Schützenkönig

Roman
 
 
Blanvalet Taschenbuch Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 17. Oktober 2011
  • |
  • 288 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-06152-4 (ISBN)
 
Frauen im Schützenverein? Schluss mit lustig in Westfalen

Niemals hätte Viktoria Latell, Starreporterin beim Berliner Express, sich herabgelassen, eine Geschichte in Westbevern, Westfalen, zu recherchieren. Wäre auf dem Foto des Schützenvereins nicht dieses Tier gewesen, das Viktoria schon einmal gesehen hat. Am Neujahrsmorgen, am Müggelsee. Neben der Leiche der 18-jährigen Sarah. Auf einem Abschiedsbrief. Viktoria reist in die tiefste Provinz. Dort muss sie schockiert feststellen, dass sie mit Westbevern mehr verbindet, als ihr bewusst war. Und dass sie ihre erste Leiche schon vor vielen, vielen Jahren gesehen hat.

Ein herrliches Spiel mit großstädtischen Vorurteilen gegenüber der sogenannten Provinz.

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Blanvalet
  • 0,70 MB
978-3-641-06152-4 (9783641061524)
3641061520 (3641061520)
weitere Ausgaben werden ermittelt

18. Kapitel (S. 166-167)

Tim trat wie wild in seine Pedalen. Er überholte Fußgänger, Kinderwagen, Rollatorschieber im Zickzackkurs, bremste, saß kaum auf seinem Sattel, fuhr im Stehen und wirbelte jede Menge Staub auf, als er endlich beim Schützenplatz angekommen war. Er ließ sein Fahrrad fallen und rannte los. Doch schon nach wenigen Metern blieb er stehen. Wie sollte er eigentlich den Fotografen ansprechen? Was sollte er ihm sagen? Tim hielt den Geldbeutel fest, fühlte die Filmdose, hörte das Papier knistern. Vorhin war er noch so sicher gewesen, doch jetzt wusste er gar nichts mehr. Schiss hatte er.

Der Mann mit dem gelben Auto wirkte schon ganz schön arrogant. Würde er einen Jungen wie ihn überhaupt ernst nehmen? Tim war zwar sportlich, aber für sein Alter ein bisschen zu klein geraten. Außerdem konnte er sich nicht so gut ausdrücken. Deshalb hatte er im Mündlichen auch immer so schlechte Noten. Er schrieb halt lieber auf, was er sagen wollte, und so hatte er es ja auch gemacht. Jetzt zu diesem Fremden zu gehen und nicht mal zu wissen, ob er ihn duzen oder siezen sollte, versetzte ihn in leichte Panik. Und während Tim Möcke sich die langen, schweißnassen Ponyhaare aus der Stirn strich, entdeckte er ihn.

Auch wenn er ihn nicht sofort erkannte, denn der Reporter war wie ein Schützenbruder angezogen. Er trug die gleiche Jacke und die gleiche Hose wie alle hier – und er wirkte gar nicht arrogant, sondern sehr, sehr lustig. Um ihn herum standen jede Menge Leute, und selbst wenn Tim Möcke in diesem Moment nicht der Mut verlassen hätte, so wäre es ihm nicht möglich gewesen, dem Reporter von seinen Beobachtungen zu erzählen. Also schaute er zu, wartete und entwickelte einen Plan B. Als Mario Siewers zu einem der Biertische wankte und seine Schützenjacke über die Stuhllehne warf, wusste Tim, was er tun würde. Es dauerte noch ein paar Biere, zwei Schnäpse, elf Schulterklopfer und zweiundzwanzig laute Lacher, dann war die Zeit reif.

Mario Siewers musste zum Klo. Er stand auf, nahm im Stehen noch einen Schluck, nestelte an seinem Hemd herum, das trotzdem nicht zurück in die Hose wollte, und ging Richtung Toilettenwagen. Tim näherte sich von hinten dem leeren Stuhl. Als er angekommen war, bückte er sich und sagte halblaut: »Blöde Schuhbänder.« Er tat so, als mache er eine Schleife, und während er sich aufrichtete, steckte er die Filmdose und das Papier in Mario Siewers Jackentasche. Der Schlüssel in der Hand von Elisabeth Upphoff war eiskalt. Ferdinand hatte ihn im Gefrierschrank in der untersten Schublade versteckt.

Er wusste, dass Elisabeth dieses Fach mied wie der Teufel das Weihwasser. Was man nicht alles im Angesicht des Todes tut, dachte Elisabeth und unterdrückte den Brechreiz, als sie am Plastikgriff zog und mit der eisigen Luft die Erinnerungen auf sie einströmten. Sie atmete nicht und tastete im leeren Fach nach dem kleinen Sesam-öffne-dich. Als sie ihn fühlte, war es wie an jenem Ostertag vor zwei Jahren. Aber nicht, weil sie etwas Schönes gesucht und gefunden hatte und in ihr Körbchen legen konnte. Nein, der Osterhase hatte ihr etwas ganz und gar Ekelhaftes gebracht: etwas von Klaus Bühlbecker, dem Oberschützenbruder, dem Freund ihres Mannes, dem Schultertätschler, der sie nicht schießen lassen wollte und sie behandelt hatte wie den letzten Dreck. Nicht nur an jenem Tag, als sie durchdrehte. Auch Ostermontag vor zwei Jahren hatte er ihr jovial an die Schultern gegriffen. Als Entschuldigung. Dabei grinste er, und ihr Mann Ferdinand machte hinter ihrem Rücken Faxen, sie hatte es genau gespürt. Dabei war da nichts zu entschuldigen.

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