Die letzten Tage

 
Dana Kilborne (Autor)
 
Cora Verlag GmbH & Co. KG
1. Auflage | erschienen am 3. Mai 2011 | 144 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Adobe DRM | Systemvoraussetzungen
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-86349-650-0 (ISBN)
 
Der Tag, an dem die ewige Dämmerung einsetzte ...Aus seinen eisblauen Augen scheint er bis auf den Grund ihrer Seele zu blicken, seine federleichte Berührung brennt auf ihrer Haut ... Wer ist dieser überirdisch gut aussehende Fremde, dem Grazia in Rom immer wieder begegnet? Nachts träumt sie von ihm - und wie aus dem Nichts taucht er in ihrem Apartment auf. Ungläubig hört Grazia ihm zu. Er ist angeblich ein gefallener Engel, und er braucht sie, um das Böse zu bekämpfen! Erst als sich die seltsamen Morde in der Stadt häufen beginnt Grazia ihm zu glauben. Aber wie soll sie, eine einfache junge Frau, ihm helfen?
Deutsch
0,45 MB
978-3-86349-650-0 (9783863496500)
3863496507 (3863496507)

1. KAPITEL

Grazia Bassani hatte nicht vorgehabt, an diesem Tag dem Tod zu begegnen.

Sie war in keiner guten Stimmung - wie jeden Sonntag, wenn sie kurz vor Toresschluss zum Friedhof kam, um das Grab der Person zu besuchen, die sie im Leben am meisten vermisste.

Als sie jetzt das Gelände betrat, glaubte sie sofort, das leise Wispern der Verstorbenen zu hören. Doch es war nur der Wind, der durch die Kronen der Bäume fuhr und die Blätter rascheln ließ.

Grazia ging weiter. Der Kies, mit dem der gewundene Weg ausgestreut war, knirschte unter den Sohlen ihrer Schuhe. Ansonsten war es still, denn die Geräusche der Stadt waren hinter den Friedhofsmauern zurückgeblieben.

Mit jedem Schritt, den sie tat, verstärkte sich das Unbehagen, das sie immer überfiel, wenn sie hierherkam. Es war eine Mischung aus Trauer, Wut und Angst. Gleichzeitig fühlte sie sich unerklärlicherweise aber auch wohl an diesem Ort. Sie mochte die Ruhe und den Frieden hier, und selbst im Hochsommer sorgten die vielen schattigen Bäume dafür, dass es nie zu heiß wurde.

Von Hitze konnte heute jedoch keine Rede sein, und das lag nicht nur am hereinbrechenden Abend. Schwere dunkle Wolken waren am Himmel aufgezogen und drückten die Temperaturen unter die Fünfzehn-Grad-Marke, was für Rom in den Sommermonaten keineswegs normal war. Angesichts der anderen seltsamen Naturereignisse, die in letzter Zeit überall auf der ganzen Welt passierten, erschien es allerdings eher unspektakulär.

Erst gestern hatte Grazia in den Nachrichten von einem Kometenschauer gehört, der über Südafrika niedergegangen war. Die Bilder waren eindrucksvoll und zugleich Furcht einflößend gewesen - so, als würden die Sterne vom Himmel fallen. Und dabei handelte es sich nicht um das erste Phänomen dieser Art. Seit Wochen bedeckte ein ständig anwachsender, leuchtend roter Ring aus Feuerquallen die Küste der Balearen und sorgte dafür, dass auf den Urlaubsinseln Mallorca und Ibiza die Gäste fernblieben. Währenddessen wurde der Mittlere Westen der USA von einer späten und besonders heftigen Tornadosaison heimgesucht, die die Einwohner in Angst und Schrecken versetzte.

Als Grazia die letzte Ruhestätte ihrer Mutter erreichte, die sich etwas abseits in der Nähe der östlichen Friedhofsmauer befand, blieb sie stehen. Das Grab lag im Schatten einer alten, hochgewachsenen Eiche. Weil selbst bei schönem Wetter nicht viel Sonne darauf fiel, gediehen die Blumen hier nicht so üppig, doch das empfand Grazia nur als passend. Bunte Farben gehörten ihrer Meinung nach ebenso wenig hierher wie Fahrradfahrer und lärmende Schulklassen. Das war einer der Gründe, warum sie immer sonntags, kurz bevor die Tore geschlossen wurden, herkam. Sie sehnte sich nach der Ruhe und Erhabenheit, die dieser Ort ausstrahlte. Etwas, das sie für eine Weile vergessen ließ, wie verrückt und hektisch es in der Welt dort draußen hinter den hohen Friedhofsmauern zuging.

Sie legte die weiße Lilie, die sie mitgebracht hatte, auf das Grab und blickte nachdenklich den Grabstein, der die Form eines betenden Engels hatte, an. Wie immer, wenn sie hier war, geisterte ein und dieselbe Frage ununterbrochen durch ihren Kopf.

Wie konntest du einfach weggehen, mamma ? Ich war deine Tochter, und ich hätte dich gebraucht! Hattest du mich denn überhaupt nicht lieb?

Seufzend schob sie diesen traurigen Gedanken und die Melancholie, die damit einherging, weit von sich. Sie wusste, dass es nichts brachte, sich darüber den Kopf zu zerbrechen. Antworten auf ihre Fragen würde sie ohnehin niemals erhalten. Ihre Mutter konnte ihr sie nicht mehr geben, und ihr Vater .

Grazia runzelte die Stirn. Sie wusste nicht, woran es lag, aber irgendetwas war heute anders als sonst. Es lag etwas in der Luft, das bei ihr ein seltsames Gefühl hervorrief. Etwas Seltsames, das sie hier noch nie verspürt hatte.

Das Gefühl drohenden Unheils.

Sie schüttelte den Kopf. Unsinn! Sie war einfach nur ein bisschen durcheinander, mehr nicht. Oder aber die angespannte Stimmung, die momentan über ganz Rom lag, begann langsam aber sicher auf sie abzufärben. Es war eine Atmosphäre wie kurz vor einem Gewitter, wenn die Luft vor elektrischer Spannung vibrierte. Doch anders als bei einem aufziehenden Sturm verschwand dieses Prickeln nicht nach einem heftigen Regenguss, sondern hielt die Stadt nun schon seit Tagen in Atem. Und allmählich fingen die ersten Leute an durchzudrehen.

Die Gewaltbereitschaft unter den Bürgern war plötzlich angestiegen. Selbst normalerweise vollkommen friedliebende Menschen verwandelten sich von einem Tag auf den anderen in brutale Schläger, und diejenigen, die ohnehin schon zu Wutausbrüchen neigten, verloren vollkommen die Kontrolle über sich.

Grazia wusste es aus erster Hand - schließlich arbeitete sie beim Morddezernat im Dipartimento Cinque der römischen Kriminalpolizei.

Noch einmal strich sie mit den Fingern über die samtige Blüte der Lilie, dann stand sie auf. " Buona notte ", verabschiedete sie sich mit einem traurigen Lächeln. "Schlaf schön ."

Ganz gleich, wie oft sie auch herkam - wenn sie ging, überfiel sie jedes Mal ein Gefühl großer Schwermut. Dabei war es nun schon so lange her. Und im Grunde hatte ihre Mutter sie schon Jahre vor ihrem Tod im Stich gelassen.

Mittlerweile hatte der Himmel dort, wo sich Lücken in der Wolkendecke auftaten, eine ungesunde gelblich graue Färbung angenommen. Stechender Geruch erfüllte die Luft, und in weiter Ferne erklang Donnergrollen. Lange würde der Regen nicht mehr auf sich warten lassen. Grazia hoffte, dass er das, was immer die Stadt im Moment auch vergiftete, endlich davonspülen würde.

Sie beschleunigte ihr Tempo. Schon landeten die ersten dicken Regentropfen auf dem mit Kies bestreuten Gehweg. Wenn sie sich beeilte, würde sie noch einigermaßen trocken zu ihrem Wagen, den sie am Straßenrand vor dem Haupteingang geparkt hatte, gelangen.

Endlich erreichte sie das schmiedeeiserne Drehtor und wollte gerade hindurchtreten, als sie aus den Augenwinkeln etwas leuchtend Rotes zwischen den Zweigen eines Ginsterbusches hervorblitzen sah.

Sie spürte gleich, dass hier irgendetwas nicht stimmte. Vorsichtig näherte sie sich dem Ginsterbusch. "Hallo? Ist da jemand?"

Nichts rührte sich, doch das Gefühl der drohenden Gefahr verschwand nicht. Im Gegenteil - es verstärkte sich noch.

Suchend blickte Grazia sich um und entdeckte ganz in der Nähe einen abgebrochenen Ast. Sie nahm ihn in die Hand, kniete sich hin und schob vorsichtig die untersten Zweige des Busches zur Seite.

Zwischen den Zweigen kam etwas zum Vorschein, das auf den ersten Blick wie ein unförmiger roter Ball aussah. Sie kniff die Augen zusammen und rückte noch ein Stück näher.

Da erkannte sie, dass sie keineswegs einen Ball vor sich hatte. Es handelte sich um überhaupt keinen Gegenstand, sondern .

. um einen menschlichen Kopf!

Vor Schreck schien Grazias Herz für einen Moment einfach stehen zu bleiben, dann hämmerte es so heftig, als wollte es zerspringen.

Mit einem erstickten Keuchen stolperte sie zurück. Der Stock entglitt ihren vollkommen kraftlosen Fingern. Sofort verdeckten die zurückfallenden Zweige den schrecklichen Anblick des Toten - das bis zur Unkenntlichkeit verbrannte Gesicht, die weit aufgerissenen, blicklos ins Leere starrenden glasigen Augen .

Trotzdem wusste Grazia, dass dieses scheußliche Bild sie so bald nicht mehr loslassen würde. Ihre Neigung zu schlimmen Albträumen war eines der Dinge, die sie bei der psychologischen Untersuchung, der sich jeder Bewerber vor einem Wechsel zur Mordkommission unterziehen musste, lieber verschwiegen hatte.

Sie schloss die Augen, atmete tief durch und wartete, bis das Rauschen in ihren Ohren langsam nachließ.

Jetzt bloß nicht die Nerven verlieren! Verdammt, reiß dich zusammen!

Endlich ebbte das Schwindelgefühl ab, und der eisige Regen, der jetzt sintflutartig vom Himmel stürzte, tat sein Übriges, damit sie sich wieder unter Kontrolle hatte.

Tu endlich was! Mach deinen Job!

Mit zittrigen Fingern strich sie sich eine nasse Haarsträhne aus dem Gesicht. Ihr war eiskalt, und das lag nicht am Wind, der jetzt so heftig an den Kronen der Bäume zerrte, dass abgerissene Blätter durch die Luft wirbelten. Es war die Angst, die von ihrem Körper Besitz ergriffen hatte. Kalte, nackte Angst. Doch die würde sie nicht davon abhalten, zu tun, was sie tun musste.

Noch einmal holte sie tief Luft, dann schob sie die Zweige des Ginsterbusches erneut zur Seite.

Bei der Leiche handelte es sich unverkennbar um einen Mann. Dies ließ sich vor allem deshalb so leicht feststellen, weil nur der Kopf des Toten von den grausamen Verbrennungen betroffen war. Der Rest des Körpers schien vollkommen unversehrt zu sein.

Seltsam .

Grazia runzelte die Stirn. Ganz offensichtlich war dieser Mann ermordet worden. Unmöglich konnte er sich diese Verletzungen durch einen Unfall zugezogen haben. Wer auch immer ihm das angetan haben mochte, hatte sich nicht damit zufriedengegeben, ihn einfach nur zu...

Dateiformat: EPUB
Kopierschutz: Adobe-DRM (Digital Rights Management)

Systemvoraussetzungen:

Computer (Windows; MacOS X; Linux): Installieren Sie bereits vor dem Download die kostenlose Software Adobe Digital Editions (siehe E-Book Hilfe).

Tablet/Smartphone (Android; iOS): Installieren Sie bereits vor dem Download die kostenlose App Adobe Digital Editions (siehe E-Book Hilfe).

E-Book-Reader: Bookeen, Kobo, Pocketbook, Sony, Tolino u.v.a.m. (nicht Kindle)

Das Dateiformat EPUB ist sehr gut für Romane und Sachbücher geeignet - also für "fließenden" Text ohne komplexes Layout. Bei E-Readern oder Smartphones passt sich der Zeilen- und Seitenumbruch automatisch den kleinen Displays an. Mit Adobe-DRM wird hier ein "harter" Kopierschutz verwendet. Wenn die notwendigen Voraussetzungen nicht vorliegen, können Sie das E-Book leider nicht öffnen. Daher müssen Sie bereits vor dem Download Ihre Lese-Hardware vorbereiten.

Weitere Informationen finden Sie in unserer E-Book Hilfe.


Dateiformat: EPUB
Kopierschutz: Wasserzeichen-DRM (Digital Rights Management)

Systemvoraussetzungen:

Computer (Windows; MacOS X; Linux): Verwenden Sie eine Lese-Software, die das Dateiformat EPUB verarbeiten kann: z.B. Adobe Digital Editions oder FBReader - beide kostenlos (siehe E-Book Hilfe).

Tablet/Smartphone (Android; iOS): Installieren Sie bereits vor dem Download die kostenlose App Adobe Digital Editions (siehe E-Book Hilfe).

E-Book-Reader: Bookeen, Kobo, Pocketbook, Sony, Tolino u.v.a.m. (nicht Kindle)

Das Dateiformat EPUB ist sehr gut für Romane und Sachbücher geeignet - also für "fließenden" Text ohne komplexes Layout. Bei E-Readern oder Smartphones passt sich der Zeilen- und Seitenumbruch automatisch den kleinen Displays an. Mit Wasserzeichen-DRM wird hier ein "weicher" Kopierschutz verwendet. Daher ist technisch zwar alles möglich - sogar eine unzulässige Weitergabe. Aber an sichtbaren und unsichtbaren Stellen wird der Käufer des E-Books als Wasserzeichen hinterlegt, sodass im Falle eines Missbrauchs die Spur zurückverfolgt werden kann.

Weitere Informationen finden Sie in unserer E-Book Hilfe.


Download (sofort verfügbar)

3,49 €
inkl. 19% MwSt.
Download / Einzel-Lizenz
ePUB mit Adobe DRM
siehe Systemvoraussetzungen
E-Book bestellen

3,49 €
inkl. 19% MwSt.
Download / Einzel-Lizenz
ePUB mit Wasserzeichen-DRM
siehe Systemvoraussetzungen
E-Book bestellen