen. »Das ist ein kleines Mädchen. Das erledige ich selbst. Komm schon, Kleine.« Er kam näher. »Wollt Ihr Blut sehen oder soll ich ihr einfach das Genick brechen?«

»Deine Entscheidung«, sagte die Matriarchin.

Die Zuversicht des einen ermutigte die anderen, in ihren Gesichtern loderte die Hoffnung auf Freiheit. Mein Herz trommelte gegen den Brustkorb. Ich hatte keine Möglichkeit, die drei vor mir zu warnen. Selbst wenn, sie hätten nicht auf mich gehört. Ihr Anführer hatte mich zum schwächlichen Mädchen erklärt - damit stand ihr Urteil fest. Ein tödlicher Fehler.

Viel zu leichtsinnig fuhr der Große den Arm aus, wollte mich packen. Er kam mir so nahe, dass ich seinen Schweiß roch.

Es war ein Geruch, der in mir einen Schalter umlegte, wie jedes Mal: Die Angst verschwand, die Panik wurde weggespült von der Flut des Zorns.

Mein Gebiss schloss sich um seine Hand. Kupferrot leuchtendes Blut spritzte hervor. Schreiend versuchte er, sich loszureißen - vergeblich. Ich fasste ihn am Handgelenk, warf mich nach vorne und verdrehte ihm dadurch den Arm. Knirschende Gelenkbänder. Ein Tritt in seine Kniekehle, um ihn zu Boden zu stoßen, ein Satz über seinen Rücken. Meine Stiefel landeten krachend auf seinem Hinterkopf und zersplitterten ihm den Schädel.

Da drüben stand der Zweite, der sich in seinem Leichtsinn zu weit nach vorne gewagt hatte und jetzt seinen Fehler erkannte. Erschrocken schrie er auf, konnte aber nicht entkommen. Ich war zu schnell. Mein Handballen rammte sich in seinen Nasenknorpel und trieb diesen direkt ins Gehirn.

Über die beiden Leichen hinwegsteigend näherte ich mich dem Dritten, dem Vernünftigen, der mich fürchtete. Der Mann kreischte, stolperte rückwärts gegen das Kraftfeld und kauerte sich zusammen wie ich kurz zuvor, ehe ich von der Wut erfasst worden war.

Er hob die zitternden Hände, sein Leib wurde von Schluchzern geschüttelt. »Bitte nicht. Bitte tu mir nicht weh. Bitte!«

Bei diesen Worten zögerte ich.

So hatte ich mein ganzes Leben verbracht, von Geburt an: mit der Abwehr von Angreifern, mit dem Töten, um nicht selbst getötet zu werden. Ein einziges Mal hatte ein Opfer um Gnade gefleht. Damals hatte ich nicht weitergewusst und jetzt, im Angesicht dieses angstgekrümmten Mannes, sickerte dieselbe Verwirrung in meinen Geist und lähmte mich. Was sollte ich tun?

»Nemesis.«

Plötzlich stand die Matriarchin vor mir, lediglich geschützt vom Kraftfeld. »Versteht sie meine Worte?«, fragte sie den Gehegevorsteher.

»Ja, sie können unsere Sprache begreifen - dafür haben sie genügend Menschliches an sich. Aber zu antworten lernt sie erst, wenn sich die Maschinen an ihrem Gehirn zu schaffen gemacht haben.«

Mit einem Nicken drehte sich die Matriarchin zu mir. »Du hast mich beeindruckt, Nemesis. Jetzt frage ich dich: Willst du diesen Ort hinter dir lassen? Willst du etwas Eigenes haben, etwas Kostbares, das du beschützen und dem du deine Liebe schenken kannst? Ein Zuhause voller Annehmlichkeiten, die du dir nie erträumt hättest?«

Liebe? Annehmlichkeiten? Seltsame Worte. Ihre Bedeutung kannte ich nicht, doch ihr verheißungsvoller Klang lockte mich, verwob sich mit meinem Geist wie eine Melodie und übertönte das Wimmern des Verzweifelten.

Ich war wie gebannt vom schneidenden Blick der Matriarchin.

»Willst du mehr sein als ein Tier in einem nasskalten Käfig?«, sagte sie. »Dann beweise mir, dass du würdig bist, unserer Familie, den Impyreanern, zu dienen. Zeige mir, dass du gehorchen kannst, wenn es nötig ist. Töte ihn.«

Liebe. Annehmlichkeiten. Was auch immer das war, ich wollte es. Ich würde es mir holen. Ich machte zwei, drei schnelle Schritte und zerschmetterte dem Sträfling das Genick.

Als die dritte Leiche zu meinen Füßen landete, sah ich die Matriarchin lächeln.

Später brachten mich die Wärter ins Laboratorium, wo ein kleines Mädchen wartete. Zu ihrem Schutz wurde ich fixiert, meine Arme und Beine eingeschlossen in massives Eisen, umgeben von einem Ring aus leuchtender Elektrizität. Ich konnte nicht anders, als das merkwürdige Wesen...

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