Oiorpata

Von den Männertöterinnen
 
 
Books on Demand (Verlag)
  • 7. Auflage
  • |
  • erschienen am 7. Juli 2020
  • |
  • 388 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7519-4268-3 (ISBN)
 
Oiorpata - Männertöterinnen - nannten sie die einen, Amazoi - die Brustlosen - die anderen!
Das eine, weil sie sich keinem Mann unterordnen wollten und bereit waren, ihre Freiheit bis zum Äußersten zu verteidigen; das andere, weil sie ihren Töchtern, hieß es, die rechte Brust ausbrannten, damit diese beim Umgang mit Pfeil und Bogen nicht im Wege sei!
Für beides haben wir keine Beweise, ja, niemand weiß, ob die sagenhaften Kriegerinnen, die uns heute unter dem Namen Amazonen bekannt sind, überhaupt existiert haben!
Doch, wie sagt man - wo Rauch ist, ist auch Feuer! Keine Legende hätte über Jahrtausende Bestand, wenn sie nicht wenigstens einen Funken Wahrheit enthalten würde!
Diese Geschichte erzählt vom Schicksal dieser Kriegerinnen, vom Kampf und Sterben der Amazonen, und führt weit zurück in eine längst vergangene, durch Grausamkeit und Gewalt geprägte Zeit!

FANTASY FÜR ERWACHSENE!
7. Auflage
  • Deutsch
  • 0,46 MB
978-3-7519-4268-3 (9783751942683)
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Glaukippe

7.Tag des Ajjaru1, nachts

Ich schämte mich.

Weil ich vor ihnen weglief!

Mich ihnen nicht, wie es sich für eine Kriegerin gehört hätte, zum Kampf stellte, ihnen die Stirn bot! Doch dazu waren sie zu viele! Und ich hatte Angst, entsetzliche Angst!

Männer! Fünf, vielleicht sechs! Sie brachen hinter mir geräuschvoll wie eine Horde Eber durch den dunklen Wald! Rannten hinter mir her! Brüllend! Wütend! Trugen Speere, Äxte und Schwerter in den Fäusten! Verfolgten mich!

Ich hatte noch nicht an der Großen Vereinigung teilgenommen, aber ich wusste natürlich, dass das, was Männern sonst nur schlaff zwischen den Beinen herabbaumelte, nicht bloß zum Pinkeln da war. Doch als ich mich vorhin ganz kurz zu den Kerlen, die hinter mir her waren, umgeschaut hatte, sie näher, als es mir lieb gewesen wäre, hinter mir durch das Unwetter hatte laufen sehen, und genau in dem Moment ein Blitz über unseren Köpfen über den schwarzen Himmel gezuckt war, hatte ich sehen können, dass bei ihnen nichts mehr nach unten baumelte!

Und das machte mir noch mehr Angst!

Hatten die älteren Kriegerinnen uns Jüngere gründlicher, als uns lieb gewesen war, darüber aufgeklärt, welche grässlichen Sachen Männer mit uns machen würden, wenn sie uns lebendig in die Finger bekommen würden! Und bei der Großen Mutter! Ich wollte meine Jungfräulichkeit bestimmt nicht auf diese Weise verlieren!

Darum lief ich so schnell, wie mich meine Füße tragen konnten und es das Aufflackern der Blitze erlaubte, die über den Himmel zuckten und die schwarze Welt um mich herum in ein fahles, unheimliches Licht tauchten, in dessen Schatten Dämonen und Geister Zuflucht suchten. Was kümmerten mich Geister und Dämonen? In diesem Augenblick fürchtete ich mich nicht vor den Schattenwesen des Waldes, ich fürchtete mich vor den schnaufenden Kerlen hinter mir und ganz besonders vor dem, was sie da zwischen ihren Beinen hatten.

Ich rannte wie ein gehetztes Tier durch den dunklen Wald, konnte die Stämme der Schwarzfichten, die hier standen, kaum erkennen. Erst spät ausweichen. Manchmal zu spät! Prallte zweimal hart gegen einen, stieß mir den Kopf an. Ich lief einfach weiter, hielt dabei meine Brüste, die für ein Mädchen meines Alters recht groß waren und auf die ich, bevor dieser Wahnsinn begonnen hatte, auch ziemlich stolz gewesen war, mit meinen Händen fest, presste sie gegen mich, denn sie hüpften mir sonst bei jedem Schritt wild auf und ab und erwiesen sich, wie ich nun feststellen musste, beim Laufen als eher hinderlich! Mir dämmerte nun, warum sich die erfahrenen Kriegerinnen, besonders die, deren Brüste von ähnlicher Größe wie die meinen waren, breite Stoffstreifen darum wickelten, ihren Busen vor einem Kampf förmlich darin einschnürten. Nun, ich wollte es mir für die Zukunft zu merken, wenn es noch eine Zukunft für mich geben sollte!

Ich sah aus dem Augenwinkel - nein, ich ahnte es mehr - wie sich etwas neben mir in einen Fichtenstamm bohrte, darin steckenblieb und schrie vor Schreck! Ein Speer! Sie hatten einen Speer nach mir geworden!

Wie weit konnte ein Mann einen Speer wohl im Dunkeln werfen? Zwanzig, vielleicht dreißig Schritte? Wie nah waren sie mir? Ich zog meinen Kopf zwischen die Schultern, rannte geduckt weiter.

Wieder flog etwas an mir vorbei, verschwand irgendwo vor mir in der Dunkelheit und ich schlug wie einen Haken wie ein Hase, sodass mich auch der nächste Speer haarscharf verfehlte. Ich schrie erneut laut auf, erwartete jeden Moment von hinten einen Stoß zu spüren, der mich nach vorne werfen, meine Flucht beenden würde!

Doch der Göttin war Dank! Dies geschah nicht!

Dafür schien es plötzlich, als hätte die Göttin meine verzweifelten Gebete endlich erhört! Ein gewaltiger, ohrenbetäubend krachender Blitz zerriss über mir den Nachthimmel, ließ mich ein weiteres Mal erschrocken zusammenfahren, doch in seinem Licht sah ich zu meiner Linken Wasser glitzern, zeigte mir unsere Göttin den Weg hinunter zum Grünen Fluss, den die Hattier, soweit ich wusste, Zulija nannten. Ich konnte nicht anders, ich schrie vor Freude, rannte nach links, auf das Glitzern zu und spürte bald nassen, klammen Sand unter meinen Fußsohlen, rannte mit großen Sprüngen die Uferböschung hinunter und sah den Fluss zum Greifen nah vor mir.

Auf der anderen Seite würde ich in Sicherheit sein!

Dorthin würden mir die Kerle bestimmt nicht folgen!

Dort begann das Land Azzi, das Land der freien Frauen, und kein Mann, der auch nur ein bisschen Verstand in seinem Schädel hatte, würde mir dorthin folgen!

Ich wusste, dort warteten, nicht nicht weit vom Ufer entfernt, die Kameradinnen auf mich, würden mir beistehen können und begann zu hoffen, dass mich die Göttin doch nicht im Stich gelassen hatte, ich vielleicht am Leben bleiben würde!

Anders als die beiden anderen! Meine Freundinnen! Denn als wir den Zulija gestern weiter flussaufwärts überquert hatten, waren wir zu dritt gewesen.

Drei aufgeregte Mädchen, die darauf gebrannt hatten, das, was sie in den vergangenen Jahren gelernt hatten, endlich anwenden zu können, sich, wie es ihre Mütter und deren Mütter vor ihnen getan hatten, im Kampf zu beweisen. Wir waren Blutsschwestern gewesen, hatten uns von klein auf an gekannt, aber selbst diesen beiden gegenüber hätte ich nie eingestanden, dass ich dieses merkwürdige flaue Gefühl im Bauch gespürt hatte, als wir vor Kälte zitternd durch das eisige Wasser gewatet waren, das uns zum Glück nur bis zu den Hüften gereicht hatte. Wie hätte ich denn zugeben können, dass ich Angst gehabt hatte? Mich vor dem, was uns auf der anderen Seite des Flusses erwartete, fürchtete! Ich war doch eine Kriegerin. War stolz darauf! Und eine Kriegerin kannte doch keine Angst! Wie konnte es sein, dass ich mich da so fürchtete?

Tomyris selbst war am Abend davor zu uns ans Feuer gekommen, hatte sich mit einem Lächeln zwischen uns gehockt und uns gesagt, dass sie uns als Kundschafterinnen ausgewählt hatte, wir drei am nächsten Morgen gleich bei Sonnenaufgang aufbrechen sollten, um das Waldland jenseits des Flusses zu erkunden. Anders als in der freien Steppe, hatte sie uns erklärt, waren berittene Kriegerinnen einem zu Fuß kämpfenden Feind im Wald unterlegen, verloren dort im Dickicht den Vorteil, den ihnen in der Weite des Graslands die Schnelligkeit ihrer Pferde verschaffte. Darum sollten wir den Weg, den wir mit den Pferden nehmen wollten, vorab zu Fuß erkunden und sehen, ob dort Gefahren auf uns lauern würden. Natürlich hatten wir mitbekommen, dass einige der älteren Kriegerinnen unsere Königin davon hatten abhalten wollen. Sie hatten es für viel klüger gehalten, erfahrenere Kämpferinnen an Stelle von drei Küken über den Fluss zu schicken. Aber Tomyris hatte sich von ihrem Entschluss nicht abbringen lassen, hatte gemeint, drei Paar scharfer Augen und drei Paar flinker Füße seien besser als alle Erfahrung und Besonnenheit und hatte die Bedenken der Älteren beiseite gewischt. Es hieß, dass Mädchen in dem Alter, in dem sie langsam zur Frau wurden, dazu neigten, alles besser wissen zu wollen und Tomyris, die nur wenige Jahre älter war als wir selbst, konnte schon ein richtiger Dickkopf sein. Besonders wenn sie sich von den älteren Kriegerinnen nicht ernst genommen fühlte. Wie hätte sie denn wissen sollen, dass sie diesmal besser daran getan hätte, auf ihre erfahrenen Ratgeberinnen zu hören?

So waren Meroe, Iphinoe und ich früh aufgebrochen, hatten nur unsere Speere und einen mit frischem Wasser prall gefüllten Ziegenhautschlauch mit uns genommen, allen überflüssigen Ballast zurückgelassen, um möglichst schnell voranzukommen. Nur Iphinoe hatte noch, kurz bevor wir los gezogen waren, rasch nach ihrem Bogen und einem Dutzend Pfeile gegriffen, diese hastig in ihre mit Stickereien und bunten Glasperlen verzierte Pfeiltasche gestopft und mir mit einem Augenzwinkern zu gegrinst: »Ich habe keine Lust mit knurrendem Magen durch diesen blöden Wald zu marschieren! Du etwa?!«

Ich hatte nur den Kopf geschüttelt. Oft genug hatte ich neidisch mitansehen müssen, wie traumhaft sicher sie mit Pfeil und Bogen umgehen konnte. Sie hatte uns in den vergangenen Jahren, in denen wir gelernt hatten, was eine Kriegerin können musste, gerade mit dieser Waffe immer übertroffen und uns bei jedem Wettstreit, den wir unter den Augen unserer strengen Lehrmeisterinnen gegeneinander ausgetragen hatten, ziemlich dumm dastehen lassen. Warum hätte sie uns da nicht etwas zum Essen schießen sollen?

Als die rote Sonnenscheibe eine Handbreite über den Horizont gestiegen war, hatten wir das kalte Wasser des Grünen Flusses schon hinter uns gelassen und damit begonnen, uns im Gänsemarsch unseren Weg durch das verwilderte Unterholz des uralten und uns unheimlichen Föhrenwaldes zu bahnen. Es war unheimlich und dunkel darin gewesen. An einigen Stellen hatten die mit dickem Moos überzogenen Stämme so dicht beieinander gestanden,...

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