Mindestens nur das Beste

 
 
Books on Demand (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 8. Oktober 2020
  • |
  • 394 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7526-0491-7 (ISBN)
 
Was ist das Beste?

Als Anna und Paul ihr erstes Kind bekommen, ist ihr Glück perfekt. Anna versucht, alles richtig zu machen, doch dabei tun sich ihr viele Fragen auf.
So unsicher Anna auch ist, so sicher ist sich ihre Schwiegermutter Gloria. Sie sucht einen hübschen Namen für das Baby aus und weiß genau, welchen Kinderwagen die frisch gebackenen Eltern brauchen. Und welches Haus. Schließlich will Gloria nur das Beste für das Baby.
Genau wie Paul, der plötzlich ein neues Jobangebot bekommt und zu seinen Eltern ziehen möchte.
Wäre da nicht Annas Gefühl, dass sie eigentlich etwas ganz anderes will ...

Ein Buch über die kleinen Dinge im Leben, die wichtig sind, und über die ganz großen Träume.
1. Auflage
  • Deutsch
  • 0,78 MB
978-3-7526-0491-7 (9783752604917)
Denise Jacobs, geboren 1982, entdeckte mit der Geburt ihres ersten Kindes das Schreiben als Leidenschaft für sich. Im Jahr 2016 veröffentlichte sie das Sachbuch "Baby im Bauch, Chaos im Kopf. Tagebuch einer Schwangerschaft".
Mit dem Buch "Mindestens nur das Beste" erscheint ihr erster Roman. Sie lebt mit ihrer Familie im Kreis Kelheim.

Die Stunde Null


Donnerstag, 18. Juli


"Wissen Sie schon, was es wird?", fragte die Hebamme in einer Wehenpause und strich sich mit dem knorrigen Handrücken über die Stirn.

"Ja", sagte Paul. "Nein", sagte Anna zeitgleich.

Anna bemerkte aus den Augenwinkeln, dass Paul sie kurz ansah.

"Er hat eine Ahnung", erklärte Anna der Hebamme, "aber wir haben es uns nicht sagen lassen. Wir wollten uns überraschen lassen."

"Ich weiß es!", verbesserte Paul. "Es wird ein Junge, da bin ich mir hundertprozentig sicher. Ich habe das im Gefühl." Er lächelte Anna an, so warmherzig, dass ihr Herz überschäumte vor Liebe. Vor Intensität. Vor Hormonen.

"Was glauben Sie?", fragte die Hebamme. Ihr Blick ruhte auf Anna.

Ein Mädchen.

Oder vielleicht doch ein Junge? Paul ist sich so sicher.

"Ich weiß es nicht."

Anna spürte die Wehe kommen. Sie schloss die Augen. Sie sah die Wehe. Die Welle, die auf sie zu rollte. Sie baute sich auf. Sie wurde größer. Und stärker. Anna stöhnte. Dann schrie sie.

"Pressen!", feuerte die Hebamme Anna an. "Sie haben es gleich geschafft. Pressen!"

"Du schaffst es", flüsterte Paul und drückte ihre Hand fest.

Anna krallte ihre Finger in seine Hand. Ihre Fingernägel schmerzten. Ihre Hand brannte vor Hitze.

Sie presste. Mit voller Kraft, gewaltig und groß. Unbekannte Bärenkraft.

Sie spürte den Kopf des Babys. Sie schrie. Ein Urschrei.

Sie spürte, wie der Kopf die letzte Hürde überwand. Dieser Schmerz! Diese Befreiung.

Der Körper des Babys floss ohne Mühe nach.

Anna richtete sich auf und sah ihr Baby.

Ein Mädchen.

Wie schön es war!

Anna blickte zu Paul. Er starrte auf das Baby. Sein Mund blieb offen stehen.

"Wollen Sie die Nabelschnur durchschneiden?", fragte die Hebamme an Paul gewandt.

Paul nickte und griff zur Schere. Mit einem Schnitt war sie durchtrennt.

Abgenabelt. Auf der Welt.

Die Hebamme legte Anna das Baby auf die Brust. "Herzlichen Glückwunsch zu Ihrer Tochter!", sagte sie mit warmherziger Stimme. Sie bedeckte beide mit einem Laken, zog es bis hoch über die Schultern des Babys, ließ ihre Hand einen Moment darauf liegen.

Das letzte Mal, dass jemand mich bemuttert.

Dann trat die Hebamme einen Schritt beiseite.

"Herzlich willkommen, meine Liebe", flüsterte Anna ihrem Mädchen zu, schlüpfte mit den Händen unter die Decke und streichelte über den kleinen Rücken. Diese Haut war so zart, so unendlich zart.

"Wie soll sie heißen?", fragte eine andere Hebamme in die Stille hinein.

Paul räusperte sich. "Falkenstein."

"Und der Vorname?"

Paul und Anna blickten sich ratlos an.

"Auf einen Mädchennamen haben wir uns noch nicht geeinigt", erklärte Paul.

Du hattest dich in den letzten Monaten geweigert, über Mädchennamen zu diskutieren, weil du dir sicher warst, dass es ein Junge wird.

Die Hebamme nickte verständnisvoll. Sie schrieb den Nachnamen auf das Namensbändchen und wickelte es um das Handgelenk des Babys.

Nach der Nachgeburt verließen die Hebammen das Zimmer, damit die junge Familie sich ausruhen konnte.

"Unser Baby ist ein Mädchen." Paul schüttelte verwundert den Kopf.

"Bist du enttäuscht?"

"Nein." Paul schüttelte immer noch den Kopf. Fassungslosigkeit stand ihm ins Gesicht geschrieben. Dann wandelte sie sich zu einem Lächeln. "Schau sie dir an! Sie ist ein Wunder."

Paul streichelte dem Mädchen sanft über den Kopf. Seine Hände wirkten riesig. Der Kopf hingegen sah winzig und zerbrechlich aus.

Anna spürte den kleinen warmen Körper auf ihrem. Der haarbeflaumte Kopf des Mädchens lag auf ihrer Brust, genau an der Stelle, an der es ihrem Herzschlag lauschen konnte. Winzige Füße traten sanft in ihren Bauch. Ihr Händchen krallte sich für einen Moment in Annas Haut und ließ wieder los. Anna umfasste die Hand, die so winzig war, dass ihre sie vollkommen umschlingen konnte, und schob ihren Daumen in die Faust.

So mini! Ihre Finger können meinen Daumen kaum umgreifen.

Anna streichelte dem Mädchen mit der anderen Hand über den Rücken. Nie hatte sie etwas Zarteres gespürt als diese Babyhaut. Nie. Wie Seide, Katzenbabyfell und eine kaschmirummantelte Wärmflasche in einem.

Nur tausendmal besser.

Ihr Mädchen hob den Kopf und blickte sie mit großen blauen Augen an. Sein Blick sah aus, als kannte es alle Geheimnisse dieser Welt, völlig in sich ruhend und erfüllt von tiefem Frieden.

Anna lächelte ihr Mädchen an. Ihre Tochter. Sie legte ihren Kopf wieder zurück auf Annas Brust und fiepte leise vor sich hin. Die Sonne schimmerte auf ihren blonden Härchen, die so kurz waren, dass Anna sie kaum als Haare wahrnahm. Anna schmiegte ihre Wange an den Flaum und atmete den Geruch ihres Babys ein. Dieser Duft! Es roch unglaublich, nach Frische, nach Leben, nach Neuanfang, und zugleich nach etwas Zartem, nach etwas Beschützenswertem, belebend und zerbrechlich zugleich.

Nichts und niemand wird uns je auseinanderbringen. Wir sind eins.


Manchmal, wenn Anna etwas wirklich Bedeutendes erlebte, wollte sie das damit verbundene Gefühl für immer festhalten. Sie fühlte, was echt und richtig war, egal, ob es sich um eine Kleinigkeit handelte oder um die bedeutsameren Dinge im Leben. Sie wusste im tiefsten Inneren ihres Herzens, welchen Weg sie gehen musste. Auch wenn alle anderen ihr davon abrieten oder vom Gegenteil vorschwärmten. Ihre Intuition leitete sie unmissverständlich in die richtige Richtung.

Genau dieses tiefe Empfinden und zeitgleiche Wissen, was richtig ist und was nicht, überkam Anna in diesem Moment, als ihr Baby das erste Mal auf ihr lag. Es war eines der bedeutendsten Ereignisse ihres bisherigen Lebens, und sie war bereit, alles dafür zu geben, um dem Gefühl bedingungslos zu folgen. Sie wollte nicht alles so machen, wie man es macht. Sondern so, wie es sich für sie richtig anfühlte.


Während Anna weiter über die samtene Haut ihrer Tochter strich, ließ sie ihren Blick für einen Moment durch das Zimmer schweifen. Diese ganzen Geräte mit den vielen Schläuchen, Leitungen und Anzeigen fielen ihr erst jetzt auf.

Jemand klopfte an die Tür. Ein grauhaariger Arzt in strahlend weißem Kittel betrat das Zimmer. Mit heiserer Stimme erkundigte er sich nach Annas Befinden, wobei sein Blick ausschließlich auf das Baby gerichtet war, so als ob er Anna gar nicht richtig zuhörte.

Während er sprach, roch Anna die Zigarette, die er in der letzten Pause geraucht hatte. Er schlug die Decke ein wenig zurück, um ihre Tochter zu begutachten. Anna konnte es sich nicht erklären, aber als er ihr Baby berührte, lief ihr ein kalter Schauer über den Rücken. Fast so, als ob er ihr das Kind wegnehmen würde, wenn sie nicht schnell genug war. Sie verspürte plötzlich den dringenden Wunsch, nach Hause zu fahren. Weg aus dem Krankenhaus, bloß schnell weg.


Als die Ärzte nach einer abschließenden Untersuchung grünes Licht gaben, fuhren die drei wenige Stunden nach der Geburt mit dem Auto nach Hause: Anna und Paul und der kostbarste Herzschlag auf der ganzen weiten Welt, gut verpackt in einer Babyschale. Anna saß daneben auf der Rückbank, die winzige Hand fest umschlungen, den innigen Kontakt suchend. Sie konnte die Augen kaum von ihrem Mädchen wenden. Nur gelegentlich blickte sie aus dem Fenster und wunderte sich, dass sich nicht alle Menschen auf den Straßen in München nach ihrem Auto umdrehten. Die Energie und Magie, die von ihrem Baby ausging, müssten kilometerweit zu spüren sein. Hier war sie, ihre Tochter, der Nabel der Welt, der größte Magnet der Erde, und keiner außer ihr, und vielleicht Paul, schien die Besonderheit zu bemerken.


Als sie zu Hause ankamen, stand das Gitterbettchen neben ihrem Bett, aufgebaut und frisch bezogen. Sie hatte vor der Geburt vorgehabt, ihr Baby dort hinein zu legen, wenn sie mit ihm nach Hause kam.

Jetzt war es soweit.

Sie konnte es nicht.

Die Julisonne schien warm ins Schlafzimmer hinein, das große Bett war lichtumhüllt und es lag eine besondere Energie in der Luft. Sie konnte sie riechen.

Anna legte ihr Baby behutsam in die Mitte ihres großen Bettes und kuschelte sich daneben. Paul legte sich auf die andere Seite, sodass sie ihr Baby von beiden Seiten umarmten.

Annas Nase berührte den warmen Kopf ihrer Tochter, die Sonnenstrahlen erhitzten ihren Rücken. Sie war noch aufgeregt von dem Tag und durchflutet von einem wohlig warmen Prickeln, sodass sie meinte, sie könnte niemals einschlafen. Doch der leise Atem ihres Babys wirkte beruhigend auf sie, obwohl das Geräusch so ungewohnt und neu war.

Paul streckte seine Hand zu Anna herüber und verschränkte seine Finger mit ihren. Er löste seinen Blick von ihrer Tochter und blickte Anna mit...

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