Schlaflos in Chicago

Julia Band 3
 
 
HarperCollins Germany (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 8. Januar 2011
  • |
  • 144 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Adobe DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-86349-416-2 (ISBN)
 
Ein heißer Flirt, gleich an ihrem ersten Abend in Chicago? Zwar muss Calista sich jetzt auf ihren Job konzentrieren und hat keine Zeit für die Liebe. Aber den aufregenden Fremden mit den tiefblauen Augen und dem sinnlichen Lächeln wird sie sowieso nie wiedersehen! Und so wagt sie, was sie sonst nie tun würde: Sie genießt Jakes erregende Küsse, gibt sich im Dunkel des Jazzlokals seinen Liebkosungen hin. Doch schon am nächsten Morgen klopft es überraschend an ihrer Tür: Ihr nächtlicher Verführer! Er ist der neue Nachbar - und bei Tag noch genauso verboten sexy wie bei Nacht .

1. KAPITEL

Das "Jazz House", im Stil der 1930er-Jahre gehalten und von dezenter Eleganz, lag an einer ruhigen Ecke im Zentrum Chicagos. Melodien voller Herzschmerz und Sehnsucht erfüllten den dunklen Raum und mischten sich in leise Unterhaltungen und die angespannte Stimmung des vergangenen Tages.

An der Bar ließ Calista McGovern große Eiswürfel in ihrem Gin Tonic leise klirren und genoss die Musik, die direkt ihre Seele anzusprechen schien. Hieran könnte ich mich gewöhnen, dachte sie.

Allerdings würde sie während der kommenden Monate mit einem Projekt beschäftigt sein, das ihr so gut wie keine Freizeit lassen würde. Cali war Projektmanagerin des mehrere Millionen Dollar schweren Handelskonzerns MetroTrek. Und während ihrer Zeit in der windy city, wie Chicago liebevoll genannt wurde, würde sie vermutlich fast ununterbrochen arbeiten.

Schließlich waren die Monate in Chicago als Sprungbrett für die Stelle in London gedacht, die ihr Amanda Martin, ihre in New York arbeitende Chefin, so gut wie versprochen hatte. Allerdings nur, wenn es Cali gelänge, die Sache in Chicago gut über die Bühne zu bekommen. Das war genau diese Gelegenheit, auf die Cali schon so lange gewartet hatte.

Vor drei Stunden war sie auf dem O'Hare Airport gelandet und hätte sich längst in die Arbeit gestürzt, wenn Amanda nicht darauf bestanden hätte, dass Cali an ihrem ersten Abend in Chicago ausging, und zwar in genau dieses Lokal.

Eigentlich war Cali kein Mensch, der sich bei anderen einschmeichelte. Aber im Hinblick auf die Stelle in London und der Rettung ihrer selbst verschuldet nahezu zerstörten Karriere war sie bereit, eine Ausnahme zu machen.

Amanda hatte die Bar bei ihrem letzten Heimatbesuch entdeckt - und seitdem von nichts anderem mehr gesprochen. Jackson, der Mann von Amandas jüngerer Schwester, hatte ihr die Bar gezeigt, und wie so oft konnte Amanda gar nicht häufig genug seinen Namen erwähnen. Ganz offensichtlich schwärmte sie übermäßig für ihren Schwager, sodass man diese Äußerungen nicht für bare Münze nehmen konnte.

Doch Cali musste zugeben, dass das "Jazz House" mit seiner dezenten Atmosphäre wirklich perfekt war. Zumindest fand sie das, bis ein Mann Mitte vierzig sich mühsam neben sie auf einen leeren Hocker hievte. Er atmete schwer, rieb sich die müden Augen und fragte lallend: "Kennen wir uns nicht irgendwoher?"

Jake Tyler lehnte sich mit der Schulter an die Wand, die Aufmerksamkeit ganz und gar auf die junge Frau an der Bar gerichtet. Seit er die hübsche Brünette bemerkt hatte, war er wie gebannt. Er beobachtete, wie sie die Musik genoss, wie sich ein Lächeln auf ihrem Gesicht ausbreitete und wie ihr Rock höher rutschte, als sie die langen, schlanken Beine übereinanderschlug. Wie es sich wohl anfühlen würde, sie sanft zu berühren?

Eigentlich war Jake nicht hergekommen, um eine Frau kennenzulernen, er wollte sich hier vor dem Schlafengehen entspannen, wie so oft, wenn er zu viele Stunden im OP verbracht hatte.

Also versuchte er, sich statt auf die bildhübsche junge Frau auf die Musik zu konzentrieren, was ihm auch gelang - bis dieser Trottel, der sich scheinbar schon einen Drink zu viel gegönnt hatte, auftauchte und sie belästigte. Ganz offensichtlich versuchte sie, den Kerl loszuwerden, doch ohne Erfolg.

Als der Mann nun einen erneuten Annäherungsversuch startete, beschloss Jake, der Frau zu helfen.

Eine Dunstwolke aus Aftershave, Schweiß und Whiskey hüllte Cali ein, als der Mann näher rückte. Sie stellte das Glas ab und griff nach ihrer Handtasche.

Mist, dachte sie. Die Musik war wirklich toll, aber da sie ihren aufdringlichen neuen Bekannten nicht loswurde, war es wohl Zeit zu gehen.

"Sie sind allein", stellte er mit schwerer Zunge fest. "Und ich bin allein ."

"Hallo, Darling", hörte Cali plötzlich eine tiefe, sehr maskuline Stimme, die sie wie eine Liebkosung empfand. Der zu der Stimme gehörende Mann nahm auf ihrer anderen Seite Platz, und als er seine große, warme Hand auf ihre legte, erbebte Cali.

"Ich hoffe, du musstest nicht zu lange auf mich warten. Es gab bei der Arbeit heute sehr viel zu tun."

"Was .?", brachte Cali nur heraus, bevor es ihr beim ersten Blick auf den Fremden die Sprache verschlug: tiefblaue Augen, die sie begehrlich musterten, und ein sinnliches Lächeln, das ihr den Atem verschlug.

Gefährlich! Gegen den attraktiven Fremden war Mr Whiskey-Atem völlig harmlos. Cali wusste, was zu tun war: Sie sollte aufstehen, ihre Handtasche nehmen und sich schleunigst davonmachen.

Doch als der Mann die sinnlichen Lippen zu einem verführerischen Lächeln verzog, erwiderte sie, ohne zu überlegen: "Hallo . Darling."

Cali ließ den Blick über ihren Retter gleiten, während dieser den widerwilligen Rückzug von Mr Whiskey beobachtete. Der attraktive Fremde war gut einen Meter neunzig groß, hatte breite Schultern und schmale Hüften. Beim Anblick seines durchtrainierten Körpers lief ihr das Wasser im Mund zusammen, und ihre Haut begann zu prickeln. Der schwarze Stoff seines Pullovers schmiegte sich eng um den muskulösen Oberkörper und den flachen Bauch. Normalerweise erlaubte Cali es sich gar nicht, solche Männer auch nur anzusehen .

Ihr Retter lächelte entwaffnend. "Das mit dem 'Darling' tut mir leid, aber ich fand, es unterstrich genau den richtigen Anschein von Besitzanspruch."

Seine Stimme war so atemberaubend, dass Cali fast nervös gelacht hätte.

"Ja, das war sehr wirkungsvoll. Vielen Dank."

Sie räusperte sich und wünschte, endlich wieder klar denken zu können. Immerhin war sie erwachsen, und dies war nicht das erste Mal, dass ein attraktiver Mann mit ihr sprach - wenn dieser auch bei Weitem der attraktivste war: Mit seinen markanten maskulinen Gesichtszügen und dem dichten, dunklen Haar verband er mühelos den Charme eines Outdoor-Sportlers mit der Eleganz eines Gentlemans im Smoking.

Ja, wirklich ziemlich gefährlich, dachte Cali.

"Jake Tyler", stellte der Traummann sich vor und reichte ihr die Hand.

"Ähm, . ich heiße Cali, aber . ich muss jetzt los."

"Nachdem ich gerade Ihren neuen Verehrer erfolgreich in die Flucht geschlagen habe?", fragte Jake vorwurfsvoll. "Sie könnten sich zumindest bedanken und dann die Musik genießen, wie Sie es getan haben, bevor er Sie dabei gestört hat."

Offenbar hatte er sie also beobachtet. Diese Vorstellung gefiel Cali mehr, als ihr lieb war. Vorsichtig blickte sie zu ihm hinüber.

Er erwiderte ihren Blick, ohne mit der Wimper zu zucken. "Zumindest hatte ich den Eindruck, dass Ihnen die Band gefiel", sagte er und zuckte die Schultern.

Unter dem dünnen Stoff des eng anliegenden Pullovers bewegten sich seine Muskeln, als er die Hand nach seinem Drink ausstreckte.

"Ich mag nämlich Jazz, und es gefällt mir, wenn andere ihn auch mögen. Da der Typ Sie beim Zuhören störte, habe ich ihn vertrieben. Das ist alles. Wir beide können einfach hier nebeneinander sitzen, der Musik lauschen und uns gegenseitig ignorieren." Er lehnte sich ein wenig zurück, ließ den Blick zum vorderen Teil des Lokals gleiten und fügte hinzu: "Genauer gesagt, habe ich Sie schon wieder völlig vergessen."

Einen Moment lang war Cali sprachlos. Dann musste sie lächeln und vergaß Sorgen und Anspannung ein wenig. Eigentlich hätte sie jetzt erst recht so schnell wie möglich flüchten müssen, doch stattdessen zog sie eine Augenbraue hoch und fragte gespielt überrascht: "Oh, Sie sind noch da!"

Jakes tiefes Lachen war so ansteckend, dass sie gar nicht anders konnte, als mit einzustimmen. Gleichzeitig schwor sie sich, sich dem Genuss seiner Gesellschaft nur eine kurze Weile hinzugeben.

"Also schön", erwiderte Jake mit übermütigem Funkeln in den Augen. "Da Sie sich offenbar unbedingt unterhalten wollen, warum nicht."

Cali, die gerade einen Schluck trank, musste husten. "Wie bitte?"

"Ach, zu betteln brauchen Sie wirklich nicht. Also, worüber wollen wir reden? Über die Arbeit vielleicht?"

Der witzige, charmante Jake war genau die Ablenkung, die Cali am ersten Tag ihres wichtigsten Auftrags seit dem Neubeginn ihrer beruflichen Laufbahn wirklich nicht brauchte. In ihrem Leben war kein Platz für einen Mann. Ich sollte schleunigst gehen, dachte sie, rührte sich aber nicht von der Stelle.

In den vergangenen drei Jahren war sie jedes Mal geflüchtet, wenn ein Mann sie nett angesprochen oder ihr zugelächelt hatte. Cali hatte sich keinerlei Ablenkung zugestanden, und diese Strategie funktionierte: Sie hatte erreicht, was sie wollte.

Aber an diesem Abend wollte sie einfach nicht flüchten.

Vielleicht lag es an der Musik, an dem Lokal oder ihrer Hochstimmung, weil sie so kurz davor war, ihr Ziel zu erreichen. Vielleicht wollte sie sich aber auch nur daran erinnern, wie es war, wenn ein toller Mann ihr ein Lächeln entlocken wollte. Jake Tyler verlangte ja nicht, dass sie ihren Beruf hinwarf, um mit ihm zusammenzuleben - er wollte einfach ein bisschen mit ihr flirten. Und dieser harmlose Spaß mit einem Mann, den sie nie wiedersehen würde, hätte keinerlei Einfluss auf ihre Zukunft.

Über ihre Arbeit wollte Cali dennoch nicht sprechen, denn damit...

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