Plötzlich Fee

Die Saga in einem Band
 
 
Heyne (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 13. September 2021
  • |
  • 1600 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-27669-0 (ISBN)
 
Eiskalt, wunderschön und gefährlich - Julie Kagawas Feen ziehen dich in ihren Bann!

Schon immer hatte Meghan das Gefühl, dass irgendetwas in ihrem Leben nicht stimmt. Aber als sie an ihrem sechzehnten Geburtstag einen geheimnisvollen Jungen entdeckt, der sie aus der Ferne beobachtet, muss sie erkennen, dass ein besonderes Schicksal auf sie wartet. Doch nie hätte sie geahnt, was wirklich dahintersteckt: Sie ist die Tochter des sagenumwobenen Feenkönigs, und nun gerät sie zwischen die Fronten eines magischen Krieges. Wie weit ist Meghan bereit zu gehen, um ihre Freunde, ihre Familie und ihre Liebe zu retten?

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Heyne
  • 2,75 MB
978-3-641-27669-0 (9783641276690)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Schon in ihrer Kindheit gehörte Julie Kagawas große Leidenschaft dem Schreiben. Nach Stationen als Buchhändlerin und Hundetrainerin machte sie ihr Interesse zum Beruf. Mit ihren Fantasy-Serien »Plötzlich Fee« und »Plötzlich Prinz« wurde sie rasch zur internationalen Bestsellerautorin. In ihrer neuesten Erfolgsserie »Talon« erzählt sie von einer magischen Liebe, die nicht sein darf. Julie Kagawa lebt mit ihrem Mann in Louisville, Kentucky.

ZWEITER TEIL


Titanias Versprechen


»Meghan«, rief Mom durch die Tür, »aufstehen. Sonst kommst du zu spät zur Schule.«

Stöhnend spähte ich unter meiner Decke hervor. War es wirklich schon Morgen? Anscheinend. Trübes graues Licht fiel durch mein Schlafzimmerfenster und auf meinen Wecker, der 6.48 Uhr anzeigte.

»Meghan!«, rief Mom wieder, diesmal begleitet von einem scharfen Klopfen an der Tür. »Bist du wach?«

»Ja-ha!«, brüllte ich vom Bett aus und wünschte nur, dass sie verschwinden würde.

»Dann beeil dich! Du verpasst noch den Bus.«

Mühsam kam ich auf die Füße, zog ein paar Klamotten vom saubersten Haufen auf dem Boden an und schnappte mir meinen Rucksack. Mein iPod fiel heraus und landete mit einem feuchten Klatschen vor meinen Füßen. Irritiert runzelte ich die Stirn. Warum war er nass?

»Meghan!«, hörte ich wieder Moms Stimme und rollte genervt mit den Augen. »Es ist schon fast sieben! Wenn ich dich zur Schule fahren muss, nur weil du den Bus verpasst hast, kriegst du einen Monat Hausarrest!«

»Schon gut, schon gut! Ich komme ja, verdammt!« Ich stapfte zur Tür und riss sie auf.

Vor mir stand Ethan. Sein Gesicht war blau und faltig.

Die Lippen hatte er zu einem breiten Grinsen verzogen. In einer Hand hielt er ein großes Schlachtermesser. Blutspritzer bedeckten seine Hände und sein Gesicht.

»Mommy ist hingefallen«, flüsterte er und rammte mir das Messer ins Bein.

Ich wachte schreiend auf.

Im Kamin flackerten grüne Flammen und tauchten den Raum in ein unheimliches Licht. Keuchend ließ ich mich in die kühlen Seidenkissen zurückfallen und wartete, bis der Albtraum langsam von der Realität verdrängt wurde.

Ich befand mich am Hof des Lichten Feenkönigs und war hier genauso gefangen wie der arme Puck in seinem Käfig. Ethan, der echte Ethan, war immer noch irgendwo da draußen und wartete darauf, gerettet zu werden. Ich fragte mich, ob es ihm gut ging und ob er genauso verängstigt war wie ich. Ich fragte mich auch, ob Mom und Luke mit diesem dämonischen Wechselbalg in ihrem Haus klarkamen. Ich konnte nur hoffen, dass Moms Verletzung nicht weiter schlimm war und dass der Wechselbalg niemanden sonst verletzen würde.

Während ich in diesem fremden Bett im Feenreich lag, kam mir noch ein anderer Gedanke. Ausgelöst durch etwas, was Oberon gesagt hatte: Dieser Mann ist nicht dein Vater, Meghan. Ich bin es.

Ist, nicht war. So als wüsste Oberon, wo er war. So als wäre er noch am Leben. Bei diesem Gedanken klopfte mein Herz vor Aufregung. Ich hatte es geahnt. Mein Dad musste hier im Feenreich sein, irgendwo. Vielleicht sogar ganz in der Nähe. Wenn ich doch nur zu ihm gelangen könnte!

Aber eins nach dem anderen. Erst mal musste ich hier weg.

Ich setzte mich auf . und blickte in die ausdruckslosen grünen Augen des Erlkönigs.

Er stand neben dem Kamin, und das flackernde, unstete Licht der Flammen, das über sein Gesicht glitt, ließ ihn noch unheimlicher und gespenstischer erscheinen. Sein langer Schatten kroch durch den Raum, bis sich die Spitzen der geweihartigen Krone wie dürre Finger über die Bettdecke streckten. Im Halbdunkel leuchteten seine Augen katzenhaft. Als er sah, dass ich wach war, nickte er mir zu und winkte mich mit einer schlanken langfingrigen Hand heran.

»Komm.« Seine Stimme war zwar sanft, doch in ihr schwang bedingungslose Autorität mit. »Tritt näher. Unterhalten wir uns, Tochter.«

Ich bin nicht deine Tochter, wollte ich erwidern, doch mir blieben die Worte im Hals stecken. Aus dem Augenwinkel konnte ich den Spiegel über der Kommode und mein langohriges Abbild darin erkennen. Schaudernd wandte ich mich ab.

Als ich die Bettdecke zurückschlug, bemerkte ich, dass ich andere Kleidung trug. Statt des zerrissenen T-Shirts und der dreckigen Hose, die ich während der letzten zwei Tage angehabt hatte, trug ich ein weißes Spitzennachthemd und war sauber. Zudem lag am Fußende des Bettes ein weiteres Outfit für mich bereit: ein absurd edles Kleid, das über und über mit Smaragden und Saphiren besetzt war, und dazu passend ein Mantel und Handschuhe, die bis zum Ellbogen reichten. Das gesamte Ensemble entlockte mir ein Naserümpfen.

»Wo sind meine Sachen?«, fragte ich Oberon. »Also, meine richtigen Sachen.«

Der Erlkönig schnaubte. »Ich lehne es ab, dass an meinem Hof die Kleidung der Sterblichen getragen wird«, erklärte er ruhig. »Ich bin der Meinung, du solltest etwas tragen, was deiner Herkunft entspricht, da du ja nun eine Weile bei uns bleiben wirst. Deine menschlichen Lumpen habe ich verbrennen lassen.«

»Du hast was? «

Oberon zog unwirsch die Augen zusammen, und mir wurde bewusst, dass ich möglicherweise zu weit gegangen war. Der Herrscher des Lichten Hofes war es sicher nicht gewöhnt, dass man sein Handeln infrage stellte.

»Äh . tut mir leid«, murmelte ich und stieg vorsichtig aus dem Bett. Über die Kleiderfrage würde ich mir später den Kopf zerbrechen. »Also, worüber wolltest du mit mir reden?«

Der Erlkönig seufzte und musterte mich, bis mir unbehaglich wurde. Dann wandte er sich wieder dem Kamin zu und murmelte: »Du bringst mich in eine schwierige Lage, Tochter. Du bist die Einzige von meinen Sprösslingen, die sich in unsere Welt gewagt hat. Ich muss zugeben, ich war ein wenig überrascht, dass du es geschafft hast, so lange zu überleben, auch wenn Robin auf dich aufgepasst hat.«

»Sprösslinge?« Ich blinzelte verwirrt. »Willst du damit sagen, dass ich Brüder und Schwestern habe? Halbgeschwister?«

»Keiner von ihnen ist mehr am Leben.« Oberon machte eine wegwerfende Handbewegung. »Und es gab auch keine anderen in diesem Jahrhundert, das kann ich dir versichern. Deine Mutter war seit fast zweihundert Jahren der einzige Mensch, der meine Aufmerksamkeit erregt hat.«

Mein Mund war plötzlich trocken. Mit wachsendem Zorn starrte ich Oberon an. »Warum?«, wollte ich wissen, worauf er eine schmale Augenbraue hochzog. »Warum sie? War sie nicht bereits mit meinem Dad verheiratet? Hast du dich darum überhaupt gekümmert?«

»Nein, habe ich nicht.« Oberons Blick war unbarmherzig und zeigte keinerlei Reue. »Warum sollten mich irgendwelche menschlichen Rituale interessieren? Ich brauche keine Erlaubnis, um mir zu nehmen, was ich will. Und wäre sie wirklich glücklich gewesen, hätte es nicht in meiner Macht gestanden, sie zu beeinflussen.«

Scheißkerl. Ich biss mir auf die Zunge, damit das Schimpfwort mir nicht entschlüpfte. Ich war zwar stinksauer, aber nicht lebensmüde.

Doch Oberons Blick wurde schärfer, als wüsste er, was ich dachte. Er sah mich lange ausdruckslos an, als wollte er mich herausfordern, mich ihm zu widersetzen. Einige Sekunden lang starrten wir uns an, während sich die Schatten um uns herum zusammenballten und ich darum kämpfte, seinem Blick standzuhalten. Es war zwecklos. Oberon niederstarren zu wollen war ungefähr so, als würde man sich einem Tornado entgegenstellen. Erschaudernd senkte ich schließlich als Erste den Blick.

Kurz darauf wurde Oberons Miene weich, und ein leichtes Lächeln umspielte seine Lippen. »Du bist ihr sehr ähnlich, Tochter«, nahm er den Faden wieder auf, und in seiner Stimme lag sowohl Stolz als auch Resignation. »Deine Mutter war eine bemerkenswerte Sterbliche. Wäre sie eine Fee gewesen, ihre Bilder wären zum Leben erwacht, so viel Gefühl hat sie in sie hineingelegt. Wenn ich sie im Park beobachtet habe, spürte ich ihre Sehnsucht, ihre Einsamkeit und ihre Isolation. Sie wollte mehr vom Leben. Sie wollte, dass etwas Außergewöhnliches geschieht.«

Das wollte ich nicht hören. Ich wollte nichts erfahren, was meine schönen Erinnerungen an unser früheres Leben zerstören konnte. Ich wollte weiterhin glauben, dass meine Mom meinen Dad geliebt hatte, dass wir glücklich und zufrieden waren und dass sie sein Ein und Alles gewesen war. Ich wollte nichts über eine Mutter hören, die einsam gewesen war und auf Feentricks und den Schein hereingefallen war. Mit einer beiläufigen Bemerkung löste sich meine ganze Vergangenheit in ein völlig fremdes Chaos auf, und ich hatte das Gefühl, meine Mutter überhaupt nicht mehr zu kennen.

»Ich habe einen Monat gewartet, bis ich sie angesprochen habe«, fuhr Oberon fort, der meine Qualen überhaupt nicht zu bemerken schien. Ich ließ mich wieder aufs Bett sinken, während er weitersprach: »Langsam lernte ich ihre Gewohnheiten kennen, ihre Gefühle, jede Kleinigkeit von ihr. Und als ich mich ihr zu erkennen gab, da ließ ich sie einen kleinen Teil meiner wahren Natur sehen, weil ich neugierig war, ob sie auf das Außergewöhnliche zugehen oder sich an den Unglauben der Sterblichen klammern würde. Sie akzeptierte mich freudig, mit ungezügelter Begeisterung, als hätte sie die ganze Zeit nur auf mich gewartet.«

»Halt«, würgte ich hervor. Mein Magen rebellierte. Ich schloss die Augen, um gegen die Übelkeit anzukämpfen. »Ich will das nicht hören. Wo war mein Dad, als das alles passiert ist?«

»Der Ehemann deiner Mutter war die meisten Nächte nicht da«, erwiderte Oberon, wobei er die drei Worte betonte, die mich daran erinnern sollten, dass dieser Mann nicht mein Vater war. »Vielleicht sehnte sich deine Mutter deswegen nach mehr. Ich habe es ihr gegeben: eine Nacht voll Magie, voll der Leidenschaft, die sie vermisste. Nur diese eine, bevor ich nach Arkadia zurückkehrte und die Erinnerung an unser Beisammensein in ihr langsam verblasste.«

»Sie kann sich nicht an dich erinnern?« Überrascht sah...

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