Stadt der Toten

Roman
 
 
Random House ebook (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 9. November 2011
  • |
  • 464 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-06612-3 (ISBN)
 
Das Grauen nimmt kein Ende
New York nach der Apokalypse: Ein kleines Häufchen Überlebender hat sich unter der Führung des ehemaligen Milliardärs Darren Ramsey in einem Wolkenkratzer verschanzt und versucht verzweifelt, sich den Auswirkungen der Katastrophe entgegenzustemmen. Doch in den Straßen der Stadt rüsten seelenlose Kreaturen zur letzten Schlacht - Wesen, die nur ein Ziel kennen: die Vernichtung der Menschheit!


Brian Keene, geboren 1967, hat bereits zahlreiche Horrorromane veröffentlicht und dafür zweimal den begehrten Bram Stoker Award gewonnen. Zurzeit sind zwei Verfilmungen seiner Romane in Arbeit. Er lebt in Pennsylvania.
  • Deutsch
  • 0,54 MB
978-3-641-06612-3 (9783641066123)
3641066123 (3641066123)
weitere Ausgaben werden ermittelt

EINS

Jim, Martin und Frankie standen neben dem verbeulten HumVee und starrten in die Ferne. Ein unendlicher Friedhof erstreckte sich entlang beider Seiten des New Jersey Garden State Parkway bis zum Horizont, genau in seiner Mitte von der Bundesstraße durchschnitten. Tausende von Grabsteinen schoben sich aus der Erde, umgeben von verfallenen Häusern und leeren, überwucherten Grundstücken. Gräber, Krypten und Grüfte sonstiger Art und Form bestimmten ebenfalls pixelartig das Bild der Landschaft, aber die schiere Menge an Grabsteinen begrub sie unter sich.

»Ich kenne diesen Ort. Ich habe hier jedes Mal eine Gänsehaut bekommen, wenn ich herfuhr, um Danny hinzubringen oder abzuholen. Unheimlich, oder?«, sagte Jim.

»Kompletter Wahnsinn«, keuchte Frankie. »Ich habe noch nie so viele Grabsteine auf einem Haufen gesehen. Gigantisch!«

Der alte Prediger flüsterte etwas vor sich hin.

»Was haben Sie gesagt, Martin?«

Er starrte mit weit aufgerissenen Augen über das Meer von Marmor und Granit.

»Ich sagte, dass das hier jetzt unsere Welt ist. Von allen Seiten umzingeln uns die Toten.«

Frankie nickte zustimmend. »So weit das Auge reicht.«

Martin seufzte. »Wie lange werden die Grabsteine die Häuser überleben? Wie lange die Toten uns?«

Martin schüttelte traurig den Kopf. Sie hatten den HumVee auf ernste Schäden untersucht, nach ihrem letzten Gefecht mit den Toten, bei einer Forschungseinrichtung der Regierung in Hellertown, Pennsylvania. Mit einem Experiment jener Anlage hatte die Auferstehung der Toten ihren Anfang genommen. Jim und die anderen waren außerhalb der Einrichtung angegriffen worden und hatten gerade noch fliehen können. Jetzt verfolgten sie weiter ihre Mission - die Rettung von Jims kleinem Sohn Danny.

Erleichtert über die harmlosen Schäden am HumVee setzten sie ihren Weg fort.

Als die Sonne unterging, fielen ihre letzten schwachen Strahlen auf das Schild vor ihnen.

BLOOMINGTON - NÄCHSTE AUSFAHRT

Jim atmete heftiger.

»Nimm die Ausfahrt.«

Martin drehte sich besorgt nach hinten.

»Alles in Ordnung, Jim? Was ist los?«

Jim verkrampfte sich in seinem Sitz und schnappte nach Luft. Ihm war übel. Sein Herz schlug heftig in der Brust, und seine Haut wurde kalt.

»Ich habe Angst«, flüsterte er. »Martin, ich habe furchtbare Angst. Ich weiß nicht, was passieren wird.«

Frankie nahm die Ausfahrt und schaltete die Scheinwerfer ein. Die Mauthäuschen standen leer. Sie seufzte erleichtert.

»Welche Richtung?«

Jim antwortete nicht. Vielleicht hatte er ihre Frage gar nicht wahrgenommen. Seine Augen waren fest geschlossen, und er begann zu zittern.

»Hey«, rief Frankie vom Fahrersitz, »willst du dein Kind wiedersehen? Reiß dich verdammt noch mal zusammen. Also, wohin?«

Jim öffnete die Augen. »Tut mir leid, du hast recht. Bis zum Ende der Ausfahrt und dann unten an der Ampel links. Nach drei Blocks biegst du rechts in die Chestnut ab. An der Ecke sind eine große Kirche und eine Videothek.«

Jim atmete kräftig aus und bewegte sich wieder. Er legte das Gewehr zur Seite und prüfte die Pistole, die er schließlich zufrieden zurück in ihr Holster schob. Er drückte sich zurück in den Sitz und wartete, während der Heimatort seines Sohnes draußen an ihm vorüberzog.

Ein Zombie in zerlumpter Lieferantenuniform sprang hinter einer Gruppe von Büschen hervor. Seine verdreckten Klauen umkrallten einen Baseballschläger.

»Da ist einer.« Martin kurbelte die Scheibe gerade so weit herunter, um einen Schuss abgeben zu können.

»Nein«, unterbrach Frankie ihn. »Schießen Sie nur, wenn sie uns unmittelbar bedrohen oder folgen.«

»Aber dieser wird es anderen erzählen«, protestierte er. »Mehr von denen ist das Letzte, was wir brauchen.«

»Eben darum sollen Sie ja nicht auf das Ding schießen, Prediger. Bis es seinen verrotteten kleinen Freunden erzählt hat, dass Essen auf Rädern eingetroffen ist, haben wir uns mit seinem Jungen längst verpisst. Wenn Sie schießen, weiß jeder Zombie in der Stadt, wo wir zu finden sind!«

»Sie haben recht.« Martin nickte und drehte die Scheibe wieder hoch. »Gutes Argument.«

Ein fetter Zombie watschelte vorbei. Er trug einen Kimono und zog einen roten Kinder-Bollerwagen hinter sich her. Darin saß ein weiterer Untoter, dem die untere Körperhälfte fehlte und der seine restlichen Innereien sowie gelben Eiter und Fettschlieren um sich herum verteilte. Beide Kreaturen wurden deutlich lebhafter, als der Wagen an ihnen vorbeizischte, und der dicke Zombie stolperte ihm mit wütend erhobenen Fäusten ein paar Schritte hinterher.

Frankie stieg in die Bremse, rammte den Rückwärtsgang rein und zermalmte Zombies und Kinderwagen unter den Rädern. Das Gefährt sprang dabei heftig auf und ab.

Sie grinste Martin an. »Weniger Lärm als ein Schuss, oder?«

Der Prediger schauderte. Jim nahm kaum Notiz von seinen Freunden. Sein Puls raste noch immer, aber die Übelkeit war inzwischen einer völligen inneren Leere gewichen.

Wie oft war er diese Vorstadtstraße entlanggefahren, um Danny nach Hause zu bringen oder abzuholen? Dutzende Male, aber nie zuvor bis an die Zähne bewaffnet, in einem gestohlenen Militärfahrzeug, an der Seite eines Predigers und einer Ex-Nutte. Er dachte an das erste Mal, an seinen ersten vollen Sommer mit Danny. Sein Sohn weinte, als Jim in die Chestnut einbog. Er wollte nicht, dass sein Vater ihn verließ. Als sie in die Einfahrt rollten, kullerten dicke Tränen über sein kleines Gesicht, und sie kullerten noch immer, als Jim widerwillig davonfuhr. Er hatte Danny im Rückspiegel beobachtet und gewartet, bis er außer Sicht war, um dann rechts ran zu fahren und seinerseits zusammenzubrechen.

Er dachte an Dannys Geburt und den Moment, in dem er seinen Sohn zum ersten Mal in den Armen gehalten hatte. Er war so klein und winzig gewesen, mit noch feuchter, rosiger Haut. Sein neugeborener Sohn hatte auch damals geweint, aber als Jim ihn angluckste, öffnete er die Augen und lächelte. Die Ärzte und Tammy leugneten das Lächeln, da Babys nicht lächeln könnten; Jim jedoch wusste es besser.

Die folgenden Sommer hatte Danny mit seinem Dad und dessen zweiter Frau Carrie verbracht, mit Kartenspielen, viel Gelächter und ausgelassenen Rangeleien, Popcornmampfen sowie Godzilla und Mecha-Godzilla, die auf dem Bildschirm vor dem in trauter Dreisamkeit besetzten Sofa gemeinsam Tokyo zertrampelten.

Die Nachricht, die Danny vor einer Woche auf Jims Mailbox hinterlassen hatte, widerhallte in seinem Kopf, als sie um eine Ecke bogen.

»Wir sind auf der Chestnut«, meldete Frankie. »Was jetzt?«

»Ich hab solche Angst, Daddy. Ich weiß, dass wir nicht aus der Dachkammer raus sollten, aber Mami ist krank, und ich weiß nicht, was ich tun kann, damit es ihr besser geht. Draußen vor dem Haus höre ich Dinge. Manchmal gehen sie nur vorbei und andere Male glaube ich, sie versuchen reinzukommen. Ich glaube, Rick ist bei ihnen.«

»Jim? JIM!«

Jims Stimme war leise und schien von weit her zu kommen. »An O'Rourke und Fischer vorbei, dann links in die Platt Street. Das letzte Haus links.«

In seinem Kopf weinte Danny.

»Daddy, du hast versprochen, mich anzurufen! Ich hab Angst, und ich weiß nicht, was ich tun soll .«

»Platt Street«, verkündete Frankie und bog ab. Sie fuhr langsam an den ordentlich in Reihe stehenden und bis auf die Farben der Rollläden und Vorhänge komplett identischen Häusern vorbei.

»Wir sind da.«

Sie parkte den HumVee, ließ den Motor jedoch laufen.

».und ich hab dich lieber als Spiderman und als Pikachu und als Michael Jordan und mehr als unendlich, Daddy. Ich hab dich mehr als unendlich lieb.«

Der inzwischen finstere Doppelsinn dieser Phrase hatte ihn die letzten Tage über permanent verfolgt. Es war ein Spiel gewesen, dessen Regeln nur er und Danny gekannt hatten, ein Ritual, das den Schmerz der Ferngespräche zwischen West Virginia und New Jersey ein wenig linderte. Aber dann hatte einer der Zombies, denen er auf seinem Trip begegnet war, den Spruch ebenfalls von sich gegeben.

»Wir sind viele. Zahlreicher als die Sterne. Wir sind mehr als unendlich.«

Jim öffnete die Augen.

»Mehr als unendlich, Danny. Daddy hat dich mehr als unendlich lieb.«

Er öffnete die Tür. Martin folgte. Jim legte ihm die Hand auf die Schulter und drückte den alten Mann zurück in den Sitz.

»Nein«, sagte er bestimmt und schüttelte den Kopf, »Sie bleiben bei Frankie. Ihr müsst uns Rückendeckung geben...

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