Lose Enden I

Band 1
 
 
Books on Demand (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 18. Mai 2020
  • |
  • 420 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7519-1123-8 (ISBN)
 
Krister Ullrik ist Leiter der Abteilung Laserphysik an der Universität Ulm. Als die Familie seines Kollegen Dr. Arun Kanwar von einer rechtsradikalen Gruppe bedroht wird, versucht er, dem Freund zu helfen. In dem Bemühen, Schaden von Arun abzuwenden und eine langfristige Lösung für die bedrohte indische Familie zu finden, übersieht Krister die tödliche Gefahr, die seiner Freundin Hanna aus ihrer Vergangenheit droht.
1. Auflage
  • Deutsch
  • 0,56 MB
978-3-7519-1123-8 (9783751911238)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Mona Kim ist in Schwäbisch Gmünd im Ostalbkreis geboren. Nach ihrem Chemiestudium an der Universität Ulm und längerer Tätigkeit im kaufmännischen Bereich schreibt sie nun Romane und Kurzgeschichten.

Lose Enden, Band 1 ist ihre dritte Veröffentlichung.
Bisher sind im BoD-Verlag erschienen:
Der Antrag, Kurzgeschichten, 2017
Schaltjahr, 2018

Prolog


Im Flur klingelte das Telefon. Hanna ignorierte es. Es war selten für sie. Bei zwölf Mädchen im Alter von zehn bis sechzehn Jahren auf dem gleichen Flur war die Wahrscheinlichkeit gering. Meistens war es für Melanie, deren Freund mindestens zehnmal am Tag anrief. Melanie war auch schon sechzehn. Hanna war vierzehn und hatte keinen Freund. Manchmal stellte sie sich vor, wie das wäre, einen Freund zu haben. Er sah dann immer so aus wie Jens. Bloß war Jens Simones Freund und Simone war ihre beste Freundin. Wenn Jens sie ansah, spürte sie den Blick bis in die Zehen.

Die Tür flog auf. »Für dich!«

Schon war Katrin wieder weg und die Tür ihres Zimmers, zwei Räume weiter, knallte zu. Der Telefonhörer schwang an seiner geringelten Leine.

»Kommst du mit ins Freibad?«

»Wolltet ihr nicht zum Baggersee?«

»Das Einzige, was ich will, ist, diesen Kerl nie wiedersehen! Kommst du jetzt mit?«

Hanna zögerte. Wenn Simone mit Jens gestritten hatte, war sie unerträglich.

»Okay, aber erst in einer halben Stunde. Ich muss noch 'was fertig machen.«

»Um vier am Eingang!«

Simone wartete bereits ungeduldig, obwohl Hanna fünf Minuten vor vier Uhr ihr Fahrrad an einen der wenigen noch freien Fahrradständer anschloss.

»Na endlich! Ich bin fast geschmolzen.«

Die beiden Mädchen passierten das Drehkreuz und tauchten in den kakophonischen Lärm des Donaubades ein. Simone, deren Mund sonst in Hannas Gegenwart nur selten still stand, drängte sich schweigend durch die Badegäste. Auf dem Rasen verteilte Handtücher und Decken trat sie rücksichtslos mit ihren Sandalen und stieß im Weg liegende Taschen oder Spielsachen einfach bei Seite. Auf diese Weise näherten sie sich dem immer gleichen Platz, an dem sie sicher sein konnten, eine große Menge gleichaltriger Mädchen und Jungen aus ihrer Schule anzutreffen.

»Wo ist Jens?«

Eva war, daraus machte sie keinen Hehl, in Jens verknallt.

»Der ist explodiert. Hast du den Knall nicht gehört?«

Eva frohlockte sichtlich: »Habt ihr gestritten?«

Simone drehte ihr den Rücken zu.

»Komm! Gehen wir ins Wasser!«

Sie streifte ihr hautenges Minikleid ab. Hanna entledigte sich ebenso schnell ihrer Shorts und des T-Shirts und folgte der Freundin zum Sportbecken.

Schwimmen war in diesem Hexenkessel unmöglich. Nach kurzer Abkühlung setzten sich die beiden Mädchen an den Beckenrand und ließen die Beine im Wasser baumeln. Wenig später waren sie von anderen Jugendlichen umgeben, vor allem von männlichen Jugendlichen. Simone zog sie magisch an. Hanna wusste genau, dass es nicht ihre Anwesenheit war, die diesen Effekt hatte. Die Jungs mochten Hanna und unterhielten sich gerne mit ihr. Bei Simone dachten sie nicht ans Reden. Da Jens nicht in der Nähe war, witterten sie eine Chance. Hanna schloss die Augen und gab sich dem wohltuend kühlenden Gefühl der auf ihrer Haut verdampfenden Wassertropfen hin. Der Lärm um sie herum wurde zunehmend ausgeblendet, als ein Bild in ihrem Kopf Gestalt annahm: Das Wasser, die Menschen, die Hektik. Sie malte ihre Bilder immer zuerst im Kopf. Auf die Leinwand oder auf Papier übertrugen sie sich dann fast von selbst.

»He, träumst du von mir?«

Dieter sprang mit einer Wasserbombe direkt vor Hanna ins Wasser. Dieter war einen Meter und vierzig Zentimeter klein und wog 80 Kilo. Ein Wasserfall ergoss sich über Hanna. Sie lachte. Im Gegensatz zu Simone, die Dieter verachtete, mochte sie den Jungen. Er war fröhlich und witzig. Dieter platzierte seine Masse neben Hanna auf den Beckenrand, wo kurz zuvor noch ihre Freundin gesessen hatte.

»Falls du Miss Universum suchst, die macht sich gerade an Mark ran, oder umgekehrt.«

Dieter zeigte auf eine Stelle im Wasser, wo Simone und Mark sich gegenseitig zu ertränken versuchten. Sie amüsierten sich dabei offensichtlich köstlich. Keine Spur mehr von schlechter Laune.

»Ist die Jens-Ära vorbei, oder handelt es sich nur um eine Zwischeneiszeit?«

»Keine Ahnung! Wahrscheinlich eine Zwischeneiszeit.«

Eine Weile schauten sie vom Beckenrand aus schweigend dem Treiben im Wasser zu.

»Spielst du mit Beach-Ball?«

Klaus, Türke und Geli tauchten aus dem Nichts auf und schauten Hanna erwartungsvoll an. Türke trug einen Volleyball unter dem Arm.

»Wenn du mich verlässt, suche ich den Freitod. Heute Abend wird meine aufgeschwemmte Wasserleiche aus dem Becken gefischt werden. Du wirst es dir niemals verzeihen!«

Theatralisch verdrehte Dieter die Augen und ließ sich rückwärts ins Wasser plumpsen. Die Anderen lachten und ließen Dieter zurück. Keiner gab sich die Mühe, ihn zum Mitspielen aufzufordern. Er erfüllte nicht die sportlichen Maßstäbe.

»Der sieht als Wasserleiche auch nicht viel anders aus.« Gelis kleine Bosheit wurde mit zustimmendem Lachen kommentiert.

Einige Zeit spielten sie mit ziemlich ausgeglichenem Punktestand, Türke mit Hanna, Klaus mit Geli. Plötzlich stand Jens am Rand des Sandfeldes.

»Falls du Simone suchst, die amüsiert sich gerade mit Mark«, informierte ihn Klaus taktlos.

»Tu ich nicht.«

Jens sah dem Spiel zu. Seine Anwesenheit brachte Hanna aus dem Konzept. Sie machte Fehler und ärgerte sich darüber. Geli ging es offensichtlich ebenso.

»Mir reicht's! Du kannst für mich spielen.«

Jens schickte Türke zu Klaus hinüber. So waren die Mannschaften wieder halbwegs ausgeglichen. Einige Zeit spielten die vier Jugendlichen konzentriert, angefeuert von den Zuschauern um den Spielfeldrand. Plötzlich wechselte die Stimmung. Simones Erscheinen am Beach-Ball-Feld ließ Ärger erahnen. Der Streit mit ihrem Freund hatte sich schnell herumgesprochen, und alle kannten Simone: Wenn sie hier, in der Nähe von Jens, auftauchte, dann sicher nicht, um sich das Spiel anzuschauen. Die vier Spieler bemerkten den Stimmungsumschwung zuletzt. Der Anblick Simones animierte Türke zu einem besonders aggressiven Schlag, der schmerzhaft Hannas Ohr traf.

»Sorry!« entschuldigte sich Türke, fügte aber gleich rechtfertigend hinzu: »Was guckst du aber auch in die Luft?«

Benommen setzte sich Hanna in den Sand. Simones giftige Blicke ignorierend, kniete sich Jens neben ihr nieder und fragte besorgt: »Alles in Ordnung? Sollen wir einen Sanitäter holen?«

»Quatsch!«

Das Dröhnen im Ohr ließ schon wieder nach und die Nebel verzogen sich, ebenso wie die leichte Übelkeit. Dass sie sich beim Aufstehen auf Jens' bereitwillig dargebotene Hand stützte, konnte ihr ja wohl niemand verübeln. Vorsichtshalber schwankte sie ein wenig und spürte auch gleich den festen Griff um ihre Taille. Simone drehte auf dem Absatz um und ließ die Gruppe stehen.

»Dicke Luft!« konstatierte Geli trocken.

Am nächsten Tag kam Jens in der Pause zu Hanna, die mit Simone und eine paar anderen Mädchen zusammenstand.

»Na, wie geht's? Noch Probleme?«

Hanna warf Simone einen vorsichtigen Seitenblick zu, vermochte ihre Freude aber nicht zu verbergen.

»Danke! Alles in Ordnung.«

»Hey Hanna! Sag bloß: Ist Jens jetzt in dich verknallt? Wenn ich du wäre, würde ich sofort zugreifen.«

Neidisch blickte Andrea dem Jungen nach, der wieder zu seiner Clique zurückging. Auch die anderen Mädchen gaben ihre Kommentare ab. Es war ihre Rache dafür, dass Simone bei den Jungs so gut ankam. Diese starrte finster vor sich hin. Gerne hätte sie Streit angefangen, aber das konnte sie sich im Augenblick nicht leisten. Am Freitag war Sporttag. Simone hatte nicht die Absicht, daran teilzunehmen. Trotz ihrer Größe und ihrer schlanken Figur war sie unsportlich, was zum größten Teil auf Faulheit zurückzuführen war. In einen Sandkasten zu hüpfen oder Kugeln durch die Gegend zu stoßen, dem konnte sie nichts abgewinnen. Deshalb brauchte sie von Hanna eine Entschuldigung. Hanna konnte die Unterschrift von Simones Vater perfekt nachmachen. Die beiden Mädchen hatten das schon häufig ausprobiert. Hanna konnte überhaupt jede beliebige Schrift kopieren. Natürlich bekam Simone ihren Willen. Hanna war froh, durch diesen Gefallen den Frieden wiederherstellen zu können. Die beiden verabredeten, am Freitagabend gemeinsam ins Jugendhaus zu gehen.

Als die Freundinnen im Jugendhaus ankamen, waren die meisten aus ihrer Klasse schon da. Dem Jugendhaus war von der Stadt eine alte Villa zur Verfügung gestellt worden, zu der ein großer Park gehörte. Die Schatten der Bäume und Büsche waren zum Knutschen ideal. Dass die Zärtlichkeiten nicht zu weit gingen, dafür sorgten ein paar Aufsichtspersonen, die hin und wieder einen Kontrollgang durch den Park machten und die beliebtesten Winkel genau kannten.

Laute Musik machte jede Unterhaltung unmöglich. Jeder tanzte mit jedem. Alkohol wurde nicht ausgeschenkt. Es gab Cola, Säfte und Mineralwasser.

Jens war auch da...

Dateiformat: ePUB
Kopierschutz: Wasserzeichen-DRM (Digital Rights Management)

Systemvoraussetzungen:

Computer (Windows; MacOS X; Linux): Verwenden Sie eine Lese-Software, die das Dateiformat EPUB verarbeiten kann: z.B. Adobe Digital Editions oder FBReader - beide kostenlos (siehe E-Book Hilfe).

Tablet/Smartphone (Android; iOS): Installieren Sie bereits vor dem Download die kostenlose App Adobe Digital Editions (siehe E-Book Hilfe).

E-Book-Reader: Bookeen, Kobo, Pocketbook, Sony, Tolino u.v.a.m. (nicht Kindle)

Das Dateiformat ePUB ist sehr gut für Romane und Sachbücher geeignet - also für "fließenden" Text ohne komplexes Layout. Bei E-Readern oder Smartphones passt sich der Zeilen- und Seitenumbruch automatisch den kleinen Displays an. Mit Wasserzeichen-DRM wird hier ein "weicher" Kopierschutz verwendet. Daher ist technisch zwar alles möglich - sogar eine unzulässige Weitergabe. Aber an sichtbaren und unsichtbaren Stellen wird der Käufer des E-Books als Wasserzeichen hinterlegt, sodass im Falle eines Missbrauchs die Spur zurückverfolgt werden kann.

Weitere Informationen finden Sie in unserer E-Book Hilfe.


Download (sofort verfügbar)

4,49 €
inkl. 5% MwSt.
Download / Einzel-Lizenz
ePUB mit Wasserzeichen-DRM
siehe Systemvoraussetzungen
E-Book bestellen