Gucci, Glamour und Champagner

Roman
 
 
Blanvalet (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 21. Januar 2013
  • |
  • 384 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-08504-9 (ISBN)
 
Paris - Stadt der Mode, der Croissants und natürlich: der Liebe!

Als Angelas umwerfender Freund Alex sie fragt, ob sie ihn nach Paris begleiten will, UND sie das Angebot bekommt, für die Modezeitschrift »Elle« etwas über die Stadt zu schreiben, ist sie Feuer und Flamme. Paris! Die Stadt der Liebe, der Croissants und der Designershops - und Angela war noch nie dort. Doch dann geht alles schief: Sie sieht Alex beim Tête-à-Tête mit seiner Ex, und dann versucht auch noch jemand, ihren beruflichen Durchbruch zu sabotieren. Angela ist kurz davor, nach Hause zu flüchten. Aber so schnell gibt man doch nicht auf, oder?

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Blanvalet
  • 2,82 MB
978-3-641-08504-9 (9783641085049)
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Eins

New York hatte in den drei Tagen meines Wegseins nicht einmal den Versuch gemacht abzukühlen. Auf den Vorschlag meiner Freundin Erin hin, ein langes Wochenende in ihrem Strandhaus zu verbringen, hätte ich mich fast aus ihrem Bürofenster im achtzehnten Stockwerk gestürzt, um schneller dort zu sein. Aber nach drei Tagen am Meer fiel die Rückkehr in die stickige Stadt nur umso schwerer. Allein auf dem kurzen Stück zur Subway blieb ich mit meinem Absatz dreimal im schmelzenden matschigen Teer zwischen den Pflasterplatten hängen. Fast hätte ich Sehnsucht nach einem feuchten Sommersamstag in Wimbledon bekommen. Aber nur fast.

Aushalten lässt sich diese widerliche Hitze nur, wenn ich draußen so wenig Bekleidung anhabe wie möglich, und drinnen so viel Zeit wie menschlich zu verkraften vor dem Altar des Klimageräts zubringe. Das Überlebensensemble des heutigen Tages bestand aus nicht viel mehr als einer wirklich langen hellrosa Weste von American Apparel und einem Armreif. Der Armreif sollte einfach nur unterstreichen, dass ich mir über meine Kleidung Gedanken gemacht und nicht einfach nur in meiner Unterwäsche aus dem Haus gegangen bin. Damals in London wäre ich nie, niemals in so einem Fähnchen auf die Straße gegangen, aber bei dieser Hitze kann ich mir keine Gedanken wegen meiner schlaffen Oberarme machen. Als ich von zu Hause aufbrach, hatte ich nicht das Gefühl, das Anziehen vergessen zu haben. Aber jetzt denke ich schon, dass mich nur noch ein Frotteestirnband von der verrückten Dame trennt, die immer in Morgenrock und BH vor dem Lebensmittelladen gegenüber meines Apartments sitzt, der rund um die Uhr geöffnet hat.

Als ich endlich im klimatisierten Zug war, schlug ich elegant wie immer um mich, hielt mich dann an der Stange mitten im Abteil fest und tauschte meine Schuhe gegen die immer in meiner Marc-Jacobs-Tasche präsenten Flip-Flops aus. Dabei musste ich an jenen kostbaren Augenblick denken, als diese Tasche in mein Leben trat. Mehr als alles andere, was ich je besessen habe, hütete ich sie wie einen Schatz, stellte sie nie auf dem Boden ab, überprüfte jedes Mal, ob die Stifte mit Kappen versehen waren, die Lipgloss nicht leckten und die Straßenschuhe auch ja keinen Dreck an ihren Sohlen hatten. Während ich nach meinem linken Flip-Flop kramte, hätte ich wegen der aufgegangenen Steppnaht und der abgefahrenen Subway-Tickets, zerknüllten Servietten und dem Dutzend halbleerer Kaugummipackungen, die jetzt in der Tasche herumflogen, am liebsten ein Tränchen verdrückt. Super.

Als ich am Union Square von der Linie 6 in die L wechselte, breitete sich ein Lächeln auf meinem Gesicht aus. Wieder meldete sich in meiner Magengrube dieses nervöse Flattern, das mich jedes Mal überkam, wenn ich in den Zug nach Brooklyn stieg. Also hatte es vielleicht doch was Gutes, wieder in der Stadt zu sein. Alex. Natürlich hätte ich dieses Flattern in der Linie L nicht annähernd so oft, wenn ich bei ihm einzöge, worum er mich immer wieder bat. Nach Meinung meiner Freundinnen war es lächerlich, unsere Beziehung weiterhin »bi-coastal« zu führen. Und so war an diesem Wochenende auch wieder viel Zeit dafür draufgegangen, der eingeschworenen Manhattanerin Erin, die sich in die Bereiche unterhalb der 14. Straße nur vorwagte, wenn es unbedingt sein musste, zu erklären, dass zwischen Murray Hill und Williamsburg schließlich nicht die ganzen USA, sondern nur der East River lag. Außerdem war ich mir noch immer im Unklaren, ob ich jetzt schon zu diesem Schritt bereit war. Ich liebte Alex, ja, und ja, ich wollte auch mit ihm zusammen sein, aber bedeutete dies auch, dass ich deshalb gleich mit ihm zusammenziehen musste? Nein.

Nachdem ich aus dem Zug geschlurft war und mich die Treppe zur Straße hochgeschleppt hatte, verweilte ich einen Moment, damit meine Augen sich an das Sonnenlicht gewöhnen konnten. Wie immer lehnte Alex an der Ecke Bedford und North 7th und bewegte seinen Kopf zu der Musik, die aus seinem iPod kam, das dichte schwarze Haar aus dem Gesicht gestrichen und am Hinterkopf verwuschelt, als wäre er gerade erst aufgestanden. Was vermutlich auch der Fall war, denn wir hatten gerade mal ein Uhr mittags. Ungeachtet des klebrigen Augustwetters war Alex' Garderobe unverändert. Schwarze Röhrenjeans klebten an seinen Beinen, sein T-Shirt spannte über seiner Brust, und er trank aus einem dampfenden Kaffeebecher.

Was bei mir nur Kopfschütteln auslöste. Wie konnte er nur an einem Tag wie diesem was Heißes trinken? Ich brauchte nur den Becher anzuschauen, da brach mir schon der Schweiß aus. Alex allerdings anzuschauen, verwandelte das Flattern in meinem Bauch in einen Ganzkörperschauder. Ich strich mit meinen Ringfingern unter beiden Augen entlang, um eventuell verschmierte Wimperntusche zu entfernen - nicht einmal die besten wasserfesten Mascaras überleben die 35 °C von New York -, und zog meine Sonnenbrille aus der Handtasche, bevor ich hinüberging.

»Hey.« Alex warf seinen Kaffeebecher in den Eimer neben ihm und beugte sich herab, um mir einen Kuss zu geben. »Wie war's bei Erin?«

»Fantastisch«, erwiderte ich und streckte mich ihm zu einem etwas längeren Kuss entgegen, bis mir die Luft wegblieb. »Das nächste Mal solltest du mitkommen. Provincetown ist wunderschön.«

»Ich bin kein Strandmensch«, sagte er, griff nach meiner Hand und zog mich die Straße hinunter. »Und so wie deine Schultern aussehen, bist du das auch nicht.«

»Oh, ich weiß.« Schulterzuckend versuchte ich den Riemen meiner Handtasche zurück auf die schmalen Träger meiner Weste zu schieben und entblößte dabei noch mehr meiner attraktiven hummerfarbenen Haut. »Ich sollte mich bis September nur noch in geschlossenen Räumen aufhalten.«

»Hm.« Alex drückte meine Hand. »Das verträgt sich zwar nicht mit meinen Plänen, aber grundsätzlich habe ich nichts dagegen.«

Wieder überzog mich ein Schauder.

»Und was sind das für Pläne?«, fragte ich, als wir uns dem Häuserblock mit Alex' Wohnung näherten. Diese lag nur fünf Minuten von der Subway entfernt, aber bei dieser Hitze waren das fünf Minuten zu viel.

»Die Band wurde gefragt, ob wir auf einem Festival spielen«, sagte er und zwängte dabei seine Hand in die hautenge Tasche seiner Jeans, um nach einem Schlüssel zu tasten, der dort nicht war.

»Wirklich? Das ist ja großartig.« Ich tauchte mit meiner Hand in die kleine Innentasche meiner Handtasche und hatte, bis wir Alex' Tür erreichten, den Schlüssel für seine Wohnung herausgefischt. Er nahm ihn mir ab und überwältigte mich mit seinem Grinsen. Es war fast pathologisch, wie sehr ich auf ihn stand. Denn noch immer, selbst wenn wir uns jeden Tag sahen, kam es vor, dass mich sein Anblick völlig umhaute, als sähe ich ihn zum ersten Mal.

»Siehst du? Deshalb musst du hier einziehen.« Dabei schlang er seinen Arm um meine Taille und zog mich für einen tieferen Kuss an sich heran, während wir seitwärts in das Wohnhaus stolperten. Unter dem Schock der Klimaanlage begann meine Haut zu prickeln.

»Oder du denkst einfach dran, den Schlüssel jedes Mal mitzunehmen«, flüsterte ich und entzog mich ihm mit brennenden Lippen. Ich muss daran denken, mir einen Lippenbalsam mit höherem Sonnenschutzfaktor zu kaufen. »Erzähl mir von dem Festival.«

»Erzähl du mir, dass du mich an diesem Wochenende vermisst hast«, flüsterte er zurück und strich mit seinem Finger über meine Unterlippe.

Ich blieb gesenkten Blickes stehen. Momente wie dieser sagten mir, dass ich ein Vollidiot war, nicht sofort zurück nach Manhattan zu rasen, alle meine Habseligkeiten in eine Tasche zu werfen und auf der Stelle meine Zelte hier in Brooklyn aufzuschlagen.

»Natürlich habe ich dich vermisst.« Ich nahm ihm den Schlüssel ab und sperrte die Wohnungstür auf. »Hast du dich allabendlich in den Schlaf geweint?«

»Ich weine mich jeden Abend in den Schlaf, wenn du nicht da bist.« Er grinste mich kurz an und ging dann an den Kühlschrank, um zwei eisgekühlte Bierdosen herauszuholen. »Aber da du nicht bei mir einziehen willst, muss ich wohl damit klarkommen.«

Ich ließ meine Tasche auf eins seiner kaputten alten Sofas fallen (besser als der Fußboden) und griff nach dem Bier. Dies war der perfekte Zeitpunkt, das Gespräch zu führen. Zu sagen, ich möchte wirklich gern bei dir einziehen, aber ich habe eine Scheißangst. Aber ich sagte nichts.

Alex verschwand im Schlafzimmer, aber ich folgte ihm nicht. Ich sah mich in seiner Wohnung um: eine winzige offene Küche, übersät mit Schachteln vom Schnellimbiss und leeren Kaffeebechern. Zwei massige weiche Sofas vor den riesigen Fenstern, unter denen ganz Manhattan vor uns ausgebreitet lag und im Sonnenlicht funkelte. Von hier aus sah es gar nicht schweißtreibend, hassenswert und beklemmend aus. Es war einfach nur schön. Und sollte ich der Skyline von New York jemals überdrüssig werden, was eigentlich unmöglich war, gab es noch immer den großen Flachbildfernseher in der Ecke, wo der Recorder nur darauf wartete, alle meine Lieblingsshows aufzunehmen.

Wie konnte ich mich nur so lächerlich aufführen? Was konnte schlimmstenfalls passieren? Ich würde einziehen, es gäbe ein paar Imbisskartons weniger in der Küche und im Badezimmer ein paar Fläschchen mehr. Wir würden jeden Abend gemeinsam zu Bett gehen, jeden Morgen gemeinsam aufwachen, ausgehen, heimkommen, fernsehen, kochen, einkaufen, saubermachen, stöhnen, lästern, keinen Sex mehr haben, nicht mehr miteinander reden, einander betrügen und uns zum Schluss hassen.

Wow. Ich setzte mich neben meine Tasche aufs Sofa. Das war nun so gar keine...

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