Als die Stadt in Flammen stand

 
 
cbt (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 13. September 2021
  • |
  • 272 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-27708-6 (ISBN)
 
Ein schwarzes und ein weißes Mädchen. Eine Stadt in Flammen. Nur gemeinsam können sie überleben.Lena hat Stil, einen coolen Freund und einen Plan. Campbell dagegen will einfach nur das Jahr an der neuen Schule schaffen. Als die Mädchen ein Footballmatch besuchen, geraten sie plötzlich in eine Masseneskalation. Eine Eskalation, die von Hass und Gewalt getragen ist und bei der sich beide unverhofft Seite an Seite wiederfinden. Lena und Campbell sind nicht befreundet. Doch das ist unwichtig, wenn die Stadt in Flammen steht und man aufeinander angewiesen ist, will man die Nacht überleben ...Ein aufwühlender und hochaktueller Roman von Autorenduo Kimberly Jones und Gilly Segal, der ein Schlaglicht wirft auf Rassismus und ethnische Beziehungen.
  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
  • 1,02 MB
978-3-641-27708-6 (9783641277086)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Kimberly Jones ist die Co-Autorin des New-York-Times-Bestsellers »Als die Stadt in Flammen stand«. Sie arbeitet heute in der Unterhaltungsindustrie und wohnt in Atlanta, Georgia. Ihre Rede zu den Protesten nach dem Tod von George Floyd ging auf YouTube um die Welt. 2020 wurde ihr die Auszeichnung »Voice of the Year« verliehen.

2
CAMPBELL


McPherson Highschool
Footballstadion


Der Pick-up von meinem Dad rumpelt im selben Moment auf den Schulparkplatz wie der Bus mit der gegnerischen Mannschaft. Wir quetschen uns in eine Parklücke ganz am Ende einer vollen Reihe.

»Es ist gut, dass du das machst, Campbell«, sagt Dad, während der Bus sich leert und eine lange Schlange bulliger Footballspieler in Jogginganzügen herausmarschiert.

Ist es das? Ich bleibe sitzen, schnalle mich nicht ab. Ich frage mich wirklich, warum er glaubt, dass es eine Rolle spielt, ob ich an dieser Schule bei einem Spiel im Kiosk arbeite oder nicht. Ich werde sowieso nur ein Jahr lang hier sein - mein Abschlussjahr. Was glaubt er denn, wozu dieser eine Abend führen wird?

Während die Spieler durch ein Tor im Maschendrahtzaun Richtung Kabinen trotten, kommt ein weiterer Bus an und parkt uns zu. Diesmal steigen ein ganzer Schwarm aus Cheerleadern, eine Tanztruppe und ein Haufen Fans aus. Die Jonesville Panthers und ihre Entourage füllen den kompletten Parkplatz aus. Nach allem, was der Rektor heute bei seinen morgendlichen Ankündigungen erzählt hat, ist Jonesville McPhersons größter Rivale und liegt nur einen Platz hinter uns. Oder so was in der Art. Es leuchtet also ein, dass sie für ein so wichtiges Spiel eine ganze Busladung zur Unterstützung rankarren.

Die einzigen Leute hier scheinen Jonesville-Fans zu sein. Man sollte meinen, die McPherson-Fans wären auch längst aufgelaufen, um ihre Mannschaft schon vor dem wichtigsten Spiel der Saison anzufeuern. Andererseits hat der Rektor mehr als deutlich gemacht, dass wir heute Abend zusätzliche Sicherheitskräfte erwarten können, und verlangt, dass wir uns alle von unserer besten Seite zeigen. Ich vermute daher, dass diese sportliche Rivalität hin und wieder durchaus aus dem Ruder läuft. Vielleicht ist es ja wirklich besser, wenn sich die Jonesville-Superfans schon mal im Block der Auswärtsmannschaft im Stadion niederlassen, bevor die heimische Fanwelle anrollt.

Ich sehe mich nach irgendwem um, den ich kenne, bis mir klar wird, dass das total lächerlich ist. Ich kenne hier niemanden.

Die Menschentraube vor uns teilt sich, um einer großen Frau mit taillenlangen Zöpfen den Weg freizumachen.

Sie hat sichtlich Mühe, mit der einen Hand eine Karre vor sich herzuschieben und mit der anderen einen zerbeulten roten Wagen zu ziehen. Beide sind mit Kartons überladen.

»Das ist Ms Marino«, sage ich. Sie trainiert die Tanztruppe, ist meine Englischlehrerin und hat mich gefragt, ob ich heute Abend nicht den Kiosk übernehmen will. Ich schnalle mich ab und springe aus dem Wagen, um ihr zu helfen. Zu meiner Überraschung steigt Dad ebenfalls aus.

»Campbell!«, ruft sie erfreut. »Wie schön, dass du gekommen bist.«

Ich weiß wirklich nicht, warum. Ms Marino hat mir erklärt, dass die Einnahmen aus dem Verkauf im Kiosk in diesem Jahr der Renovierung der restlichen Sportstätten zukommen sollen, damit sie bald genauso schick sind wie das neue Footballstadion. Der einzige Haken ist, dass die Teams selbst im Kiosk arbeiten müssen. Aber da sich die Sportler während der Spiele natürlich schlecht darum kümmern können, haben sie um Freiwillige gebeten. Ich hab meine Hand ganz sicher nicht gehoben, als Ms Marino uns gefragt hat, das könnt ihr mir glauben. Das hat niemand, obwohl sie uns diese Woche praktisch jeden Tag förmlich um Hilfe angefleht hat. Unsere Klasse hat sie geschlossen abblitzen lassen. Von der unbehaglichen Stille, die jedes Mal auf ihre immer verzweifeltere Bitte folgte, wurde mir am Ende richtig übel. Was wahrscheinlich auch der Grund dafür war, dass mir, als sie mich heute Morgen nach dem Klingeln abgefangen und gefragt hat, ob ich schon mal in einem Kiosk gearbeitet habe, auch sofort ein Ja rausgerutscht ist, bevor ich mir eine Ausrede einfallen lassen konnte.

Dad schnappt sich die Karre, ich nehme ein paar Kartons vom Wagen und wir folgen ihr in Richtung Haupttor. Sie führt uns an zwei Mitgliedern der Tanztruppe vorbei, die ein glitzerndes Banner mit der Aufschrift UNTERSTÜTZT DIE SPORTSTÄTTEN ganz oben am Zaun befestigen.

»Gut gemacht, Mädchen«, ruft sie ihnen zu. »Wenn ihr hier fertig seid, treffen wir uns in zehn Minuten zum Aufwärmen in der Kabine.«

Bei dem vertrauten Ton eines Trainers, der Anweisungen ruft, zucke ich richtig zusammen. Solche Worte sind früher auch durch meine Abende und Wochenenden geschallt. Damals, als ich noch zu einem Team gehört habe. Hastig wende ich den Blick von den Mädchen und ihren Trainingsanzügen mit den aufgedruckten Maskottchen ab und eile Dad und Ms Marino hinterher.

Das riesige Betonstadion ragt vor uns auf und wirft seinen mächtigen Schatten über den Kiosk, was eine echte Erleichterung ist. Es wird frühestens in zwei Stunden dunkel und in diesem Holzschuppen werde ich mir sowieso schon wie in der Sauna vorkommen, ohne dass die Sonne direkt draufknallt. Der Schatten ist aber auch das Einzige, was mich wirklich begeistert. Davon abgesehen ist dieser Kiosk eine einzige Katastrophe: ein klappriger Kasten aus Sperrholz und Kanthölzern, mit großen Fenstern auf der einen Seite, die von einem Rollgitter aus Metall verdeckt sind. Unter dem Rollgitter ragt eine Holzkante hervor, bei der es sich vermutlich um die Bedientheke handelt. Ms Marino gibt die Kombination in ein Vorhängeschloss ein, das oben an einer Haspe befestigt ist, entfernt es und reißt dann so schwungvoll die Tür auf, dass der Knauf richtig in ihrer Hand wackelt. Mit ihr, Dad, mir und der Karre stößt die Bude platztechnisch an ihre Grenzen. Ein Drittel der Kartons und der Wagen stehen immer noch draußen.

Wie soll das bitte gehen?

Allerdings frage ich das nicht laut, sondern helfe stattdessen, die Kartons umzuladen. Dad bleibt noch kurz und hilft uns, das ganze Zeug in der Bude zu verstauen. »Okay«, sagt er, nachdem er die letzte Packung in eins der Regale gestopft hat, »wir sehen uns dann nach dem Spiel, Campbell. Ich hol dich direkt vor dem Tor wieder ab.«

»Weißt du«, beginnt Ms Marino, »die Tanztruppe feiert nach den Heimspielen immer noch im Mr Souvlaki's. Ich dachte, da du uns heute hier im Kiosk aushilfst, hast du dir eine Ehrenmitgliedschaft im Team verdient. Du solltest mitkommen.«

Ich bin total baff. »Ich kenne eigentlich keins von den Mädchen.«

Sie lächelt freundlich. »Dann lernst du sie eben kennen.«

»Mr Souvlaki's?« Dads Falten graben sich tief in seine Stirn, während er über diese Einladung nachdenkt. »Ist das dieser Grieche in der Woodland Street?«

»Ja«, antwortet Ms Marino. »Die Pizza ist spitze, die Cola kalt und beides ist billig! Und ich werde auch dort sein, genau wie zwei der Teammütter. Elterliche Aufsicht garantiert, falls Sie sich deswegen Sorgen machen.«

»Ich hatte vor, nach dem Spiel direkt in die Hütte raufzufahren, Campbell. Ich würde nur sehr ungern erst so spät da oben ankommen«, sagt Dad. Er legt eine Hand auf meine Schulter, als seien seine Pläne vollkommen neu für mich. So als sei ich enttäuscht und er müsse mich trösten.

»Ihr fahrt weg?«, fragt Ms Marino ein wenig betrübt.

»Nur er. Aber er bringt mich vorher noch nach Hause, also .« Eine seltsame Mischung aus Bedauern und Erleichterung rumort in meinem Magen. »Vielleicht nächstes Mal.«

»Oh«, sagt sie, und ihr Lächeln kehrt strahlend zurück »Das ist doch kein Problem. Ich kann dich nach dem Essen nach Hause fahren.«

Was? Nein, nein, nein. Als ob es nicht schon erbärmlich genug wäre, die Neue zu sein. Und jetzt will Ms Marino mich auch noch nach Hause bringen?

»Das wäre eine Möglichkeit«, erwidert Dad zögerlich. »Wenn ich jetzt gleich aufbreche, erreiche ich die Hütte noch, bevor es allzu dunkel ist.«

Ich protestiere, aber vergeblich. Meine Lehrerin und mein Vater besiegeln meine Pläne für diesen Freitagabend und er bricht höchstzufrieden zu seiner Angelhütte auf. Und noch bevor ich überhaupt begreife, wie das eigentlich alles passiert ist, begleite ich Ms Marino wieder, um noch mehr Zeug für den Kiosk zu holen. Wir steuern auf ihr mobiles Klassenzimmer zu, das in einem großen klobigen Wohnwagen untergebracht ist, der zwischen dem Hauptgebäude und dem Footballfeld auf Betonblöcken steht. Die mobilen Klassenzimmer sollten wahrscheinlich nur eine Übergangslösung sein, um genügend Platz für alle Klassen zu schaffen, bis die Schulbehörde einen Anbau bewilligt, aber wenn man mich fragt, sehen die Dinger aus, als stünden sie schon mindestens dreißig Jahre hier. Ms Marino plappert irgendwas davon, dass sie heute Abend den höchsten Umsatz aller Teams erzielen will, die sich bisher um den Kiosk gekümmert haben, und erklärt mir, welche Regeln ich beachten muss. Sie sind nicht neu für mich - nimm deine Aufgabe ernst, gib immer das korrekte Wechselgeld raus, bla, bla, bla -, aber alles andere hier schon. Ihr Geschwafel geht mir zum einen Ohr rein und zum anderen wieder raus, während ich mir den Schweiß von der Stirn wische, in Gedanken abschweife und mich frage, was wohl gerade zu Hause in Haverford los ist. Auch wenn ich es wohl nicht mehr als mein Zuhause betrachten sollte, da ich höchstwahrscheinlich nie wieder dort wohnen werde.

»Bei dieser Spendenaktion«, erklärt Ms Marino, »geht es teilweise auch darum, Geld für den Kiosk zu sammeln. Er ist der reinste Schandfleck im Vergleich zu dem neuen Stadion. Wir sind für alle Spenden sehr dankbar - Baumaterial, zum Beispiel.«

Aha. Da ist er also: der Hintergedanke, der nichts mit...

»Ein absoluter Pageturner, ein mitreißender und kraftvoller Roman, der mit Sicherheit einschlagen wird.«
 
»Ein unverzichtbarer Beitrag im Jugendbuch-Kanon zum Thema ethnische Beziehungen.«
 
»Eine überragende Leistung. Diesen Roman muss man in einem Rutsch durchlesen und dann auf Jahre hinaus darüber sprechen.«
 
»Ebenso zeitgemäß wie süchtig machend.«
 
»Ich finde die Thematik unglaublich interessant und gleichzeitig auch sehr schockierend, vor allem, weil das Thema nach wie vor so aktuell ist.«
 
»Einfach Wow!«
 
»Das Buch ist wirklich aufregend. [.] Man fühlte sich teilweise hautnah dabei.«
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