Furia

Thriller
 
 
Piper (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 16. Februar 2015
  • |
  • 464 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-492-96969-7 (ISBN)
 
Ein Angestellter des russischen Konsulats wird in New York aus einem Fenster gestoßen und stirbt. Was wollte er in der Wohnung des pensionierten Physiklehrers? Dieser scheint wie vom Erdboden verschluckt. Gemeinsam mit einer russischen Geheimdienstmitarbeiterin macht sich FBI-Agent Sean Reilly auf die Suche nach Leo Sokolov. Bald findet er heraus: Der Wissenschaftler ist ein anderer, als er jahrelang vorgab. Die mysteriöse Waffe in seinem Besitz ist unsichtbar und tödlich. In den falschen Händen wäre ihr Schaden unaufhaltbar. Doch Reilly ist nicht der Einzige auf Sokolovs Spur .
weitere Ausgaben werden ermittelt

 

Prolog
Ural, Russisches Reich 1916

Als der schrille Schrei von den Wänden der Kupfermine widerhallte, spürte Maxim Nikolajew ein seltsames Kneifen im Kopf.

Der große Mann stellte seine Spitzhacke ab und wischte sich die Stirn. Langsam ließ der Schmerz wieder nach. Er holte tief Luft und füllte dabei seine bereits geschädigten Lungen mit noch mehr giftigem Staub. Doch das merkte er längst nicht mehr, es kümmerte ihn auch nicht. Im Moment dachte er nur an die Mittagspause, denn sein Arbeitstag hatte bereits um fünf begonnen.

Als die letzten Echos der Pfeife nicht mehr zu hören und die Schar der Spitzhacken zur Ruhe gekommen waren, vernahm Maxim in der Ferne das Rauschen des Flusses Miass, draußen vor dem Eingang der offenen Mine. Es erinnerte ihn an seine Kindheit, als er noch ein kleiner Junge war und sein Onkel ihn zum Schwimmen an jenen abgeschiedenen Platz draußen vor Osiorsk mitnahm, weit weg vom dicken, fauligen Rauch, der Tag und Nacht aus den Schornsteinen der Schmelzhütte quoll.

Er dachte an den Duft der Kiefern, die so hoch waren, dass es aussah, als berührten sie den Himmel. Er vermisste die Ruhe dieses Ortes.

Den offenen Himmel und die reine Luft vermisste er noch mehr.

Eine Stimme hallte von etwas weiter weg durch den Tunnel: »Hey, Mamo, schaff deinen Hintern hier rüber. Wir spielen um einen Fick mit Pjotrs Tochter.«

Maxim hätte gern die Augen über Wassily verdreht, über den Spitznamen, den er hasste, und die allgemeine Dummheit des Mannes, aber der drahtige Kerl fühlte sich schon bei der leichtesten Provokation angegriffen, also lächelte Maxim stattdessen die Männer in der Gruppe an, legte sich die Spitzhacke über die breite, muskulöse Schulter und schlenderte zum Sitzplatz, an dem schon die drei anderen mudaks ihre gewohnten Plätze eingenommen hatten.

Er setzte sich neben den unglückseligen Pjotr und lehnte sein Werkzeug neben sich an die Wand. Maxim hatte die Tochter des Mannes nur einmal gesehen und fand sie in der Tat beeindruckend schön, aber er zweifelte nicht daran, dass sie jederzeit etwas Besseres bekommen könnte als jeden dieser armseligen Verlierer um ihn herum, die sich hier für einen mehr als mageren Lohn in den Tiefen der Erde abrackerten.

Maxim fischte einen Flachmann aus der Tasche - bei Strafe verboten - und nahm einen langen Schluck, dann wischte er sich den Mund mit einem schmierigen Ärmel ab. »Also los dann«, sagte er zu Wassily. Wenn es sowieso nicht zu ändern war, konnte er genauso gut versuchen, dem anzüglich grinsenden Idioten ein bisschen Geld abzuluchsen.

Stanislaw, der Erbärmlichste des Quartetts, fing an, gefolgt von Pjotr, dann Maxim. Dann kam Wassily an die Reihe. Er knallte die Faust auf eine eben umgedrehte Herzdame, erschütterte den wackeligen Holztisch, an dem die vier Männer saßen, und lehnte sich dann mit einem durchtriebenen Grinsen zurück.

Maxim zuckte nicht zusammen. Seine Gedanken schweiften bereits ab. Er spürte wieder ein seltsames Kribbeln im Kopf, wie ein leichtes Kitzeln ganz tief im Gehirn. Aus irgendeinem Grund dachte er, dass er Ochko nicht leiden konnte. Alle taten so, als ginge es dabei ums Können, wo man doch in Wirklichkeit bloß Glück brauchte. Durak spielte er viel lieber, ein Spiel, bei dem man scheinbar Glück brauchte, bei dem es aber in Wirklichkeit ums Können ging. In den siebenundzwanzig Jahren, die er dieses Spiel spielte, war er noch nie derjenige gewesen, der am Ende mit Karten in der Hand dagesessen hatte. Wahrscheinlich weigerte sich dieser Blutsauger Wassily deshalb, dieses Spiel mit ihm zu spielen.

Wassilys krächzende Stimme drang durch seine wirren Gedanken. »Komm schon, Mamo, zieh eine Karte, bevor wir hier alle verschimmeln.«

Maxim schaute nach unten und merkte, dass er seine ersten beiden Karten aufgedeckt hatte, ohne auch nur daraufzusehen.

Stanislaw deckte eine Kreuzsieben auf, die ihn wenig überraschend schon nach drei Karten aus dem Spiel warf, Pjotr hatte eine Pikzwei, was ihm neunzehn Punkte einbrachte. Nervös sah er zu Wassily, dessen Miene unverändert blieb. Der Mistkerl hatte mit achtzehn Punkten geführt. Dazu war er ein sehr schlechter Verlierer. Wassily bedeutete Maxim, er solle sich beeilen und ausspielen, wahrscheinlich, damit er dann eine Drei umdrehen und den kleinen Stapel Münzen in der Mitte des Tisches einstreichen konnte.

Maxim hatte wirklich keine Lust, ihn gewinnen zu lassen. Nicht heute. Nicht hier, und sonst auch nicht. Und als er gerade seine Karte aufdecken wollte, spürte er, wie sich ein stechendes Gefühl durch den hinteren Teil seines Schädels bohrte. Es dauerte kaum einen Atemzug an. Er schüttelte den Kopf, schloss kurz die Augen und schlug sie gleich wieder auf. Was immer es gewesen war, es war weg.

Er lugte auf seine Karte, dann blickte er Wassily an. Das sehnige Ekelpaket grinste schon wieder, und in dem Augenblick wusste Maxim, dass der Mann ein Betrüger war. Er wusste nicht, warum, aber er war todsicher.

Und nicht nur das, er sah ihn auch an, als hasste er ihn. Es war mehr als Hass. Abscheu. Verachtung.

Als wollte er ihn am liebsten umbringen.

Und da wurde Maxim klar, dass er Wassily sogar noch mehr verabscheute. Das Blut in seinen Adern hämmerte gegen seinen Schädel, aber er schaffte es noch, die Karte umzudrehen. Er beobachtete, wie Wassily den Blick senkte, um zu sehen, was es war. Eine Karofünf. Maxim war auch aus dem Spiel. Wassily grinste ihn spöttisch an und deckte seine eigene Karte auf. Herzvier. Zu viel. Er hatte gewonnen.

»Wie wir, moi ljubimyi«, sagte Wassily fies grinsend und streckte die Hand aus, um seinen Gewinn einzustreichen. »Vier Herzen, die wie eines schlagen.«

Maxims Hand schoss vor, um Wassily aufzuhalten, aber im selben Augenblick drehte sich Stanislaw würgend vom Tisch weg und übergab sich auf die Stiefel des Betrügers.

»Baaah! Stanislaw, du Hurensohn!« Wassily sprang auf und machte einen Satz nach hinten, weg von dem würgenden Mann, dann zog ein gepeinigter Ausdruck über sein Gesicht. Er stolperte über die Kiste, auf der er gesessen hatte, und ging zu Boden, wobei er sich den Kopf anschlug, den Tisch umwarf und die Karten durch die Luft wirbeln ließ.

Pjotr schoss ebenfalls hoch, kochend vor Wut. »Vier? Welche Vier? Ich seh hier keine Vier. Du dreckiger Betrüger.«

Maxim sah wieder zu Stanislaw hinüber, dessen Augen inzwischen blutunterlaufen waren, als hätte das Würgen alle Blutgefäße in seinem Gesicht zum Platzen gebracht, und Maxim wusste, wusste ganz sicher, dass Stanislaw genauso falschgespielt hatte. Hatten sie alle, die Schweine. Sie wollten ihn abzocken - und dann wollten sie ihm wehtun.

Wie zur Bestätigung brach Wassily in Lachen aus. Nicht einfach nur ein Lachen, nein, es war ein dämonisches, aus der Tiefe aufsteigendes Lachen voll Verachtung und Spott und - da war sich Maxim sicher - Hass.

Maxim starrte ihn an, ohne sich vom Fleck rühren zu können, spürte, wie ihm der Schweiß ausbrach, wusste nicht, was er tun sollte .

Er sah, wie Wassily einen Schritt auf ihn zu machte - er sah wirklich ganz und gar nicht gut aus -, dann verdrehten sich die Augen des Mannes, und er blieb wie angewurzelt stehen.

Pjotr hatte Maxims Spitzhacke in Wassilys Hinterkopf versenkt.

Maxim taumelte zurück, während Wassily ihm vor die Füße kippte und sich ein Schwall Blut aus seinem Schädel ergoss. Der Schmerz in seinem Hinterkopf kehrte zurück, schärfer als zuvor. Eine durchdringende Angst ergriff ihn. Er würde der Nächste sein. Das wusste er ganz bestimmt.

Sie würden ihn umbringen, wenn er sie nicht zuvor umbrachte.

Noch nie in seinem ganzen Leben hatte er etwas so sicher gewusst.

Während auch in den anderen Abschnitten der Mine wütende Schreie ausbrachen, stürzte er sich auf Pjotr, wehrte seinen Arm ab, griff nach der Spitzhacke und fing an, mit dem mörderischen Betrüger darum zu ringen. Im schummerigen Licht der einzelnen, schmuddeligen Laterne sah er aus dem Augenwinkel Stanislaw, der wieder auf den Beinen war und ebenfalls nach seiner Hacke griff. Alles verschwamm in einem Wirbel aus Klauen und Hieben und Schreien und Schlägen, bis Maxim etwas Warmes zwischen seinen Händen spürte, etwas, das er unter allen Umständen zerquetschen musste, bis sie sich in der Mitte trafen, und als sein Blick sich klärte, sah er, wie das augenlose, blutige Gesicht des armen Pjotr sich tief violett verfärbte, bevor er dem Kerl das Genick brach.

Um ihn herum war die Luft plötzlich erfüllt mit Schreien und dem Geräusch von Stahl, der in Fleisch und Knochen hackte.

Maxim lächelte und schöpfte ganz tief Atem. Noch nie hatte er etwas so Schönes gehört - da blitzte am Rand seines Gesichtsfeldes etwas auf.

Er wich nach hinten aus, während die Axt auf seinen Hals zuschwang, und fühlte den Luftzug auf dem Gesicht. Dann rammte er seinem Angreifer eine Faust in die Rippen und gleich danach die nächste. Etwas zerbrach. Er trat hinter den stöhnenden Mann und legte ihm den Arm um die Kehle - es war Popow, der Schichtleiter, der die ganze Zeit, in der Maxim hier arbeitete, nicht ein Mal die Stimme erhoben hatte - und begann, ihm die Luft abzudrücken.

Popow fiel zu Boden wie ein Sack Rote Bete.

Maxim schnappte sich die Axt aus der Hand des Toten und grub sie ohne Zögern in Stanislaws Gesicht, der jedoch bereits die Hacke, die er in Händen hielt, halb erhoben hatte, um sie gegen Maxims Brust zu schwingen. Maxim versuchte noch, ihr auszuweichen, doch die Hacke traf...

»Khoury mixt eine spannende Story mit viel Tempo, einer ordentlichen Zahl an Toten und Verletzten sowie einer Portion Romantik: große Leinwand für das Kino im Kopf!«, Tiroler Tageszeitung, 17.07.2015
 
»Als Leser taucht man schon nach kurzer Zeit hinein in die Geschichte und kann von dem spannenden Fall nicht genug bekommen. Interessant aufgebaut und wie immer hervorragend erzählt.«, con-on-online.com, 26.04.2015
 
»Der Roman erreicht zuweilen eine Intensität, für die man selbst einen mit allen Wassern gewaschenen Profi wie Raymond Khoury gesondert loben muss!«, Luxembourger Tageblatt
 
»Starke Nerven sind notwendig und eine Gänsehaut garantiert.«, Bücherschau (A)

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