Schlittenfahrt ins große Glück

 
 
Cora Verlag GmbH & Co. KG
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 29. Oktober 2020
  • |
  • 144 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7515-0404-1 (ISBN)
 
Ein Beinahe-Unfall, eine Karussellfahrt, ein Kuss: Der Milliardär J. C. glaubte, der Sturm in seinem Inneren hätte sich gelegt - doch kaum ist seine Jugendliebe Grace zurück, wirbelt sie alles wieder durcheinander!
Shirley Jump wuchs in einer idyllischen Kleinstadt in Massachusetts auf, wo ihr besonders das starke Gemeinschaftsgefühl imponierte, das sie in fast jeden ihrer Romane einfließen lässt. Lange Zeit arbeitete sie als Journalistin und TV-Moderatorin, doch um mehr Zeit bei ihren Kindern verbringen zu können, beschloss sie, Liebesgeschichten zu schreiben. Schon ihr erstes Buch gewann den Bookseller's Best Award als beste traditionelle Romance 2003. Bis heute hat sie auch viele andere Preise gewonnen. Das Schreiben sieht Shirley außerdem als gute Ausrede, um nicht putzen zu müssen - und finanziert sich damit ihre stetig wachsende Schuhkollektion. Die drei wichtigsten Dinge in ihrem Leben sind Liebe, Familie und Essen - auch wenn die Reihenfolge an vielen Tagen umgekehrt ist ... Als sie ihren Mann kennenlernte, war dieser oft mit der Navy unterwegs. Zum Trost hörten sie beide "Waiting for you" von Richard Marx und wussten so, dass sie im Herzen immer zusammen sind.

1. KAPITEL

Seit gut drei Stunden schon lag der Umschlag auf dem Tisch in Grace McKinnons Hotelzimmer in Santo Domingo. Sie nahm ihn erneut in die Hand und las die Adresse des Absenders.

Beckett's Run, Massachusetts.

Es war für Grandma sicherlich nicht ganz einfach gewesen, sie hier aufzuspüren, doch so etwas hatte sie noch nie abgeschreckt. Wenn sie sich etwas vornahm, kannte sie kein Aufgeben. Eine Eigenschaft, die Grace von ihr geerbt hatte - von ihrer Mutter als Fluch bezeichnet, nach Grandmas Meinung aber ein Segen. Doch gerade war für Grace etwas anderes wichtiger als der Brief ihrer Großmutter, und so legte sie den Umschlag wieder hin.

"Der Artikel über die Dominikanische Republik müsste vorhin bei Ihnen eingegangen sein", sagte sie am Handy. "Über welches Land soll ich als Nächstes schreiben?"

Die Verbindung wurde immer schlechter, und sie trat ganz nahe ans Fenster. Zehn Stockwerke tiefer sah sie die verstopften Straßen Santo Domingos in der strahlenden Morgensonne. Ungeduldiges Hupen drang zu ihr hinauf.

Auf der Suche nach dem besten Empfang wandte sie sich wieder vom Fenster ab und stieß dabei gegen den Tisch. Der Brief drohte herunterzufallen. Grace griff danach und ließ ihn durch die Finger gleiten, während sie ihrem Chefredakteur zuhörte.

"Sie fahren erst einmal nirgendwohin. Ich habe Ihren Text überflogen, und er ist in Ordnung. Was man eben so erwartet: die Hotspots für Touristen, Essen, Trinken. Alles okay. Aber der Text über Neuseeland taugt gar nichts. Ständig schweifen Sie ab. Und was soll das mit den Zelten für Obdachlose? Welcher Tourist will das lesen? So etwas können Sie für Im Blickpunkt schreiben, aber ich bezahle Sie nicht für solchen Quatsch."

"Ich weiß."

"Ach ja? Und warum schicken Sie mir dann nach wie vor solche Weltverbesserungsartikel?"

"Ich dachte, man könnte einmal aus einer anderen Perspektive berichten. Etwas Neues wagen."

"Verflucht, nein! Meine Anzeigenkunden wollen nichts Neues. Und die Leser auch nicht. Liefern Sie mir einfach, wofür ich Sie bezahle."

"Gut, mache ich." Auch wenn ihr die Hochglanzartikel über tolle Reiseziele langsam auf die Nerven gingen. Sie wollte mehr. Nur leider fehlte ihren Texten das gewisse Etwas. Sie hatte ein paar Artikel an Im Blickpunkt geschickt, eine Zeitschrift, deren Chefredakteur Steve Eisler im College ihr Lehrer gewesen war. Sie hatten sich gut verstanden, und all die Jahre hatte er sie aufgefordert, für ihn zu schreiben. Anspruchsvolle Texte. Texte, die etwas verändern wollten. Also hatte sie ihm ihre Artikel geschickt und sich mit ihm getroffen. Nur war das Treffen leider anders verlaufen als erhofft. Seine Worte hatten sich ihr eingebrannt.

"Du kannst mehr, Grace. Zeig es den Lesern, öffne dein Herz! Nur dann berührst du dein Publikum, lässt es lachen und weinen. Deine Texte sind gut, aber sie klingen irgendwie so distanziert."

Also hatte sie weiter Reisetexte geschrieben. All diese leeren Artikel über die besten Hotels und Strände, die sie seit einer Ewigkeit schrieb - und nur ganz insgeheim weiter davon geträumt, über wirklich wichtige Themen zu schreiben.

"Versuchen Sie nicht, mit Ihren Texten die Welt zu verändern", sagte Paul Rawlins, der Reiseredakteur, am anderen Ende der Leitung. "Schreiben Sie über Menschen, die ihr Leben genießen. Die an ihren Margaritas nippen und sich an den tollen Wellness-Angeboten erfreuen."

Sie hörte, wie Paul seufzte.

"Sie enttäuschen mich, Grace. Und leider nicht zum ersten Mal. Ich beginne langsam, das Vertrauen in Sie zu verlieren."

"Ein Ausrutscher, Paul, mehr nicht."

"Leider nicht zum ersten Mal. Selbst die Fidschi-Inseln wirkten bei Ihnen irgendwie langweilig. Was ist mit Ihnen los? Sie waren mal meine beste Autorin."

"Mit mir ist alles in Ordnung."

Wenn es nur stimmen würde! Doch ein kleines russisches Mädchen hatte etwas in ihr verändert. Sie hatte es auf den Straßen Moskaus entdeckt, mitten im Winter mit nichts als einem dünnen Kleid am dürren Körper. Grace fotografierte das Mädchen und unterhielt sich mittels eines Dolmetschers mit ihm. Mit ihrem Artikel wollte sie die Leute aufrütteln. Sie hatte gehofft, dass sich jemand für all die obdachlosen Kinder einsetzen würde.

Aber auch dieser Artikel hatte Steve von Im Blickpunkt nicht überzeugt. Weil es Grace nicht gelungen war, die Leser zu bewegen. Steve hatte recht: Ihr eigenes Herz war wie von einer Mauer umgeben, die sie nie durchbrechen konnte. Zum Glück blieben ihr noch die Reiseartikel.

"Machen Sie doch einfach mal Urlaub, Grace", sagte Paul Rawlins. "Nur ein paar Wochen. Fahren Sie irgendwohin und erholen Sie sich."

"Urlaub? Jetzt, wo es so gut läuft?"

"Das tut es nicht."

Seine Worte ließen Grace' Erwartungen wie einen Luftballon zerplatzen. Es stimmte ja: Seit ihrem Misserfolg bei Im Blickpunkt bereiteten ihr auch die Reiseberichte Probleme. Vielleicht hätte Grace' Schwester Hope mit ihren Fotos den Fidschi-Artikel retten können. Aber obwohl Grace sie inständig gebeten hatte, war Hope nicht gekommen. Das Nein ihrer Schwester hatte Grace schwer getroffen.

Und nun verlangte Paul auch noch von ihr, dass sie Urlaub nahm. Ausgerechnet über die Feiertage! Ohne Arbeit würden die sich endlos hinziehen.

"Paul, lassen Sie mich noch den Schweiz-Artikel machen, den ich Ihnen letzte Woche vorgeschlagen habe. Über dieses Dorf, das man nur mit der Bahn erreichen kann. Ein Top-Reiseziel. Ich könnte das alles aus Sicht der Einwohner schildern. Wie sie mit der Bahn zum Arzt fahren, wie ihnen die Lebensmittel geliefert werden, all das."

"Ach Grace, machen Sie doch einfach mal Pause. Bald ist Weihnachten, spannen Sie mal richtig aus. Und nach Weihnachten gehen Sie mit frischer Kraft ans Werk."

Er ließ ihr also keine Wahl. Nun gut, immerhin hatte er sie nicht gefeuert. Ein bisschen Urlaub, und alles wäre wieder in Ordnung.

"Also gut."

"Sehr schön." Er klang erleichtert und verabschiedete sich rasch.

Grace legte ihr Telefon auf den Tisch. So verloren hatte sie sich seit Jahren nicht gefühlt.

Von draußen drang der Verkehrslärm zu ihr. Sie sah aus dem Fenster, auf all die Menschen und Autos, die sich ihren Weg durch die Stadt bahnten. Vom Land kamen die Menschen auf der Lade­fläche von Lastwagen nach Santo Domingo, Hotelangestellte drängten sich zu dritt auf ein Motorrad, Taxifahrer hupten ungeduldig. Grace liebte die Stadt und die Insel, deren Geschichte bis auf Christoph Kolumbus zurückreichte. Sie hatte unzählige Fotos gemacht, doch nicht eines davon zeigte die wunderschönen Strände von Punta Cana oder das Treiben auf den unzähligen Touristenmärkten. Ihr Augenmerk lag auf anderen Dingen, dem Alltag der Menschen, deren Leben. Dinge, von denen Paul nichts wissen wollte, die sie aber unendlich faszinierten.

Grace wollte in ihren Texten hinter die Oberfläche schauen und offenlegen, was den normalen Touristen verborgen blieb.

Unruhig ging sie im Zimmer hin und her und sammelte ihre Sachen zusammen. Als sie alles in ihren Rucksack gestopft hatte, zurrte sie ihn zu und stellte ihn an der Tür ab. Sie sah sich noch einmal um, und ein Gefühl des Verlorenseins überkam sie.

Wohin sollte sie jetzt fahren? An irgendeinen Strand? Allein und über Weihnachten?

Ausgeschlossen.

Aber wohin dann? Ihr Blick fiel auf den Brief ihrer Großmutter, den sie noch immer nicht gelesen hatte. Ungeduldig riss sie ihn auf. Ein Flugticket fiel aus dem Umschlag und segelte zu Boden. Während sie sich danach bückte, entfaltete sie den dazugehörigen Brief.

Liebe Grace,

hoffentlich geht es Dir gut. Ich vermisse Dich und kann Dir gar nicht sagen, wie enttäuscht ich war, als Du letztes Jahr nicht kommen konntest. Und im Jahr davor auch nicht. Dieses Jahr möchte ich Euch alle endlich wiedersehen. Ich werde schließlich nicht jünger. Also tu mir den Gefallen und komm nach Beckett's Run. Die Weihnachtstage hier werden ganz wunderbar, denn unser Städtchen feiert außerdem seinen 200. Geburtstag, und alle geben sich große Mühe. Du glaubst gar nicht, was die Leute alles auf die Beine stellen. Keiner redet mehr von etwas anderem.

Ich habe Dir ein Flugticket beigelegt. Du hast also keine Entschuldigung mehr, meine Liebe. Komm, bitte.

Deine Dich liebende

Großmutter

Sollte sie wirklich nach Beckett's Run fahren? Für viele wäre es bestimmt eine verlockende Aussicht, Weihnachten in dem kleinen verschneiten Nest in Massachusetts zu verbringen. Grace jedoch schauderte bei dem Gedanken.

Beckett's Run. Vor vielen Jahren war sie Hals über Kopf von dort aufgebrochen. Sie überflog noch einmal den Brief. Zweihundertjahrfeier. Alle werden da sein. Alle? Ihre Gedanken überschlugen sich, und ihre Entscheidung stand fest. Sie warf sich den Rucksack über die Schulter und verließ das Zimmer.

Auf nach Beckett's Run!

Ganz Beckett's Run war wie verzaubert von dem Weihnachtsglanz, der das Städtchen überzog. Nichts war mehr zu spüren von winterlichem Trübsal, der graue November war nur noch eine ferne Erinnerung. Alles strahlte im satten Rot und Grün der Festtage, überall erklang weihnachtliche Musik, und Lichterketten funkelten über den Gehwegen. Die Bank vor Rays Drogeriegeschäft wurde von einer leuchtend roten Girlande...

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