Das kleine Eiscafé - Teil 2

Inselglück und Schokoeis
 
 
Aufbau (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 14. Februar 2020
  • |
  • 60 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-8412-2503-0 (ISBN)
 
Schokoladeneis - Was die Sinne verführt. Obwohl sie mit der Liebe eigentlich abgeschlossen hat, lässt Sophie sich auf Langeoog vom charmanten Eisdielenbesitzer Riccardo umgarnen und merkt nicht, wer es wirklich gut mit ihr meint ... Gleichzeitig droht ihrem Kiosk das endgültige Aus.
1. Auflage
  • Deutsch
  • Berlin
  • |
  • Deutschland
  • 1,93 MB
978-3-8412-2503-0 (9783841225030)
weitere Ausgaben werden ermittelt

Fenna Janssen wurde in Lübeck geboren und wuchs in Hamburg auf. Viele Jahre war sie als Journalistin für diverse Zeitungen tätig. Inzwischen arbeitet sie erfolgreich als Autorin und bleibt auch in ihren Büchern ihrer norddeutschen Heimat treu.

Im Aufbau Taschenbuch ist bereits ihr Roman „Der kleine Inselladen" erschienen.

1. Kapitel


Der Monat Juli brachte dem Norden Deutschlands bestes Sommerwetter. Manch einer stöhnte über die ungewöhnliche Hitze, aber wer das Glück hatte, in Meeresnähe zu sein, der genoss an strahlenden Tagen die warme Sonne und in lauen Nächten den Blick auf den gar nicht so kühlen Mond und die besonders hell glitzernden Sterne. Auf Langeoog beschwerte sich niemand über die Temperaturen. Am hohen blauen Himmel waren nur von Zeit zu Zeit ein paar freundliche Schäfchenwolken zu sehen, keine Gewitterfront verhagelte den Gästen ihre kostbaren Urlaubstage, und die Einheimischen freuten sich über ein Bombengeschäft.

Na ja, nicht alle, dachte Sophie und versuchte, sich ein paar Sorgenfalten aus der Stirn zu wischen. Es gelang ihr nicht. Sie fühlte sich, als sei sie nicht nur einen Monat, sondern mindestens ein Jahr älter geworden. So viel war auf sie eingestürzt, seit sie nach Langeoog zu ihrer Tante Freda gekommen war, um ein neues Leben zu beginnen. Ein Leben als stolze Besitzerin eines Eiscafés direkt am Strand hatte sie sich vorgestellt, als sie damals hier angekommen war, im Gepäck einen großen Liebeskummer und eine fast ebenso große, alte Eismaschine.

Sophie seufzte schwer und ließ sich auf das rote Mäuerchen am Denkmal für Lale Andersen sinken. Sie hatte einen Strandspaziergang unternommen, um endlich den Kopf freizukriegen, aber obwohl sie eine beachtliche Strecke zu Fuß zurückgelegt hatte, war sie innerlich kein Stück weitergekommen.

Nun hockte sie am späten Nachmittag hier wie ein Häufchen Elend und sah zum Wasserturm hinauf, als könnte der ihr helfen.

»Du stehst da seit mehr als hundert Jahren«, flüsterte sie. »Also musst du wissen, wie es geht, dass man auf der Insel bleiben kann.«

Denn das war das Einzige, was Sophie sicher wusste: Sie wollte nicht mehr fort. Obwohl sie es schwer hatte, obwohl alles sich gegen sie wandte - ihr Platz war hier auf Langeoog, nicht mehr in Frankfurt. Wenn sie über die manchmal spiegelglatte Oberfläche des Meeres schaute, fühlte sie sich ruhig, wenn die Nordsee hohe Wellen an den Strand warf, spürte sie eine neue Kraft, die sie vorher nicht an sich gekannt hatte, und wenn es in Strömen regnete, war es, als wollte der Himmel sie reinwaschen von allen Sorgen. Okay, geregnet hatte es seit zwei Wochen nicht mehr, aber sie wusste genau, wie gut es tat.

So hatte sie in Frankfurt nie empfunden, und sie dachte gar nicht daran, dieses herrliche Gefühl aufzugeben.

Ihr Blick ging wieder zum Turm. Weiß gestrichen mit rotem Dach, einem achteckigen Sockel und einem breiteren oberen Wassertank mit kleinen angedeuteten Fenstern, das war das Wahrzeichen Langeoogs. Obenauf befand sich noch ein kleines, begehbares Dachgeschoss mit Aussichtsfenstern, das ebenfalls mit roten Dachpfannen gedeckt war. Der Turm stand markant auf der Kaapdüne am seeseitigen Ende der Hauptstraße. Das Original wurde 1909 fertiggestellt, nachdem zwei Jahre zuvor eine schwere Sturmflut die meisten Hausbrunnen der Insel versalzen hatte. Er fasste rund hundert Kubikmeter Wasser und half damals sowohl Insulanern wie auch den immer zahlreicher kommenden Badegästen dabei, die trockenen Sommermonate zu überstehen.

Sophie war schon als Kind nach oben gestiegen, hatte übers Meer und auf die Nachbarinseln geschaut, und einmal, an einem besonders klaren Tag, hatte sie in weiter Ferne sogar Helgoland erspäht. Heute zog sie nichts hinauf, denn sie bemerkte, wie die Besucher sich am Eingang drängten, und blieb lieber, wo sie war. Hier neben Lale Andersen, die, wie konnte es anders sein, an einer Laterne lehnte.

»Und du?«, raunte Sophie der Bronzestatue zu. »Hast du es auch so schwer gehabt?«

Im nächsten Moment schämte sie sich schrecklich. Lale Andersen war Jahrgang 1905 gewesen. Sie hatte zwei Kriege miterlebt und war von den Nazis mit einem Auftrittsverbot belegt worden, weil ihr Soldatenlied »Lili Marleen« in all seiner Melancholie auf beiden Seiten der Front geliebt wurde. Diese Frau hatte große, schwere Kämpfe ausgetragen, während sie selbst, Sophie, nur um ihr Geschäft bangen musste.

Nun gut, um ihr Geschäft und um ihr Herz. Letzteres war nämlich auf dem besten Weg, wieder einmal verloren zu gehen. Wegen .

Ein kräftiges Schnauben in ihrem Nacken ließ sie zusammenfahren. Dann drehte sie sich um und musste herzlich lachen. »An dich habe ich gerade gedacht.«

»Wow!«, rief ihre Freundin Annabel vom Rücken ihres Ponys aus. »Ich fühle mich geehrt.«

»Ich meinte nicht dich, sondern Ricky«, erklärte Sophie, stand auf und strich dem Pony über das samtweiche Maul. »Beziehungsweise an den Mann, nach dem er benannt ist.« Sie hatte Ricky an der kleinen Blesse auf der Stirn erkannt, sein Pferdekumpel Matty war durchgehend fuchsfarben.

Annabel ließ sich aus dem Sattel gleiten, kam zu Sophie, legte den Kopf schräg und sah sie an. Sie musste dabei zu ihr hochsehen, denn kaum jemand war so groß wie Sophie, aber sie schaffte es trotzdem, streng und selbstsicher dreinzublicken.

»Schlag dir Riccardo endlich aus dem Kopf!«

Gemeint war Riccardo Torrioni, der bestaussehendste Italiener auf der ganzen Welt und berüchtigter Inselcasanova. Er und sein Bruder Matteo hatten bis vor Kurzem zusammen die Eisdiele Dolomiti betrieben, bis sich Matteo mit einem zweiten Geschäft selbstständig gemacht hatte, an das Sophie jetzt lieber nicht denken wollte.

»Wenn das so einfach wäre«, sagte sie zu ihrer rothaarigen Freundin. Annabel hatte früher den Spitznamen Pünktchen getragen, wegen ihrer vielen Sommersprossen. Sophie selbst war blond, ganz der nordische Typ.

Nun lächelte Annabel und nahm ihre Freundin kurz in den Arm. Sie wusste um Sophies Eigenart, Menschen zu umarmen, und kam ihr zuvor, wahrscheinlich, um ihre kritischen Worte abzuschwächen. Dann machte sie einen halben Schritt zurück.

»Vielleicht hilft es dir ja, wenn du mit dem Wasserturm und der Statue sabbelst, aber ich habe da so meine Zweifel.«

Sophie spürte, wie sie rot wurde. »Wie lange bist du schon hier?«

»Lange genug. Und Ricky trägt keine Hufeisen, deshalb konnten wir uns anschleichen. Er hat auch keinen Ton von sich gegeben, bis er dir in den Nacken geprustet hat.«

»Hinterhältiger Spion«, sagte Sophie böse zu dem Pony, das jedoch völlig unbeeindruckt an ihrer Jeanstasche knabberte. Ricky wusste, wo er zu suchen hatte. Lachend fischte Sophie ein Stück altes Brot heraus und hielt es dem kleinen Fuchswallach mit der flachen Hand hin.

Annabel, Francesca und die Ponys waren für Sophie in den vergangenen Wochen eine Art Zuflucht geworden. Wann immer ihr alles über den Kopf gewachsen war, hatte sie sich auf ein altes Fahrrad von Freda geschwungen und war quer durch den Ort bis zum Rand des Inselwäldchens gefahren. Dort betrieb Annabel den kleinen Reitstall mit insgesamt sechs Ponys, einem Übungsplatz und zwei Kutschen. Er hieß schlicht Kallis Peerstall, und Sophies Freundin war nie auf die Idee gekommen, ihn umzubenennen. Mit den größeren Betrieben auf der Insel konnte er nicht mithalten, aber es hatte sich herumgesprochen, dass Annabel ein besonderes Händchen im Umgang mit Kindern hatte. Außerdem hielt sie die Preise niedrig. So konnte sie mit ihrer Tochter recht gut von den Einnahmen leben. Wann immer Sophie dorthin kam, wurde gerade irgendein Spiel veranstaltet: eine Schnitzeljagd auf dem Ponyrücken im Inselwäldchen, eine Orientierungsfahrt mit den beiden Kutschen oder auch eine Dressurprüfung für Anfänger. Dann hob sich jedes Mal Sophies Laune, und sie machte eine Weile mit, bevor sie zurück zu ihrem Kiosk, ihren Pflichten und ihren Problemen radelte.

»Wolltest du mir nicht nachher noch beim Aufbau der Hindernisse helfen?«, fragte Annabel jetzt. »Wieso vertrödelst du hier deine Zeit?«

Schuldbewusst hockte sich Sophie wieder auf das Mäuerchen. Ein kleines Springturnier stand an, und sie hatte ihre Hilfe zugesagt.

»Ich musste dringend mal raus, und Freda sagte, sie schafft es im Kiosk gerade allein. Da bin ich einfach losgelaufen.«

»Verstehe.« Annabel setzte sich neben sie und ließ Ricky am langen Zügel etwas Gras rupfen.

»Ist was Besonderes los?«

Sophie seufzte. Wenn sie Annabel nicht hätte! Ihre Spielkameradin aus Kindertagen war der einzige Mensch, dem sie regelmäßig ihr Herz ausschütten konnte. Die Freundinnen in Frankfurt, besonders Jana, hörten ihr zwar stets geduldig zu, verstanden aber nicht genau, was da oben auf dieser Nordseeinsel Seltsames passierte.

»Nichts. Das ist es ja! Die Leute rennen Pauline die Bude ein, aber zu uns kommt fast niemand. Nur irgendwelche alte Leutchen, die bei Freda schon seit vierzig Jahren kaufen. Und die nehmen dann höchstens eine Flasche Wasser oder Pfefferminzbonbons.«

Annabel ließ sich davon nicht beeindrucken. »Wann willst du denn endlich damit anfangen, Kuchen zu backen?«

Eine häufig gestellte Frage, die Sophie nicht zu beantworten wusste. Es fehlte an Geld, um die Bäckerei wieder in Schwung zu bringen, sogar an den nötigen Mitteln, um die Zutaten in angemessenen Mengen einzukaufen. Also zuckte sie nur mit den Schultern.

Annabel kratzte am Ende des Zügels herum. »Aber deine Kekse waren der Renner.«

Sophie nickte. Am vergangenen Wochenende hatte sie die für Langeoog typischen Mandel-Sanddorn-Kekse aus Mürbeteig gebacken. Die Gäste hatten sie ihr regelrecht aus der Hand gerissen.

»Aber ich musste in Tante Fredas Küche arbeiten, und mehr als sechs...

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