Die bewegte Frau

Vom Bewegen sollen zum Bewegen wollen
 
 
Innenwelt Verlag GmbH
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 15. Mai 2020
  • |
  • 150 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-947508-73-0 (ISBN)
 
Ein Buch für Bewegungsmuffelinnen,
Ich-würde-gern-Bewegerinnen,
Extremsportlerinnen und Superaktiv-Frauen.

Egal ob es um die Figur, die Schönheit, das Altern, den Stoffwechsel, die Herzgesundheit oder das Gebiet der Heilung geht: Bewegung soll der Schlüssel dafür sein, dass unser Körper gesund, agil und ewig jung bleibt. Das jedenfalls wird uns in der Werbung, durch Workout-Apps, Beweg-dich-Blogs und die Medizin immer wieder weisgemacht.
"Die bewegte Frau" basiert auf der Beobachtung, dass viele Frauen einem enorm großen Druck ausgesetzt sind, sich auf normierte Weise zu bewegen. Katrin Jonas hinterfragt das. Denn: Wie sinnvoll sind die Pauschalansagen für den individuellen Frauenkörper? Was ist ein richtiges, weil individuelles Bewegungsmaß? Stimmt das, was man übers Bewegen sagt, überhaupt? Und was meint unser Körper dazu?

Mit FEDERLEICHT-ÜBUNGEN, SELBSTREFLEXIONEN und einem WOHLFÜHL-TRACKER

Indem die Leserin sich an der Natürlichkeit ihres Körpers orientiert, kann sie ihr Bewegungsempfinden ganz neu entwickeln. So lernt sie den Signalen ihres Körpers zu lauschen, sich beim Bewegen von der Freude leiten zu lassen und ein für sie stimmiges Bewegungsmaß zu finden. Sie bewegt ihren Körper so, wie es ihrem Wohlgefühl entspricht - und kann wieder aufatmen, weil sie sich vom Druck und allem "Sollte" und "Müsste" befreit. Eine gesunde Balance von Bewegung und Ruhe ist ihr Lohn.


Wo Bewegungsfreude entsteht, da geht es lang!
weitere Ausgaben werden ermittelt
Katrin Jonas
ist Internationale Körper-Mind-Trainerin, Feldenkrais-Lehrerin, Meditationsmentorin und Expertin für Stressmanagement. Sie coacht Klienten aus allen Zipfeln der Welt, organisiert Workshops, Retreats sowie BodyWareness-Trainings für Therapeuten, Ärzte und Körper-Mind-Coaches. Ihr Lebensmittelpunkt ist in London.
Erschienen sind außerdem: "Der Weg des Wassers. Frauen meditieren anders" (2018) und "nackt. Das Körper-Versöhnbuch für Frauen" (2019).
Warming up:
Bewegung ist mehr als Schwitzen, Selbstüberwindung und Sport

1. Kapitel
Natürlich bewegen, was sonst?

2. Kapitel
Der Verlust von Natürlichkeit und Femininität

3. Kapitel
Bewegung FÜR oder GEGEN den Körper?

4. Kapitel
Die vier Bewegungstypinnen

5. Kapitel
Yippie - Bewegungsfreude ist der Schlüssel

6. Kapitel:
Organisches Bewegen

Moving on: Den "Bewegungs-Sechser" im Gepäck

Literaturverzeichnis

Über Katrin Jonas

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Der Verlust von Natürlichkeit und Femininität


Das Warum


Wenn ich mit Klientinnen über die sieben Grundqualitäten natürlichen Bewegens spreche, ragen drei Reaktionen heraus: Viele Frauen atmen auf, weil sie erkennen, dass sie mit ihrem Bewegungsempfinden gar nicht vollkommen verkehrt liegen und das "Richtige" fühlen. Irgendwie wussten sie, dass in Ihrem Verständnis von Bewegung eine wichtige Nuance fehlte. Andere fragen sich, warum sie sich von ihrer Natur und einem körperaffinen Verhältnis zu Bewegung abgewandt haben und sich von körperfremden Zielen leiten ließen. Und nahezu alle Frauen fragen nach dem Warum. Ja, warum passiert es, dass wir uns von unserem natürlichen Bewegungsempfinden überhaupt verabschieden? Warum geben wir es auf? Und warum vergessen wir es?

Weil ich die Frage nach dem Warum für wichtig halte, werfen wir jetzt einen Blick darauf, was mit unserem natürlichen Bewegungsverhalten im Laufe unserer Lebensjahre geschieht. Dadurch können Sie sehen, wovon der Mädchenkörper beim Aufwachsen beeinflusst wird. Und dann verstehen Sie auch besser, warum so viele Frauen sich so schwer damit tun, ein richtiges Bewegungsmaß für sich zu finden.

Jungen und Mädchen


Und da sind wir bereits mitten im Dilemma. Die meisten Menschen verabschieden sich deshalb von ihrer natürlichen Bewegungsweise und ersetzen sie durch eine künstliche, körperfremde oder extreme, weil ihnen die Anpassung an ihr individuelles Umfeld in die Quere kommt. Hier berühren wir einen wunden Punkt in der Menschheitsentwicklung: Die meisten Kinder werden durch die Anpassung an ihre konkreten Lebensumstände bereits sehr früh von unnatürlichen äußeren Einflüssen geprägt und von ihrem Eigenempfinden weggelotst. Denn: Sie sind von den Erwachsenen und dem Konsens mit ihnen komplett abhängig. Sie müssen sich ein Mindestmaß an Liebe sichern und die emotionale Stabilität herstellen, die sie zum Aufwachsen brauchen. Der Verlust ihres natürlichen Bewegungssinns ist der Preis.

Hier schlagen wir gleich einmal die Brücke zu uns Frauen. Denn in diesem Weglotsen von den natürlichen Grundqualitäten spielt die geschlechtsspezifische Differenzierung zwischen Jungen und Mädchen sehr früh eine wesentliche Rolle. Solange wir in einer patriarchalischen, maskulin operierenden Leistungsgesellschaft leben, haben Jungen zumeist größere Freiheiten in ihrer Entwicklung und weitere Bewegungs- und Handlungsspielräume. Das ist so, weil man meint, dass ein experimentierfreudiger, agiler, raufender und sich austobender Junge gute Chancen hat, einmal zu einem großen kräftigen Mann zu werden, der dann später auch "seinen Mann steht".

Mädchen sein

Bei einem Mädchen hingegen, das sich ein freies, unzensiertes Bewegen erlaubt, hebt man eher die Augenbrauen. Da kommt es selbst im 21. Jahrhundert noch vor, dass sich freizügige, ja "un-verschämte" Ausdrucksformen für ein Mädchen eher nicht gehören oder für unangemessen gehalten werden. Dazu zählt beispielsweise, waghalsige Dinge zu tun, auf Bäume zu klettern, mit anderen Kindern zu raufen, laut zu schreien oder sich für "jungstypische" Aktivitäten zu interessieren. "Das macht man als Mädchen nicht" ist ein Satz, den ich selbst gut kenne. Meine Großmutter hat ihn mir immer dann mahnend mit auf den Weg gegeben, wenn ich zu laut lachte, mit zu weit gegrätschten Beinen im Sessel saß oder mit den Jungen Räuber und Gendarm spielte. Und vielleicht kennen Sie das aus eigener Erfahrung. Vielleicht haben auch Sie erlebt, dass Bewegungsverhalten von Jungen und Mädchen sehr früh zensiert und unterschiedlich bewertet wurde.

Aufs Äußere getrimmt

Die Differenzierung zwischen Jungen und Mädchen beginnt nicht nur sehr früh, sondern hat auch sehr viele Gesichter. Beispielsweise werden Mädchen von früh an bereits anders gekleidet, also eher in Farben wie Rosa, Weiß und Creme, die schmutzempfindlicher sind und nicht zum Toben, Kriechen und Erkunden taugen. Oft tragen Mädchen helle Blusen, süße Kleidchen oder enge Jäckchen, in denen sie sich kaum bewegen, auf dem Boden wälzen und schon gar nicht wilde Räder schlagen können.

Da man meint, dass die Unterwäsche eines Mädchens nicht zu sehen sein sollte, Mädchen aber Röcke und Kleider tragen, werden Bewegungen, die genau diese Körperbereiche bloßlegen, schon einmal mit kritischem Blick beobachtet. Ja klar. Beim Purzelbäumeschlagen, Verkehrt-herum-an-der-Turnstange-Hängen oder Durchs-Gebüsch-Kriechen sieht man das Darunter. Außerdem wird zumeist auch weniger akzeptiert, dass ein Mädchen seine Knie aufschürft, seine Hosen zerreißt, Grasflecken im Rüschenkleidchen hat oder mit Löchern im Ärmel nach Hause kommt.

Haar-feine Unterschiede

Außerdem werden die Haare oft "mädchenhaft" frisiert, mit Schleifchen, hübschen Klemmchen und Spangen versehen. Diese sollen beim Bewegen natürlich nicht herausfallen oder in Unordnung geraten. Schließlich lernen Mädchen, auf ihre Frisur achtzugeben und sich aus wilderen oder bewegungsintensiveren Aktivitäten herauszuhalten.

Darüber hinaus kaufen nicht wenige Mütter ihren Töchtern mädchentypisches Schuhwerk wie Lackschuhe, enge Ballerinas mit Glitzersteinchen oder im Extremfall sogar Schuhe mit kleinen Absätzchen, in denen es sich nicht so ohne weiteres losrennen lässt.

Den meisten Eltern ist dabei nicht bewusst, dass sie das Bewegungsverhalten ihrer Tochter bereits mit der Wahl ihrer Bekleidung einschränken und ihr Verhältnis zum eigenen Körper auf Dauer prägen. Viele Mädchen schauen schon sehr früh sehnsüchtig ihren Brüdern oder Spielgefährten hinterher, wenn diesen ein freier, unlimitierter Bewegungsspielraum zugestanden wird.

Konditionierung greift

Tatsächlich gibt es noch viele weitere Angriffsstellen, über die ein Mädchen von seinem natürlichen Bewegungsempfinden weggelotst wird.

Beispielsweise lernt ein Mädchen entsprechend der "Modelle" und Vorbilder in seiner Umgebung sehr schnell, dass seine Aktionen oder die Art und Weise des Bewegens einer Bewertung unterliegt. Diese kann sein Bewegen entweder fördern oder aber mit einem Verbot, Sanktionen oder dem Einflößen von Angst durch eine übertriebene Vorsicht der Bezugspersonen versehen. Je nachdem, wie sehr es solche äußeren Maßgaben zu seiner Priorität macht, fallen seine motorischen Entscheidungen aus: In Abhängigkeit davon, wie bedeutsam die Beurteilungen von außen sind, wird es von seinem natürlichen Bewegungsempfinden weggelotst und in seiner authentischen Ausdrucksweise gestört. Es richtet sich immer mehr danach, wie sein Bewegen und Bewegtsein bei anderen ankommt, ob es willkommen, mit Kritik behaftet, störend oder verboten ist.

Von der Außenwelt dominiert

Und schließlich verändert es das Bewegungsverhalten entsprechend der äußeren Einflüsse rasant. Sein ureigenes Gespür passen viele Mädchen der Art und Weise an, die in ihrer Umgebung am meisten gewünscht sind. Zudem erwartet man von einem Mädchen mehr als von einem Jungen, dass es die Regeln seines Umfeldes erfüllt. Deshalb opfern nicht wenige Mädchen ihren natürlichen Bewegungsdrang zugunsten des Nicht-Auffallens oder Lieber-still-Bleibens.

Oder ganz anders: Sie geben ihr sicheres Gefühl für eine Bewegungs-Ruhe-Balance auf und verfallen in den Aktionismus oder die Hyperaktivität. Sie werden bereits früh zu kleinen "Macherinnen", die sich um alles und jeden kümmern, unentwegt aktiv und versorgend sind, doch sich selbst dabei vergessen.

Und dann gibt es noch diejenigen Mädchen, für die die Erwachsenenwelt zu schnell und zu fordernd ist. Sie passen ihre Bewegungen einzig der Notwendigkeit an, irgendwie mitzuhalten und das Minimum der Erwartungen zu erfüllen. Und dabei büßen sie ebenfalls ihr natürliches Bewegungsempfinden ein.

"Restless Legs"

Ich erinnere mich an Lilly, eine Klientin, die unter einem sogenannten Restless-Leg-Syndrom, also an ständiger Unruhe in den Beinen litt und nicht für einen einzigen Moment still sitzen konnte.

Im Gespräch stellte sich heraus, dass sie ursprünglich ein sehr langsames Kind war, das Bewegung genoss, sich aber an die Geschwindigkeiten der Umgebung nie anpassen konnte. Ihre Grunderfahrung war, dass sie ständig den anderen hinterherrannte und es einfach nicht schaffte, mit ihnen Schritt zu halten. In ihrer Erinnerung blieb das grundsätzliche Gefühl, nie an die anderen anschließen zu können. Und dieses prägt noch immer ihr Leben. Als erwachsene Frau wird sie in wiederkehrenden Albträumen mit diesem Gefühl des Hinterherrennens konfrontiert, wobei sie den Anschluss immer knapp verfehlt. In ihrem Alltag setzt sie...

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