Kierkegaard für Gestresste

 
 
Insel (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 11. März 2013
  • |
  • 183 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-458-73074-3 (ISBN)
 
»Leben kann man nur vorwärts.«
Søren Kierkegaard gibt Anregungen zu den unterschiedlichsten Lebensbereichen wie Genuss, Natur, Liebe, aber auch Glaube und Ehe. Bis heute haben seine leuchtend klaren, amüsanten und zutiefst nachdenklichen Gedanken nicht an Aktualität verloren.
1. Auflage
  • Deutsch
  • Berlin
  • |
  • Deutschland
  • 2,57 MB
978-3-458-73074-3 (9783458730743)
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Søren Kierkegaard, geboren am 5. Mai 1813 in Kopenhagen, war ein dänischer Philosoph, Essayist, Theologe und religiöser Schriftsteller. Er gilt als geistiger Wegbereiter der Existenzphilosophie.
Er starb am 11. November 1855 in Kopenhagen.

Ulrich Sonnenberg, 1955 geboren, arbeitete nach einer Buchhändlerlehre mehrere Jahre in Kopenhagen und gründete 1986 zusammen mit Klaus Schöffling die Frankfurter Verlagsanstalt. Von 1993 bis 2003 war er Verkaufsleiter der Verlage Suhrkamp und Insel. Seit 2004 arbeitet er als freier Übersetzer und Herausgeber.

Leben und Welt


Wenn schon etwas mehr als nur Ehrlichkeit dazugehört, um durch die Welt zu kommen, so ist Dummheit immer vonnöten, um so recht sein Glück zu machen und so recht von vielen verstanden zu werden.

Abschließende unwissenschaftliche Nachschrift, 1846

 

In Wahrheit ist niemals irgendein Mensch Autorität gewesen, weder hat er damit irgendeinem anderen genutzt, noch hat er es wirklich geschafft, einem Schüler den Weg zu weisen. Besser gelingt es auf eine andere Art und Weise, denn immer schon hat es sich als richtig erwiesen, dass ein Narr, indem er selbst geht, mehrere andere auf seinem Weg mitnimmt.

Philosophische Brocken, 1844

 

Ich rede am liebsten mit Kindern; denn bei ihnen darf man noch hoffen, dass sie Vernunftwesen werden können; aber die, die es geworden sind – Herrjemineh!

Entweder-Oder, Diapsalmata, 1843

 

Es ist merkwürdig genug, dass es im Leben so zugeht, dass die großen Männer nicht das Bisschen tun können, was die gewöhnlichen Menschen vermögen.

Vier erbauliche Reden, 1844

 

Wie vielen ist es nicht ihr ganzes Menschenleben so gegangen, dass sie sich von frühester Jugend an fortwährend in Parenthesen bewegt haben.

Abschließende unwissenschaftliche Nachschrift, 1846

 

Die Spekulanten sollen sich nicht ihren Kopf mit der Ergründung der Forderung der Zeit zerbrechen, denn sie ist seit Menschengedenken im Wesentlichen immer die gleiche gewesen: an der Nase herumgeführt zu werden. Wenn man nur etwas Galimathias[1] redet, und mit der Menschheit en masse Brüderschaft trinkt, dann wird man, wie Küster Per[2], von der ganzen Gemeinde geliebt und geachtet.

Stadien auf des Lebens Weg, »Schuldig?« – »Nicht Schuldig?«, 1845

 

Der äußere Lärm ist vollkommen unwesentlich, ebenso wenig wie die Fanfare und das Präsentieren des Gewehrs die Ziehung der Zahlenlotterie zu einer wesentlichen Handlung für den Jungen machen, der die Lose zieht. Wenn allerdings wesentlich gehandelt werden soll, dann kommt es nicht wesentlich darauf an, dass die Trommel geschlagen wird.

Stadien auf des Lebens Weg, In vino veritas, 1845

 

Nicht, was mir passiert, macht mich groß, sondern was ich tue, und es wird doch wohl niemand meinen, ein Mann wäre groß, nur weil er den Hauptgewinn in der Lotterie gewonnen hätte?

Furcht und Zittern, 1843

 

Von allen lächerlichen Dingen in der Welt scheint mir das Allerlächerlichste ein vielbeschäftigter Mann zu sein, der hastig isst und eilig seine Arbeit verrichtet. Sehe ich daher eine Fliege, wie sie sich im entscheidenden Moment auf die Nase eines solchen Geschäftsmannes setzt, oder wie er von einem Wagen bespritzt wird, der in noch größerer Eile an ihm vorbeifährt, oder wie die Knippelsbro[3] hochgeht oder ein Dachziegel herunterfällt und ihn erschlägt, lache ich von ganzem Herzen. Und wer müsste wohl nicht lachen? Was richten sie denn aus, diese eiligen Hastarbeiter? Geht es ihnen nicht wie jener Frau, die in aller Aufregung darüber, dass im Hause Feuer ausgebrochen war, die Feuerzange rettete? Was retten sie denn wohl mehr aus der großen Feuersbrunst des Lebens?

Entweder-Oder, Diapsalmata, 1843

 

Es gibt Menschen, die die außerordentliche Gabe haben, alles in ein Geschäft zu verwandeln, deren ganzes Leben ein Geschäft ist, die sich verlieben und heiraten, einen Witz hören und ein Kunststück bewundern, alles mit dem gleichen Geschäftseifer, mit dem sie auch ihre Arbeit im Büro verrichten.

Entweder-Oder, Die Wechselwirtschaft, 1843

 

Was ist überhaupt die Bedeutung dieses Lebens? Teilt man die Menschen in zwei große Klassen, so lässt sich sagen, die eine arbeitet um zu leben, die andere hat das nicht nötig. Aber arbeiten um zu leben, kann doch nicht die Bedeutung des Lebens sein, denn es ist doch ein Widerspruch, dass das ständige Schaffen der Bedingungen die Antwort auf die Frage nach der Bedeutung des Lebens sein soll, das überhaupt erst durch das Schaffen möglich wird. Das Leben der Übrigen hat im Allgemeinen auch keine Bedeutung außer der, die Bedingungen aufzuzehren. Will man sagen, die Bedeutung des Lebens besteht darin zu sterben, so scheint dies ebenfalls ein Widerspruch zu sein.

Entweder-Oder, Diapsalmata, 1843

 

Häng dich auf, du wirst es bereuen; häng dich nicht auf, du wirst es ebenfalls bereuen; häng dich oder häng dich nicht auf, beides wirst du bereuen.

Entweder-Oder, Diapsalmata, 1843

 

Wenn jemand sein Geld leid ist und es aus dem Fenster wirft, so wird niemand behaupten, er sei ein niederträchtiger Mensch; denn entweder hat das Geld eine Realität, dann ist er doch ausreichend bestraft, wenn er sich dessen beraubt, oder es hat keine Realität, und dann wäre er ja weise.

Entweder-Oder, Die Wechselwirtschaft, 1843

 

Lass einen Menschen stolz sein, in Gottes Namen, es wäre besser, er wäre es nicht, aber lass ihn; lass ihn nur nicht stolz auf sein Geld sein, denn es gibt nichts, was einen Menschen dermaßen entwürdigt.

Entweder-Oder, Das Gleichgewicht zwischen dem Ästhetischen und
dem Ethischen in der Herausarbeitung der Persönlichkeit, 1843

 

Ein alter Mann, den ich einst kannte, pflegte immer zu sagen, es sei gut für den Menschen, dass er gelernt habe zu arbeiten um zu leben; da gilt für die Älteren, was für die Kinder gilt, sie müssen beizeiten dazu erzogen werden. Nun bin ich allerdings nicht der Meinung, dass es für einen jungen Menschen sinnvoll ist, sich sofort durch Nahrungssorgen entmutigen zu lassen. Aber lass ihn ruhig lernen zu arbeiten um zu leben. Die so viel gepriesene Unabhängigkeit ist ja oft genug ein Fallstrick: jede Lust kann befriedigt, jeder Neigung kann gefolgt, jede Laune kann ausgelebt werden, bis sie sich gegen einen selbst verbünden.

Wer arbeiten muss, dem wird die eitle Freude, alles im Leben haben zu können, unbekannt bleiben, er wird nicht lernen, auf seinen Reichtum zu pochen, mit Geld jedes Hindernis zu entfernen und sich jegliche Freiheit zu erkaufen; aber sein Gemüt ist dennoch nicht verbittert, er wird nicht danach streben, wie mancher reiche Jüngling mit stolzer Verachtung und Jugurthas[4] Worten dem Dasein den Rücken zuzuwenden: »Hier ist eine Stadt, sie bietet sich an, wenn sie einen Käufer findet.« Er wird nicht in kurzer Zeit eine Weisheit erworben haben, mit der er den Menschen Unrecht tut und sich selbst unglücklich macht.

Entweder-Oder, Das Gleichgewicht zwischen dem Ästhetischen und
dem Ethischen in der Herausarbeitung der Persönlichkeit, 1843

 

Es müsste doch wahrhaftig ein Unglück sein, in der Weise glücklich zu sein, dass das eigene Glück sich von dem aller anderen im Wesentlichen unterschiede.

Entweder-Oder, Das Gleichgewicht zwischen dem Ästhetischen und
dem Ethischen in der Herausarbeitung der Persönlichkeit, 1843

 

Das Unglück eines Menschen besteht niemals darin, dass die äußerlichen Bedingungen nicht in seiner Macht liegen, denn das würde ihn erst vollkommen unglücklich machen.

Entweder-Oder, Das Gleichgewicht zwischen dem Ästhetischen und
dem Ethischen in der Herausarbeitung der Persönlichkeit, 1843

 

In England soll es passiert sein, dass ein Mann auf der Landstraße von einem Räuber überfallen wurde, der sich mit einer großen Perücke unkenntlich gemacht hatte. Er stürzt sich auf den Reisenden, packt ihn an der Brust und brüllt: Ihre Geldbörse. Er bekommt die Börse und behält sie, die Perücke hingegen wirft er fort.

Ein armer Mann kommt dieselbe Straße daher, findet die Perücke, setzt sie auf, erreicht die nächste Stadt, wo der Reisende bereits Alarm geschlagen hat, wird erkannt, eingesperrt und von dem Reisenden wiedererkannt, der einen Eid darauf ablegt, dass es der Räuber sei. Zufällig ist der Räuber im Gerichtssaal, sieht das Missverständnis und wendet sich an den Richter: »Es scheint mir, dass der Reisende mehr auf die Perücke als auf den Mann schaut«, und erbittet die Erlaubnis, einen Versuch zu unternehmen. Er setzt die Perücke auf und packt den Reisenden an der Brust mit den Worten: Ihre Geldbörse – und der Reisende erkennt den Räuber wieder und bietet an, dies zu beeiden – schade nur, dass er bereits einen Eid abgelegt hat.

Auf die eine oder andere Weise ergeht es jedem so, der ein »Was« hat und nicht auf das »Wie« achtet: Er schwört, er legt einen Eid ab, er tätigt eilige Geschäfte, er wagt Leib und Leben, er wird hingerichtet – alles für die Perücke.

Abschließende unwissenschaftliche Nachschrift, 1846

 

Der Weg ist nichts Gleichgültiges, egal, ob man vorwärts oder rückwärts fährt; der Ort und der Weg aber sind innen in einem Menschen, denn der Ort ist der selige Zustand des strebenden Geistes, und der Weg die ständige Verwandlung des strebenden Geistes.

Erbauliche Reden in verschiedenem Geist, 1847

 

Der breite Weg ist breit, weil viele auf ihm gehen. Der Weg der Menge ist immer breit.

Erbauliche Reden in verschiedenem Geist, 1847

 

Wenn derjenige, der handeln soll, sich selbst nach dem Ergebnis beurteilen wollte, so würde er niemals beginnen. Selbst wenn das Ergebnis die ganze...

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