Die Susi-Krise

Warum Frauen keine Männer mehr brauchen und sich jetzt langweilen
 
 
Piper (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 14. September 2015
  • |
  • 320 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-492-96752-5 (ISBN)
 
Stirb Susi! So hieß der Schlachtruf, als Frauen merkten, dass sie sich neben diesen soften Frauenverstehern nicht sexy fühlen und sich den echten Mann zurückwünschten. Doch die Susis haben nicht nur überlebt, sondern sich auch rapide vermehrt und sind schuld an der Susi-Krise: Die Frauen sind attraktiv, klug, selbstbewusst und wissen, was sie wollen. Die Männer haben ihre Haare verloren, lassen sich einen Bauchansatz wachsen und brauchen gleichzeitig wieder soviel Bestätigung und devote Bewunderung wie ein Kleinkind. Da sie die gleichaltrigen Frauen weder mit ihrem Auto noch ihrem Lifestyle beeindrucken können, müssen sie auf junge Mädchen zurückgreifen - lassen es aber perfiderweise so aussehen, als wären die gleichaltrigen Frauen nicht mehr knackig genug.
Wäis Kiani erklärt intelligent und humorvoll, warum auch erwachsene Frauen sich immer noch echte Männer wünschen, warum der Susi-Mann nicht ausstirbt, und warum Frauen Männer erst überflüssig machen und sich dann ohne sie zu Tode langweilen. Entlarvend, pointiert und sehr amüsant!
  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Piper ebooks in Piper Verlag
  • 2,15 MB
978-3-492-96752-5 (9783492967525)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Wäis Kiani wurde in der Nähe von Frankfurt am Main geboren. Als Journalistin und Kolumnistin schreibt sie für verschiedene Zeitungen und Magazine (u.a. FAS, InStyle, L'officiel Homme, Sonntagsblick). Dabei beschäftigt sie sich überwiegend mit gesellschaftskritischen Themen. Die Idee zu ihrem ersten Buch entstand, kurz nachdem Wäis Kiani im Dezember 2003 mit einem Artikel in der Süddeutschen Zeitung mit dem Titel »Stirb, Susi!« für Furore sorgte. Wäis Kiani lebt und arbeitet in München und Zürich.

Inhalt

intro

1. #männer_brauchen
2. #doppeltes_uebel
3. #awas
4. #susi_krise
5. #susi_frau
6. #susi_schreck
7. #lady
8. #verheiratete_susi
9. #sexist_susi
10. #dilf oder #silf
11. #wiedervorlage oder englisch: #backup
12. #alko-hole
13. #foodies
14. #guyfriends
15. #keine-zeit-loser
16. #toyboy
17. #dater
18. #player
19. #lustgreis
20. #playdates
21. #langeweile
22. #midlifecrisis
23. #sex
24. #don't_fuck_liste
25. #modern_dating
26. #digital_dating
27. #dating_rules
28. #bootycall oder: Willst du Fi(lmgu)cken?
29. #ängste
30. #süchte
31. #alterssexsucht
32. #kaufsucht
33. #alkoholsucht
34. #aufmerksamkeitssucht
35. #vaginalsucht
36. #health-food-sucht
37. #detox-sucht
38. #food-intolerance-sucht
39. #fitnesssucht
40. #aufspritzsucht
41. #kontrollsucht
42. #altersdrogensucht
43. #workaholic
44. #emanzipation
45. #augenhöhe
46. #kommunikation
47. #excuses
48. #businesstermine
49. #karriere
50. #geld
51. #fortpflanzung
52. #nutten
53. #liebe
54. #viagra
55. #geschenke
56. #wohnen
57. #highmaintenance
58. #fashion_and_style
59. #tipps_umsonst

#awas

Die Menschen altern heutzutage ganz anders als noch vor etwa zwanzig Jahren. Dreißigjährige sind heute noch Jugendliche, und Vierzigjährige bereiten sich auf das Erwachsenwerden vor. Und mit fünfzig wird uns bewusst: Es bleibt nicht mehr viel Zeit, um sich zusammenzureißen. In der Praxis sieht es so aus, dass sich der Schwerpunkt des Glücklichseins in den ersten dreißig bis vierzig Jahren tageszeitlich auf den Abend konzentriert, wohingegen es sich nach der Wende zum Erwachsenwerden eher auf den Tag verschiebt.

Diese spezifische Verschiebung hin zum Erwachsensein kannten unsere Eltern nicht. Sie waren schon mit fünfundzwanzig alt. Aber wir, die nachfolgende Generation, werden auch alt und befinden uns zwar schon lange im Erwachsenenalter, sind aber im Geiste und im Herzen sehr jung, fast noch jugendlich, und fühlen uns in unseren Interessen, unserem Lebensstil, unserer Ausdrucksweise und unseren Bedürfnissen in keiner Weise alt. Wenn wir das Leben des Jugendlichen nicht mehr zelebrieren können und wollen, aber das Erwachsensein langweilig finden, dann sind wir: Awas. Was so viel bedeutet wie: adults with attitude.

Deutschland ist ein Awa-feindliches Land, bei uns wird den armen Awas nicht viel geboten. Simples Sich-Vergnügen hört ab etwa Mitte dreißig auf. Wenn ein Awa gerne Dinge tun möchte, wie laute, schöne Musik hören und/oder sogar vielleicht tanzen, steht er als einsamer Greis zwischen Kindern. Für den Awa gibt es die normalen Erwachsenen-Beschäftigungen, die bis Achtzigplus passen: Theater, klassische Konzerte, Musicals, Museen, Ausstellungen, Lesungen, Golf, Oper, Tennis, Kunst, Zeug sammeln und bei langweiligen Dinnertafeln über all diese Dinge schwafeln. Dinge eben, die man als Erwachsener so macht, die aber den anspruchsvollen und verwöhnten Awa nicht erfüllen.

Der Awa will sich amüsieren, kann es jedoch nicht, also langweilt er sich die ganze Zeit (#langeweile). In seinem bisherigen Leben war der arme Awa schon überall, er hat schon viel gesehen und erlebt. Wirklich viel. Doch Awas sind zwar übersättigt und schwer zu beeindrucken, aber sie sind noch nicht fertig. Sie kennen viel, aber nicht alles. Sie suchen immer noch, und sie wissen nicht genau, wie es weitergehen soll. Das macht den Awas Angst, denn sie wussten es vierzig Jahre ganz genau, und ihr Leben lief wie an einer schönen Schnur, an der eine glitzernde Diskokugel nach der anderen aufgereiht war: Partys, Exzesse, Spaß bis zum Umfallen, #sex, Dates, Leidenschaft, Romantik und Herzblut.

Und dann hört das fast schlagartig auf. Der Awa könnte zwar einfach weitermachen, aber der Spaß ist vorbei. Stattdessen sitzt der Awa mit sechs anderen gelangweilten Awas vor seiner Sashimi-Platte in einem Sushi-Restaurant ohne sexy Stimmung, wie es zum Beispiel in jedem Nobu-Restaurant dieser Welt zu überprüfen ist (in der Besenkammer der Londoner Filiale wurde Boris Becker seinerzeit Opfer von Samenraub). Danach gibt es noch ein paar langweilige Drinks in einer trendy Bar und dann schnell nach Hause und ins Bett. Das kann doch nicht alles gewesen sein, denkt der Awa noch unglücklich, bevor er einschläft, denn am nächsten Morgen kommt der Fitnesstrainer, um den schlappen Awa-Körper zu trainieren.

In Deutschland gibt es noch nicht einmal ein Nobu, und es sind auch keine Fälle von Samenraub in Szene-Restaurants bekannt. Kein Wunder, dass sich die Awas langweilen.

Awas waren zu lange und zu intensiv jung und sind an Thrills, Kicks, große Auftritte und ständigen Input gewöhnt. Sie sind auf der ewigen Suche nach dem, worum es als Nächstes geht, und die Suche selbst ist ihr Lebenselixier. Diese Rastlosigkeit lässt ab Ende dreißig nach, da machen sich Job, #karriere, Geldverdienen, Familie, Kinder, Disziplin, Scheidung, Alleinerziehung und andere Dinge im Leben breit. Während der fünfundzwanzigjährige männliche Awa nur die richtigen Turnschuhe, einen angemessenen Musikgeschmack und Kenntnis der Clubszene brauchte, muss sich der vierzigjährige Awa, egal ob männlich oder weiblich, durch Erfolg und Verantwortungsbewusstsein Respekt verschaffen.

Die weibliche Awa hat sich in ihrer Jugend für nichts anderes interessiert als für sich, ihre Verehrer, den aktuellen Boyfriend und vielleicht noch für die fünf besten Freundinnen, mit denen sie sich wiederum über Klamotten, Jungs und Partys ausgetauscht hat. Doch irgendwann entwischt der süße Vogel Jugend unbemerkt, und nichts fühlt sich noch so intensiv an, dass sie ständig das Gefühl hat, auf Messers Schneide zu stehen. Der Sommer ist kein »Summer of Love« mehr, sondern nur noch ein viel zu kurzer Sommer mit zwei Wochen Urlaub. Sie verbringt diesen nicht knutschend an Flüssen und Seen oder Stränden und nicht kiffend in Parks, sondern sie macht Ferien in einem Finca-Hotel, spielt tagsüber Golf, trägt am Strand statt Wildleder-Hotpants bequeme Tunikas mit Zebramuster und geht pünktlich zur reservierten Zeit ins Restaurant und sitzt danach noch auf ein paar Longdrinks in einer Strandbar, anstatt mit einer Handvoll sommersprossigen Iren auf den Strandliegen unter dem Sternenhimmel mit ein paar Flaschen Vino aus dem Supermarkt die Nacht durchzumachen.

Es ist nicht so, dass die Awas diese Zeit ihrer Jugend zurücksehnen, aber sie langweilen sich in der realen Erwachsenenwelt und können sich nur kurzzeitig mit richtigen Erwachsenen, vorzugsweise aus beruflichen oder familiären Gründen, zusammensetzen. Die Business-Partner, Auftraggeber, Nachbarn und anderen Eltern reden auch nur von dem besten Biomarkt, von ihren Food-Intoleranzen (#food-intolerance-sucht) oder von ihrem Fitnesstrainer und tauschen sich darüber aus, wie sie ihr #geld in Kunst und Immobilien anlegen wollen. Und welche Finca-Hotels mit angrenzenden Golfplätzen auf Mallorca wirklich zu empfehlen sind.

Bei den Awas handelt es sich um ein internationales Metropolen-Phänomen. In der Provinz, auf dem Land oder in Städten wie Hameln, Wiesbaden oder Fulda gibt es das Awa-Problem wenig bis gar nicht. In Deutschland ist Berlin die Hochburg der Awas, zumal in Berlin Erwachsenwerden generell verpönt ist. Sechzigjährige Punks, die mit Bierdose schnorren, gehören zum Stadtbild. International lieben Awas folgende Städte: New York, London, Dubai, Tokio, Los Angeles, Paris, Hongkong, Tel Aviv und neuerdings Istanbul.

In der Dritten Welt gibt es keine Awas, da wird man mit fünfundzwanzig schon erwachsen, heiratet bei der ersten Gelegenheit und bekommt Kinder. Und dann hat man genug Probleme. Genauso in Ländern wie Indien oder Saudi-Arabien: Auch da hat man zu viele andere Sorgen.

Dafür versammeln sich in England so gut wie alle vierzig- bis sechzigjährigen Awas. London ist wie ein Vergnügungspark für Ü-Vierziger. Alles ist darauf ausgerichtet, dass sich wirklich jeder in jedem Alter stilvoll amüsieren kann, egal in welcher geistigen oder materiellen Verfassung er sich befindet. London ist ein gigantisches Awa-Nest, wer nicht ein Kid ist, ist ein Awa, und jeder weiß, dass Awas leicht depressiv werden oder das Gefühl bekommen könnten, das Leben sei vorbei. So gibt es alles überall, was die Awas aufmuntert. Es gibt die richtige Lektüre an jedem Kiosk, Männer-Lifestylemagazine wie GQ oder Loaded werden nicht von Schwulen, sondern von Awas gemacht und gelesen, weil alles drinsteht, was zum Coolsein als Awa gehört. Es gibt fancy Restaurants wie das Peyote, das Zuma oder das Hakkassan, wo es fantastische Mexican-Japanese-Fusion-Food-Kreationen gibt, von denen wir in Deutschland noch nicht mal träumen dürfen. Alles vom Menü bis zum Ambiente ist ganz auf die hohen Ansprüche der Awas abgestimmt. So auch die vielen Members Only Clubs, die schon allein deshalb Spaß machen, weil nicht jeder rein darf, wie das uberhippe Chiltern Firehouse, der etwas langweilige Arts Club in Mayfair oder das legendäre Annabels. Oder für die Normaleren das Soho House in Soho, in das im Gegensatz zu Berlin, wo sich Hinz und Kunz herumtreiben und man noch nicht mal im Notfall etwas essen möchte, wirklich nur Members reindürfen und man ausgezeichnet speisen kann. Tanzwütige Awas können in den neuen Crescent Club oder in den Kinky Box Club gehen, oder sie können sich unter die Clubber ins Fabric mischen.

Wer sich komplett zurichten will, als wäre es 1994, kann dies auch mit fünfzig tun, ohne sich beim Raven wie ein Päderast zu fühlen. Die Engländer haben sogar einen Fachterminus dafür: Greyver - Raver with grey hair. Auch sonntags, oder gerade sonntags wird für den sensiblen Awa differenziertes Entertainment geboten. Neben allen Museen, Ausstellungen und anderen Kulturveranstaltungen, die viel weniger bedeutungslos sind als bei uns, gibt es in allen Pubs bis vier Uhr nachmittags ein ordentliches Sunday Roast, einen Sonntagsbraten mit beeindruckenden Beilagen, dazu alle, wirklich alle Sonntagszeitungen und eine Bombenstimmung. In London kommt der Awa also nach einem erfüllten Wochenende nach Hause geschlendert, um sich montags gestärkt seiner #karriere zu widmen.

Nicht ganz so perfekt, aber immer noch gut genug, ist der Lifestyle der Awas in Paris. Dort sind Baron André, Macher des legendären Le Baron Clubs Paris und anderer wichtiger Adressen wie der neue Club Castel, und Purple-Magazine-Macher Olivier Zahm die beiden Szene-Könige des Pariser Nachtlebens, und sie sind selbst schon beide fast fünfzigjährige Familienväter. Bei den Franzosen ist es sogar für sechzigjährige Herren selbstverständlich, auf ihren Sex-Appeal zu achten, genauso wie für die reifsten Ladies. Sich nachts in Abendgarderobe zu lauter Musik rauchend und trinkend in dunklen puffähnlichen Räumlichkeiten zu amüsieren, ist ein Must, auf den der erwachsene Pariser auf keinen Fall verzichten möchte.

Nicht so bei uns. Bei uns...

»keine analysiert und beschreibt scharfzüngiger als Madame Kiani.«, Faces (CH), 01.01.2016
 
»Die großen Lebensfragen in bissig-witziger Analyse.«, Vorarlberger Nachrichten (A), 19.12.2015
 
»Wäis Kiani hat keine Angst anzuecken. Sie sagt brutal ehrlich was sie denkt, und wenn wir Glück haben, schreibt sie auch noch ein Buch darüber.«, GRAZIA, 19.11.2015
 
»Ein Plädoyer gegen die Frauenversteher.«, ZEIT Magazin, 01.10.2015
 
»Wäis Kiani liefert eine punktgenaue Analyse der modernen Geschlechterrollen. (...) sarkastisch und ziemlich komisch.«, Bild, 21.09.2015
 
»Wäis Kiani erklärt klug und entlarvend die große Krise des Erwachsenwerdens.«, Sonntags Blick Magazin, 20.09.2015
 
»Wäis Kiani beschäftigt sich auf satirische Weise mit Geschlechter-Klischees«, DONNA
 
»Wäis Kiani schreibt in ihrem Buch über die großen Lebensfragen.«, 20 Minuten Friday (CH)
 
»sehr böse, sehr humorvoll, sehr klug«, InStyle

Dateiformat: EPUB
Kopierschutz: Wasserzeichen-DRM (Digital Rights Management)

Systemvoraussetzungen:

Computer (Windows; MacOS X; Linux): Verwenden Sie eine Lese-Software, die das Dateiformat EPUB verarbeiten kann: z.B. Adobe Digital Editions oder FBReader - beide kostenlos (siehe E-Book Hilfe).

Tablet/Smartphone (Android; iOS): Installieren Sie bereits vor dem Download die kostenlose App Adobe Digital Editions (siehe E-Book Hilfe).

E-Book-Reader: Bookeen, Kobo, Pocketbook, Sony, Tolino u.v.a.m. (nicht Kindle)

Das Dateiformat EPUB ist sehr gut für Romane und Sachbücher geeignet - also für "fließenden" Text ohne komplexes Layout. Bei E-Readern oder Smartphones passt sich der Zeilen- und Seitenumbruch automatisch den kleinen Displays an. Mit Wasserzeichen-DRM wird hier ein "weicher" Kopierschutz verwendet. Daher ist technisch zwar alles möglich - sogar eine unzulässige Weitergabe. Aber an sichtbaren und unsichtbaren Stellen wird der Käufer des E-Books als Wasserzeichen hinterlegt, sodass im Falle eines Missbrauchs die Spur zurückverfolgt werden kann.

Weitere Informationen finden Sie in unserer E-Book Hilfe.


Download (sofort verfügbar)

9,99 €
inkl. 19% MwSt.
Download / Einzel-Lizenz
ePUB mit Wasserzeichen-DRM
siehe Systemvoraussetzungen
E-Book bestellen