Pumuckl Vorlesebuch - Gute-Nacht-Geschichten

 
 
Kosmos (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 4. Oktober 2018
  • |
  • 160 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-440-16363-4 (ISBN)
 
Auch Kobolde müssen mal ins Bett. Oder bleibt noch Zeit für einen kleinen Streich? Mit den Gute-Nacht-Geschichten vom frechen Pumuckl klingt der Tag fröhlich aus.

Sechs Original-Geschichten von Ellis Kaut und drei neue Pumuckl-Geschichten von Uli Leistenschneider begeistern Kinder ab 5 Jahren. Die wunderschönen klassischen Bilder in diesem liebevoll gestalteten Band stammen von der ursprünglichen Pumuckl-Illustratorin Barbara von Johnson.

Ein Lieblingsbuch zum gemeinsamen Schmökern und Kuscheln vor dem Schlafengehen.
  • Deutsch
  • Stuttgart
  • |
  • Deutschland
  • 31,95 MB
978-3-440-16363-4 (9783440163634)
weitere Ausgaben werden ermittelt

Das verkaufte Bett


Eines Morgens, kurz nachdem der Pumuckl zum Meister Eder gekommen war, betrat der Schreinermeister die Werkstatt. Der kleine Kobold saß friedlich auf dem Bretterstapel und gab sich seiner Lieblingsbeschäftigung hin - der Dichtkunst. Er suchte gerade einen Reim auf das Wort »sichtbar« und fand keinen. Zu dumm, gerade auf das Sichtbarsein hätte er sich gern einen Reim gemacht.

Kaum trat Eder ein, begannen auch schon die Seltsamkeiten des Sichtbarseins: Pumuckl war über und über voll Sägemehl und Hobelspäne und musste sich erst ausklopfen und schütteln und putzen (gerade in diesem Punkt ist Unsichtbarsein viel praktischer!). Und dann bekam er ein seltsames Gefühl im Bauch.

»Oooh - ooh, mein Bauch ist hohl und leer, soo leer«, jammerte der Kobold.

»Du wirst Hunger haben«, klärte ihn Eder auf. »Komm, wir frühstücken.«

»Früh stücken? Was tut man, wenn man stückt?«

»Nun, man isst eben etwas.«

»Stimmt, alle sichtbaren Wesen essen ja!«, fiel dem Kobold ein. »Geht dann das dumme Gefühl im Bauch weg?«

»Auf der Stelle«, versicherte Eder. Und er hatte nicht zu viel versprochen. Der Pumuckl verspeiste einen ganzen Löffel Erdbeermarmelade und trank dazu einen Eierbecher voll Kaffee. Daraufhin fühlte er sich so wunderbar wie noch nie in seinem Leben.

»Ich stücke nur noch, mal früh, mal spät«, erklärte er feierlich. Nach dem Frühstück nahm Meister Eder einen Besen, um endlich die Werkstatt sauber zu fegen. Aber er kam nicht weit. Kaum näherte er sich mit dem Besen den Hobelspänen, fing der Kobold an zu schreien, als ginge es um sein Leben:

»Nicht zusammenkehren! Meine schönen Sägespäne!« Und er hüpfte vor dem Besen hin und her, sodass Eder aufhören musste, wollte er den kleinen Kerl nicht mit wegkehren.

»Wo soll ich denn schlafen, wenn du alle Sägespäne wegkehrst?«

»Du kannst doch nicht immer in diesem Holzabfall schlafen!«

»Warum nicht? Hab ich doch bisher auch getan.«

»Weil ich dich sonst eines Tages aus Versehen mit in den Ofen werfe.«

»Macht nichts - da hüpfe ich einfach wieder heraus!«

»Wenn ich dich aber reinwerfe und du bist gerade sichtbar, dann verbrennst du!«

Pumuckls Gesicht wurde vor Schreck ganz blass. Daran hatte er nicht gedacht.

»Dann - dann musst du eben die Hobelspäne da hintun, wo du sie nicht zusammenkehrst. Auf den Tisch vielleicht!«

»Das gäbe eine schöne Unordnung! Nein, danke!«

»Kobolde lieben aber Unordnung!«, versicherte Pumuckl eifrig.

»Schreiner lieben aber Unordnung gar nicht. Da müssen wir schon eine andere Lösung finden!«

»Ich will nicht, dass du eine Lösung findest! Und wenn, dann verstecke ich die Lösung einfach auf Nimmerwiederfinden!« Pumuckl stampfte mit seinen kleinen Füßen auf. »Ich will keine Lösung, sondern Späne haben! Raschelt so schön, schläft sich so gut, versteckt sich so fein!« Schleunigst legte er sein Gesicht in feierliche Falten: »Wo Späne sind, ist alles gut! Das ist ein Koboldsgesetz!«

»Das gilt sicher nur für unsichtbare Kobolde, und du bist .« Da verzog Pumuckl sein Gesicht, als wollte er gleich zu weinen anfangen: »Oh, warum nur bin ich sichtbar geworden - kann nicht mehr schlafen, kann nicht mehr rascheln, kann nicht mehr .«

»Natürlich kannst du schlafen! Du bekommst von mir ein Bett. Wozu bin ich Schreiner? Ich mache dir ein wunderschönes kleines Himmelbett!« Meister Eder lächelte. »Wer sichtbar ist, der braucht ein Bett - Sichtbarkeitsgesetz!«

In Pumuckls Stirn gruben sich tiefe Nachdenkefalten.

»Sag mal, haben alle sichtbaren Wesen ein Bett?«

»Aber ja, Pumuckl.«

»Die Vögel auch?«

»Ja - das Bett der Vögel ist das Nest.«

»Und die Hunde?«

»Die großen haben ein Bett aus Stroh in der Hundehütte.«

»Und die kleinen?«

»Die schlafen auf einem Kissen oder Polster.«

»Und die Mäuse und die Hasen und die Katzen?«

»Alle haben einen sauberen Platz, wo sie schlafen. Nur der schlampige Pumuckl will in den Sägespänen schlafen.«

Da glätteten sich die Nachdenkefalten des Pumuckl und sein Gesichtchen strahlte. »Dann will ich auch ein Bett haben. Mach schnell eins, ganz schnell!« Und schon reimte er vergnügt:

»Ein Bett wär nett, wenn ich's schon hätt!«

Nun, ganz so schnell ging es natürlich nicht. Aber Meister Eder machte sich gleich an die Arbeit. Er rechnete und zeichnete, und dann suchte er ein besonders gut geeignetes Holz und fing an zu sägen und zu schnitzen und zu leimen. Pumuckl schaute ihm zu und versteckte nicht ein einziges Mal auch nur ein Holzteilchen. So entstand das entzückendste Puppenbettchen, das man sich nur vorstellen kann. Zuletzt bemalte es Meister Eder auch noch bunt wie ein altes Bauernbett, und da stand es nun in seiner ganzen Pracht. Andächtig sagte der kleine Kobold: »Das - das ist viel schöner als das Nest vom Vogel und noch viel schöner als alle Betten von Hunden und Hasen und Katzen und Mäusen«, und seine beiden Ohren wurden rot vor Stolz. »Das ist ein richtiges Bett für den Kobold Pumuckl aus dem Geschlechte der Klabauter!«

Meister Eder freute sich selbst an der gut gelungenen Arbeit. »Hat mir Spaß gemacht«, sagte er.

»Und ich habe dir sooo geholfen dabei.«

An diese Hilfe allerdings konnte sich Meister Eder nicht erinnern.

»Davon habe ich aber gar nichts gemerkt. Was hast du denn geholfen?«

»Viiiel! Keinen Farbtopf umgeworfen, keine Feile weggeschleppt, kein Glaspapier versteckt, dich nicht gepickt und gezwickt - und dafür jetzt ein schönes Bett gegrickt!«

»Gekriegt!«, verbesserte Meister Eder.

»Gekriegt!!«, wiederholte Pumuckl übermütig und fing an, wie ein Gummiball auf und ab zu hüpfen, und dazu sang er im Takt: »Bett gekriegt, bald darin geliegt, in Schlaf gewiegt, Pumuckl sehr vergniegt - äh, vergnügt. Sehr vergnügt!!«

Ja, beide waren wirklich sehr vergnügt - bis Frau Reiser kam. Frau Reiser ist eine Kundin vom Meister Eder, eine nette Frau, die Mutter der sechsjährigen Doris und des elfjährigen Herbert. Sie hatte nur keine Ahnung vom Kobold Pumuckl und seiner Freude über das Bett. Aber daraus kann man ihr eigentlich keinen Vorwurf machen. Sie kam also über den Hof auf die Werkstatt zu und Meister Eder sagte: »Pst! Pumuckl - Kundschaft kommt!«

»Schnell, versteck mein Bett!«, rief der Pumuckl ahnungsvoll.

»Die nimmt dir's doch nicht weg«, meinte der Schreiner.

»Gib's her - ich versteck es in dem Hobelspänehaufen!«

Wirklich, der Haufen war immer noch nicht weggekehrt, weil Eder das über der Arbeit an dem Bett einfach vergessen hatte. Er legte es in die Hobelspäne und sah noch, wie der Kobold seine kleinen Arme voll der feinen Holzkringel nahm und sie in das Bett hineinpackte und sich dann darauflegte und genießerisch die Augen schloss. So lag das bunte Bett halb von Hobelspänen zugedeckt auf dem Holzabfallhaufen.

Und das war ein Verhängnis.

Frau Reiser kam also und bat den Schreinermeister, er möge ihr doch einen Aufbau auf ihren Schrank machen, weil sie damit dann eine schöne Schrankwand hätte. Er sollte zu ihr in die Wohnung kommen und die genauen Maße notieren. Meister Eder sagte zu, und Frau Reiser wollte gerade zufrieden wieder gehen, als ihr Blick zufällig auf den Haufen Hobelspäne fiel.

»Was liegt denn da?«, fragte sie. »Das sieht ja aus wie ein kleines Puppenbett!«

»Ach - das ist nichts«, versuchte Meister Eder abzuwehren. Aber schon hatte sich Frau Reiser gebückt und hielt das Pumucklbett in ihrer Hand. Fast hätte sie's gleich wieder fallen lassen, so gezwickt hatte sie irgendetwas - aber sie hielt es fest.

»Das ist ja entzückend«, sagte sie und rieb sich die Stelle, an der sie gezwickt worden war. »Haben Sie das gemacht, Herr Eder?«

»Ach n-nein, das - das ist nur so eine Spielerei«, stotterte der Meister verlegen.

»Und so was werfen Sie zum Abfall?! Also wissen Sie, Herr Eder, das ist genau das, was sich meine Doris schon immer für ihre Puppe gewünscht hat. Das stimmt auch genau in der Größe!«

Erschrocken meinte Eder: »Aber nein, das ist nicht für eine Puppe, das ist für .«

»Für was ist es denn?«

Ja, für was? Wenn er sagte »für einen Kobold«, würde sie ihn auslachen. Ihm fiel in der Eile einfach nichts ein. Frau Reiser lachte. »Sie werden doch nicht selbst darin schlafen wollen!« Dann sah sie seine Verlegenheit, deutete sie aber ganz falsch.

»Aber Herr Eder, für die Arbeit brauchen Sie sich wirklich nicht zu genieren. Ich kauf sie Ihnen ab. Was verlangen Sie?«

»Aber - aber das ist ja gar nicht verkäuflich!«

»Zum Wegwerfen ist es aber auch viel zu schade. Geben Sie's mir bitte! Ich zahle Ihnen zehn Mark1 dafür!« Und schon hatte sie den Geldschein auf die Hobelbank gelegt und das Bett in ihrer Tasche verschwinden lassen. »Vielen Dank! Meine Doris wird sich riesig freuen!«...

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