Das letzte Schwert

Historischer Roman
 
 
Bastei Lübbe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 29. Mai 2020
  • |
  • 541 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7325-8624-0 (ISBN)
 
Rom gegen Makedonien - zwei Imperien vor dem Abgrund


Griechenland, im Jahr 198 v. Chr. Er hat sich noch nicht von der Niederlage erholt, die ihm die Makedonier zugefügt haben. Dennoch zieht der römische Heerführer Flamininus seine Männer für den finalen Schlag gegen den übermächtigen Feind zusammen. Er und seine Legionäre wissen: Wer diesen Krieg gewinnt, wird über Griechenland herrschen. Das Imperium des Verlierers hingegen wird untergehen. Interne Machtkämpfe und die aufsässige Bevölkerung stellen Flamininus auf die Probe. Doch er ist bereit zu kämpfen, bis das letzte Schwert gefallen ist ...

Der Bestseller-Erfolg aus England - endlich auf Deutsch
1. Aufl. 2020
  • Deutsch
  • Köln
  • |
  • Deutschland
  • 1,89 MB
978-3-7325-8624-0 (9783732586240)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Ben Kane wurde in Kenia geboren und wuchs in Irland auf, im Heimatland seiner Eltern. Schon als Kind übte die Geschichte Roms eine große Faszination auf ihn aus, weshalb mit der Veröffentlichung seines Debüts Die Vergessene Legion ein lang gehegter Traum in Erfüllung ging. Mittlerweile ist Ben Kane Bestseller-Autor und lebt mit seiner Familie in North Somerset, England.

1. KAPITEL


Nahe Elateia in Phokis, Herbst 198 v. Chr.

Obwohl das Jahr dahinschwand, badete warmes Sonnenlicht die schmale phokische Ebene. Im Norden wurde sie von Bergen begrenzt, auf deren anderer Seite die Thermopylen lagen, die »heißen Tore«, an denen Leonidas und seine Spartaner im Kampf gegen die Perser gefallen waren. Südlich dieser Bergspitzen breitete sich flaches Land aus, von einer Straße geteilt, die nun genauso wichtig war wie während der Persischen Kriege vor fast drei Jahrhunderten. Wiederum südlich lag Athen, ungeschützt gegen einen Angriff. Die Erntezeit war noch nicht lange vorbei, überall bedeckten noch goldene Stoppeln die Äcker. Stellenweise säumten ordentliche Reihen von Weinstöcken die Straße. Ihre schweren Trauben aus blau-purpurnen Beeren luden den durstigen Reisenden ein - oder den Soldaten.

Staubfahnen hingen in der Luft und kündeten vom Vormarsch des Heeres unter Titus Quinctius Flamininus. Seit seiner Niederlage vor der makedonischen Festung Atrax, achtzig Meilen nach Nordwesten entfernt, waren sechs Tage vergangen. Nachdem das Heer seine Toten begraben und die Verwundeten auf Wagen geladen oder zurückgelassen hatte, war es nach Südosten marschiert, um die römische Flotte zu schützen, die in der Nähe ankerte. Von den Geiern abgesehen, die in der Luft den Legionen folgten, waren nur wenige Geschöpfe unterwegs. Das Nahen eines solchen Heerbanns bedeutete vieles, nichts davon war gut. Die Bauern waren mit ihren Familien und ihrem Vieh geflohen. Die meisten hatten in Elateia Zuflucht gesucht, wo sich die ersten Einheiten aus Flamininus' Legionen bereits aufstellten.

Die römische Vorhut war ausgeschwärmt und hatte einen Schutzschild gebildet, hinter dem sich das übrige Heer bewegte. Unter den Principes stand ein Mann mit freundlichem Gesicht namens Felix. Er hatte schwarze Haare und blasse Haut. Die meisten seiner Kameraden überragte Felix um Haupteslänge. Wie sein Bruder und seine Kameraden starrte auch er mit finsterem Groll auf die Mauern Elateias. Die Stadt, deren Verteidiger auf den Wällen standen, erinnerte die Legionäre mit Schärfe daran, dass der Krieg keineswegs vorüber war. Mancher von uns wird hier sterben, dachte Felix grimmig. Vielleicht nicht jeder, aber einige.

Weil ihr einstweiliger Centurio Livius nicht weit von ihnen stand, beschwerte sich keiner. Stattdessen stützten sich die Principes auf ihre Schilde, tranken verstohlen Wein und warteten - auf Befehle und das Verstreichen der Zeit.

Nichts würde vor dem kommenden Tag geschehen, sagte sich Felix. Nach der Reiterei und den Kundschaftern, die vor dem Heer marschierten, gehörte sein Manipel zu den ersten, die eintrafen, was bedeutete, dass wenigstens drei weitere Stunden vergingen, bevor das Ende der meilenlangen Kolonne aufgeholt hatte. Die Wagen des Trosses, mit Vorräten und den zerlegten Katapulten beladen, kamen nur langsam voran, und die zwanzig Kriegselefanten ebenso. Nachzügler würden noch eintreffen, wenn die Sonne unterging, und bis man ihnen etwas anderes sagte, mussten Felix und seine Kameraden die Augen nach einem Ausfall von Elateias Verteidigern offen halten.

Niemand rechnete ernsthaft mit solch einem Gegenangriff, denn sie hatten keine große Festung vor sich, wie sie Makedoniens Grenzen schützten, sondern eine kleine Stadt mit einer befestigten Mauer. Der Großteil der Garnison bestand sicher aus Bäckern und Tischlern, Schmieden, Sattlern und Weinhändlern, aber nicht aus Soldaten. Sie wären gewiss nicht so schlimm wie die Phalangiten in Atrax, an deren langen Lanzen, den Sarissen, sich die Wellen der Legionäre gebrochen hatten wie die Brandung an einer Hafenmauer. Ihr Centurio Pullo gehörte zu den bestürzendsten Verlusten, aber viele einfache Soldaten der Centurie waren ebenfalls gefallen, unter ihnen Felix' immer vergnügter Freund Matthaeus. Andere waren in anderen Schlachten früher im Sommer gestorben. Von den zehn Mann, die Felix' Contubernium gebildet hatten, waren nur noch drei am Leben: er, sein Bruder Antonius und Fabius, der mürrische Veteran, der jeden anfuhr, der ihn fragte, ob er mit Fabius dem Zögerer verwandt sei.

»Nicht mehr lange«, sagte eine Stimme.

Felix fuhr zusammen. Livius war ein Optio, aber er beherrschte die unheimliche Eigenschaft der Centurionen, aus dem Nichts aufzutauchen, wenn man am wenigsten mit ihm rechnete. Seit Pullos Tod führte er die Centurie. Felix sah ihn neugierig an. »Bis was, Optio?«

Livius grinste, und die Lücke zwischen seinen Vorderzähnen wurde sichtbar. »Bis ihr mit dem Graben anfangen könnt. Die zweite Hälfte der Legion ist fast da.«

Den Graben auszuheben, der ihr Lager umgeben würde, und danach den Wall zu errichten war besser, als zu kämpfen, aber Felix verspürte keinerlei Begeisterung. »Jawohl, Optio«, murmelte er.

»Es war ein langer Marsch. Ich sorge dafür, dass heute Abend Wein ausgegeben wird.« Livius ging davon, und Felix blieb mit offenem Mund stehen. Der Marsch von der Festung, in der Pullo gefallen war, hatte durch leichtes Gelände geführt und war nichts Besonderes gewesen. Die einzige Erschwernis war die Trauer, die auf ihnen lastete, und, wenn auch nicht direkt, Livius hatte sie soeben anerkannt.

»Er wäre ein guter Centurio«, sagte Felix leise.

»Umso trauriger, dass er nicht unser Centurio wird«, sagte Antonius. Sein Bruder war kleiner, ernster als Felix und vier Jahre älter.

Es hieß, die Befehlshaber wären beeindruckt von der Art und Weise, wie Livius die angeschlagene Centurie nach Pullos Tod zusammengehalten hatte. Dass jemand für solch eine tapfere Tat zum Centurio befördert wurde, war nicht unbekannt, aber kein einziger der Principes wollte, dass Livius befördert wurde, denn das hätte bedeutet, dass sie ihn ebenfalls verloren.

»Mögen die Götter geben, dass er bei uns bleibt«, sagte Fabius und rieb sein Phallus-Amulett. Im Normalfall blieben überlebende Optionen bei ihrer Centurie.

»Wer wird denn neuer Centurio?«, fragte Felix.

Seine Ohren vernahmen die im Chor gesprochenen Worte »Weiß ich doch nicht«, und er verzog das Gesicht. Warum sollten seine Kameraden auch mehr wissen als er? Hoffentlich kein fieser Hund wie Matho, dachte er. Sein Bruder und er hatten im Krieg gegen Hannibal in der Legion gedient. Fünf Jahre zuvor waren sie von dem boshaften Centurio Matho nach der Schlacht von Zama unehrenhaft entlassen worden. Das Zivilleben war ihnen nicht bekommen, und als der Krieg gegen Makedonien erklärt wurde, hatten sie ihr Leben riskiert, indem sie sich erneut zur Armee meldeten. Kapriziös, wie sie war, hatte die Göttin Fortuna bewirkt, dass sich ihr Weg mit dem Mathos kreuzte. Bei ihrem letzten Zusammenstoß mit Matho hatte der Centurio den Tod gefunden, und der einzige Zeuge war ein makedonischer Jüngling gewesen, der ebenfalls nicht mehr lebte.

»Wir brauchen auch neue Männer«, sagte Fabius. »Wer hätte je von einem Contubernium aus drei Mann gehört?«

»Kann mir nicht vorstellen, dass das so bald geschieht«, stellte Antonius fest.

»Eher legen sie uns mit einer anderen Zeltgruppe zusammen, die in der gleichen Lage ist.« Felix hob die Stimme, damit er gehört wurde. »Hoffen wir bloß, dass es nicht die Bande von Bastarden aus der nächsten Reihe ist.« Er grinste über den Hagel aus Beleidigungen und Drohungen, den er zur Antwort erhielt.

Die nächsten Stunden verbrachten sie auf ähnliche Weise. Livius, der wusste, dass sie der Ablenkung von der grimmigen Wirklichkeit des Lebens bedurften, ließ sie gewähren. Vom gelegentlichen Aufblitzen eines Helms im Sonnenlicht abgesehen, tat sich nichts auf Elateias Wällen. Das war ermutigend, genauso wie Antonius' Feststellung, dass sich die Verteidiger einnässten bei dem Gedanken an das, was ihnen in den kommenden Tagen bevorstand.

Dunkelheit hüllte die phokische Ebene ein. Innerhalb der Mauern Elateias bellten die Hunde einander in der aufreizenden Art an, mit der sie es bei Nacht tun. Frieden herrschte über den großen Feldlagern, die Flamininus' Legionen errichtet hatten. Posten schritten auf den Wehrgängen auf und ab und wurden immer wieder von den Optionen kontrolliert. Hinter dem der Stadt zugewandten Graben standen die Katapulte, die schon bald die Abwehranlagen Elateias zerschmettern würden. Die Stunde war spät, und die meisten Männer schliefen. Zwischen den ordentlichen Reihen der Principes-Zelte glühte noch eine Handvoll Feuer, darunter das von Felix, Antonius und Fabius. Bei Sonnenuntergang waren die Befehle gekommen. Am nächsten Tag war ein Angriff auf Elateia geplant. Die Principes würden daran teilnehmen. Wegen dieser unwillkommenen Neuigkeit hatten sie den Wein, der ihnen von Livius gebracht worden war, nicht ausgetrunken. Niemand war so dumm, sich am Vorabend einer Schlacht zu betrinken. Einer unausgesprochenen Übereinkunft folgend, erwähnte niemand den Angriff.

»Was macht ihr nach dem Krieg?« Fabius schob die Zehen dichter an die glühenden Kohlen und musterte Felix und Antonius, die sich auf der anderen Seite des Feuers auf ihren Decken ausgestreckt hatten. »Ihr habt euren Hof verlassen - könntet ihr noch mal dorthin zurück?«

»Ich will es noch mal versuchen«, sagte Antonius wie jedes Mal während der Feldzüge der beiden zurückliegenden Sommer, wenn das Thema zur Sprache kam. »Nach dem Krieg müsste ich genug gespart haben, um Maultiere und einen Sklaven zu kaufen. Das sollte das Leben um einiges leichter machen.« Mit einem Seitenblick auf Felix versuchte er, dessen Interesse einzuschätzen, doch der tat so, als würde er es nicht bemerken.

Fabius wusste nur, dass ihr Leben als Bauern brutal hart gewesen war, und grunzte. Sein Blick fiel auf Felix....

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