Eine Bayerische Hochzeit. Band 1: Karoline

 
 
Books on Demand (Verlag)
  • 1. Auflage
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  • erschienen am 15. Januar 2018
  • |
  • 420 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7460-0423-5 (ISBN)
 
Ende des 18. Jahrhunderts: Während in Frankreich die Revolution wütet, heiratet in Baden Prinzessin Karoline den 20 Jahre älteren Witwer Maximilian Joseph von Zweibrücken, der bald schon Kurfürst von Bayern werden soll. Ihre Bemühungen um ein harmonisches Familienleben werden nicht gerade vereinfacht, als ein gewisser Napoleon Bonaparte sich zum Kaiser der Franzosen krönt und beginnt, sich für eine von Karolines Stieftöchtern zu interessieren.
Eine Geschichte über Bayern, Bonaparte, Beauharnais und was sonst noch notwendig ist, damit die Prinzessin zum Prinzen kommt.
1. Auflage
  • Deutsch
  • 1,12 MB
978-3-7460-0423-5 (9783746004235)
3746004233 (3746004233)
weitere Ausgaben werden ermittelt
"Josefa vom Jaaga" ist ein für Eingeweihte (oder Alteingesessene) kaum sonderlich schwer zu durchschauendes Pseudonym. Josefa ist in Erding geboren und aufgewachsen, lebt noch immer dort und hat fest vor, auch dort begraben zu werden. Sie schreibt, solange sie zurückdenken kann.

1. Liberté, Égalité, Maternité


Markgräfin Amalie verheiratet ihre Töchter

Zu gewissen Zeiten, so wird uns erzählt, habe eine neue Spitze an einem Kleid, eine neue Feder an einem Hut, eine achtlos fallengelassene Bemerkung beim Tee oder ein abgelehnter Tanz auf einem Ball mehr Aufmerksamkeit erregt als das Vorrücken von Armeen. Weit davon entfernt, die Erkenntnisse weiserer Schreiber in Abrede zu stellen, können wir doch nicht umhin, festzuhalten, was der tätige Gebrauch des Verstandes dem Leser bereits eingegeben haben wird: dass solches in erster Linie galt für Gegenden, in die gerade keine feindlichen Armeen vorrückten.

Wahr ist: In friedlichen und weniger friedlichen Regionen verlangte die Eitelkeit in jenen Tagen nach goldenen Knöpfen und blitzenden Tressen - an militärischen Uniformen, der Kleidung des Tötens, vielleicht mehr als anderswo. Die kleinen und großen Fürsten des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation hatten in den letzten Jahrhunderten viel Übung darin entwickelt, den Klang von Kanonen und den Geruch von Schießpulver von der unmittelbaren Umgebung ihrer überschuldeten Höfe fernzuhalten. Ihre Damen konnten das Augenmerk daher tatsächlich ganz auf jene schmucken Offiziere und unterhaltsamen Skandale richten, hinter denen die Bedeutung der Schlachtfelder so sehr in den Hintergrund trat.

Man hatte sich in diesen Verhältnissen eingerichtet und verstand gut damit zu leben: Während die Fürsten, schwitzend unter ihren gepuderten Perücken, mit den Ministern über Landkarten brüteten, die zu veraltet waren, als dass man auf ihrer Basis einen wirklichen Feldzug hätte planen können, und die Offiziere sich damit beschäftigten, jene Bauernburschen, die man in eine Uniform gepresst hatte, am Desertieren zu hindern, schrieben die Damen Briefe, planten Empfänge und Verwandtenbesuche und bemühten sich, ihre Töchter möglichst zügig unter die Haube zu bringen.

Die Große Landgräfin von Hessen-Darmstadt, Karoline von Pfalz-Zweibrücken, hatte nicht weniger als fünf Töchter zu verheiraten. Sitte und Familientradition hatten die Namen, die bei der Taufe einer Prinzessin zur Auswahl standen, in beklagenswerter Weise eingeschränkt: Karoline, Friederike, Amalie, Wilhelmine, Luise. Die stolze Mutter schöpfte dieses Kontingent in besagter Reihenfolge aus; dazu gesellten sich drei Söhne. Dass sich keine weiteren Töchter einstellten, machte den Gebrauch der noch zur Verfügung stehenden Namen »Marie«, »Charlotte« und »Auguste« unnötig und sparte sie für kommende Generationen auf.

Man muss gestehen, nicht alle Töchter der Landgräfin verheirateten sich gleichermaßen gut; die älteste hatte sich mit dem Spross einer Nebenlinie des hessischen Hauses zu bescheiden, während ihrer viel beneideten Schwester Friederike die Ehre zuteilwurde, vom Neffen und Erben des Preußenkönigs Friedrich vor den Altar geführt und in ihrer Ehe mit zahllosen Geliebten und Mätressen betrogen zu werden. Für die kleine Luise fiel immerhin der Großherzog von Sachsen-Weimar ab. Doch die beste Partie machte unzweifelhaft Wilhelmine, die zweitjüngste Tochter: Katharina die Große gestattete ihr die Ehe mit ihrem Sohn, dem Zarewitsch Paul, was Wilhelmine einen neuen Namen (Natalja) und drei Jahre später den frühen Tod im Wochenbett eintrug.

Demgegenüber fiel die Hochzeit der mittleren Tochter Amalie bescheiden aus. Ihre Mutter hatte diese junge Dame sicherheitshalber mitgenommen nach Sankt Petersburg, obwohl wenig Hoffnung bestand, Amalie könne am russischen Hof Gnade finden. Selbst die wohlwollendsten Freunde mussten zugeben, die äußerlichen Reize dieser jungen Dame stünden ein wenig hinter denen ihrer Schwestern zurück: das dunkle Haar zu strohig, die Lippen zu schmal, die Züge zu kantig. Doch mit gewissen Eigenheiten ihres Charakters, namentlich Zielstrebigkeit und Willensstärke, glich Amalie aus, was die Natur versäumt hatte, ihr an Vorzügen mitzugeben.

»Meine Tochter Amalie mag nicht den besten Kopf haben«, seufzte die Mutter gelegentlich, wenn sie die Berichte der Gouvernanten über die Fortschritte ihrer Kinder entgegennahm, »doch zweifellos den härtesten.«

In der Familie wusste man gut, was es bedeutete, wenn Amalies kantiges Kinn sich ruckartig anhob, woraufhin Amalie mit bebenden Nasenflügeln hörbar einatmete und dazu die Schultern straffte. Wer konnte, suchte in solchen Momenten gern das Weite, ehe das Gewitter losbrach.

Wider Erwarten war es gerade dieser Wesenszug, der Amalie in Sankt Petersburg beinahe zu einem grandiosen Erfolg verholfen hätte. Der junge Zarewitsch Paul, an dominierende Frauen in seinem Leben gewöhnt, schien von ihr ausgesprochen beeindruckt. Eine Weile sah alles danach aus, als ziehe er Amalie gegenüber ihrer Schwester als künftige Braut vor. Leider wurde der junge Mann nicht wirklich nach seinen Wünschen befragt. Zarin Katharina, weise Herrscherin der Reussen, die sie war, entschied sich für die sanfte Wilhelmine; ihrer Ansicht nach genügte es, wenn eine Frau in Sankt Petersburg den Männern die Richtung wies.

Statt in der prunkvollen Residenz zu Sankt Petersburg tanzten Amalies Hochzeitsgäste letztlich im sehr viel engeren Saal des Schlosses von Karlsruhe. Die Familie der Zähringer, in die Amalie einheiratete, mochte nicht so mächtig sein wie die Romanows, doch sie gehörte zu den ältesten Fürstenhäusern Europas. Ihre Anfänge verloren sich im Halbdunkel des elften Jahrhunderts, als die deutschen Kaiser noch Otto oder Heinrich geheißen hatten und nicht wie in neuerer Zeit Joseph, Franz oder Leopold. Die Zähringer regierten die Markgrafschaft Baden seit Menschengedenken und hatten als Nachweis ihrer makellosen adligen Abstammung in den letzten Generationen jeweils mindestens ein Familienmitglied vorzuweisen gehabt, dessen Absonderlichkeit weit genug ging, um es hinter Schloss und Riegel zu halten.

Wie Amalie nach ihrem Einzug erfreut feststellte, waren die Männer der Familie willig, ihren Ehefrauen das Regiment weitgehend zu überlassen - und wo sie nicht willig waren, brachte Amalie es ihnen bei. Erbprinz Karl Ludwig von Baden, zur Unterscheidung von seinem Vater Karl Friedrich meist »Charles« gerufen, lernte bereits im Verlauf der ersten Wochen seiner Ehe, dass er von nun an ganz ebenso die Meinung seiner Ehefrau einzuholen habe, ehe er eine Entscheidung träfe, wie er es bis dahin mit der seiner Mutter getan hatte. Seine Ergebenheit war zweifellos, was Amalie an ihrem Gemahl am besten gefiel.

Amalies Einfluss musste naturgemäß erst den Widerstand der bisherigen Ratgeberin überwinden, die sich auf ihre doppelte Funktion als Markgräfin und Schwiegermutter berief, um ihre älteren Rechte geltend zu machen. Beide markgräflichen Ehemänner, Vater und Sohn, flüchteten sich angesichts des Drachenkampfes in den Salons des Karlsruher Schlosses in ihre Ratssitzungen und taten so, als überhörten sie, was an Gekeife und Gezänk aus dem oberen Stockwerk herunter drang.

Die Zeit und der Tod der alten Markgräfin lösten das Problem im Sinn Amalies, die nun ihre Stellung als erste Dame am Hof von Karlsruhe sicherstellte - ein Rang, der kümmerlich genug war als Trostpreis für eine Dame, die beinahe vom Zaren Paul zur Gattin erwählt worden wäre. Amalie sorgte dafür, dass ihr Schwiegervater, der alte Markgraf Karl Friedrich, sich zur linken Hand mit einer nicht ebenbürtigen Frau vermählte, die Amalie ihre Position nicht streitig machen konnte und über deren Mängel und Unverschämtheiten sie sich künftig bei allen Gelegenheiten verbreitete, und stürzte sich auf alle Anlässe, die ihr gestatteten, das Fischbein-Korsett so eng wie möglich zu schnüren, sich in die Staatsrobe zu zwängen, das markgräfliche Haupt mit hoch aufgetürmten Perücken, Juwelen und Federn zu schmücken und am Eingang ihres Salons die Honneurs zu machen.

Nebenher widmete sie sich der Aufgabe, ihrem Gemahl Charles einen Sohn und Erben zu schenken, der der Erfolg aber lange Zeit versagt blieb. Über die Jahre wuchs die Zahl der Töchter, die in Amalies Gemächern den Nacken über Stickrahmen und Aquarellbilder beugten, auf sechs an, auch sie versehen mit den von der Schicklichkeit vorgeschriebenen Vornamen: Amalie (die hässlichste), Karoline (die eifrigste), Luise (die hübscheste), Friederike (mit dem größten Standesbewusstsein), Marie (die freundlichste) und die kleine Wilhelmine, die nach dem lang ersehnten Erben auf die Welt gekommen war und mit der noch niemand so recht etwas anzufangen wusste. Dass der kleine badische Prinz, der nach fünf Töchtern endlich das Licht der Welt erblickt hatte, wiederum, wie Vater und Großvater, Karl hieß, verstand sich von selbst. Er war ein ruhiges, selbstgenügsames Kind, das die Mutter leichten Herzens seinen Kinderfrauen und Erziehern überlassen konnte, während sie selbst die Angelegenheiten ihrer Töchter wahrnahm.

Dazu gehörte selbstverständlich die Verpflichtung, sich zeitig nach Gatten für ihre...

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