Wake 6 - Die Apokalypse

 
 
Books on Demand (Verlag)
  • 2. Auflage
  • |
  • erschienen am 22. November 2019
  • |
  • 404 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7504-6299-1 (ISBN)
 
Mias Freunde machen sich auf die Reise, um das fortzuführen und zu vollenden, was schon vor so langer Zeit begonnen hat: Das Erwachen der Menschheit. Auf der Welt und in den Menschen kehrt Frieden ein, doch die Dunkelheit bäumt sich in ihrem Kampf ums Überleben immer noch auf und versucht das Vorhaben der Lichtkrieger und dessen Auswirkungen aufzuhalten.

Es scheinen nur noch die letzten Atemzüge eines vergangenen Zeitalters zu sein, doch sie sind kräftig genug, um das Leben aller X-Mitglieder zu gefährden und alles noch einmal zum Kippen zu bringen.

Während die Gefahr ungebrochen scheint, begeben sich Aina und Emilia auf die Suche nach Mias Vater, nicht ahnend, was sie erwarten wird, nachdem sich das Machtgefühle der Dunkelheit in seinen letzten Atemzügen zu befinden scheint.

Doch von Rece und Angor fehlt jede Spur.


Das Finale der Wake-Reihe geht in der Parallelgeschichte "Soar" weiter und wird in "Thrive" fortgesetzt. Mehr Informationen gibt es auf der Webseite der Autorin: www.sasajay.de
2. Auflage
  • Deutsch
  • 0,67 MB
978-3-7504-6299-1 (9783750462991)
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1


Mel


Die Erde bebte. Und der Sturm peitschte ihr den Regen ins Gesicht, als wolle er sie für ihre Dummheit bestrafen. Und für ihre Naivität. Ihr liefen Tränen über das Gesicht und vermischten sich mit dem Regen. Immer wieder tauchte er vor ihrem inneren Auge auf. Seine toten, erschrockenen Augen, sein aufgerissener Mund und das Entsetzen in seinen Gesichtszügen. Er war genauso dumm gewesen wie sie. Genauso überheblich. Genauso naiv. Sie hatten dieses Mädchen unterschätzt. Mia. Das Mädchen, von dem all diese Teenager glaubten, sie sei die Tochter des Teufels. Sie hatten über diese dummen Jugendlichen gelacht. Seit Jahren. Kein Wort hatten sie ihnen geglaubt. Selbst dann nicht, als diese angeblichen Vampire über sie hergefallen waren. Natürlich nicht. Wer würde solch einen Schwachsinn auch nur eine Sekunde lang in Betracht ziehen? Aber irgendetwas war mit diesem Mädchen. Etwas, das nicht normal war. Sie war nicht einfach nur eine Übersinnliche. Das hatte sie deutlich gesehen. Und gespürt.

Aber diese Erkenntnis kam zu spät. Sie hatten ihren Freund umgebracht. Und der Typ, der sie ausgefragt hatte - sie seufzte - er hatte ihr wahrscheinlich eine Gehirnwäsche verpasst. Plötzlich hinterfragte sie ihre gesamte Existenz. Sie wusste nicht, wie er es gemacht hatte, aber seit sie in seine Augen gesehen hatte, war ihr Weltbild völlig zerstört worden. Sie wusste nicht mehr, was falsch und was richtig war. Ob sie auf der richtigen Seite kämpfte, oder... ob er womöglich recht hatte.

Langsamen Schrittes ging sie auf das Gebäude zu. Der Schriftzug O.R.K.A prangte silber an der Fassade und wirkte auf einmal wie eine Provokation. Sie fragte sich, ob die Worte darin - Regulation und Kontrolle - nicht vielleicht ihnen galten, anstatt den Übersinnlichen, die sie bekämpften.

Ein paar Männer in Anzügen rannten aus dem Gebäude, hielten sich ihre Aktenkoffer über den Kopf und stiegen eilig in ihre Autos. Dann fuhren sie so schnell davon, dass sie Mel fast über den Haufen fuhren. Sie ging über den Parkplatz und sah zu den oberen Fenstern hinauf. Dort brannte Licht und ein paar Leute huschten gehetzt an den Vorhängen vorbei. Ob sie ihretwegen so aufgewühlt waren? Weil sie den Kampf gegen Mia verloren hatte? Sie erinnerte sich an den Leitspruch: Jeder, der nicht konvertiert wird, ist eine potentielle Gefahr. Und das galt natürlich insbesondere für Übersinnliche der Kategorie 10. Hauten sie deswegen alle ab? Weil sie Angst vor einem Vergeltungsschlag hatten? Wieder liefen Leute aus dem Gebäude. Ein paar Frauen und zwei Männer. Doch keiner von ihnen gehörte zu den Außersinnlichen, die in diesem Gebäude trainiert wurden.

Als Mel die Tür öffnete und die Halle betrat, herrschte plötzlich eine verstörende Stille. Die Frau an der Rezeption las ein Buch und der Hausmeister spazierte gemächlich von einer Seite der Halle zur nächsten und klapperte dabei verspielt mit seinen Schlüsseln. Rechts von ihr ging ein Mann im Anzug von einem Büro ins nächste und war dabei so in seine Unterlagen vertieft, dass er fast gegen die Tür lief.

Im Korridor, der links von der Halle abging, sah Mel einen der Mitarbeiter von Sektion 7. Schnell lief sie zu ihm. »Daniel!«, rief sie.

Als sie vor ihm stand, sah er sie überrascht an. »Bist du jetzt erst zurück gekommen?«

Sie nickte entschuldigend und senkte den Kopf. »Ich musste nachdenken«, erklärte sie und war gerade selbst etwas überrascht über ihren Ungehorsam. Früher war sie immer direkt nach einem Auftrag zurückgekehrt. Was hatte dieser Typ bloß mit ihr gemacht? Als sie wieder aufsah, erkannte sie in Daniels Augen ein leichtes Entsetzen. Es blitzte nur kurz auf. Danach zeigte er ihr ein mitfühlendes Gesicht.

»Ja, wir haben von deinem Verlust gehört. Tut mir sehr leid. Er war ein guter Kerl«, bekundete Daniel sein Mitgefühl. Doch es klang nicht echt. Eher wie eine Floskel, die man so dahin sagte, sie aber nicht so meinte.

Sie spürte den Schmerz in ihrer Brust viel zu intensiv, denn ihr schossen erneut Tränen in die Augen. Doch sie versuchte, sie weg zu zwinkern. »Hast du gewusst, dass die das können?«, fragte sie beherrscht.

Er zwinkerte ein paar Mal. Das machte er immer, wenn er nicht wusste, was er sagen sollte. Das kannte sie schon. Doch was sie nicht kannte, war die Tatsache, dass sie auf einmal seine Gedanken hören konnte! Sie hatte nie die Gedanken der Mitarbeiter gehört. Keiner von ihnen hatte das. Sie waren ihnen immer verborgen geblieben. Doch jetzt hörte sie, was in seinem Kopf vorging und es erschreckte sie zutiefst.

Sie sollte solche Fragen nicht stellen. Was ist mir ihr los? Hat jemand ihre Manipulation gebrochen? »Nein«, sagte er zwischen seinen Gedanken. »Wir sind genauso überrascht darüber. Sie scheinen stärker zu sein, als wir angenommen haben.« Sie kann froh sein, dass sie noch lebt, dachte er weiter. Aber der Plan ist aufgegangen. Mia ist ihrem Erwachen ein Stück näher gekommen. Angor ist sehr zufrieden.

Sie sah ihn erschrocken an. Was dachte er da? Angor? Sollte das bedeuten, dass er auch an diese verrückte Teufelsgeschichte glaubte? Und was meinte er mit Manipulation?

»Ruh' dich erst einmal aus«, sagte er fürsorglich und tätschelte ihre Schulter. Dann schüttelte er seine Hand aus. »Und trockne dich ab. Ich komme später rauf, um nach dir zu sehen.« Mit diesen Worten ging er an ihr vorbei und zog sofort sein Handy aus der Hosentasche.

Mel drehte sich zu ihm um und sah ihm skeptisch nach. Die Zweifel in ihr wurden immer lauter. »Warum schickt ihr uns nicht raus?«, rief sie ihm nach.

Er blieb stehen. Und einen Moment lang schien er wie erstarrt zu sein. »Wie bitte?«, fragte er, als er sich zu ihr umdrehte.

»Da draußen wütet ein Sturm. In den Nachrichten sagen sie, dass Dächer abgerissen wurden und Brücken einstürzen. Menschen sind verletzt. Warum werden wir da nicht hin geschickt, um zu helfen? Wir könnten weiß Gott mehr ausrichten als die Feuerwehr!« Sie konnte ihre Wut nicht verbergen. Die Übersinnlichen saßen hier däumchendrehend in dem Gebäude, während draußen Menschen starben. Noch nicht ein einziges Mal hatten sie sie raus geschickt, um den Opfern dieser Naturkatastrophen zu helfen. Und in den letzten Wochen hatte es mehr Katastrophen gegeben, als man zählen konnte. Sie wusste nicht, warum sie sich diese Fragen auf einmal stellte. Vorher waren sie ihr nie durch den Kopf gegangen.

»Das ist nicht euer Job«, sagte Daniel hart und sah sie dabei wütend an. Irgendetwas ist mir ihr passiert, dachte er weiter. Sie sollte nicht dazu in der Lage sein, unsere Befehle zu hinterfragen. Ich muss sie melden. Warum höre ich ihre Gedanken nicht?

Sie erschrak innerlich. Er hörte ihre Gedanken nicht? Sollte das heißen, dass er sie ansonsten immer hörte? »Und was ist unser Job?«, fragte sie ihn und spürte, wie die Wut immer weiter in ihr anstieg. Sie konnte nicht mehr begreifen, warum sie überhaupt hier war. Um Teenager zu verprügeln? Um Kriege zu gewinnen? War sie eine Marionette der Regierung geworden? Ursprünglich war sie hierher gekommen, weil diese Leute ihr eingeredet hatten, dass sie Gutes taten und dafür sorgten, dass Recht und Ordnung aufrecht erhalten wurden. Doch jetzt war sie sich da nicht mehr so sicher. Was hatte sie in all den Jahren schon Gutes getan? Sie hatte gemordet, bespitzelt, geprügelt und manipuliert. Alles im Namen der Gerechtigkeit. Aber rechtfertigte die Gerechtigkeit brutale Gewalttaten?

»Das weißt du sehr genau«, entgegnete Daniel drohend.

»Ja, Menschen verprügeln, die das tun, was wir eigentlich tun sollten. Diese Teenager sind da draußen und ziehen Menschen aus den Flüssen oder retten sie aus brennenden Häusern. Ich habe sie gesehen!«, sagte sie und überlegte, ob sie jemals schon einem Menschen etwas Gutes getan oder geholfen hatte. Sie musste diese Frage leider verneinen.

Daniel platzte fast vor Wut. Das sah sie ihm an. »Diese Teenager sind eure Feinde!«, schrie er sie an.

»Warum? Weil sie Menschen helfen?«, schrie Mel zurück. »Oder weil sie die Menschen auf die Missstände unserer beschissenen Gesellschaft aufmerksam machen?« Plötzlich stockte sie. Warum verteidigte sie diese Jugendlichen auf einmal?

Die Frau an der Rezeption sah jetzt auf. »Alles in Ordnung?«, fragte sie und hielt ihren Finger bereits an den Notfallknopf. Dieser war dazu da, sofort Hilfe anzufordern, wenn einer der Übersinnlichen außer Kontrolle geriet.

»Weil sie die Ordnung gefährden!«, schnauzte Daniel und hob die Hand, um der Frau an der Rezeption zu bedeuten, dass sie sofort Hilfe anfordern sollte.

Mel wurde immer wütender. Sie warf die Frau mit nur einem Blick aus dem Stuhl und ließ vor ihr ein Trugbild entstehen, das ihr ein widerliches Monster zeigte....

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