Weihnachten mit Zimt und Happy End

Roman
 
 
Heyne (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 13. September 2021
  • |
  • 416 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-25882-5 (ISBN)
 
Wenn aus Freunden Familie wird...

Weihnachten war für Katie noch nie die schönste Zeit des Jahres. Während alle anderen in Erinnerungen an ihre Kindertage schwelgen, versucht Katie ihr Bestes, ihre Kindheit zu vergessen. Doch seit sie in das wunderschöne Budbury an der Küste von Dorset gezogen ist, haben Katie und ihr kleiner Sohn eine Ersatzfamilie gefunden. Nachbarn und Freunde, die sich im Comfort Food Café treffen, wo ein Stück Kuchen und eine Tasse Tee heilende Kräfte zeigen. Dieses Jahr wollen Katies Freunde ihr ein Weihnachtsfest schenken, das ihr immer in Erinnerung bleiben soll. Und mit dem attraktiven Neuankömmling Van könnte tatsächlich ein großer Weihnachtswunsch in Erfüllung gehen.
  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Heyne
  • 1,34 MB
978-3-641-25882-5 (9783641258825)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Debbie Johnson ist eine Bestsellerautorin, die in Liverpool lebt und arbeitet. Dort verbringt sie ihre Zeit zu gleichen Teilen mit dem Schreiben, dem Umsorgen einer ganzen Bande von Kindern und Tieren, und dem Aufschieben jeglicher Hausarbeit. Sie schreibt Liebesromane, Fantasy und Krimis - was genau so verwirrend ist, wie es klingt.

6. KAPITEL

Das Comfort Food Café ist mit keinem anderen Ort auf dieser Welt vergleichbar. Es thront oben auf den Klippen, ist auf einer Seite vom Meer und auf der anderen von einer grünen Hügellandschaft umgeben.

Man gelangt dorthin, indem man einen langen, gewundenen Pfad hinaufläuft und am Ende durch einen schmiedeeisernen Torbogen tritt, auf dem der Name des Cafés auf einem Rankenwerk aus Metallrosen steht. Selbst der Torbogen ist schön und einladend.

Das Gebäude selbst ist niedrig und weitläufig und steht in einem verwunschenen Garten. Hier gibt es Tische und Bänke, die im Sommer vor Menschen überquellen, sowie einen Grillbereich, eine Terrasse und seit diesem Jahr auch den dem Café angeschlossenen Comfort Reads Buchladen.

Der Buchladen hat geöffnet, als wir oben ankommen, und Zoe - klein, rothaarig und schlank - winkt uns durch das Fenster zu. Sie sitzt auf ihrem Stuhl hinter der Kasse, ein Buch auf den Knien. Saul quietscht vor Aufregung, als er sie sieht, weil sie das letzte Mal, als wir hier waren, eine Grüffelo-Tasse für ihn hatte.

Zoe ist vergangenes Jahr mit ihrer Patentochter Martha hierhergezogen, nachdem deren Mutter gestorben war. Es war keine leichte Zeit für die beiden, doch inzwischen haben sie sich eingelebt - zusammen mit Cal, Marthas biologischem Vater, den sie bis vor dem letzten Weihnachtsfest noch nie gesehen hatte, da er in Australien gelebt hat. Ja, ich weiß - wenn Budbury eine Facebookseite hätte, würde unter dem Beziehungsstatus »kompliziert« stehen.

Ich denke, niemand hier ist einfach oder unkompliziert oder hat ein sehr traditionelles Leben hinter sich. Um ehrlich zu sein, ist das einer der Gründe, warum mich dieser Ort angesprochen hat - die Leute hier haben viel durchgemacht, haben ihr Schicksal in die Hand genommen und scheinen es jetzt als ihre Lebensaufgabe zu betrachten, andere Menschen glücklich zu machen, während sie sie mit Karottenkuchen füttern.

Es geht sogar so weit, dass sie den Leuten ihr jeweiliges Lieblings-Trost-Essen servieren - wie die Biskuitrolle bei mir, die mich immer an meine Oma erinnert. Irgendwann muss ich das einmal erwähnt haben, aber ich erinnere mich nicht mehr, wann - ich weiß nur, dass eine Biskuitrolle auf mich wartet, wenn ich besonders deprimiert oder müde bin, selbst wenn sie nicht auf der Speisekarte steht.

Ich erinnere mich noch lebhaft an das erste Mal, als ich in das Café gekommen bin. Es war ein paar Wochen nach unserem Umzug nach Dorset - nachdem ich Jason verlassen hatte. Ich hatte eine Weile bei meinen Eltern gewohnt, aber schnell gemerkt, dass das ein Fehler war. Ich wusste, dass ich ganz weggehen musste, und hatte mich für den Neuanfang nach einem Ort umgesehen, der weit genug weg lag, aber nahe genug an Bristol war, dass ich meine Eltern besuchen konnte und Saul vielleicht seinen Dad, sollten sich die Dinge dementsprechend entwickeln. Das haben sie nicht, aber so ist das Leben.

Mum hat mich erstaunlicherweise beim Umzug finanziell unterstützt - irgendetwas war da mit einem »Notgroschen«, den meine Oma hinterlassen hatte -, doch es hat Zeit gebraucht, um alles zu regeln. Anfangs hat Jason Widerstand geleistet, hat ein paar halbherzige Versuche unternommen, mich zu überzeugen zurückzukommen, doch sie haben sich hohl und falsch angefühlt - es ging uns besser ohneeinander, und das wussten wir beide. Schließlich ist er selbst weggezogen, bis nach Glasgow - Neuanfänge allerwegen.

Doch wegzugehen war härter, als ich gedacht hatte. Alleine mit einem Baby an einem Ort neu anzufangen, wo ich niemanden kannte. Ich hatte gedacht, dass es genau das sei, was ich brauchte - aber ich hatte nicht bedacht, wie einsam ich mich in diesen ersten Wochen fühlen würde. Ich musste mich zwingen, nicht einzuknicken, nicht meine Eltern oder Jason anzurufen, nicht rückfällig zu werden.

Saul war zu dem Zeitpunkt fast achtzehn Monate alt und absolut nicht einfach. Oft war er wie vom Teufel besessen, ich darf das jetzt sagen, denn ich bin seine Mum, und es ist vorüber. Er hatte eine nie versiegende Energie, es gab dauernde Kämpfe, und dann war da die Trotzphase, noch weit vor seinem zweiten Geburtstag. Ich war erschöpft, ausgepowert und insgeheim überzeugt, dass mein eigenes Kind mich hasste. Ich hatte keine Ahnung, wie ich das schaffen sollte.

Dann bin ich eines Morgens hierhergekommen. In das Café. Aus echter, reiner Verzweiflung - aus dem Bedürfnis heraus, aus dem Haus zu kommen und dem Rest der Welt zumindest etwas näher zu sein. Ich habe hier gesessen, während Saul mir voller Begeisterung Brotstreifen an den Kopf geworfen und sein Ei zu Brei zermatscht hat, als sei es sein Todfeind, und ich war so fertig und müde, dass ich das Gefühl hatte, gleich durchzudrehen.

Eine Frau, von der ich heute weiß, dass es Becca war, ist zu mir gekommen und hat mir einen Toast gebracht. Nicht Saul - sondern mir. Dann ist eine andere Frau gekommen, die ich für einen Gast gehalten habe, die aber die Besitzerin des Cafés war, Cherie Moon, wie ich inzwischen gelernt habe, und sie hat mir Saul abgenommen. Sie ist eine üppige Frau in den Siebzigern, groß und stark, mit einem wettergegerbten Gesicht und Falten, die sie voller Stolz trägt. Sie hat volles, langes Haar, das sie oft zu einem grauen Zopf flicht, und so viel Selbstvertrauen, dass es aus jeder Pore zu triefen scheint.

Jedem anderen hätte ich mein Baby nicht so einfach anvertraut - eher um seinet- als um Sauls willen -, doch ich wusste instinktiv, dass Cherie mit ihm fertigwerden würde. Sie ist mit ihm im Raum herumgegangen, während ich meinen Toast gegessen und ein warmes Getränk getrunken habe, solange es noch warm war. Die Erleichterung, die ich dabei empfunden habe, war unglaublich. Ich musste sogar für eine Minute auf die Toilette verschwinden, um mich wieder zu beruhigen - damit meine ich, dass ich unaufhaltsam in ein durchnässtes Papierhandtuch geweint habe.

Diese unerwartete Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft mir gegenüber - einer komplett Fremden. Das war meine Einführung in das Café. In das Dorf. In die Gemeinschaft, von der ich jetzt, nach fast zwei Jahren, langsam zu sagen wage, dass es auch meine ist.

Es hat lange gedauert, weil ich misstrauisch und eigensinnig bin und immer vorsichtig, was unerwartete Freundlichkeiten angeht, doch inzwischen verstehe ich das alles besser. Dieser Ort ist wie Rudolphs Insel der Außenseiter, und irgendjemand ist immer mit einem Pflaster oder einem Löffel Medizin für die Seele zur Stelle.

Heute ist unser Leben mit dem Leben dieser Menschen verknüpft, wie ich es mir nie hätte vorstellen können. Die Cafétruppe hilft mir mit der Kinderbetreuung. Ich helfe ihnen mit anderen Dingen. Wir alle achten aufeinander. Es ist wie ein großer, wirrer, unförmiger Ball aus Schnüren, alle Richtungen führen zueinander.

Ich bin nach wie vor niemand, der auf den Festen, die das Café veranstaltet oder organisiert, gerne im Mittelpunkt steht - ich versuche noch immer, mich um die großen sozialen Events herumzumogeln -, aber es wird besser. Ich empfinde ansatzweise eine Sicherheit und Geborgenheit, wie ich sie seit dem Tod meiner Oma nicht mehr erlebt habe.

Saul sieht diesen Ort hier als sein Zuhause an. Er ist noch klein - er erinnert sich an kein Leben davor. Er hält Lynnie für seine schrullige Oma, Willow mit ihren rosa Haaren für eine Zeichentrickfigur, und Cherie ist die Königin der Welt.

Laura, die das Café leitet, ist für ihn die knuddeligste Frau überhaupt und Edie May eine magische Elfe mit einem winzigen Gesicht, die in einem Teekessel lebt.

Er denkt, dass alle Männer in Budbury - und es gibt einige davon - nur da sind, um mit ihm Fußball zu spielen oder am Strand spazieren zu gehen oder um ihm dort bei der Suche nach Fossilien zu helfen. Die Hunde von Budbury - Midgebo, Lauras schwarzen Labrador, Bella Swan, Willows Border-Terrier-Hündin, und den Rottweilermischling Rick Grimes von ihrem Freund Tom - hält er für seine ganz persönlichen Gefährten.

Ich mag meine Eltern und Jason zurückgelassen haben, doch ich habe so viel mehr gewonnen - ein ganzes Dorf mit den großherzigsten Menschen, denen ich je begegnet bin.

Saul zieht an meiner Hand, als wir uns den Türen nähern, seine kleinen Beine stapfen vorwärts, so schnell sie können, er ist wie ein Welpe an der Leine, der so schnell wie möglich hineinwill.

Hinein, wo eine Menge Spaß auf ihn wartet. Und wo es ein wenig seltsam wird. Seltsam auf eine gute Weise. Es gibt vieles, was man in einem Café erwartet - Tische mit rot karierten Tischdecken, einen großen Kühlschrank voller Erfrischungsgetränke, eine Kühlvitrine, vollgestopft mit Sandwichplatten, Salaten und riesig großen Kuchenstücken, eine Essensausgabe und eine Kasse. So weit alles ganz normal.

Doch dann sind da die Extras. Die Dinge, die dir sofort verraten, dass dies kein gewöhnlicher Ort ist. Die vielen Mobiles, die von der Decke herunterhängen, herunterbaumelnde Kuriositäten wie alte Schallplatten und Fische aus Pappmaschee. Ein halbes rotes Kajak. Die Ruder von einem Ruderboot. Fischernetze mit Lichterketten darin. Die Regale mit den wahllos hineingestellten Dingen - einer alten Nähmaschine, einem riesigen Fossil, Reihen von Büchern und Tischspielen und Puzzles.

Es ist wie ein Anti-Ikea - als hätte sich ein Kuriositätenladen mit einer...

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