Löffelchenliebe

 
 
Page & Turner (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 22. Juli 2013
  • |
  • 288 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-11211-0 (ISBN)
 
Vorhang auf für die Neuentdeckung des Jahres!

Anna Brix ist Mitte dreißig, Reisejournalistin und liebenswerte Chaotin - und auf der Suche nach dem perfekten Mann. Als sie sich in den zehn Jahre jüngeren David verliebt, erstrahlt die Welt in Rosarot. Sie träumt sogar von einer kleinen Familie mit ihm! Doch mit Schrecken muss Anna feststellen, dass sie beide in einer völlig unterschiedlichen Phase ihres Lebens stecken - und Kinder sind so ziemlich das Letzte, was David sich vorstellen kann. Als Hector, Reisebekanntschaft und erfolgreicher Gentleman von Welt, auf den Plan tritt, ist Anna hin- und hergerissen, denn er scheint nicht abgeneigt, ihren Babywunsch zu erfüllen. Und damit versinkt Annas Gefühlshaushalt vollends im Chaos - bis Davids kauzig-konfuser Großvater Richard das Großreinemachen übernimmt ...

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
  • 0,47 MB
978-3-641-11211-0 (9783641112110)
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Eins

Klaus 3 war winzig. Ich bin auch winzig, aber Klaus 3 hätte ich von oben auf die vogelnestartigen Locken spucken können.

»Möchtest du etwas trinken ?«, piepste er, legte den Kopf in den Nacken und sah zu mir auf.

»Ja, gerne einen Rotwein.«

Klaus 3 ging auf die Knie und kroch wie ein Tier unter der Menge hindurch, einige Gäste schauten verwundert auf das wandelnde Vogelnest zwischen ihren Beinen. Kurz darauf tauchte Klaus' Kopf wieder auf, in seinen Locken hing Zigarettenasche. Er hob den Arm, drückte mir den Wein in die Hand und klopfte sich Knie und Hosenboden ab.

»Drei Euro zehn«, erklärte er und öffnete seine Geldbörse. Im Grunde hätte ich spätestens jetzt gehen müssen. Doch ich gab ihm wie selbstverständlich das Geld und fragte höflich: »Bist du öfter hier ?«

Ich schwöre: Nie wieder im Leben werde ich, Anna Brix, fünfunddreißig Jahre alt, ein Blind Date haben ! Blind Dates sind mit Abstand die schrecklichste Erfindung der Menschheitsgeschichte. Und sollte ich jemals in Versuchung geraten, diesen Schwur zu brechen, möge man mir bitte ein schnörkelloses »Klaus« zuraunen. Das ist das Codewort, und es dürfte für mindestens drei Schweißausbrüche ausreichen, nach denen ich aussehe, als hätte ich gerade jemanden aus einem reißenden Strom gerettet. Denn erstaunlicherweise hießen meine drei ersten und letzten Blind Dates alle­samt Klaus.

An sich fand ich seine Idee gut, sich in dem kleinen Jazz­keller zu treffen. Der ist nur fünf Minuten von meiner Eimsbüttler Wohnung entfernt, trotzdem hatte ich bislang nur das Programm an der Außenwand studiert und mir immer mal wieder vorgenommen, mir den Laden irgendwann anzugucken. Klaus 3 war öfter hier: »Seit ein paar Wochen fast jeden Abend. Immer mit einem anderen Parship-Date.«

Mit glühenden Wangen trank ich meinen Rotwein in einem Zug leer. Allerspätestens jetzt hätte ich wirklich und wahrhaftig das Weite suchen sollen. Aber ich bin furchtbar schlecht darin, einen Abend Knall auf Fall zu beenden. Stattdessen ging ich in aufrechter Haltung zur Bar und kaufte mir einen neuen Wein und für Klaus ein Malzbier.

»Danke für die Einladung !«, piepste Klaus erfreut und erzählte mir von seinem gestrigen Date. Und von den achtzehn davor.

In der Wohnung nebenan stöhnt Ina. Ich bin immer wieder überrascht, wie viele Männer morgens um viertel nach sieben Lust auf Sex haben. Noch eben einen Quickie, Hose hoch und ab ins Büro. Wenn Ina nicht gerade stöhnt, machen Piet und Paul, ihre dreijährigen Zwillinge, Ramba­zamba. Und über mir streitet sich mindestens einmal am Tag ein Pärchen, dessen Namen ich mir nicht merken kann. Das alles quasi inkognito zu verfolgen ist ein bisschen so, wie mitten im Einkaufstrubel entspannt in einem meiner Hamburger Lieblingscafés zu sitzen und durch meine dunkle Sonnenbrille die Leute zu beobachten. Eigentlich gar nicht so schlecht.

Mein Ärger über Klaus 3 hat sich über Nacht verflüchtigt, aber der vergangene Abend wird mir trotzdem eine Lehre sein: Ich bin sehr viel glücklicher ohne Mann als mit einem dieser schrägen Typen, von denen so viel mehr in freier Wildbahn herumlaufen, als ich vermutet hätte. Oh ja, ich bin sogar ausgesprochen glücklich ohne Mann. Ich rolle mich einmal quer über mein breites Bett, das ich ganz für mich allein habe. Herrlich.

Mein Wecker klingelt zum dritten Mal, und diesmal schalte ich ihn ganz aus. In zweieinhalb Stunden muss ich im Zug nach Berlin sitzen und vorher noch packen.

Ich breite alle Kleidungsstücke auf dem Bett aus, die für den Besuch der Tourismusmesse in Frage kommen. Zum Glück habe ich meinen ersten Termin erst mittags. Sieben Blusen, schwarz, weiß, cremefarben, eine graugrüne, zwei schwarze Rollkragenpullover, die den Vorteil hätten, dass sie nicht mehr gebügelt werden müssen, drei Bleistiftröcke, zwei Flatterröcke und meine zwei einzigen Hosen, die schicker sind als Jeans.

Es ist ja immer schwierig, Hosen zu finden, die gut sitzen. Ich bin der klassische Apfeltyp, was sich erst mal ganz okay anhört, was allerdings den entscheidenden Nachteil hat, dass Hosen, die am Po und an den Beinen gut sitzen, am Bauch einschneiden. Die beiden Anzughosen knöpfe ich deshalb nicht zu, sondern halte sie mit einer großen Sicherheitsnadel zusammen, das gibt zusätzlichen Spielraum. Wo ist die überhaupt, die Sicherheitsnadel ? Ich wühle mich einmal durch alle Krimskramsschubladen, von denen ich in meiner Dreizimmerwohnung genau acht Stück habe, und finde sie schließlich im Kleiderschrank unter den Gürteln. Macht ja auch Sinn. Zu den halboffenen Buxen kann ich dann natürlich nichts tragen, was man in den Bund stecken muss, die Blusen würden in diesem Fall also schon mal rausfallen. Ich lege die Rollkragenpullis zu den Hosen, ich muss das alles noch mal anprobieren.

Klaus 1 war ein vollkommen anderes Kaliber als Klein-Klaus. Er war groß, breitschultrig und lud mich den ganzen, sehr langen Abend über ein.

»Ich bin Manager«, erklärte er. »Mit dreißig wollte ich meine erste Million gemacht haben .« Er sah mich mit einem auffordernden Nicken an.

»Und ?«, fragte ich.

»Ich war drei Jahre zu früh dran«, sagte er voller Stolz und nickte mir erneut zu.

»Echt ?«, fragte ich und kam mir ziemlich doof dabei vor.

»Unglaublich, oder ? Mit dreißig war ich sogar schon mehrfacher Millionär.« Er zog zufrieden an seiner Zigarette, als wäre es eine dicke Zigarre, und warf sich im Spiegel hinter der Bar einen verliebten Blick zu.

»Was bist du denn für ein Manager ?«

»Ach, das ist schwer zu erklären. Zu kompliziert für den Laien. Aber einen Tipp gebe ich dir, für den Fall, dass du doch noch mal was aus deinem Leben machen willst: Mach es so wie ich !«

Diesmal prallte sein Nicken an mir ab. Ich war schon zu müde, um nachzufragen, was das genau heißen sollte. Doch Klaus 1 erzählte es mir natürlich auch ungefragt.

»Wie war dein Date ?« Ina schiebt die Röcke zur Seite und pflanzt sich mit dem Zitronen-Ingwer-Tee, den sie aus ihrer Wohnung mitgebracht hat, auf mein Bett. »Bist du endlich zum Zug gekommen ?«

Ich schäle mich aus meinem Rollkragenpullover, der sich wie ein Ganzkörperkondom anfühlt und kratzt. Die beiden Pullis sind eindeutig zu eng für die Hosen, die Sicherheitsnadel zeichnet sich deutlich ab. Hatte ich diese Erkenntnis nicht schon vor der letzten Messe ?

»Ach, nicht der Rede wert«, sage ich und spiele mit der Sicherheitsnadel herum.

»Ist also wieder nichts gelaufen ?« Ina schiebt sich die schwarzen Haare hinters Ohr. Wenn sie frisch gefärbt sind, haben sie immer einen leichten Blaustich.

Ich schüttle den Kopf.

»Du hättest doch wenigstens mit ihm schlafen können.«

»Ja, stimmt, das hätte ich wenigstens machen können.« Ich verdrehe die Augen und überlege, ob Klaus 3 wohl beim Orgasmus piepst. Igitt, das will ich mir gar nicht vorstellen.

»Wieso machst du es nicht so wie ich ? Krallst dir einfach irgendeinen Mann - nicht gerade einen Alkoholiker oder Junkie oder so -, lässt es ein paar Mal über dich er­gehen, und wenn du schwanger bist, schießt du ihn ab. Zweck erfüllt.«

»Weil ich zufälligerweise nicht nur ein Kind, sondern erst mal einen Mann will ? !«

Und unter gar keinen Umständen möchte ich wie Ina ­alleinerziehend sein. Ich wünsche mir nämlich vor allem einen Mann für mich selbst. Na, und später will ich mit diesem Mann ein Kind haben, oder zwei oder . Wenn ich nicht gerade, wie heute, unglaublich glücklich bin, allein zu sein.

»Einen Mann !« Ina lacht laut auf. »Und wofür, wenn ich fragen darf ? Um jemanden zum Streiten zu haben ? Um dich zu langweilen ? Oder um auf deiner Telefonrechnung 0190er-Nummern zu finden ?«

Ich ziehe die Bleistiftröcke unter Inas Beinen weg. Die kann ich zu den Rollkragenpullis auch nicht tragen. Die Röcke sind beide zu lang. Ich muss sie hochziehen, bis kurz unter die Brust, dann haben sie unten Knielänge und ver­decken auch den Bauch ganz gut. Ich kann die Pullis also nicht in den Rock stecken, denn dann sähe man ja, dass auf die Brust direkt der Rockbund folgt, mein Oberkörper wäre ultrakurz. Und für über den Rock sind sie wiederum zu lang, weil sie bis unterhalb des Pos gehen, was auch komische Proportionen macht.

Ina hält die beiden Flatterröcke hoch und grinst. »Ganz schön esomäßig.«

Ich greife nach den Röcken.

»Nicht alle Männer rufen bei 0190er-Nummern an.«

Ich habe einfach nichts zum Anziehen !

»Die Männer, die ich kenne, schon.«

»Komisch«, sage ich, »und alle, mit denen du zu tun hast, sind über sechzig. Die Jüngeren gehen dafür ins Netz.«

Ina arbeitet nämlich bei einer Sexhotline. Die Männer, die sie anrufen, stellen sich vor, ihre allzeit bereite Gesprächspartnerin wäre wie in den Anzeigen mit riesigen Brüsten und einem stets weit geöffneten Mund gesegnet. Ina hat kleine Brüste, wie ich, und hängt beim Telefonieren gerne nebenbei Wäsche auf. Rosalie, meine beste Freundin, hat das, was Ina macht, mal verbale Prostitution genannt.

»Mein Job ist perfekt für mich«, schwärmt Ina. »Wann immer ich Zeit habe, logge ich mich ein, und es wird auto­matisch registriert und abgerechnet. Zum Beispiel wenn Paul und Piet in der Kita sind oder Mittagsschlaf machen. Total flexibel. Eigentlich genau wie dein Job.«

»Na ja .« Bis auf den Punkt mit der Flexibilität kann ich nicht allzu viel Ähnlichkeit erkennen. Ich arbeite als Reisejournalistin,...

»Klasse Komödie über große Gefühle und die kleinen Dramen, die sie begleiten«
 
»Leichte, amüsante Lesekost!«
 
»Löffelchenliebe löst beim Leser wahre Glücksgefühle aus und sorgt für gute Laune über viele, viele Stunden und Tage.«
 
»Ein wunderbar charmanter, manchmal kauziger, und zugleich tiefgründiger Roman, leichte Urlaubslektüre, die die Herzen der Fans erobert.«

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