Dein heller Schein

Philosophischer Roman
 
 
Books on Demand (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 24. März 2021
  • |
  • 624 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7534-1361-7 (ISBN)
 
Anna ist examinierte Krankenschwester. Weil sie die Missstände nicht akzeptieren kann, mit denen sie in ihrem Beruf konfrontiert wird, gibt sie auf und wendet sich anderem zu.

Als sie der gerade volljährig gewordenen Lara begegnet, holt sie ihre berufliche Vergangenheit ein und bald steht Anna vor der Herausforderung, mehr als einen Tabubruch begehen oder das eigensinnige Mädchen, wie einst ihre Patienten, im Stich lassen zu müssen.

In ihrem Alleingang stünde sie ziemlich verloren, doch Dave, ein Mann aus Afrika, den sie in dieser schwierigen Situation trifft, hilft ihr, die eigene Sicht auf die Dinge nicht zu verlieren und ihrem ureigensten Sinn für Humanität und Gerechtigkeit treu zu bleiben.
1. Auflage
  • Deutsch
  • 0,71 MB
978-3-7534-1361-7 (9783753413617)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Elisa Jansen arbeitete während ihres beruflichen Werdeganges in verschiedenen Krankenhäusern und verfolgt seitdem interessiert den Diskurs über Sterbehilfe, dessen Richtung in Deutschland auf politischer Ebene noch immer wesentlich von einer mehrheitlichen Wunschvorstellung der Bevölkerung abweicht.
Um ihrer persönlichen Auffassung von einem würdigen Leben bis hin zum Tod zu einer Stimme zu verhelfen, veröffentlichte sie ihren ersten Roman.

»Schmeiß ich doch mein Studium.« - Damit konnte sie ihre Mutter auf die Palme bringen und Lisa verstand nicht, warum die Frau, der sie schon ihr Leben lang vertraute, nicht die geringste Absicht hegte, in diesem Punkt mit ihr auf einen Nenner zu kommen. Aber sie wusste, dass diese an sich doch sehr debattierfreudige Person ihr absichtlich einen wichtigen Aspekt vorenthielt und für sich auf eine Art Recht behielt, die sie grundlegend verwirrte. Ihrem um zwei Jahre älteren Bruder erging es in dieser Hinsicht um keinen Deut besser, obwohl sie ihrer Mutter mit vereinten Kräften schon erheblich auf die Schliche gekommen waren.

Am Bahnhof knuffelte sie Anna zärtlich. »Tschüß Mama. Ich versteh dich nicht richtig, aber ich weiß, für dich gilt, was du sagst. Ich fang bloß immer wieder davon an, weil ich es eines Tages begreifen will.«

Anna knuffelte und küsste zurück. »Das wirst du. Mach's gut, mein Schatz.«

Sie sah ihre Tochter in die Bahn steigen und verspürte einen Stolz, der sie durch und durch wärmte. Eines Tages würde sie ihre Mutter durchschauen und selbst entscheiden, wo sie stehen wollte. Und vielleicht gehörte sie einer Generation an, die es schaffte, sich neue Wege zu bahnen. Mit Zielen, die über Profitgier und Größenwahn siegten und wahren Wohlstand verbreiteten.

Der Bus brachte sie in eines der bevorzugten Viertel der Stadt und sie lief eine mit altehrwürdigen Rotbuchen bestückte Allee entlang. Vorbei an prächtigen Jugendstilvillen und vereinzelt dazwischenliegenden modernen Häusern, die sich auf ausgedehnten Grundstücken hinter hohen Mauern und Hecken verbargen, näherte sie sich dem Haus der Jakobs, das bereits von Weitem auffiel, weil es als einziges dieser Gegend über ein offen angelegtes Gelände hinweg dem Blick frei zugänglich war. Lediglich eine Begrenzung im Hintergrund schirmte den vermutlich dahinterliegenden Garten ab. Beachtlich groß, in exklusiv moderner Architektur, wirkte das Haus mit seinen akzentuiert versetzten Dächern und der makellosen Fassade bemerkenswert eindrucksvoll. Sie weidete sich an dem außergewöhnlichen Anblick, doch bei dem Gedanken daran, wie es sich darin wohl lebte, beschlich sie ein eher mulmiges Gefühl. Solch ein Format zog sicher Widrigkeiten nach sich, die sie nur ungern in Kauf genommen hätte.

An der breiten Auffahrt vorbei, die am Haus vor der Doppelgarage einen eigenen Hof bildete, gelangte sie an den seitlich gelegenen Fußweg, der sie zur Haustür führte. Während sie ihn einschlug, sah sie auf die Uhr und bedauerte beinahe ein wenig ihr pünktliches Eintreffen, hatte Frau Jakob ihr dies doch so unerquicklich nahegelegt.

Unter dem ausladenden Vordach holte sie zwischen edel schimmerndem Stahl und strahlender Verglasung erst einmal Luft.

Im Bereich der Klingel war ein Schild in die Wand gelassen, auf dem ein Emblem prangte, das ihr bekannt schien, doch sie kam nicht darauf, wo es sich einordnen ließ.

Mit Blick an sich herunter überzeugte sie sich davon, dass alles ordentlich saß, bevor sie sinkenden Mutes den blitzblanken Klingelknopf drückte.

Eine attraktive Frau in elegant innovativem Look öffnete und bat sie herein. Anna erkannte in ihr augenblicklich die resolute Gesprächspartnerin, mit der sie drei Tage zuvor telefoniert hatte. Sie mochte Ende vierzig sein, war schlank und einschließlich ihrer hohen Absätze etwa einen halben Kopf größer als Anna. Ihr kantig konturiertes Gesicht war mit einem Hang zur Schärfe geschnitten, dazu passend trug sie eine ansatzlos schwarze, konsequent durchgestylte Kurzhaarfrisur. Ihr Blick bannte Anna beim Eintreten für einen Augenblick unter dem Eindruck, sie besäße Macht über alles einmal erfasste. Doch weder dies noch die aufgelegte Kosmetika konnten darüber hinwegtäuschen, dass sie Kummer haben musste. Ungeachtet der Beherrschung, die sie ausstrahlte, haftete ihr die Belastung an.

Mit angenehm energischem Händedruck leitete Frau Jakob die üblichen Allgemeinplätze erster Begegnungen ein. Anna passte das gut, brauchte sie vorerst nur automatisiert zu antworten, was ihrem Beobachtungsvermögen zugute kam. Fasziniert blickte sie ihr in die Augen, bis ihr klar wurde: Solche Augen mussten eigentlich eisgrau sein. Das irreführende Unschuldsblau stand im Gegensatz zu dem stählernen Blick, als solle die zarte Farbe seinen Wesenszug verschleiern.

Überhaupt signalisierte die gesamte Haltung der Frau eine Selbstüberzeugung, die repressive Folgen ahnen ließ, sollte sich ihr ein Hindernis in den Weg stellen. Sicher nicht einfach, ihr dann noch standzuhalten und eine Tochter mit gleicher Veranlagung mochte eine Persönlichkeit dieser Art zu viel im Haus bedeuten, vermutete Anna.

Sie malte sich das Szenario aus, was angesichts der Mutter nicht schwer fiel, denn die hob mit jedem Wort und jeder Geste ihre uneingeschränkte Autorität hervor. Es wirkte nicht einmal penetrant, sondern schien ihr ihrer Erscheinung nach zuzustehen.

Am Ende ist das Mädchen aber eher eine graue Maus, der jedes Rückgrat fehlt, dachte Anna kläglich und wäre am liebsten, so oder so, stehenden Fußes umgekehrt.

Stattdessen bekam sie Überziehschuhe gereicht und bewirkte eine gewisse Entkrampfung, als sie zum Zeichen des Selbstverständnisses frische Haussocken aus ihrer Tasche zog, die sie gegen ihre Straßenschuhe tauschte.

Warum die Leute sich nicht generell ein Vorbild an der zum Beispiel orientalischen Sitte nahmen, möglichst keinen keim- und parasitenverseuchten Straßendreck in ihre Wohnräume zu tragen. Annas Wohnung jedenfalls hatte niemand mit Straßenschuhen zu betreten. Dementsprechend benahm sie sich auch bei anderen und hatte sich für den Besuch gewappnet. Frau Jakob jedoch legte eindeutig nur Laras Diagnose wegen Wert auf derlei Maßnahmen und zählte sie keineswegs zu den üblichen Umgangsformen. Der Appell war ihr unangenehm.

Wahrscheinlich putzte hier sowieso täglich jemand durch.

Bereits im Eingangsbereich wurde deutlich, dass das Interieur des Hauses seinem repräsentablen äußeren Erscheinungsbild entsprach. Wohnspuren waren nicht auszumachen und obwohl Anna das klare Design der erlesenen Einrichtung an sich gefiel, konnte sie sich ihres negativen Eindrucks nicht erwehren. Hier zählte einzig die Repräsentation, was sie zunehmend förmlich und steif werden ließ.

In dem ausgedehnten Bereich zwischen Eingang und offenem Wohnraum begann Frau Jakob, sie auf die Begegnung mit Lara vorzubereiten, bis Anna darauf hinwies, dass sie erst einmal mit Lara und nicht über sie sprechen wolle. Seit Betreten des Hauses war dies das Erste, was sich für sie eindeutig richtig anfühlte.

Bei Frau Jakob verhielt sich das umgekehrt. Plötzlich wirkte sie erlahmt, was überhaupt nicht zu ihr passte. Mit resignierter Handbewegung bat sie Anna weiter hinein.

Beim Durchqueren der lichtdurchfluteten Halle, vorbei an einer offen geschwungenen Treppe, die oben auf eine Galerie führte, traf Anna in einem bodenlangen Wandspiegel vor Kopf auf ihr Abbild. Es tat ihr gut, sich in Jeans und schlichtem Shirt zu sehen. Ihre halblangen Haare glänzten im hellen Licht golden, sich bauschend wie flaumweiche Federn, als sei ihnen Wind dazwischen geraten - und tatsächlich war er das auf dem Fußweg auch.

Der Blick auf sich half, sich wieder ganz wie Anna zu fühlen.

Das Mädchen lümmelte dem Übergang abgewandt auf der geschwungenen Lehne eines bahnbrechenden Sitzelementes und widersprach in ihrer Haltung allem, was dieses Designerstück wohl ausdrücken sollte. Sie schien größer als Anna, die mit ihren einsfünfundsechzig allerdings unschwer zu überragen war.

Ohne abzuwarten, umkurvte Anna das Polster mit dem Mädchen darauf, das stumm, doch mit aller Kraft sein Desinteresse versandte, nahm unaufgefordert auf dem nahe stehenden Sofa Platz und sagte, bevor Frau Jakob sie vorstellen konnte: »Hallo, ich bin Anna Becker.«

Es erfolgte keine Reaktion, außer der, dass Lara noch eine Spur verächtlicher an ihr vorbeischaute.

Anna wunderte sich, dass sie überhaupt blieb, richtete ihr Augenmerk vorläufig auf die stövchenbewärmte Porzellankanne nebst zweier Gedecke vor sich auf dem niedrigen Tisch und sog Kaffeeduft ein. In Reichweite stand ein Tablett bereit, das einschließlich einer Etagere mit feinem Gebäck alles aufwies, was man zu diesem Getränk verlangen mochte.

Etwas ins Abseits geschoben stand ein Glas Saft.

Anna hätte von solch einer Gastgeberin das Angebot verschiedener Kaffeevarianten aus einer dieser Luxusmaschinen erwartet und wettete auf ein rühmliches Exemplar in der Küche. Wozu das umständliche Aufgebot? Wollte sie sie keine Sekunde mit Lara allein lassen?

Frau Jakob war im Begriff, ebenfalls Platz zu nehmen, da klingelte das Telefon seitlich der Sitzgruppierung und Anna nutzte die Ablenkung, um das Mädchen verstohlen zu betrachten:

Obwohl zu dünn und sehr blass, wirkte sie widerstandsfähig, denn sie trug die entschlossenen Züge der Mutter, wobei ihr Gesicht weicher, oval geformt war, gerahmt von ebenmäßig tiefbraun...

Schweitzer Klassifikation
BISAC Classifikation

Dateiformat: ePUB
Kopierschutz: Wasserzeichen-DRM (Digital Rights Management)

Systemvoraussetzungen:

Computer (Windows; MacOS X; Linux): Verwenden Sie eine Lese-Software, die das Dateiformat EPUB verarbeiten kann: z.B. Adobe Digital Editions oder FBReader - beide kostenlos (siehe E-Book Hilfe).

Tablet/Smartphone (Android; iOS): Installieren Sie bereits vor dem Download die kostenlose App Adobe Digital Editions (siehe E-Book Hilfe).

E-Book-Reader: Bookeen, Kobo, Pocketbook, Sony, Tolino u.v.a.m. (nicht Kindle)

Das Dateiformat ePUB ist sehr gut für Romane und Sachbücher geeignet - also für "fließenden" Text ohne komplexes Layout. Bei E-Readern oder Smartphones passt sich der Zeilen- und Seitenumbruch automatisch den kleinen Displays an. Mit Wasserzeichen-DRM wird hier ein "weicher" Kopierschutz verwendet. Daher ist technisch zwar alles möglich - sogar eine unzulässige Weitergabe. Aber an sichtbaren und unsichtbaren Stellen wird der Käufer des E-Books als Wasserzeichen hinterlegt, sodass im Falle eines Missbrauchs die Spur zurückverfolgt werden kann.

Weitere Informationen finden Sie in unserer E-Book Hilfe.


Download (sofort verfügbar)

12,99 €
inkl. 7% MwSt.
Download / Einzel-Lizenz
ePUB mit Wasserzeichen-DRM
siehe Systemvoraussetzungen
E-Book bestellen