Die Flucht der weißen Hexe

Grey-Chroniken II
 
 
TWENTYSIX (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 9. Oktober 2020
  • |
  • 319 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7407-6917-8 (ISBN)
 
Die junge Hexe Fee ist auf der Flucht vor der magischen Vereinigung Grey, von der sie sich verraten und benutzt fühlt. Hilfe erhofft sie sich von dem Vampir und Arzt Marius, der eine Klinik für Magiewesen betreibt. Doch der will nichts mit Grey zu tun haben, weder als Freund noch als Feind, zumal er eigene Probleme zu lösen und sich deshalb von der Welt zurückgezogen hat. Wie soll sie ihn trotzdem überzeugen, ihr beizustehen?
Zudem musste Fee all ihre Freunde zurücklassen, in dem Wissen, dass diese für ihr Verschwinden bestraft werden könnten. War ihre Flucht möglicherweise ein verhängnisvoller Fehler?
1. Auflage
  • Deutsch
  • 0,70 MB
978-3-7407-6917-8 (9783740769178)
Sabrina Kiehl wurde 1987 in Stuttgart geboren, ist Mutter und Bibliothekarin. Früher wollte sie vieles werden: Musicaldarstellerin, Journalistin, Fluglotsin oder Programmiererin. Aber ihre wahre Leidenschaft galt immer dem Schreiben. Besonders liebt sie es, in ihren Geschichten magische Wesen und die reale Welt zu verbinden.
Ihr Romandebüt »Die Tochter des Vampirjägers« war der Auftakt einer dreiteiligen Reihe, deren letzter Teil Anfang 2020 erschien. Mit »Sensus« erschien 2019 die erste Geschichte aus der Welt der Grey-Chroniken.

Eins


Mitten in der Nacht war das Gewerbegebiet am Rand von Stuttgart-Vaihingen wie ausgestorben, abgesehen von der beleuchteten U-Bahn-Haltestelle unmittelbar vor einem Backsteingebäude. Auf dem Schotter-Parkplatz vor diesem Gebäude brachte Cornelius den geklauten, schwarzen Mercedes zum Stehen.
Das fünfstöckige Haus war einem Schild zu Folge eine Privatklinik für kosmetische Chirurgie, wirkte aber nicht so schick, wie es diese Kliniken sonst waren. Obwohl es mitten in der Nacht war, brannte Licht im Eingangsbereich, ebenso wie in den oberen Stockwerken, dabei wartete man hier wohl kaum auf Notfall-Brust-OPs.
»Sieht erschreckend gewöhnlich aus«, bemerkte Fee irgendwie enttäuscht. Das Gebäude könnte sich perfekt in die übliche Tarnung von Grey einfügen, dabei gehörte es gar nicht dazu.
Der Vampir auf dem Fahrersitz grinste. »Was hattest du erwartet? Ein Dracula-Schloss, um das ein Schwarm Fledermäuse kreist?«
Fee schüttelte den Kopf und hätte vielleicht über diese Vorstellung gelacht, wenn sie nicht unmittelbar davor stände, den Kontakt zu allen Bekannten abzubrechen, um sich einem Vampir anzuvertrauen, den sie nie zuvor getroffen hatte.
Statt einer Antwort stieg sie aus dem Wagen und sah sich das Gebäude noch einmal in Ruhe an. Es war nicht, was sie erwartet hatte, wirkte aber wenigstens nicht beängstigend. Das war doch ein guter Anfang.
Einen Moment später erhob Cornelius sich ebenfalls aus dem Wagen und schritt selbstbewusst auf den Eingang zu, ohne jedes Zögern, fast als wäre er hier Stammgast.
Das hatte etwas Beruhigendes, aber Fee hatte im Moment sowieso keine Wahl, als darauf zu vertrauen, dass Cornelius diesen Ort aus gutem Grund so sicher ansteuerte. Zur Zeit mangelte es ihr leider an vertrauenswürdigen Personen in ihrem Bekanntenkreis, nachdem ihr einstiger Freund und Kollege sie verzaubert und als Brutkasten zur Verfügung gestellt hatte, war das geheimnisvolle Vampiroberhaupt einer ihrer engsten Vertrauten. Besser fühlen würde sie sich fraglos, wenn sie Artnus an ihrer Seite hätte, doch der musste nun in erster Linie seine eigenen Artgenossen beschützen. Das wussten sie beide.
Zumindest hatte Cornelius sich bisher als zuverlässig erwiesen, immerhin hatte er sie aus dem Hauptquartier geschmuggelt und nun hatte er ihr eine mögliche Zuflucht gesucht. Diese kleine Klinik für Magiewesen hatte nichts mit Grey zu tun, sie wurde von der Organisation lediglich geduldet. Der Vampirarzt Marius leitete sie Cornelius zufolge und war bekanntermaßen skeptisch gegenüber Grey eingestellt, deshalb hoffte Fee auf seine Hilfe, nun da sie auf der Flucht vor den eigenen Leuten war.
»Bereit, Hexchen?« Cornelius winkte sie ungeduldig heran, bis sie neben ihm angelangte. Seine Unruhe machte ihr wieder bewusst, dass sie ihrem ehemaligen Freund, dem Schwarzmagier Noctrius nur knapp entkommen waren. Je schneller sie ihre neue Zuflucht erreichte, desto besser.
Also folgte sie dem Vampir zum Eingang und zwang sich, zu lächeln, damit er ihr die Unsicherheit nicht anmerkte. Er sollte nicht wieder betonen, wie dumm ihr Wunsch war, sich bei dem Mann zu verstecken, den sie liebte.
Nur wenige Schritte vor der Tür blieb Cornelius stehen und musterte sie streng. »Wir ersparen uns sicher einige Diskussionen, wenn du dich erst einmal bewusstlos stellst. So müssen sie dich aufnehmen, weil sie dazu der Hypokratische Eid verpflichtet und du kannst morgen in Ruhe alles erklären.«
Fee dachte einen Moment darüber nach. Warum glaubte Cornelius wohl, dass die möglichen Diskussionen ein Problem darstellten? Hatte er nicht vor einer Stunde noch betont, wie überzeugt er war, dass dieser Marius ihr helfen würde? Offenbar war er sich seiner Sache doch nicht so sicher, wie er vorgegeben hatte.
Allerdings war sie Cornelius zu Dank verpflichtet, weil er sie aus dem Hauptquartier geschleust und hierher gebracht hatte, so schuldete sie ihm ein Minimum an Vertrauen. Also schluckte sie die Fragen hinunter.
»In Ordnung.«
Cornelius trat neben sie, legte einen Arm um ihre Schultern und den anderen um ihre Mitte. So hob er sie mühelos an und trug sie auf den Eingang zu, als hätte sie kein Gewicht.
Tief atmete Fee die kalte Nachtluft ein, schloss die Augen und zwang sich alle Glieder locker fallen zu lassen. Vampire waren von Natur aus stark, sie musste sich also nicht sorgen, dass Cornelius mit ihrem Gewicht überfordert sein könnte, nicht einmal nach all der Schokoladenmuffins, die sie in den letzten Tagen gegessen hatte.
Kaum war Cornelius durch eine sich automatisch öffnende Tür getreten, da trippelten bereits eilige Schritte heran. »Was ist passiert?«, rief eine weibliche, aufgeregte Stimme. Vermutlich eine Krankenschwester, die nun hörbar in Begleitung näher kamen. Metallisches Geklapper verriet, dass sie eine fahrbare Trage mitbrachten.
»Sie ist einfach ohnmächtig geworden«, erklärte Cornelius mit gestellter Sorge. Er hatte definitiv Talent zum Schauspieler, zumindest für ein Laientheater reichte es sicher, und scheinbar war er auch gut genug, um diese Krankenschwestern zu täuschen.
»Leg sie auf die Trage!«, wies ihn eine der Schwestern nun deutlich gefasster an.
Als Cornelius sie ablegte, spürte Fee die feste Liege unter sich, bemühte sich aber, sich die Erleichterung nicht anmerken zu lassen. Sie verließ sich ungern darauf, dass irgendwer sie trug, daran hätte sich wohl nicht einmal etwas geändert, wenn es nicht Cornelius wäre, dem sie zu vertrauen versuchte.
»Ist sie ein Vampir?«, erkundigte sich eine andere Schwester sachlich, offensichtlich weil sie Cornelius' Natur mühelos erkannt hatte. Was die Schwestern wohl waren? Auch Vampire? Gut vorstellbar, immerhin wurde die Klinik von einem Vampir geleitet.
»Eine Hexe«, erwiderte er ruhig. »Sie braucht die Hilfe von Marius. Ist er hier?«
Kurzes Schweigen erfüllte den Raum, während jemand eine dünne Decke über Fee ausbreitete.
»Nein«, kam schließlich die Antwort, die verhängnisvoll im Raum widerhallte, so klang es irgendwie nicht, als hätte der besagte Arzt zufällig gerade frei. In der Aussage schwang etwas mit, das Fee so gar nicht hören wollte, immerhin hatte Cornelius sie nur wegen dieses einen Vampirs überzeugt, hierher zu kommen, und der war nicht da.
»Dann sagt ihm, dass sie eine Freundin von Cornelius ist und er sich gut um sie kümmern soll.« Die Stimme des Vampiroberhaupts klang respekteinflößend selbstbewusst, dabei hatte er hier eigentlich überhaupt keinen Einfluss, weil diese Klinik keine Verbindung zu Grey hatte.
Zudem legten seine Worte nahe, dass Cornelius sich nun verabschieden wollte, womit sie zwar gerechnet hatte, was Fee nun allerdings auch Angst machte. Von jetzt an war sie auf sich gestellt, ausgerechnet in einer Zeit, in der sie sich so verloren und hilflos fühlte.
»Cornelius?«, wiederholte eine Schwester ungläubig. 
Offenbar war das Vampiroberhaupt hier doch bekannt, obwohl die Klinik angeblich nicht unter dem Einfluss von Grey stand. Hoffentlich war das kein schlechtes Zeichen für Fee.
»Ja, richtet Marius das aus und passt gut auf meine Freundin auf.«
Noch einmal spürte sie die Hand des Vampirs auf ihrer, sein stiller Abschied, weil er mit Worten nur ihre Tarnung als Bewusstlose zerstört hätte. Irgendwie gelang es ihr, weiterhin reglos auszuharren, obwohl sie ihn so viel lieber festhalten wollte.
Seit sie sich Grey angeschlossen hatte, war sie nie ganz auf sich gestellt gewesen, sondern hatte stets Rückhalt bei irgendwem gehabt, anfangs vor allem bei Noctrius, später besonders bei Artnus. Da sie nun jedoch auf der Flucht war vor eben jenen Leuten, die sie eigentlich für Verbündete gehalten hatte, keimte Angst in ihr auf. In einer fremden Umgebung, ungewollt schwanger mit dem Kind eines Mannes, der sie manipuliert hatte, und getrennt von dem Einzigen, dem sie wirklich vertraute - diese Aussicht ließ ihren Magen sich verkrampfen. Sie vermisste Artnus bereits, obwohl sie sich vor kaum eine Stunde erst verabschiedet hatten und sie es doch gewohnt war, ihn tagelang nicht zu sehen.
Es war besonders schwierig, nachdem sie endlich den Gefühlen für ihn, die sie zuvor so lange unterdrückt hatte, nachgegeben hatte. Jetzt sehnte sie sich danach, so viel Zeit wie möglich mit ihm zu verbringen, stattdessen hatte sie ihm den Rücken kehren müssen, obwohl er damit nicht vollkommen einverstanden war. Sie wusste, dass er sich nun an ihrer Stelle mit ihren Feinden auseinandersetzen würde, um ihr zu helfen, selbst wenn sie das gar nicht wollte. Es gab so viele Gründe, weshalb sie besser bei ihm sein sollte.
Indessen verrieten Erschütterungen ihr, dass die Trage sich in Bewegung setzte, und Fee beschloss, dass sie allmählich aus ihrer vorgetäuschten Ohnmacht erwachen konnte. Ihre Umgebung wieder sehen zu können, würde ihre Verunsicherung sicher lindern.
»Sie wacht auf!«, rief eine der beiden Schwestern, sobald Fee die Augen öffnete. Eine blonde Vampirin beugte sich mit einem herzlichen Lächeln über sie, während eine brünette Kollegin die Liege in einen Aufzug schob.
»Hi, du bist in einer Klinik. Dein Freund hat dich hergebracht, weil du bewusstlos warst. Es wird alles gut«, erklärte die Vampirin betont ruhig. »Wir bringen dich jetzt erstmal auf Station, damit du dich ausruhen kannst, bis ein Arzt Zeit für dich hat. Hast du Schmerzen?«
Fee schüttelte den Kopf. Zumindest Schmerzen hatte sie keine, aber es beunruhigte sie, dass es nicht so klang, als würde sie bald den Arzt Marius treffen, von dem sie sich eigentlich Schutz erhoffte. Auch jetzt sprach die Schwester ja nur von einem Arzt, nicht ausdrücklich von dem geforderten.
»Marius«, bat sie leise, »mir wurde gesagt, er könnte mir helfen.«
Der Fahrstuhl setzte sich in Bewegung und die beiden...

Dateiformat: ePUB
Kopierschutz: Wasserzeichen-DRM (Digital Rights Management)

Systemvoraussetzungen:

Computer (Windows; MacOS X; Linux): Verwenden Sie eine Lese-Software, die das Dateiformat EPUB verarbeiten kann: z.B. Adobe Digital Editions oder FBReader - beide kostenlos (siehe E-Book Hilfe).

Tablet/Smartphone (Android; iOS): Installieren Sie bereits vor dem Download die kostenlose App Adobe Digital Editions (siehe E-Book Hilfe).

E-Book-Reader: Bookeen, Kobo, Pocketbook, Sony, Tolino u.v.a.m. (nicht Kindle)

Das Dateiformat ePUB ist sehr gut für Romane und Sachbücher geeignet - also für "fließenden" Text ohne komplexes Layout. Bei E-Readern oder Smartphones passt sich der Zeilen- und Seitenumbruch automatisch den kleinen Displays an. Mit Wasserzeichen-DRM wird hier ein "weicher" Kopierschutz verwendet. Daher ist technisch zwar alles möglich - sogar eine unzulässige Weitergabe. Aber an sichtbaren und unsichtbaren Stellen wird der Käufer des E-Books als Wasserzeichen hinterlegt, sodass im Falle eines Missbrauchs die Spur zurückverfolgt werden kann.

Weitere Informationen finden Sie in unserer E-Book Hilfe.


Download (sofort verfügbar)

2,99 €
inkl. 7% MwSt.
Download / Einzel-Lizenz
ePUB mit Wasserzeichen-DRM
siehe Systemvoraussetzungen
E-Book bestellen