Demenzen

 
 
Hogrefe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 22. Oktober 2014
  • |
  • VI, 113 Seiten
 
E-Book | PDF mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-8409-1692-2 (ISBN)
 
Demenzielle Erkrankungen gehören zu den häufigsten Alterserkrankungen, die infolge der demographischen Entwicklung sehr bald schon das drängendste Gesundheitsproblem unserer Gesellschaft darstellen werden. Da Demenzen schon in ihren Frühstadien vor allem durch Einbußen der kognitiven Leistungsfähigkeit und daraus folgenden Verhaltensauffälligkeiten gekennzeichnet sind, ist einschlägiges Wissen über die Neuropsychologie dieser Erkrankungen unabdingbar. Das vorliegende Buch vermittelt dieses Wissen. Es wendet sich in erster Linie an Neuropsychologen und Ärzte, darüber hinaus aber auch an alle anderen Gesundheitsberufe sowie nicht zuletzt an Angehörige Demenzkranker, die den neuesten Wissensstand über demenzielle Erkrankungen und die bei ihnen vorkommenden kognitiven Störungen, deren Erscheinungsbild, Verlauf, Alltagsauswirkungen und Behandlungsmöglichkeiten kennen lernen möchten. Berücksichtigt werden hier nicht nur die bekannteren Demenzformen (Alzheimer-Demenz, Vaskuläre Demenzen), sondern auch seltenere Demenzformen sowie deren Abgrenzung von anderen Alterserkrankungen, insbesondere von Depressionen.
Auf der Grundlage neuester Forschungsergebnisse bietet das vorliegende Werk erstmals im deutschen Sprachraum eine auf das Wesentliche konzentrierte, übersichtliche und gut lesbare Einführung in die neuropsychologische Diagnostik und Therapie der Demenzen.
1. Auflage 2015
  • Deutsch
  • Göttingen
  • |
  • Deutschland
  • 2,02 MB
978-3-8409-1692-2 (9783840916922)
weitere Ausgaben werden ermittelt
1 - Demenzen [Seite 1]
1.1 - Inhaltsverzeichnis [Seite 7]
1.2 - Vorwort und Danksagung [Seite 9]
2 - 1 Demenzsyndrome: Beschreibung und Epidemiologie [Seite 11]
2.1 - 1.1Definition und Einteilung der Demenzen [Seite 11]
2.2 - 1.2Epidemiologie [Seite 21]
2.3 - 1.3Verlauf und Prognose [Seite 23]
3 - 2Ätiologie [Seite 25]
3.1 - 2.1Neurodegenerative Veränderungen [Seite 26]
3.2 - 2.2Vaskuläre Ereignisse [Seite 32]
4 - 3Neuropsychologische Befunde [Seite 33]
4.1 - 3.1Alzheimer-Demenz [Seite 33]
4.2 - 3.2Vaskuläre Demenzen [Seite 37]
4.3 - 3.3Frontotemporale Demenzen [Seite 38]
4.4 - 3.4Mild Cognitive Impairment [Seite 39]
5 - 4Diagnostik [Seite 41]
5.1 - 4.1Stellenwert neuropsychologischer Demenz­diagnostik [Seite 42]
5.2 - 4.2Diagnostisches Vorgehen [Seite 45]
5.3 - 4.3Diagnostische Verfahren und Dokumentations­hilfen [Seite 48]
5.4 - 4.4Befundung [Seite 58]
5.5 - 4.5Neuropsychologische Differenzialdiagnostik [Seite 64]
6 - 5Behandlung [Seite 76]
6.1 - 5.1Allgemeine Therapieprinzipien und Methoden [Seite 77]
6.2 - 5.2 Psychosoziale Interventionen bei leicht- bis mittelgradiger Demenz [Seite 80]
6.3 - 5.3Psychosoziale Interventionen bei mittelgradiger bis schwerer Demenz [Seite 89]
6.4 - 5.4Pharmakotherapie [Seite 92]
7 - 6Prävention [Seite 94]
7.1 - 6.1Populationsattributables Risiko modifizierbarer Faktoren [Seite 94]
7.2 - 6.2Risikofaktor Depression [Seite 95]
7.3 - 6.3Risikofaktoren Rauchen und Alkoholkonsum [Seite 96]
7.4 - 6.4Risikofaktor Inaktivität [Seite 96]
8 - 7Fallbeispiel [Seite 97]
8.1 - 7.1Beschwerdebild und Fremdanamnese [Seite 97]
8.2 - 7.2Sozialanamnese [Seite 98]
8.3 - 7.3Neuropsychologische Untersuchung [Seite 98]
8.4 - 7.4Befundung und Diagnosestellung [Seite 99]
8.5 - 7.5Behandlung [Seite 100]
9 - 8Weiterführende Literatur [Seite 101]
10 - 9Literatur [Seite 101]
11 - 10Anhang [Seite 117]
11.1 - 10.1Adressen mit Hilfs- und Informationsangeboten [Seite 117]
11.2 - 10.2Glossar [Seite 118]
12 - Karten [Seite 123]
3 Neuropsychologische Befunde (S. 25-26)

Im Folgenden werden zentrale neuropsychologische Befunde für die beiden häufigsten Demenzformen Alzheimer-Demenz und vaskuläre Demenz dargestellt. Darüber hinaus werden die in den letzten Jahren verstärkt beachteten Demenzen bei FTLD sowie die leichte kognitive Störung im Sinne des MCIKonzeptes behandelt.

3.1 Alzheimer-Demenz

Bisher widmeten sich die weitaus meisten neuropsychologischen Demenzstudien der Alzheimer-Demenz. Die bei dieser Demenzform gegenüber gleichaltrigen Gesunden typischerweise auftretenden kognitiven Veränderungen sind daher schon länger bekannt und werden immer noch zutreffend durch die Ergebnisse der Meta-Analyse von Zakzanis, Leach und Kaplan (1999) wiedergegeben, die 199 Studien mit insgesamt 7 156 Alzheimer-Patienten und 8 772 Gesunden auswerteten. In Abbildung 5 werden zum Vergleich und im Vorgriff auf Abschnitt 4.5.4 auch die Effektstärken der analogen Analyseergebnisse für die frontotemporale Demenz (8 Studien mit 88 Patienten und 100 Gesunden) und die primäre progrediente Aphasie (22 Studien mit 55 Patienten und 162 Gesunden) wiedergegeben.

Bei den Alzheimer-Patienten bestehen gegenüber Gesunden deutliche Defizite über das gesamte Spektrum der Leistungsdomänen. Die hypothetische Verteilungsüberlappung variiert dabei von 50 % (manuelle Geschicklichkeit) bis nur 5 % (verzögertes Erinnern). Beeinträchtigungen des verzögerten Erinnerns sind also ein fast pathognomonisches Zeichen für die AD und insofern richtungsweisend für die Diagnose. Einige der hierher gehörenden Testvariablen erreichten sogar Effektstärken von d = 4.0 (u.?a. WMS-R Gedächtnisquotient, CVLT lang verzögerter freier und gestützter Abruf). Dabei befanden sich die in den Primärstudien eingeschlossenen Patienten überwiegend in einem noch frühen Demenzstadium.

Neuere Untersuchungen bestätigen das soeben gezeichnete Bild (Albert, 2008). Um aber die bei der Alzheimer-Demenz auftretenden neuropsychologischen Beeinträchtigungen besser zu verstehen, ist die mehr oder minder typische Verlaufscharakteristik der Alzheimer-Krankheit zu beachten. Bezieht man die klinische Verlaufscharakteristik auf die neuropathologische Stadieneinteilung von Braak und Braak (2002; s.?o.), so ergibt sich das in Tabelle 5 beschriebene zeitliche Schema.

Zahlreiche Untersuchungen belegen und differenzieren die in Tabelle 5 aufgeführten kognitiven Defizite von AD-Patienten (Übersichten bei Albert, 2008; Jahn, 2012; Salmon & Bondi, 2009). Dabei werden zunehmend auch solche Aspekte erforscht, die bisher wenig Beachtung fanden, etwa feinmotorische Koordinationsstörungen (Slavin et al., 1995), Zahlenverarbeitungs- und Rechenstörungen (Kalbe & Kessler, 2002), Metakognitionen (Retz-Junginger, Supprian, Retz, Rösler & Traue, 2005), Determinanten der Krankheitseinsicht (Ecklund-Johnson & Torres, 2005) und die Rolle kognitiver Reservekapazitäten bei der Kompensation spezifischer Leistungsdefizite (Boyle, Wilson, Schneider, Bienias & Bennett, 2008), um nur einige Beispiele zu nennen.

Bei der neuropsychologischen Untersuchung von Patienten mit der Verdachtsdiagnose einer AD sollten immer auch einzelne Funktionsbereiche differenziert betrachtet werden. Dies sei am Beispiel der intensiv untersuchten mnestischen Beeinträchtigungen erläutert (allgemein zu Gedächtnis und Gedächtnisstörungen siehe Reihenband von Thöne-Otto & Markowitsch, 2004).

Die frühesten kognitiven Anzeichen einer möglichen Alzheimer-Erkrankung sind fast immer eine leichte Merkschwäche für neue Informationen sowie Wortfindungsstörungen. Diese werden von Betroffenen, Angehörigen und oft auch von Hausärzten zunächst als normale altersassoziierte Leistungseinbußen gedeutet. Eine neuropsychologische Untersuchung erfolgt in vielen Fällen erst, wenn das Stadium einer leichten Demenz bereits erreicht ist. Testpsychologisch imponiert dann bereits eine Beeinträchtigung der verzögerten freien Reproduktion von Lernmaterial, während die unmittelbare Merkfähigkeit (Immediatgedächtnis) noch intakt sein kann. Bei wiederholter Vorgabe des Lernmaterials (beispielsweise Wortlisten) ist die Lernmenge geringer und die Lernkurve flacher als bei gleichaltrigen Gesunden.

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