Nichts als Liebe im Universum

Roman
 
 
dtv (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 28. Februar 2019
  • |
  • 368 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-423-43521-5 (ISBN)
 

Beautiful Crazy Girl

Für das Universum sind acht Tage weniger als ein Wimpernschlag. Für Matty ändert sich in acht Tagen sein Leben. Es ist einer dieser heißen Sommertage in Pennsylvania, als Mattys Vater die Familie verlässt und fast zeitgleich ein Mädchen auftaucht, das so ungewöhnlich und anders ist, dass es Matty die Sprache verschlägt. Sie steht auf dem Feld beim Haus. Eben hier, so heißt es, sei vor gut vierzig Jahren ein UFO gelandet. Mattys Vater ist ein UFO-Narr, und schnell hält Matty auch das Mädchen für einen Freak. Sie heißt Priya. Zart ist sie und hat schlohweiße Haare. Bald besucht Matty sie täglich auf dem Feld. Es sind Tage voller Lachen, in denen er sich Hals über Kopf in Priya verliebt. Priya ist so anders, so irritierend hartnäckig in ihrer Überzeugung, von einem anderen Stern zu stammen, so schön und so anziehend und verwirrend zugleich. Als sie plötzlich fort ist, genauso unerwartet, wie sie kam, ist nichts mehr, wie es einmal war. Mattys Suche nach ihr beginnt.

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Format: EPUB
  • 1,12 MB
978-3-423-43521-5 (9783423435215)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Cat Jordan wurde in Europa geboren und wuchs in den USA auf. Sie arbeitete als Tänzerin, Malerin und Filmemacherin. Gerne zieht sie von einem Ort zum anderen und findet ihre Inspiration überall von Venedig in Italien bis Venice in Kalifornien.

12:04


Ich warte bis Mittag und schreibe dann Brian. Er und Emily sind Langschläfer. Eigentlich lebt die ganze Familie Aoki einen komplett anderen Rhythmus als wir. Spät ins Bett, lange schlafen. Vielleicht sind wir immer mit den ersten Sonnenstrahlen wach, weil wir früher Farmer waren.

Hallo, treffen wir uns?, schreibe ich ihm.

Hallo, jap, ist die Antwort. Mehr brauchen wir nicht.

Wir treffen uns wie immer auf der Rückseite des alten Autokinos hinter der riesigen Leinwand aus Gips. An den Wochenenden finden hier Tauschbörsen statt, aber unter der Woche ist es leer. Brian und ich hängen hier zusammen ab, seit wir Kinder sind. Zuerst fuhren wir mit unseren Bonanza- und BMX-Fahrrädern herum. Als wir vierzehn wurden, besorgten wir uns preisgünstige Motorräder. Seit drei Jahren wühlen wir den Boden auf wie Profis.

Ha. Nein.

Einmal bauten wir mit unbearbeitetem Holz und Zementblöcken, die wir am Straßenrand fanden und in das Autokino schleppten, eine Rampe. Brian versuchte, ohne jede Anleitung oder Übung von der Rampe zu springen. Ich habe nie wieder so viel Blut aus einer einzigen Nase fließen sehen. Sein Gesicht stieß gegen den Zement wie ein mit Creme gefüllter Doughnut. Patsch.

Brian war noch ein Baby und seine Schwester Emily gerade mal ein Kleinkind, als die Aokis in das Steinhaus ganz am Ende unserer Landstraße zogen. Da wir die einzigen Jungs in der ganzen Straße sind, wurden wir Freunde, sobald wir sprechen konnten. Em hing auch mit uns rum, aber in unseren Augen war sie irgendwie kein Mädchen, und außerdem besaß sie vor uns den Führerschein, und das gab ihr einen Bonus.

»Hey«, ruft Brian mir zu, als er auf die Kinoleinwand zufährt. Er trägt abgeschnittene Cargo-Hosen und ein schwarzes T-Shirt, das sich über seinem Bauch bläht. Brian war sich schon immer seines Körpergewichts sehr bewusst. Sein Vater bekam mit vierzig Diabetes und predigt Brian seither, dass er abnehmen und richtig essen müsse.

Bitte. Die Taschen der Hose sind vollgestopft mit Almond-Joy-Schokoriegeln, nicht mit Grapefruit.

Beziehungsweise mit Almond-Joy-Schokoriegeln und Gras. Er zieht noch zwei Mal rasch an seinem Joint und reicht ihn mir. Ich schüttle den Kopf, er zuckt mit den Achseln und nimmt noch einen Zug. »Selbst schuld.«

»War das Ding auch während der Fahrt an?«

»Schon möglich.«

Ich lache. »Idiot.«

»Ich bin sehr talentiert.«

»Klar. Deshalb hast du auch in allen Fächern eine Vier .«

Er fuchtelt mit dem Joint in der Luft herum, um seine Worte zu unterstreichen: »Stimmt nicht. In Geschichte hab ich eine Drei.«

Geschichte ist an unserer Highschool ein Witz. Hier ist noch nie jemand durchgefallen. Selbst der schlechteste Schüler - und das war Brian wohl - bekam nicht weniger als eine Drei minus. Wir beide starten mit einem ähnlich miserablen Durchschnitt in unser letztes Schuljahr. Ich, weil ich mich zu Tode langweile, und Brian, weil er, na ja, er ist nicht dumm, aber er kifft lieber als zu lernen.

»Was machen wir heute?«, fragt er und beschattet die Hände mit den Augen, während sein Blick durch das leere Autokino schweift. Überall Relikte einer vergangenen Epoche. In der trockenen Erde stecken Metallstäbe, verbogen und niedergedrückt von Wind und Wetter und wahrscheinlich auch von Brian und mir, als wir jünger waren. Früher hingen Boxen, die man an Autofenstern befestigen konnte, an ihren Kabeln, aber sie sind vor ein paar Jahren verschwunden. Von den ursprünglichen Gebäuden steht bloß noch die verlassene Imbissbude, und das auch nur, weil die Organisatoren der Tauschbörse einen Raucherbereich brauchten.

»Keine Ahnung. Wozu hast du Lust?«

»See?«

»Etwa schwimmen?« Mein pummliger Kifferfreund kann sich höchstens treiben lassen, aber er würde niemals freiwillig Sport treiben.

»Schwimmen? Alter, bitte.« Er nimmt noch einen Zug aus dem Joint und hält ihn tief in seiner Lunge. »Nur rumhängen«, stößt er mühsam hervor, bevor er den Rauch ausatmet. Der süßliche Geruch verflüchtigt sich sofort in der staubigen Luft.

»Rumhängen?« Ich weiß, was er am See will: die Rettungsschwimmerin anglotzen, auf die er steht. »Vielleicht braun werden? Ja? Oder vielleicht ein Boot mieten? Nein!« Ich schnipse mit den Fingern. »Ein Paddlebord!« Ich tue so, als würde ich ein unsichtbares Ruderblatt durchs Wasser ziehen, und wische mir imaginären Schweiß von der Stirn.

»Du mich auch, Jones.«

»Los, sag es.«

»Was.«

»Sag ihren Namen. Los.« Ich stupse ihn mit zwei Fingern in die Brust. »Mir. An. Da.« Ich stupse ihn noch einmal, und er rutscht vom Sattel seiner Geländemaschine. Dann beuge ich mich zu ihm und flüstere ihm ins Ohr. »Du weißt, dass du sie willst.«

Brians Wangen werden rot. »Idiot.« Er hebt den Joint hoch, zwickt das Ende mit seinen Fingernägeln ab und steckt ihn in die vordere Tasche seiner Shorts. »Brauchst gar nicht zu fragen. Du bekommst nichts.«

Ich zucke mit den Achseln. »Egal.« Uii, er steht also auf ein Mädchen.

Und ich muss, wahrscheinlich wegen ihrer gemeinsamen DNA oder so, auf einmal an Emily denken.

Brians Schwester hat das herzförmige Gesicht ihrer Mutter und Grübchen in den Wangen, wenn sie lächelt, kastanienbraune Haare, die sie meist in einem Pferdeschwanz trägt, und Rundungen, die sie unter Levis und einem Eagles-Sweatshirt verbirgt. Ein paar von uns Jungs wissen, dass sie einen Wahnsinnskörper hat, aber sie ist dauernd in Bewegung. Feldhockey im Herbst, Tauchteam im Winter, Softball im Frühling. Em ist eine Team-Playerin, auch wenn das Team nur aus mir und Brian besteht.

Ich und Em haben ein bisschen miteinander rumgemacht. Aber das ist jetzt vorbei.

Miranda hingegen, das ist eine ganz andere Sache. Sie befindet sich so weit außerhalb von Brians Liga, dass sie auch auf einem anderen Planeten sein könnte. Ich meine, sie ist Rettungsschwimmerin! Total durchtrainiert, seit dem Kindergarten eines der beliebtesten Mädchen der Schule, herausragende Noten. Mit ihrem glänzenden schwarzen Haar - nennen wir es seidig glänzend - und ihren hohen Wangenknochen sieht sie eher aus wie ein Model als eine real existierende Person.

Jeder normale Typ, wie ich, wüsste, woran er bei einem Mädchen wie Miranda ist. Aber Brian . Ich mag ihn wirklich gern, aber er ist nicht normal. Er glaubt wirklich, dass er eine Chance haben könnte, sie abzuschleppen.

Was nicht unbedingt dazu beiträgt, ihm diese Illusion zu nehmen, ist die Tatsache, dass Emily im selben Tauchteam war wie sie. Also weiß sie, dass Brian eigentlich nicht Kröte heißt, wie die meisten Mädchen ihn nennen.

»Egal, ich muss los. Hab noch was zu tun.« Ich schwinge das Bein über den Sattel.

Brian verdreht die Augen. »Was zu tun? Hast du etwa einen Job?«

Wir wissen beide, dass der »Job«, den ich im vergangenen Jahr hatte, weg ist. Schon damals im Sommer lief der Stand auf unserer Farm nicht mehr und brachte mit dem Verkauf von frischen Eiern und Zuckermais an die Nachbarn nur ein paar Öcken ein. Aber die Hühner haben wir letzten Herbst gegessen (sorry, Hühner), und der Mais ist verdorrt.

Ich starre auf den Boden unter den Vorderreifen meiner Maschine. Hart. Trocken. Leer. Drei lange Monate liegen vor mir. Meine Güte, worauf kann ich mich diesen Sommer freuen? Gras rauchen und Motorrad fahren mit Brian? Zuschauen, wie er sich zum Narren macht, während er Miranda anschmachtet?

Klingt wie der direkte Weg zu einem Leben als Loser. Wie der Vater, so der Sohn.

»Ich hätte einen Job für dich«, sagt Brian. »Lieferungen«, fügt er mit gesenkter Stimme hinzu und schaut sich verstohlen um.

Ich kenne diesen Blick. »Ich werde kein Grasdealer.«

»Ich hab von Lieferungen gesprochen. Wer hat irgendwas von Dope gesagt?«

Ich setze mich wieder auf meine Maschine und verschränke die Arme vor der Brust. Brauche ich so dringend Geld? Wir leben schon lange von Moms Einkommen, aber wie lange das noch geht, weiß ich nicht. Großvaters Farm und das Haus sind zum Glück abbezahlt, aber ich kenne mich in Finanzdingen gut genug aus, um zu wissen, dass es Steuern und andern Mist gibt, der jeden Monat fällig ist. Ich habe oft gehört, wie Mom und Dad spätabends darüber gestritten haben, dass Dad mehr beitragen, dass er mehr Verantwortung übernehmen und den Tatsachen ins Auge sehen müsse. Das ist einer der Lieblingssprüche meiner Mutter, wie zum Beispiel in: »Sieh den Tatsachen ins Auge, DJ, diese Farm führt sich nicht von allein.« Oder: »Sieh den Tatsachen ins Auge, Matty, du schlägst dir den Kopf auf, wenn du keinen Helm trägst.«

Ich frage mich, ob sie auch zu sich selbst sagt: Sieh den Tatsachen ins Auge, Lorna, der Idiot ist weg, und er kommt nicht wieder zurück.

Aber das ist gut so. Oder?

Ich höre das Klicken eines Feuerzeugs und schaue auf. Brian hat einen neuen Joint in der Hand, einen von der schlanken Sorte, aber der wird es schon tun. Allerdings zündet er ihn nicht selbst an, sondern reicht sowohl das Feuerzeug als auch den Joint mir.

»Du siehst irgendwie so aus, als würdest du's brauchen«, sagt er.

Ohne Zögern zünde ich ihn an, nehme zwei schnelle Züge und halte den Rauch in meinen Lungen, so lange ich kann. Dann gebe ich den Joint zurück und atme aus.

»Also dann . zum See?«, frage ich Brian.

Mein Freund schüttelt den Kopf. »Nö, passt.«

Ich wende mein Gesicht dem Himmel zu und spüre, wie die Sonne meine Wangen wärmt. Ja, passt.

Schon bald verwandelt...

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