Eine Bayerische Hochzeit. Band 2: Auguste

 
 
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  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 15. Januar 2018
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  • 388 Seiten
 
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978-3-7460-0430-3 (ISBN)
 
Herbst 1805: Die französische Armee unter Führung Kaiser Napoleons befreit Bayern von österreichischer Besetzung und eilt dem Sieg von Austerlitz entgegen. Kurfürst Max Joseph und Kurfürstin Karoline können nach München zurückkehren und ihr Land zum Königreich ausrufen. Alles wäre wunderbar - würde Napoleon nicht darauf bestehen, Max Josephs Tochter Auguste mit Eugène Beauharnais, dem Sohn von Kaiserin Josephine, zu verheiraten.
Die Fortsetzung der Geschichte über eine Wittelsbacher-Prinzessin, die inmitten politischer Zwänge und Intrigen aus Versehen glücklich wurde.
1. Auflage
  • Deutsch
  • 1,12 MB
978-3-7460-0430-3 (9783746004303)
3746004306 (3746004306)
weitere Ausgaben werden ermittelt
"Josefa vom Jaaga" ist ein für Eingeweihte (oder Alteingesessene) kaum sonderlich schwer zu durchschauendes Pseudonym. Josefa ist in Erding geboren und aufgewachsen, lebt noch immer dort und hat fest vor, auch dort begraben zu werden. Sie schreibt, solange sie zurückdenken kann.

1. Verbindlich verbündet


»Iatz geh' weida, Oide, d'Franzosen keman. Schick di hoid a bissl, da Nabolion kimmt! Und vergiß ned auf d'Trikolor'!«

»Wos vergiß i ned?«

»Den blau-rot-weißen Hadern, den wo's d' ma gestern g'naht hosd. Dass ma was zum Winga hab'n.«

»Du, Vater, i woaß fei ned, ob des a so recht is'. I hätt g'moant, des Weiße g'hört in d'Mitt 'nei und des Rote unt' hi .«

»Ah! So genau wead scho koaner schaug'n. Iatz geh weida, sunst is da 'Pole scho auf'm Stodtplatz und mia san oiwei no dahoam. - Wief Lampara! Wief Lampara!«

»Was schrein's denn da alle?«

»A so hoid. Des g'hört sie a so, wann a Kaiser kimmt!«

»Wead scho wieder so was Lateinisch' sei!«

»Iatz dua mid, Oide, der Nabolion kimmt ned oi Tag! Wief Lampara!«

Es waren Dialoge wie diese, die sich am Rand der Straßen entspannen, während die Garde des französischen Kaisers am sechsundzwanzigsten Oktober 1805 feierlich unter jubelnden Ausrufen von »Vive l'empéreur!« durch das Karlstor in München einmarschierte. Kaiser Napoleon selbst war schon am vierundzwanzigsten im Stadtgebiet angelangt. Er quartierte sich im selben Schloss Nymphenburg ein, das der bayerische Kurfürst Max Joseph mit seiner Familie einige Wochen zuvor so überstürzt verlassen hatte, und wartete. Als auch am sechsundzwanzigsten noch kein Kurfürst eingetroffen war, der kalte Herbstregen aber erstmals seit Wochen ein wenig nachließ, die kaiserlichen Strümpfe getrocknet waren und die Sonne hervorblitzte, nutzte Napoleon eilig die Gelegenheit, befahl seinem Großstallmeister Caulaincourt, den Sechsspänner vorfahren zu lassen, und hielt um halb acht Uhr abends inmitten seiner Truppen feierlichen Einzug in die Stadt. Die Münchner säumten die Straßen, winkten mit ihren selbstgenähten Trikoloren und schrien sich vor Begeisterung die Kehlen heiser. Es war bereits dunkel genug, damit die Hausbesitzer ihre Fassaden mit all jenen aus bunten Laternen zusammengesetzten Sinnbildern und lateinischen Sprüchen verzieren konnten, mit denen Herrscher sich überall von der Bevölkerung traktieren lassen müssen, wohin sie kommen. Napoleon hatte freilich nicht allzu viel Zeit, sie zu studieren; auf ihn wartete in diesem Krieg noch die Schlacht von Austerlitz. Zuvor musste er allerdings erst seinen Kavalleriegeneral wieder einfangen; Marschall Prinz Joachim Murat hatte sich bereits auf eigene Faust Richtung Wien aufgemacht, wohin sein kaiserlicher Schwager ihn noch gar nicht hatte schicken wollen.

Max Joseph befand sich zur selben Zeit samt Gemahlin und Kindern noch immer in Würzburg. Er ließ sich viel Zeit, seinen überreizten Magen auszukurieren, vielleicht in der Hoffnung, die Kurfürstin werde sich doch noch überzeugen lassen, gemeinsam mit ihm nach München zurückzukehren. Aber auch wenn Karoline sich inzwischen bereit fand, bei öffentlichen Auftritten zu erscheinen und dabei wenigstens insofern den Anschein zu wahren, als sie die Anwesenheit ihres Gemahls nicht mehr demonstrativ ignorierte - mehr an Zugeständnissen konnte Max Joseph ihr nicht abringen. Karoline schien tatsächlich nicht gewillt, ihrem Gemahl das Bündnis mit Napoleon jemals zu vergeben.

Der Kurfürst musste allein nach München fahren. Er reiste am sechsundzwanzigsten ab. Es war ein Samstagabend; die Glocken der Würzburger Bischofskirchen läuteten von fern den Sonntag ein.

»Nun ist es geschehen, mein lieber Montgelas«, sagte Max Joseph traurig zu seinem Außenminister, als er neben ihm am Tor der alten Bischofsresidenz auf das Vorfahren der Reisekutsche wartete. »Ich habe mein persönliches Glück geopfert für das meines Landes. Bayern ist gerettet, aber meine Ehe ist zerstört.« Er warf einen sehnsuchtsvollen Blick über die Schulter zurück zur Eingangstreppe, auf der jedoch keine Kurfürstin erschien, um ihn zu verabschieden.

Karoline stand am Fenster ihres Boudoirs, um die Herren beim Einsteigen zu beobachten. Sie ließ rasch den Vorhang fallen, als ihr Gemahl, während er den Fuß aufs Trittbrett setzte, einen Blick zu ihrem Fenster hinauf warf. »Wir werden in jedem Fall noch einige Zeit hier verbringen«, sagte sie über die Schulter zur Freifrau von Wurmb, Augustes alter Gouvernante, die sich mit im Zimmer befand. »Bitte unterrichten Sie die Kinder entsprechend, Machère. Man muss sicher sein, dass die Straßen frei sind vom Feind, ehe man die Kleinen möglichen Gefahren aussetzt.«

Vor allem wollte Karoline sicher sein, keinen französischen Kaiser in ihrem Haus vorzufinden, wenn sie nach München käme.

Die kurfürstliche Kutsche ratterte inzwischen auf Straßen, die durch Regen und marschierende Soldatenstiefel in Morast verwandelt waren, der bayerischen Hauptstadt entgegen. Maximilian Josephs Laune besserte sich mit jeder Meile, die zwischen ihm und seiner zürnenden Ehefrau lag; seine natürliche Zuversicht ergriff, nun, da die Gefahr vorüber war, wieder ganz von ihm Besitz.

»Wenn wir uns beeilen«, sagte er am zweiten Reisetag zu Montgelas, »dann erwischen wir den Kaiser vielleicht noch in München. Was meinen Sie, wie neugierig ich auf diesen Mann bin, mein Lieber! Er soll es nicht bereuen, mir aus der Patsche geholfen zu haben; wenn es etwas gibt, womit ich mich ihm dankbar erweisen kann, dann will ich es ihm mit Freuden geben.«

»Wenn ich darum bitten dürfte, Durchlaucht, das um Gottes willen nicht Monsieur Otto hören zu lassen?«, entgegnete der Minister trocken. »Sie wissen gut, was er verlangen würde.«

»Also, natürlich nicht meine Tochter«, empörte Max Joseph sich sofort, »das wäre ja noch schöner.« Er verfiel in stummes Grübeln, dann fügte er hinzu: »Obwohl es ja vielleicht auch da eine Möglichkeit gäbe. Wie wäre es denn mit Charlotte? Die Kleine wird, mit ihren Narben im Gesicht, ohnehin nicht leicht zu verheiraten sein. Man könnte sie doch als Braut für den Prinzen Beauharnais anbieten, statt der Auguste.«

Montgelas schürzte die Lippen. »Im Grunde kein schlechter Gedanke. Allerdings muss man berücksichtigen, dass Charlotte noch keine vierzehn und Kaiser Napoleon nicht als geduldig bekannt ist.«

»Das denke ich auch«, nickte Max Joseph und zwinkerte. »Aber wenn die Franzosen ablehnen, weil Charlotte ihnen zu jung oder zu hässlich ist, dann haben wir zumindest unsere Dankbarkeit und unseren guten Willen bewiesen, und Auguste kann seelenruhig ihren Prinzen Karl heiraten, wenn schon ihr Herz so an dem Burschen hängt. Und dann«, sagte er, und urplötzlich kehrte die Müdigkeit in seine Züge zurück, »wird vielleicht auch die Kurfürstin mit mir zufrieden sein.«

Leider kamen Kurfürst und Außenminister einen Tag zu spät in München an; Kaiser Napoleon war bereits am achtundzwanzigsten abgereist, und bei den spontanen Entscheidungen des Franzosenkaisers ließ sich kaum sagen, wo und wann er das nächste Mal Halt machen würde. Max Joseph blieb nichts übrig, als ihm einen Kurier mit einem Dankschreiben hinterher zu senden und untertänig anfragen zu lassen, ob der bayerische Kurfürst seinem Retter bei Gelegenheit seine Aufwartung machen dürfe.

Der Kurfürst hatte Gesellschaft, während er auf Antwort wartete: Der Freiherr von Gravenreuth hatte Kurprinz Ludwig aus dem schweizerischen Lausanne nach Hause geschafft.

Wo Ludwig nun mit der Miene eines schmollenden Kleinkinds in der Residenz saß und seinem Vater grollte.

Gravenreuth hatte unterwegs alles getan, um dem Kurprinzen die veränderte Lage zu erklären. Ludwig hatte, in ein gepolstertes Eck der Reisekutsche gelehnt, mit vor der Brust verschränkten Armen und vorgeschobenem Kinn zugehört. Ja, ja, man müsse vielleicht zugeben, Kaiser Franz habe sich nicht besonders geschickt benommen und ganz sicher nicht sehr höflich. Man nahm keinen Kurfürsten in seinem eigenen Schloss gefangen; man war doch nicht unter Wilden! Aber hätte man nicht trotzdem eine andere Lösung finden können? »Jetzt sind wir mit den Franzosen verbündet, Gravenreuth! Mit den Franzosen! Gegen alle anderen deutschen Staaten!«

»Nicht wirklich, Durchlaucht. Die meisten unserer süddeutschen Nachbarn, selbst wenn sie Neutralität halten, stehen dem französischen Kaiser wohlwollend gegenüber. Bedenken Sie die gewaltigen Vorteile, die sich für Bayern aus diesem Bündnis ergeben werden. Kaiser Napoleon will Bayern vergrößern. Man spricht von Tirol, vom Innviertel, von Passau und Eichstätt.«

»Nun, das sind natürlich schöne Zugewinne, aber dennoch .«

»Die Unabhängigkeit vom Kaiserreich! Volle Souveränität! Eine Königskrone für Ihren erlauchten Herrn Vater, Durchlaucht! Eine Krone, die, wie ich erwähnen möchte, einst auf Ihr Haupt übergehen wird.«

Ludwig...

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