Doppelhelix hält besser

Erstaunliches aus der Welt der Genetik
 
 
Hoffmann & Campe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 30. April 2013
  • |
  • 416 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-455-85059-8 (ISBN)
 
Was treibt die Fruchtfliege in der Milchflasche? Warum häuten wir uns, wenn wir die Leber
eines Eisbären essen? Wieso war John F. Kennedy selbst im Weißen Haus immer sonnengebräunt? Weshalb sahen die ägyptischen Pharaonen aus wie Außerirdische? Weswegen waren Paganinis Finger schneller als die aller anderen Geiger? Und warum war Einstein eigentlich so schlau?

Diese und viele weitere Fragen beantwortet Sam Kean in seinem neuen Buch. Er entführt den Leser in die wundersame Welt der Genetik und erzählt von faszinierenden Erkenntnissen, die diese Wissenschaft seit dem vorletzten Jahrhundert gewonnen hat. In einem gekonnten Mix aus humorvollen Geschichten und anschaulichen Erklärungen öffnet Sam Kean für uns Nichtwissenschaftler ein verführerisches Tor zu einem elementaren Bereich des Lebens.
  • Deutsch
  • Hamburg
  • |
  • Deutschland
  • 3,35 MB
978-3-455-85059-8 (9783455850598)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Sam Kean lebt als Journalist und Autor in Washington, DC. Seine Artikel und Reportagen erscheinen vor allem im New York Times Magazine sowie in den Zeitschriften Mental Floss, The New Scientist und im Science Magazine, bei dem er zurzeit als Reporter arbeitet. 2009 wurde er von der amerikanischen National Association of Science Writers als bester Wissenschaftsautor unter dreißig ausgezeichnet.

Einleitung


Dies ist ein Buch über die DNA – über das Ausgraben von Geschichten, die seit Tausenden, sogar Millionen von Jahren in unserer DNA verborgen liegen, und über die Entschlüsselung von Geheimnissen der menschlichen Existenz, von Rätseln, deren Antworten verloren schienen, aber heute mit Hilfe der DNA gelöst werden können. Und ja, ich habe dieses Buch geschrieben, obwohl mein Vater mit Vornamen Gene heißt. Und nicht nur mein Vater, sondern auch meine Mutter – zumindest wenn man ihn ausspricht. Gene und Jean. Gene und Jean Kean. Auf dem Spielplatz musste ich wegen des absurden Singsangs der Namen meiner Eltern massenweise Sticheleien über mich ergehen lassen: Jeder Charakterfehler und jede Schwäche wurde auf meine genes zurückgeführt. Wenn ich mich idiotisch benommen hatte, grinsten die Leute und kalauerten, dafür seien meine genes – also, für das Ohr nicht unterscheidbar, zugleich meine Gene und Gene und Jean – verantwortlich. Dass Sex dazugehört hatte, als Gene und Jean ihre Gene an mich weitergaben, machte die Sache nicht besser. Der Spott war doppelt mit Stacheln versehen – unmöglich, ihm etwas entgegenzusetzen.

All das hatte zur Folge, dass ich mich in der Schule, im naturwissenschaftlichen Unterricht, vor dem Thema DNA und Genetik fürchtete, weil ich wusste, sobald die Lehrerin der Klasse den Rücken zukehrte, würden innerhalb von zwei Sekunden die Witzeleien anfangen. Und wenn sie nicht anfingen, dann hatte irgendein Klugscheißer dergleichen zumindest im Sinn. Ganz hat mich diese Pawlow’sche Angst nie verlassen, auch nicht, als ich zu begreifen begann, wie mächtig eine gewisse Substanz namens DNA ist. Als ich in die Highschool kam, machten mir die Sticheleien nichts mehr aus, aber das Wort gene rief in mir noch immer eine Menge Reaktionen hervor, die nicht alle nur angenehm waren.

Einerseits reizt mich das Thema DNA und Genetik. Es gibt in den Naturwissenschaften kein zweites, das so spannend ist, kein Gebiet, das die Wissenschaft im selben Maße voranzubringen verspricht (und damit meine ich nicht nur die bekannten – allzu optimistischen – Verheißungen neuer medizinischer Heilverfahren). Die DNA hat den Forschungen auf allen Gebieten der Biologie neues Leben eingehaucht und die Wissenschaft vom Menschen revolutioniert. Andererseits, immer wenn sich jemand anschickt, unsere elementare menschliche Biologie zu ergründen, wehren wir uns gegen diesen Eingriff – wir möchten nicht auf bloße DNA reduziert werden. Und wenn jemand ankündigt, an dieser elementaren Biologie herumbasteln zu wollen, bekommen wir es mit der Angst zu tun.

Was die Sache noch zwiespältiger macht: Die DNA bietet sich als leistungsfähiges Werkzeug zum Durchstöbern unserer Vergangenheit an. Die Biologie ist zu einer Geschichtswissenschaft geworden, die sich nur anderer Methoden bedient als die traditionelle. Allein im letzten Jahrzehnt hat uns die Genetik Geschichten im Gesamtumfang der Bibel erschlossen, Geschichten, deren Plots wir für nicht rekonstruierbar gehalten hatten, weil entweder zu viel Zeit vergangen war oder weil es zum Zusammenstückeln stimmiger Erzählungen an fossilen oder anthropologischen Zeugnissen fehlte. Es hat sich aber herausgestellt, dass wir diese Geschichten die ganze Zeit in uns herumgetragen haben: Billionen von Texten, die die kleinen Mönche in unseren Zellen das ganze dunkle Zeitalter hindurch Stunde um Stunde, Tag für Tag gewissenhaft niedergeschrieben haben, darauf wartend, dass wir endlich ihre Sprache erlernen würden. Zu diesen Geschichten gehören die großen Sagas, die davon erzählen, woher wir kommen und wie wir uns aus dem Urschlamm zur mächtigsten aller Arten entwickelten, die es auf diesem Planeten je gegeben hat. Zum Teil sind die Geschichten aber auch erstaunlich individuell.

Wäre mir in der Schule ein zweiter Versuch vergönnt gewesen (neben der Chance, meinen Eltern unverfänglichere Vornamen zu geben), so hätte ich mir für mein Mitwirken im Spielmannszug ein anderes Instrument ausgesucht. Nicht (oder jedenfalls nicht nur) weil ich in der 4., 5., 6., 7., 8. und 9. Klasse als einziger Junge Klarinette spielte, sondern weil ich beim Spielen dieses Instruments mit all seinen Grifflöchern und Klappen so ungeschickt war. Das lag nicht daran, dass ich zu wenig geübt hätte. Vielmehr machte ich meine Finger und meine abgespreizten Tramperdaumen für meine Defizite verantwortlich. Meine Finger waren beim Klarinettespielen nämlich so unbeholfen, dass sie sich ständig in die Quere kamen und ich permanent das Bedürfnis verspürte, mit den Gelenken zu knacken, damit das Blut wieder pulsieren konnte. Außerdem versteifte sich alle naselang mein ausgestreckter Daumen, sodass ich das Gelenk mit der anderen Hand wieder in die richtige Position bringen musste. Meine Finger waren zu dem, was die Finger der besser spielenden Mädchen fertigbrachten, einfach nicht imstande. Ich sagte mir, dass dieses Problem ererbt war, ein Vermächtnis des Genbestands meiner Eltern.

Nachdem ich die Kapelle verlassen hatte, dachte ich nicht weiter über meine Theorie der Fingerfertigkeit beim Musizieren nach – bis ich zehn Jahre später von dem Geiger Niccolò Paganini hörte, dessen außergewöhnliche Begabung ihn sein ganzes Leben hindurch genötigt hatte, Gerüchten entgegenzutreten, er habe dem Teufel für sein Talent seine Seele verkauft (die Kirchenbehörde seiner Heimatstadt weigerte sich nach seinem Tod jahrzehntelang, seinen Leichnam auf dem Friedhof zu bestatten). Heute wissen wir, dass Paganini einen Pakt mit einem subtileren Herrn geschlossen hatte – mit seiner DNA. Paganini war höchstwahrscheinlich mit einer genetischen Anomalie zur Welt gekommen, die ihm absonderlich biegsame Finger bescherte. Seine Bindegewebe waren wie Gummi: Seinen kleinen Finger konnte er so weit abspreizen, dass er mit der übrigen Hand einen rechten Winkel bildete (versuchen Sie das mal!). Auch konnte er seine Hände ungewöhnlich weit dehnen – ein unbezahlbarer Vorteil, wenn man Geige spielt. Meine simple Hypothese, dass Menschen »dazu geboren« seien (oder auch nicht), bestimmte Instrumente zu spielen, schien also gerechtfertigt, und dabei hätte ich es belassen können. Aber ich ging der Sache weiter nach und erfuhr, dass Paganinis Syndrom wahrscheinlich Ursache ernster gesundheitlicher Probleme gewesen war: hatte der Geiger doch sein ganzes Leben lang unter Gelenkschmerzen, Sehschwäche, Atemnot und Erschöpfung zu leiden gehabt. Ich jammerte in den frühmorgendlichen Proben für den Spielmannszug wegen steifer Knöchel, aber Paganini hatte auf dem Höhepunkt seiner Karriere oft Konzerte absagen müssen und war in den letzten Jahren seines Lebens überhaupt nicht mehr aufgetreten. In ihm hatte sich eine Leidenschaft für Musik mit einem Körper verbunden, der perfekt darauf eingestellt war, Vorteile aus seinen Schwachstellen zu ziehen – vielleicht das Großartigste, was ein Mensch sich erhoffen kann. Aber diese Schwachstellen sorgten dafür, dass Paganini nicht alt wurde. Er mag den Pakt mit seinen Genen nicht freiwillig geschlossen haben, aber er war in einem solchen Pakt gefangen, wie wir alle, und der Pakt ließ ihn werden, aber auch vergehen.

Die DNA hat zahllose weitere Geschichten offenbart. Wissenschaftler haben im Nachhinein genetische Störungen bei Charles Darwin, Abraham Lincoln und einigen ägyptischen Pharaonen diagnostiziert, andere haben die DNA selbst erforscht, um ihre verborgenen linguistischen Eigenschaften und ihre erstaunliche mathematische Schönheit aufzuzeigen. In allen möglichen Zusammenhängen begannen Geschichten über die DNA aufzutauchen, die die unterschiedlichsten Themen – von der Biologie bis zur Sozialkunde – miteinander verbanden. Die DNA förderte Geschichten von Menschen zutage, die Atombombenexplosionen überlebt hatten, und über Entdeckungsreisende, die in der Arktis zu Tode gekommen waren. Geschichten vom Beinah-Aussterben der menschlichen Spezies und von Schwangeren, die ihren Ungeborenen...

»Eine besondere Art, sich mit
Wissenschaft auseinanderzusetzen«
 
»Einen unterhaltsamen Streifzug
quer durch die Geschichte der DNA und damit der modernen Genetik liefert der
Wissenschaftsjournalist Sam Kean. Leicht lesbar und unterhaltsam.«
 
»Anhand bizarrer Geschichten werden faszinierende Erkenntnisse der Genetik
seit dem 19. Jahrhundert vermittelt.«
 
»Verbindet Information und
Unterhaltung bestens. er schildert verständlich, wie moderne Experimente
ablaufen. erklärende Erzählungen mischt er unter Forscherporträts, Anekdoten und
Absurditäten. Vergnügliches Einsteiger-Buch.«
 
»Der US-Wissenschaftsjournalist schafft eine Meisterleistung: Er beschreibt biochemische Zusammenhänge kurzweilig, allgemein verständlich und - das ist erstaunlich - mit viel Humor.«

Dateiformat: EPUB
Kopierschutz: Wasserzeichen-DRM (Digital Rights Management)

Systemvoraussetzungen:

Computer (Windows; MacOS X; Linux): Verwenden Sie eine Lese-Software, die das Dateiformat EPUB verarbeiten kann: z.B. Adobe Digital Editions oder FBReader - beide kostenlos (siehe E-Book Hilfe).

Tablet/Smartphone (Android; iOS): Installieren Sie bereits vor dem Download die kostenlose App Adobe Digital Editions (siehe E-Book Hilfe).

E-Book-Reader: Bookeen, Kobo, Pocketbook, Sony, Tolino u.v.a.m. (nicht Kindle)

Das Dateiformat EPUB ist sehr gut für Romane und Sachbücher geeignet - also für "fließenden" Text ohne komplexes Layout. Bei E-Readern oder Smartphones passt sich der Zeilen- und Seitenumbruch automatisch den kleinen Displays an. Mit Wasserzeichen-DRM wird hier ein "weicher" Kopierschutz verwendet. Daher ist technisch zwar alles möglich - sogar eine unzulässige Weitergabe. Aber an sichtbaren und unsichtbaren Stellen wird der Käufer des E-Books als Wasserzeichen hinterlegt, sodass im Falle eines Missbrauchs die Spur zurückverfolgt werden kann.

Weitere Informationen finden Sie in unserer E-Book Hilfe.


Download (sofort verfügbar)

19,99 €
inkl. 19% MwSt.
Download / Einzel-Lizenz
ePUB mit Wasserzeichen-DRM
siehe Systemvoraussetzungen
E-Book bestellen