Blutiger Verrat. Ostfrieslandkrimi

 
 
Ein Fall für Joost Kramer (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 18. Juli 2019
  • |
  • 200 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-96586-012-4 (ISBN)
 

Es sollte Emilys großer Moment sein. Doch genau an dem Tag, als die junge Schauspielerin eine begehrte Fernsehrolle bekommt, wird sie von einem Auto überfahren. Der Fahrer flieht. Emily überlebt schwer verletzt, das Einzige, woran sie sich später erinnern kann, ist der Name »Olga«. Kurze Zeit danach erschüttert eine Entführungsserie Oldenburg und Ostfriesland. In allen Fällen handelt es sich um Kleinkinder, die meist wohlhabenden Eltern werden erpresst. Die Entführungen und die überfahrene Schauspielerin scheinen nichts miteinander zu tun zu haben - bis der ermittelnde Kommissar Joost Kramer auf einen verblüffenden Zusammenhang stößt. Bald darauf gerät ein verschwundenes Wohnmobil ins Zentrum der Ermittlungen. Zur Lösung des Falls bleibt aber nicht viel Zeit, denn eine weitere Entführung läuft völlig aus dem Ruder und mehrere Menschen geraten in tödliche Gefahr … In der „Joost Kramer ermittelt" - Reihe sind bisher erschienen: 1. Blutiger Wahn 2. Blutige Affäre 3. Blutiger Verrat Die Ostfrieslandkrimis von Dörte Jensen können unabhängig voneinander gelesen werden.

1. Auflage
  • Deutsch
Klarant
  • 0,25 MB
978-3-96586-012-4 (9783965860124)
weitere Ausgaben werden ermittelt

Rosenliebe


 

Oldenburg, Oktober

 

»Hast du schon eine Nachricht von der Agentur bekommen?« Celine strich sich eine Strähne ihres langen blonden Haares aus dem Gesicht und sah ihre Freundin erwartungsvoll an.

»Noch nicht. Im Gegensatz zu dir rechne ich auch nicht mit einer Hauptrolle in der neuen Fernsehserie >Rosenliebe<. Damit wirst du sicher berühmt werden«, antwortete Emily kopfschüttelnd. In Gegenwart der hübschen Arzttochter wurde ihr wieder einmal bewusst, dass sie neben der Achtzehnjährigen immer nur eine Krähe sein würde, die sich in einem Schönheitswettbewerb mit einem Papagei messen wollte.

»Noch habe ich sie nicht. Außerdem werden wir bei deinem Talent sicherlich bald gemeinsam vor der Kamera stehen. Wäre es nicht toll, wenn wir bei den Filmfestspielen in Cannes von den Fans begeistert empfangen werden und es hinter den Kulissen mit Schampus und knackigen Kerlen so richtig krachen lassen?« Celine klatschte begeistert in die Hände, als wollte sie sich selbst applaudieren.

»Dagegen hätte ich nichts einzuwenden. Leider wird es immer nur ein Traum bleiben.« Emily senkte den Kopf.

»Du musst positiver denken«, ermahnte sie Celine. »Mit deiner hellen Haut und den Sommersprossen hast du eines der Gesichter, nach denen die Agenturen neuerdings suchen. Immerhin hast du dich im Casting gegen mehr als siebenhundert Bewerberinnen durchgesetzt! Neben drei weiteren Kandidaten sind nur noch wir in der Endrunde.«

Emily seufzte. »Ich möchte mir keine falschen Hoffnungen machen. Du bewegst dich viel eleganter als ich. Neben dir fühle ich mich immer wie ein Trampeltier.«

»Das ist Blödsinn!«, entgegnete Celine energisch. »Schau doch mal in den Spiegel. Die gestreifte Bluse steht dir super. Dazu solltest du allerdings eine andere Hose tragen. Wo hast du den Gürtel eigentlich gekauft? Der ist total stylish.«

»Den habe ich in einem Onlineshop gefunden. Dafür habe ich meine Trinkgeldkasse geplündert.«

Emily betrachtete die Schnalle in Form eines Schmetter­lings in dem großen Wandspiegel von Celines Zimmer. In manchen Momenten wollte sie auch so unbeschwert durch ihr Leben flattern können. Aber diese Leichtigkeit war Menschen wie Celine vorbehalten, die von ihrem Vater schon als Kind wie eine Prinzessin behandelt worden war. Emily hingegen jobbte seit zwei Jahren in einem Eiscafé, da ihre Mutter als Hebamme gerade genug verdiente, um irgendwie über die Runden zu kommen.

Celine ging zu ihrem Kleiderschrank, der die ganze Wandbreite des Zimmers einnahm, und öffnete die weißen Holztüren. Mit den Fingern strich sie über die Kleidungs­stücke, die sich darin stapelten. Kurz darauf zog sie eine Designerjeans heraus und warf sie Emily zu.

»Die ist mir nicht eng genug, aber dir könnte sie passen.«

Emily zuckte unter den Worten wie unter Stromschlägen zusammen, denn im Gegensatz zu Celines war ihr Körper an einigen Stellen vielleicht etwas zu rundlich geworden. Emily zog ihre Hose aus, schlüpfte in die Jeans und zog den Gürtel durch die Schlaufen.

»Die passt perfekt!«, stellte sie nach der Anprobe fest.

»Du kannst sie behalten. Als angehender Filmstar musst du doch passend gekleidet sein.« Celine lächelte wohlwollend.

»Das Geschenk kann ich unmöglich annehmen. Weißt du, wie teuer diese Dinger sind?«

»Ich kenne die Preise.« Celine schüttelte den Kopf, als hätte ihre Freundin eine besonders dämliche Frage gestellt.

»Na gut. Danke. Das ist echt nett von dir.«

Emily drehte sich vor dem Spiegel einmal um die eigene Achse. In der Markenkleidung fühlte sie sich wie Cinderella. Leider hatte sie keinen Schuh, mit dem sie einen Prinzen auf sich aufmerksam machen konnte.

»In der Hose kommt die Gürtelschnalle erst richtig zur Geltung und .« Celine verstummte, als sie der Laptop mit einem Pling auf eine neue Nachricht aufmerksam machte. Zeitgleich vibrierte Emilys Smartphone, das sie gerade in die neue Hosentasche gesteckt hatte. Die beiden Freundinnen sahen sich erwartungsvoll an.

»Ist das eine Nachricht von der Agentur?«, wollte Emily wissen.

Ihre Hände zitterten vor Aufregung, als sie das Gerät aus der Hosentasche zog.

Celine ging zum Schreibtisch und starrte gebannt auf den Monitor ihres Laptops. »Ja, ist es! Eine Mail. Wollen wir sie gleichzeitig öffnen?«

Zu ihrer Verwunderung bemerkte Emily eine leichte Unsicherheit in Celines Stimme. Rechnete sie doch nicht mit einem Sieg? Aber wer sollte die Rolle sonst bekommen? Etwa diese eingebildete Schnepfe aus Frankfurt oder das aufgetakelte Modepüppchen aus München? Die fette Kuh aus Düsseldorf hatte ihrer Meinung nach auch keine Chance. »In Ordnung«, bestätigte sie.

»Bist du bereit?« Celine legte die Hand auf die Computermaus.

»Ja«, antwortete Emily, deren Herz nun wie verrückt klopfte.

»Bei drei öffnen wir die Mail. Eins, zwei und . drei!«, zählte Celine, wobei ihre Stimme am Ende leicht hysterisch klang. Die beiden tippten auf die Mail, die sich quälend langsam öffnete, bis Emily plötzlich frustriert schimpfte.

»So ein Mist! Ausgerechnet jetzt macht mein Akku schlapp.« Wütend starrte die Siebzehnjährige auf den schwarzen Bildschirm. »Ich habe kein Aufladekabel dabei und .« Emily verstummte, als sie Celines versteinertes Gesicht sah. Wenige Sekunden später griff sie nach dem Laptop und warf ihn mit einem Aufschrei gegen die Wand. Dort hinterließ das Gerät eine hässliche Schramme, bevor es zu Boden fiel. Dabei krachte es auf eine Ecke. Der Bildschirm wurde dunkel.

Emily sah ihre Freundin entgeistert an. »Hast du die Rolle nicht bekommen?«

»Frag nicht so dämlich!«, giftete sie.

»Wer hat das Casting denn dann gewonnen?«

»Keine Ahnung«, zischte Celine wütend. »Ich weiß nur, dass ich der Siegerin am liebsten den Hals umdrehen würde.«

»Stand der Name denn nicht in der Mail?«

»Deine blöde Fragerei geht mir auf die Nerven. In meiner Nachricht steht nur, dass ich die erste Anwärterin auf die Rolle bin, wenn die Gewinnerin ablehnt oder aus gesundheitlichen Gründen verhindert ist. Aber das wird wahrscheinlich niemals passieren.« Celine verzog das Gesicht zu einer Grimasse, die Emily ängstigte. So wütend hatte sie ihre Freundin noch nie erlebt.

»Ich bin sicher, dass du bald andere Rollen bekommen wirst«, versuchte sie daher zu beschwichtigen. »Ich werde meine Mail leider erst zu Hause öffnen können. Ich rufe dich danach sofort an.«

»Du kannst doch mein Ladekabel benutzen. Irgendwo müsste ich noch so ein Ding für die älteren Modelle haben.« Celine zog eine Schublade auf und wühlte darin herum. »Das hier müsste das richtige sein.« Sie reichte Emily ein dünnes Kabel. Diese verband es mit ihrem Smartphone. Kurz darauf war das Gerät wieder betriebsbereit.

Mit vor Aufregung zitternden Fingern gab sie den Sperrcode ein und klickte erneut auf die Mail. Jetzt schien sich die Nachricht noch langsamer zu öffnen, als wollte sie ihr Geheimnis wie einen wertvollen Schatz bewahren. Dann hatte Emily den Text endlich vor sich. Nachdem sie ihn gelesen hatte, schüttelte sie zunächst den Kopf. Dann liefen Tränen über ihre Wangen, auch wenn sie sich mit aller Kraft dagegen wehrte.

Celine legte ihr beruhigend eine Hand auf den Unterarm. »So eine Absage ist wirklich bitter. Wir waren schon fast am Ziel. Ich würde zu gerne wissen, welche Bitch .« Sie spie das Wort aus, als würde es sich dabei um ein ekelhaftes Insekt handeln. ». die Rolle bekommen hat. Ich werde ihr so lange die hässliche Visage zerkratzen, bis sie nur noch in Horrorfilmen spielen kann. Als Leiche.«

»Das kann ich dir sagen«, flüsterte Emily. »Ich verstehe es nur nicht.«

»Was verstehst du nicht?« Celine stemmte die Hände in die Seiten.

»Warum ich als Hauptdarstellerin ausgewählt wurde.«

»Du?« Celine dehnte das Wort wie Kaugummi. »Das ist unmöglich!«

Sie riss Emily das Smartphone aus der Hand. Dabei verhakte sich die Steckverbindung des Kabels und es fiel zu Boden. Ein hässlicher Riss zog sich quer über das Display, aber das schien Celine kein bisschen zu interessieren. Ungläubig las sie die Nachricht wieder und wieder, während Emily danebenstand und sich nicht rührte.

»Das kann einfach nicht wahr sein!«, schrie Celine plötzlich wie von Sinnen. »Das war meine Rolle! Keine andere .« Sie verstummte und sah Emily an, als würde sie ihre Anwesenheit erst jetzt bemerken. Sekundenbruchteile später lächelte Celine unbeholfen. »Entschuldige, ich hätte mich nicht so gehen lassen dürfen. Ich freue mich für dich! Komm, lass dich drücken!« Celine nahm sie in den Arm. Zum ersten Mal fühlte sich Emily in...

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