Hinwege zum Glauben

Ein Arbeits- und Orientierungsbuch für den Religionsunterricht in der Sekundarstufe II
 
 
Books on Demand (Verlag)
  • 2. Auflage
  • |
  • erschienen am 18. September 2018
  • |
  • 88 Seiten
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7528-7472-3 (ISBN)
 
Selbst bei den vermeintlich christlichen Schülern kann schon lange keine nachhaltige religiöse Sozialisation mehr vorausgesetzt werden. Drastisch ausgedrückt: Ein religiöser Analphabetismus bestimmt weithin die Szene. Das bleibt nicht ohne Folgen für das Selbstverständnis und vor allem für die unterrichtliche Gestaltung des Faches. Wie lässt sich in diesem Kontext angemessen über die Themen der Religion reden? Die nachfolgenden Unterrichtsskizzen behandeln sechs klassische Themenbereiche des Religionsunterrichts, die aber oft nicht so einfach zum Thema zu machen sind, weil diese Inhalte in den Köpfen der jungen Leute auf vielerlei Vorurteile, Klischees und Missverständnisse treffen. Da gilt es, kleine Umwege zu nehmen, um zum Ziel zu gelangen.

Reiner Jungnitsch, Jahrgang 1954, ist seit über 30 Jahren hauptamtlicher Religionslehrer an einer hessischen Berufsschule. Langjährige Tätigkeit in der Lehrerfortbildung. Lehrauftrag an der TU Darmstadt.
  • Deutsch
  • 2,75 MB
978-3-7528-7472-3 (9783752874723)
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II. Die Unterrichts-Skizzen


Themenbereich 1: Erkennen


Woher will man das so genau wissen?

1. Worum es geht

Der Religionsunterricht ist ein hervorragender Ort im Streit um die Wirklichkeit. Wie sehen wir die Welt und das Leben? Wie sehen wir uns selbst? Was gilt als Realität, was als Fiktion? Wie nehmen wir die Wirklichkeit um uns herum wahr? usw.

Erst wenn wenigstens in Grundzügen deutlich geworden ist, wie Wahrnehmung funktioniert, wie Wissen zustande kommt, stellt sich die nötige Offenheit ein, über Themen des Glaubens zu sprechen. Die vielfach zu hörende Haltung "Ich glaube nur, was ich sehe!" dürfte dann so nicht mehr vertreten werden.

2. Die anzustrebenden Kompetenzen

  1. Sinnliche Wahrnehmungen als konstruktive Abbilder der Außenwelt erkennen.
  2. Den begrenzten Aussagewert und Wahrheitsgehalt naturwissenschaftlicher Weltbilder darstellen sowie deren Unzulänglichkeit in religiösen und ethischen Fragen erklären.
  3. Die (christliche) Religion als umfassende Deutung von Welt, Mensch und Leben beschreiben, die deren Wirklichkeit hinreichend gerecht wird.
  4. Sich immer wieder kritisch mit der eigenen Welt- und Lebenssicht auseinandersetzen und für religiöse Perspektiven und spirituelle Erfahrungen offenbleiben.

3. Der mögliche Weg

M1 (Folie): Der Versuch, einen alltäglichen Gegenstand korrekt zu beschreiben bzw. zu definieren, zeigt schon erste Probleme, einer dinglichen Realität mit unserer Sprache wirklich gerecht zu werden. Alternativ kann einfach ein Stuhl auf das Pult gestellt werden mit dem Auftrag der Definition. Nach diesen ersten Versuchen sollte die Folie präsentiert werden.

Die Folie M 2 möchte auf den Punkt bringen: Korrektes Verstehen ist wesentlich auch von Sprache abhängig, von sachgerechten Beschreibungen und Begriffen, in denen sich Wahrnehmung und Wissen spiegeln sollen.

Auch mittels einer Anzahl von Kippbildern lässt sich das korrekte Wahrnehmen einüben. Es zeigt sich, dass wir teils bestimmten Wahrnehmungsmustern folgen, dass wir nicht alle das Gleiche sehen usw. Das offenbart aber erst die Kommunikation über das Wahrgenommene! Der Austausch über unsere Deutungen ist hier der Schlüssel für den allseitigen Erkenntnisgewinn. (Bildersuche im Internet zum Stichwort "Kippbilder")

Vor dem Lesen des Textes M 3 empfiehlt sich, die Liste ("Gibt es das wirklich?") als separate Aufgabe zu stellen (Einzelarbeit). Die im Text bereits integrierte Wirklichkeitsbeschreibung in fünf Ebenen wird nochmals in M 4 präsentiert. Die Kombination der erfragten 15 Begriffe zu den 5 Ebenen macht deutlich, dass oft mehr als eine Ebene im Spiel ist.

Eine perspektivische Bilanz könnte etwa wie in M 5 lauten. Wenn das Thema nur ganz kurz behandelt werden kann, wäre damit schon das Wichtigste geklärt.

Die Folie M 6 bringt die bisherigen Erkenntnisse mittels der oft vertretenen Parole "Ich glaube nur, was ich sehe!" abschließend auf den Punkt. In der Grafik M 7 wird mit F. Savater der Weg wissenschaftlicher Erkenntnis umrissen. Es soll deutlich werden, dass (natur-)wissenschaftliches Forschen und Erkennen zielgerichtet, aber auch interessegeleitet ist und vielfach in eine ethische Fragestellung mündet. Die Gesamtperspektive unseres Wissensdurstes und unserer Lebens- und Weltgestaltung muss in den Blick kommen! M 8 will nochmals das kritische Potential aufzeigen hinsichtlich der sinnlichen Wahrnehmungen als auch kurzschlüssiger, scheinbar rationaler Urteile. Die "kritischen Einwände" gelten z. B. auch in der Gottesfrage!

4. Empfehlenswerte Texte:

  1. Luise Rinser, Gibt es Gott?, in: L. R., Mit wem reden, K. Thienemanns Verlag, Stuttgart 1980, 17-23.

    Die Schriftstellerin erläutert mit einfachen Beispielen die Vielfalt unserer Wirklichkeitserfahrungen und -beschreibungen. Eine gute Argumentation gegenüber einem allzu platten Rationalismus.

  2. Dass es mehrere Zugangswege zur Wirklichkeit gibt beschreibt auch eingängig Ulrich Hommes in seinem Beitrag "Wie frei ist der Mensch?", in Kindlers Enzyklopädie Der Mensch Bd. VII, Zürich 1984, 163f.
  3. Ulrich Schnabel: ZEIT Wissen 01/2009; http://www.zeit.de/zeit-wissen/2009/01/Titelstrecke-Frage1-Realitaet.

    Der Wissenschaftsjournalist zeigt die subjektabhängige Definition von Wirklichkeit. Gerade die Naturwissenschaft hat klar gemacht, dass unser Erkennen der Realität begrenzt bleibt und letztlich auf den Menschen selbst verweist.

  4. Ein sehr sinnliches Beispiel für die Grenzen der Erkenntnis gibt Thomas Nagel in seinem Buch Was bedeutet das alles? Eine ganz kurze Einführung in die Philosophie, Reclam Nr. 8637, Stuttgart 1990, 26f. Es geht um die Frage: Wie schmeckt Schokolade? Der Einsatz dieses Textes sollte also unbedingt mit dem gemeinsamen Verzehr dieser Süßigkeit verbunden werden!
  5. Dass die Naturwissenschaft schnell an Grenzen stößt, zeigt auch John Lennox, Hat die Wissenschaft Gott begraben? Eine kritische Analyse moderner Denkvoraussetzungen, Witten 2009, 59-60. Es geht um die Analyse eines Kuchens.
  6. Eine verständliche Bilanz des Verhältnisses von Wissenschaft und Religion ziehen Rüdiger Kaldewey / Franz W. Niehl: Grundwissen Religion, Kösel, München 2009, 11-40.

M 1

WAS IST EIN STUHL?


Stuhl,
ein bewegliches Möbelstück für eine Person, das aus einer Sitzfläche, Stuhlbeinen, einer Rückenlehne und manchmal Armlehnen besteht. (encarta) Stuhl
allg.: Sitzmöbel mit Rückenlehne, das sich aus dem Hocker entwickelte. (Meyers) Stuhl
Ein Stuhl ist ein Möbelstück zum Sitzen einer Person, meist an einem Tisch. Er hat eine Sitzfläche mit einer Sitzhöhe von 42-48 cm und zumeist vier Beine. (wikipedia)

Abb. oben: https://pixabay.com/de/anatomie-axone-biologie-gehirn-2952567/ https://pixabay.com/de/unbekannt-denken-betrachten-1769656/

M 2

Sprechen +
Verstehen
WAS SACHE IST
Verstehen setzt eine klare Sprache voraus.
Eine Sache genau beschreiben nennt man
"definieren".
Zum Beispiel:
Wie definiert man
diese
Begriffe? Obst
Mode
Tapferkeit
Mensch

M 3

Was es so alles gibt


Wenn in einem Gespräch plötzlich das Stichwort "Glaube" fällt, wirkt das auf manchen Zeitgenossen wie das lästige Gesumme einer Fliege. Sie bewaffnen sich dann sogleich mit einem schlagkräftigen Satz und gehen siegesgewiss zum Angriff über: "Glauben heißt nicht wissen!" oder "Ich glaube nur, was ich sehe!" oder "Dafür gibt es sowieso keine Beweise!" oder ähnliche Geschosse. Die Schützen sind dabei immer sehr sicher, diesen Vertreter der Religion quasi mit einem Schuss niedergestreckt zu haben. Was soll denn nach einer solch vernichtenden Attacke noch übrigbleiben?

Auf den ersten Blick scheint man gegenüber so eingefleischten Skeptikern keine guten Karten zu haben. Aber das sieht nur so aus. Man muss sie nur am richtigen Ende packen.

Ein amerikanischer Theologe beschrieb einmal, mit welchem Trick er einen derartigen Scharfschützen drankriegte: "Der Skeptiker ist niemals überzeugend. Da steht er, ein Cocktailglas in der Hand, den linken Arm lässig auf dem Kaminsims postiert, und sagt, dass nichts gewiss sei, nicht mal seine eigene Existenz. Ich habe da eine geheime Methode, solch universalen Skeptizismus mit vier Worten zu demolieren. Ich flüstere ihm zu: 'Ihr Hosenschlitz ist offen'. Wenn er so bombensicher ist, dass es keine gültige Erkenntnis gibt - warum schaut er dann jedes Mal hin?" (Robert F. Capon).

Nun, das ist sicher eine besonders coole und humorige Art zu reagieren. Jemanden, der gleich alles in Zweifel zieht und keinerlei Erkenntnis als sicher gelten lassen will, trifft man aber eher selten. Und wenn man es genau nimmt, ist die Behauptung dieses Skeptikers in sich unlogisch und widersprüchlich. Nichts hält er für sicher erkennbar. Aber was ist mit seiner Aussage selbst, die er als seine Erkenntnis vertritt? Ist die denn sicher, oder gehört sie ebenfalls in den Ordner "Zweifelhaft"? Was bleibt dann? Aber dies nur nebenbei.

Meistens werden dem angeblich schwankenden Boden der Religion die sicheren und tragenden Säulen der Wissenschaft entgegengestellt. Da weiß man, was man hat. Das lässt sich belegen, ist handfest und nützlich. So hört man.

Gleich darauf zu verweisen, dass auch die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse einem teils sehr raschen Wandel unterliegen,...

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