Wintersong

Roman
 
 
Piper ebooks (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 1. Dezember 2017
  • |
  • 464 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-492-97850-7 (ISBN)
 
Die 19-jährige Liesl ist mit der Sage um den faszinierenden wie schrecklichen Erlkönig aufgewachsen. Ihre Großmutter hat sie immer ermahnt, die längste Nacht des Winters zu fürchten, in der der König ein hübsches Mädchen in die Unterwelt entführt. Als ein unheimlicher, gut aussehender Fremder auftaucht und Liesls Schwester mit sich nimmt, wird Liesls schlimmste Befürchtung wahr. Nur sie kann ihre Schwester noch aus den Fängen des Erlkönigs retten, indem sie ihm in sein Reich folgt und ihn anstelle ihrer Schwester selbst heiratet. Doch wer ist dieser mysteriöse Mann? Gegen ihren Willen fühlt Liesl sich zu ihm hingezogen. Während sie noch versucht, ihre Gefühle zu verstehen, arbeitet das Schicksal bereits gegen sie - denn in der Unterwelt stirbt Liesls Körper. Können Liesl und ihr Erlkönig die alten Gesetze brechen und ihrer Liebe eine Chance geben?
  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Piper ebooks in Piper Verlag
  • 4,30 MB
978-3-492-97850-7 (9783492978507)
3492978509 (3492978509)
weitere Ausgaben werden ermittelt
S. Jae-Jones wird JJ genannt und ist Künstlerin, Adrenalinjunkie und ehemalige Lektorin. Wenn sie gerade keine Bücher verschlingt, springt sie gerne aus Flugzeugen, moderiert den Pub(lishing) Crawl-Podcast oder verkleidet sich. Sie ist in Los Angeles geboren und aufgewachsen, lebt jetzt aber in North Carolina - und an vielen anderen Orten im Internet, wie Twitter, Tumblr, Facebook, Instagram und ihrem Blog. Ihr Debüt »Wintersong« stieg in den USA auf Platz 3 in die New-York-Times-Bestsellerliste ein.

»Hüte dich vor den Kobolden«, sagte Constanze. »Und vor den Waren, die sie feilbieten.«

Ich zuckte zusammen als der Schatten meiner Großmutter über meine Notizen huschte und sowohl meine Gedanken als auch die Papiere vor mir durcheinanderbrachte. Rasch versuchte ich, meine Musik mit zitternden Händen zu verdecken, aber Constanze hatte nicht mich gemeint. Mit finsterer Miene stand sie in der Tür und sah meine Schwester Käthe an, die sich vor dem Spiegel in unserem Schlafzimmer herausputzte.

»Pass gut auf, Katharina.« Mit einem knotigen Finger deutete Constanze auf das Spiegelbild meiner Schwester. »Eitelkeit lässt einen leicht in Versuchung geraten, und sie ist ein Zeichen für einen schwachen Willen.«

Käthe achtete nicht auf sie, kniff sich in die Wangen und schüttelte ihre Locken. »Liesl«, sagte sie und griff nach einem Hut auf der Frisierkommode. »Könntest du mir damit mal helfen?«

Ich legte meine Notizen in ihr kleines abschließbares Kästchen. »Es ist nur ein Markt, Käthe, kein Ball. Wir holen lediglich Josefs Geigenbögen von Herrn Kassl ab.«

»Liesl«, bettelte Käthe. »Bitte.«

Constanze schnaubte abfällig und klopfte mit ihrem Krückstock auf den Boden, aber meine Schwester nahm sie noch immer nicht zur Kenntnis. Wir waren an die mürrischen und unheilschwangeren Äußerungen gewöhnt.

»Na gut«, seufzte ich, versteckte das Kästchen unter unserem Bett und stand auf, um den Hut auf Käthes Haar festzustecken.

Er sah aus wie Zuckerwerk aus Seide und Federn, eine alberne Heuchelei, besonders in unserem kleinen Provinznest. Aber immerhin war meine Schwester genauso albern, also passten sie und der Hut gut zusammen.

»Autsch!«, rief Käthe, als ich sie versehentlich mit einer der Nadeln pikte. »Pass auf, wohin du damit stichst.«

»Dann lern endlich, dich selbst anzuziehen.« Ich strich die Locken meiner Schwester glatt und zupfte ihr Tuch zurecht, damit es ihre nackten Schultern bedeckte. Ihr Kleid war unter den Brüsten gerafft und die schlichten Linien brachten jede Kurve ihres Körpers voll zur Geltung. Käthe zufolge war dies ganz nach der neuesten Mode in Paris, aber in meinen Augen wirkte meine Schwester schockierend unbekleidet.

»Ach was.« Käthe warf ihrem Spiegelbild einen zufriedenen Blick zu. »Du bist ja nur neidisch.«

Ich zuckte innerlich zusammen. Käthe war die Schönheit unserer Familie mit ihrem sonnenscheinhellen Haar, den sommerblauen Augen, den Apfelbäckchen und ihrer vollbusigen Figur. Mit siebzehn sah sie schon aus wie eine erwachsene Frau. Ihre Taille war schmal und die Hüften breit, was ihr neues Kleid äußerst vorteilhaft betonte. Ich dagegen war fast zwei Jahre älter, wirkte aber immer noch wie ein Kind: klein, dünn und blass. Kleiner Kobold hatte Papa mich immer genannt. Fee war Constanzes Wort der Wahl. Nur Josef behauptete, ich sei schön. Nicht hübsch, betonte mein Bruder immer. Schön.

»Ja, ich bin neidisch«, gab ich zu. »Gehen wir jetzt zum Markt oder nicht?«

»Gleich.« Käthe kramte in ihrem Schmuckkästchen herum. »Was meinst du, Liesl?«, fragte sie und hielt eine Handvoll Bänder hoch. »Rot oder blau?«

»Spielt das eine Rolle?«

Sie seufzte. »Wahrscheinlich nicht. Keiner der Jungen im Dorf achtet jetzt noch darauf, wo ich doch bald heirate.« Finster dreinblickend zupfte sie am Saum ihres Kleides herum. »Hans macht sich nicht viel aus Vergnügen und schönen Kleidern.«

Ich presste die Lippen zusammen. »Hans ist ein guter Mann.«

»Ein guter Mann und langweilig«, erwiderte Käthe. »Hast du ihn neulich abends beim Tanz gesehen? Er hat mich nicht ein einziges Mal aufgefordert. Er hat nur in der Ecke gestanden und vorwurfsvoll geschaut.«

Weil Käthe schamlos mit ein paar österreichischen Soldaten geflirtet hatte, die unterwegs nach München waren, um die Franzosen zu vertreiben. Hübsches Mädel, hatten sie in ihrem komischen österreichischen Akzent gerufen. Komm und gib uns einen Kuss!

»Eine lasterhafte Frau ist wie eine reife Frucht«, stimmte Constanze ein. »Sie bettelt geradezu darum, vom Koboldkönig gepflückt zu werden.«

Ein unbehaglicher Schauer lief mir über den Rücken. Unsere Großmutter erschreckte uns gerne mit Erzählungen über Kobolde und andere Wesen, die in den Wäldern jenseits unseres Dorfes lebten, aber Käthe, Josef und ich glaubten seit unseren Kindertagen nicht mehr an ihre Geschichten. Mit achtzehn war ich zu alt für die Märchen meiner Großmutter, doch der leicht schuldbewusste Nervenkitzel, der mich überkam, wenn der Koboldkönig erwähnt wurde, war mir kostbar. Trotz allem glaubte ich noch immer an ihn. Ich wollte noch immer an ihn glauben.

»Ach, geh und meckere jemand anderen an, du alte Krähe. Warum musst du immer auf mir herumhacken?« Käthe schmollte.

»Denk an meine Worte.« Constanze funkelte meine Schwester an. Der Blick ihrer dunkelbraunen Augen war das Einzige, was in ihrem runzligen Gesicht noch scharf wirkte. »Gib auf dich acht, Katharina, sonst kommen dich die Kobolde holen wegen deiner zügellosen Art.«

»Das ist genug, Constanze«, fiel ich ihr ins Wort. »Lass Käthe in Frieden, damit wir loskommen. Wir müssen zurück sein, bevor Meister Antonius hier ist.«

»Ja, nicht, dass wir das Vorspielen unseres lieben kleinen Josefs für den berühmten Maestro der Violine verpassen«, murmelte meine Schwester.

»Käthe!«

»Schon gut, schon gut.« Sie seufzte. »Hör auf, dir Sorgen zu machen, Liesl. Er wird das schon schaffen. Du bist schlimmer als eine Glucke.«

»Er wird es nicht schaffen, wenn er keinen Geigenbogen hat, mit dem er spielen kann.« Ich wandte mich zum Gehen. »Komm jetzt, oder ich gehe ohne dich.«

»Warte.« Käthe hielt mich an der Hand fest. »Würdest du mich etwas mit deinen Haaren machen lassen? Du hast so wunderschöne Locken. Es ist eine Schande, dass du immer nur diesen geflochtenen Zopf trägst. Ich könnte .«

»Ein Zaunkönig ist immer noch ein Zaunkönig, auch wenn er sich mit Pfauenfedern schmückt.« Ich schüttelte sie ab. »Verschwende nicht deine Zeit. Es ist ja nicht so, als ob Hans - oder sonst irgendjemand - es bemerken würde.«

Bei der Erwähnung ihres Verlobten zuckte meine Schwester zurück. »Schön«, zischte sie und stolzierte ohne ein weiteres Wort an mir vorbei.

»Kä.«, setzte ich an, aber Constanze hielt mich auf, bevor ich ihr nachlaufen konnte.

»Pass gut auf deine Schwester auf, Mädchen«, warnte sie. »Du musst sie beschützen.«

»Tue ich das nicht immer?«, fauchte ich. Stets war es meine Aufgabe gewesen - und die meiner Mutter -, die Familie zusammenzuhalten. Mutter kümmerte sich um das Gasthaus, in dem wir lebten und arbeiteten. Ich kümmerte mich um die Menschen, die es zu unserem Zuhause machten.

»Tust du das wirklich?« Meine Großmutter richtete den Blick ihrer dunklen Augen auf mich. »Josef ist nicht der Einzige, um den man sich kümmern muss, weißt du.«

Ich runzelte die Stirn. »Wie meinst du das?«

»Du vergisst, welcher Tag heute ist.«

Manchmal war es leichter, Constanze ihren Willen zu lassen, als sie zu ignorieren. Ich seufzte. »Welcher Tag ist denn heute?«

»Der Tag, an dem das alte Jahr stirbt.«

Ein weiterer Schauer lief mir über den Rücken. Meine Großmutter hielt sich noch an die alte Ordnung und an den alten Kalender, nach dem diese letzte Nacht des Herbstes den Tod des alten Jahres bedeutete. In dieser Nacht war die Grenze zwischen den Welten dünn. Während der Wintertage wandelten die Bewohner der Unterwelt auf der Erde, bevor das Jahr im Frühling von Neuem begann.

»Die letzte Nacht des Jahres«, wiederholte Constanze. »Nun beginnen die Tage des Winters und der Koboldkönig zieht aus, um sich seine Braut zu suchen.«

Ich wandte das Gesicht ab. Früher einmal hätte ich nicht erst daran erinnert werden müssen. Früher hätte ich meiner Großmutter dabei geholfen, jedes Fenstersims, jede Türschwelle und jeden Eingang mit Salz zu bestreuen, um die Wildlinge in diesen Nächten fernzuhalten. Früher. Aber ich konnte mir den Luxus einer ausschweifenden Fantasie nicht mehr leisten. Es war an der Zeit, dieses kindische Verhalten abzulegen.

»Ich habe keine Zeit für so etwas.« Ich schob Constanze beiseite. »Lass mich vorbei.«

Trauer stand im faltigen Gesicht meiner Großmutter. Trauer und Einsamkeit. Ihre gebeugten Schultern neigten sich noch tiefer unter der Last ihres Glaubens. Nun trug sie diesen Glauben allein. Niemand von uns hielt dem Erlkönig noch die Treue. Niemand außer Josef.

»Liesl!«, rief Käthe von unten. »Kann ich mir deinen roten Mantel ausleihen?«

»Wähle weise, Mädchen«, fuhr Constanze eindringlich fort. »Josef ist nicht Teil des Spiels. Wenn der Erlkönig spielt, dann nimmt er es ernst.«

Abrupt hielt ich inne. »Wovon redest du? Welches Spiel?«

»Sag du es mir.« Constanzes Miene war finster. »Es hat Folgen, welche Wünsche wir in der Dunkelheit fassen, und der Herr des Unheils fordert ihren Preis ein.«

Ihre Worte waren wie Stacheln in meinen Gedanken. Ich dachte daran, wie Mutter uns vor Constanzes vom Alter matt gewordenem Verstand gewarnt hatte, aber meine Großmutter war mir nie klarer und ernsthafter vorgekommen als in diesem Augenblick, und obwohl ich es nicht wollte, wand sich langsam ein Strang der Angst um meinen Hals.

»Ist das ein Ja?«, rief Käthe. »Dann nehme ich ihn mir...

»Insgesamt ein eher ruhiges, sehr intensives Leseerlebnis, auf das man sich einlassen muss - aber wenn man sich von diesem Sog mitreißen lässt, erlebt man ein ungewöhnliches, erschütterndes und in leisen Tönen leidenschaftliches Plädoyer zum Leben selbst.«, blog4aleshanee.blogspot.de, 30.12.2017

 
»Wintersong ist eines jener Bücher, das ich einerseits nicht zur Seite legen konnte, von dem ich mir andererseits gewünscht habe, nicht zu Enden. Wenn ihr dunkle, erdige Märchenadaptionen mögt, solltet ihr unbedingt reinlesen.«, fantasy-news.de, 29.12.2017

 
»Eine Geschichte mit einer unglaublichen Kraft, Poesie, Musik und Wildheit.«, w0rdw0rld.blogspot.de, 26.12.2017

 
»Ein hochspannendes Fantasy-Märchendrama, dazu kombiniert eine ergreifende Liebesgeschichte - die richtige Mischung, um ganze Nächte durchzulesen.«, Neue Presse, 11.12.2017

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