Die abenteuerliche Reise der Clara Wynn

Roman
 
 
dotbooks Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 12. Januar 2018
  • |
  • 328 Seiten
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-96148-183-5 (ISBN)
 
Sie wächst über sich hinaus, um die zu retten, die sie liebt: "Die abenteuerliche Reise der Clara Wynn" von Thomas Jeier jetzt als eBook bei dotbooks. Nach dem plötzlichen Tod ihrer Eltern muss die junge Clara Verantwortung übernehmen: für die erfolgreiche Tuchfabrik ihrer Familie, ihr Erbe, ihren leichtsinnigen Bruder Robert. Als dieser die Fabrik verspielt und auch noch eine russische Adelige angreift, bleibt Clara und Robert nichts anderes übrig, als vor deren rachsüchtigen Brüdern aus New York zu fliehen. Im kanadischen Westen wollen sie neu anfangen, und schon kurz darauf findet Clara an der Seite des irischen Geschäftsmanns Jack das große Glück ... doch Robert sorgt immer wieder für Ärger, und auch die russischen Brüder geben nicht so schnell auf. Als Clara erfährt, dass sie hoch oben im Norden Alaskas planen, Robert in einen Hinterhalt zu locken, begibt sie sich auf eine gefährliche Reise über den Yukon River, um ihn zu warnen ... "Es ist immer ein Genuss, ein Buch von Thomas Jeier zu lesen." Bücherschau Wien Jetzt als eBook kaufen und genießen: "Die abenteuerliche Reise der Clara Wynn" des preisgekrönten Bestsellerautors Thomas Jeier. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.
  • Deutsch
  • 1,10 MB
978-3-96148-183-5 (9783961481835)
3961481830 (3961481830)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Thomas Jeier wuchs in Frankfurt am Main auf, lebt heute bei München und "on the road" in den USA und Kanada. Seit seiner Jugend zieht es ihn nach Nordamerika, immer auf der Suche nach interessanten Begegnungen und neuen Abenteuern, die er in seinen Romanen verarbeitet. Seine über 100 Bücher wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt und mehrfach ausgezeichnet. Bei dotbooks erscheinen folgende Titel des Autors: "Biberfrau" "Die Tochter des Schamanen" "Das Lied der Cheyenne" "Die Sterne über Vietnam" "Die abenteuerliche Reise der Clara Wynn" "Flucht durch die Wildnis" "Sie hatten einen Traum" Die Website des Autors: www.jeier.de Der Autor im Internet: www.facebook.com/thomas.jeier

1


Der 22. September 1897 war ein sonniger Herbsttag, viel zu warm für diese Jahreszeit, und ich saß unter dem offenen Fenster und las in der New York Times, als es klopfte. Unser Diener erschien in der Tür und verbeugte sich. »Mr Jonathan Burke, Ma'am! Er wartet im Salon. Er macht einen sehr aufgelösten Eindruck, wenn ich mir diese Bemerkung erlauben darf!«

Ich legte die Zeitung auf den Beistelltisch und stand auf. Jonathan war unser Buchhalter, ein lieber und vertrauter Freund seit vielen Jahren, und es verhieß nichts Gutes, wenn er unangemeldet in unserem Wohnhaus erschien. »Danke, John«, erwiderte ich, »sagen Sie ihm, dass ich komme!« Ich wartete, bis der Diener gegangen war, blickte in den Spiegel und puderte hastig meine geröteten Wangen. Meine Aufregung war groß und ich ahnte, dass mich eine schlechte Nachricht erwartete. Ich legte einen Schal um meine Schultern und stieg die geschwungene Treppe ins Erdgeschoss hinunter. Die Tür zum Salon stand offen.

Jonathan stand neben dem Fenster, ein stämmiger Mann mit schütterem Haar, und begrüßte mich höflich. »Tut mir Leid, dass ich Sie auf diese Weise überfalle, aber es ist wirklich sehr dringend!«, entschuldigte er sich und legte seine Aktenmappe auf das Klavier. Ich erkannte an seinem unsteten Blick, dass er sich ernsthafte Sorgen machte. Seine Nervosität wirkte ansteckend.

»Was gibt es denn, Jonathan? Haben Sie sich an der Börse verkalkuliert?« Jonathan Burke war in unsere Firma eingetreten, als meine Eltern noch gelebt hatten, und verwaltete unser Vermögen. Er genoss mein volles Vertrauen und mein Bruder und ich hatten ihm freigestellt, mit einem Teil des Geldes an die Börse zu gehen. »Oder hat Robert wieder über die Stränge geschlagen?« Sein Gesicht blieb besorgt und ich fragte: »Etwas Ernstes?«

»Sehr ernst, Miss Clara!« Er hatte mich schon als kleines Mädchen gekannt und durfte mich beim Vornamen nennen. »Ich habe einen Brief von Isaac Levinsky erhalten.« Der Tuchhändler besaß mehrere Fabriken und war der Wortführer der polnischen Juden, die während der letzten Jahre nach Amerika gekommen waren. Sie beschäftigten billige Arbeitskräfte von der Lower East Side, setzten ganze Heerscharen von hungrigen Frauen an die Nähmaschinen und unterboten die Preise der amerikanischen Konkurrenz. Wir hatten nur mithalten können, weil wir langfristige Verträge mit einer Kaufhauskette abgeschlossen und eine Kollektion von Modellkleidern herausgebracht hatten, die sogar in San Francisco gekauft wurden. Aber es hatte unseres gesamten Vermögens bedurft, um mit der Herausforderung fertig zu werden. »Levinsky ist im Besitz eines Schuldscheines, den Ihr Bruder nach einem Würfelspiel ausgefüllt hat! Er fordert einen sechsstelligen Betrag, den ich gar nicht auszusprechen wage!«

Er öffnete die Aktenmappe und zog den Brief heraus. »Sehen Sie selbst! Ich brauche Ihnen wohl nicht zu sagen, was der Verlust einer solchen Summe für die Firma bedeuten würde.« Er reichte mir das Schreiben und ich blickte ungläubig auf die Zahl. »Wir wären bankrott, Miss Clara! Wir müssten die Fabrik verkaufen und könnten von Glück sagen, wenn wir unsere Aktien mit Gewinn abstoßen und unsere Verbindlichkeiten damit abdecken könnten!« Er schnaufte verzweifelt. »Ich weiß nicht, was in Ihren Bruder gefahren ist! Er muss doch wissen, dass uns die Banken keinen Kredit mehr geben! Warum tut er so etwas? Warum?«

Ich wusste es auch nicht. Meine Eltern waren vor zwei Jahren tödlich verunglückt und ich hatte unsere Firma zusammen mit meinem Bruder und Jonathan Burke geführt. Ich war zur Schule gegangen und hatte die letzten Jahre meiner Lehrjahre auf einem vornehmen College zugebracht, zu der damaligen Zeit sehr ungewöhnlich, weil man in unseren Kreisen der Meinung war, dass ein Mädchen nur geboren wurde, um einen reichen Mann zu heiraten, schöne Kleider zu tragen und Konversation zu führen. Aber mein Vater war ein sehr fortschrittlicher Mann gewesen und hatte auf eine gute Ausbildung gedrängt. »Ich möchte, dass du deinem Bruder hilfst, unsere Firma zu führen, wenn ich nicht mehr da bin«, hatte er gesagt. Wahrscheinlich schätzte er Robert so ein, wie ich ihn nach dem Tod meiner Eltern kennen gelernt hatte. Als leichtsinnigen Spieler, der nichts von Arbeit wissen wollte und das Geld mit beiden Händen zum Fenster hinauswarf. Robert war dafür bekannt, dass er bei Pokerspielen und Pferderennen hohe Summen verspielte und leichte Mädchen zu Champagner und Kaviar einlud. »Eine sechsstellige Summe?« Ich schüttelte ungläubig den Kopf. »Robert ist ein leichtsinniger Bursche, aber so viel kann selbst er nicht an einem Tag verspielen! Haben Sie die Sache überprüft?«

»Natürlich«, antwortete Jonathan mit einem Kopfnicken. Er stand neben dem Klavier und fuhr mit einem Finger zwischen seinem Hals und dem gestärkten Kragen entlang. Er schwitzte stark. »Ich habe mich sofort mit Isaac Levinsky in Verbindung gesetzt. Er hat mir den Schuldschein gezeigt und keinen Zweifel daran gelassen, dass er ihn zum vereinbarten Termin einzulösen gedenkt. Der Betrag ist in einer Woche fällig!« Er zog ein Taschentuch hervor und tupfte sich den Schweiß von der Stirn. »Woher soll ich das Geld nehmen? Wir haben alles in neue Maschinen investiert und einen Kredit aufgenommen! Die Banken geben uns nichts mehr!« Er zog eine Kladde aus seiner Aktentasche und reichte sie mir.

Ich vertiefte mich in die Aufzeichnungen und stellte fest, dass wir an die Grenze unserer Belastbarkeit gegangen waren. Unter dem Druck der osteuropäischen Juden, die mit ihren Textilfabriken zu einer ernsthaften Konkurrenz für alle amerikanischen Tuchfabriken geworden waren, hatten wir in neue Fabrikhallen und Nähmaschinen investiert und waren in einen finanziellen Engpass geraten, der nicht mal eine vierstellige Privatentnahme rechtfertigte. Wenn wir das Geld, das Robert dem reichen Tuchhändler schuldete, nicht auftreiben konnten, mussten wir verkaufen.

Ich ließ die Kladde sinken und starrte auf die gerahmte Fotografie meiner Eltern, die auf der englischen Kommode stand. Das Bild war während der Weltausstellung in Chicago entstanden, ein wohlhabendes Ehepaar vor einem Springbrunnen, meine Mutter in einem teuren Modellkleid aus Paris, einen extravaganten Hut mit einer großen Feder auf den hochgesteckten Haaren, und mein Vater in Anzug und Zylinder, die linke Hand auf einen Spazierstock gestützt. Er hatte meinen Bruder richtig eingeschätzt und seine ganze Hoffnung auf mich gesetzt und ich hatte ihn enttäuscht. Mein Bruder war immer leichtfertig mit unserem Vermögen umgegangen und ich hatte es nicht geschafft, ihn nachdrücklich an seine Verantwortung zu erinnern. »Was ist mit dem Haus?«, fragte ich. »Hat er das auch beliehen?«

»Ich glaube nicht«, antwortete Jonathan. Er nahm die Papiere und steckte sie in die Aktentasche. Seine Stimme klang bedrückt, als er fortfuhr: »Ich weiß nicht mehr, was ich tun soll, Miss Clara! Bei den Banken war ich bereits und habe mir eine Abfuhr nach der anderen geholt! Die wirtschaftliche Lage sei zu unstabil. Wenn ich so was schon höre! Levinsky hat bestimmt dafür gesorgt, dass sie von dem Schuldschein erfahren! Er will billig an unsere Fabrik kommen, und so wie es aussieht, hat er auch Erfolg mit dieser Taktik! Wenn wir das Geld nicht auftreiben, muss ich ihm die Fabrik für einen Spottpreis verkaufen. Es geht nicht anders. Ich habe alles getan, was in meiner Macht steht ...«

»Ich weiß, Jonathan. Es ist nicht Ihre Schuld. Sie können nichts dafür, dass mein Bruder über die Stränge schlägt.«

Ich ging ein paar Schritte und schloss für einen Augenblick die Augen. Ich verspürte tiefen Schmerz über den Leichtsinn meines Bruders, der unsere Familie an den Rand des Ruins getrieben hatte, und für meinen Vater, dessen Lebenswerk in die Hände der Konkurrenz fiel, wenn in der nächsten Woche kein Wunder geschah.

»Was werden Sie tun, Miss Clara?«, fragte Jonathan.

Ich öffnete die Augen und blickte den Buchhalter entschlossen an. »Noch haben wir nicht verloren, Jonathan. Ich werde versuchen, das Geld aufzutreiben! Ich werde den Bankiers schöne Augen machen, dann leihen sie mir die Summe bestimmt.« Ich wusste selber, wie trügerisch diese Hoffnung war, und lächelte trotzig. »Mir fällt schon etwas ein. Wenn alle Stricke reißen, verkaufen wir die Fabriken und investieren in ein neues Unternehmen. Oder wir beteiligen uns an einer anderen Firma. So schnell gehen die Wynns nicht unter! Mein Großvater hat die Schlacht von Gettysburg überlebt, haben Sie das gewusst?« Wir wussten beide, dass es beinahe unmöglich war, mit einem kleinen Unternehmen gegen die übermächtige Konkurrenz der Einwanderer zu bestehen. »Und wenn der Erlös nicht reicht, verkaufe ich das Familiensilber. Vielleicht arbeite ich sogar für Mister Levinsky?« Ich verbesserte mich rasch, als ich den entsetzten Ausdruck in Jonathans Augen sah. »Ich bin neunzehn, Jonathan! Mein Vater hätte bestimmt nicht gewollt, dass ich klein beigebe. Mach etwas aus deinem Leben, hätte er gesagt, und hör nicht auf deinen verrückten Bruder! Nimm dein Schicksal in die eigenen Hände!«

»Ihr Vater war ein kluger Mann«, sagte Jonathan. Er nahm seine Aktenmappe und verabschiedete sich von mir. Seine Augen waren feucht, aber er lächelte. »Leben Sie wohl, Miss Clara! Ich melde mich, sobald ich etwas Neues berichten kann ...«

Ich wartete, bis er gegangen war, und griff nach dem Bild meiner Eltern. Ihr Tod hatte mich sehr getroffen. Sie waren von einem der neuen Omnibusse überfahren worden und im Krankenhaus gestorben. Ich träumte heute noch davon. Gegen diesen Schicksalsschlag war der Bankrott unseres Unternehmens das kleinere Übel. Ich war anders als meine Eltern und mein Bruder, hatte persönlichem Besitz niemals große...

Dateiformat: EPUB
Kopierschutz: ohne DRM (Digital Rights Management)

Systemvoraussetzungen:

Computer (Windows; MacOS X; Linux): Verwenden Sie eine Lese-Software, die das Dateiformat EPUB verarbeiten kann: z.B. Adobe Digital Editions oder FBReader - beide kostenlos (siehe E-Book Hilfe).

Tablet/Smartphone (Android; iOS): Installieren Sie bereits vor dem Download die kostenlose App Adobe Digital Editions (siehe E-Book Hilfe).

E-Book-Reader: Bookeen, Kobo, Pocketbook, Sony, Tolino u.v.a.m. (nicht Kindle)

Das Dateiformat EPUB ist sehr gut für Romane und Sachbücher geeignet - also für "glatten" Text ohne komplexes Layout. Bei E-Readern oder Smartphones passt sich der Zeilen- und Seitenumbruch automatisch den kleinen Displays an. Ein Kopierschutz bzw. Digital Rights Management wird bei diesem E-Book nicht eingesetzt.

Weitere Informationen finden Sie in unserer E-Book Hilfe.


Download (sofort verfügbar)

5,99 €
inkl. 19% MwSt.
Download / Einzel-Lizenz
ePUB ohne DRM
siehe Systemvoraussetzungen
E-Book bestellen