Das rote Tagebuch

Baden-Württemberg-Krimi
 
 
Silberburg (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 4. Januar 2019
  • |
  • 336 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-8425-1792-9 (ISBN)
 
Mord in Tübingen. Hauptkommissar Pit "Bluthund" Mueller ermittelt. Mit der Hilfe seines exzentrischen Freundes Wilhelm findet er heraus, dass in Hamburg ein ähnlicher Mord begangen wurde. Das Opfer war eine Enkelin des US-Staatsanwalts, der die Leitung des Falls Marilyn Monroe hatte. Marilyns Tagebuch hätte damals eine entscheidende Rolle spielen sollen, wäre es nicht unter mysteriösen Umständen verschwunden .
  • Deutsch
  • Tübingen
  • |
  • Deutschland
  • 0,47 MB
978-3-8425-1792-9 (9783842517929)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Rainer Imm ist auf der Ostalb geboren. Seit seinem Studium der Germanistik, der Sportwissenschaft und des Internationalen Marketings und einem Auslandsaufenthalt in Oregon (USA) ist er in der Unternehmenskommunikation und als Autor tätig. Er lebt und schreibt in Tübingen.

7


Dienstag, 21. März


»Kathrin wer?«

»Kathrin Fischer, ich bin die Neue.«

Mueller wollte an dieser dünnen, großen, in weiße Schutzkleidung gehüllten Frau vorbei so schnell wie möglich ins Wohnzimmer, zum Tatort. Sie hatte sich ihm resolut in den Weg gestellt und so den Zugang versperrt. Mueller sah in ein schmales, etwas kantiges Gesicht, umrahmt von einer frechen, braunen Kurzhaarfrisur, die gewollt ungewollt verstrubbelt aussah.

»Die Neue?« Müller war genervt. Genervtsein als Gegengewicht zu seinen Glückshormonaussetzern. Vielleicht ganz gut so, ein guter Durchschnitt unterm Strich, dachte Mueller bei sich.

»Ja, die neue Kriminaltechnikerin. Hat Dr. Heilmann mich nicht angekündigt?«

»Ähm .« Mueller schaute sich hilfesuchend um. Spranz war ebenso ahnungslos wie er und zuckte mit den Schultern. Er drehte sich wieder zurück und hatte diesen unsäglichen Einmalanzug, samt Plastikhandschuhen und Schuhüberziehern, vor Augen.

»Jedenfalls bitte ich Sie, das hier anzuziehen, bevor .«

»Nee, ganz sicher nicht«, unterbrach Mueller seine neue Kollegin. Bis jetzt hatten Handschuhe und Überzieher immer gereicht. Und so würde er es weiter halten und bestimmt nichts ändern auf seine alten Tage.

»Aber ganz sicher doch.« Sie lächelte ihn so entwaffnend an, als hätte sie von ihm gerade einen Heiratsantrag bekommen. Die Stimme war dunkel und passte so gar nicht zu ihrem Körper. Sehr freundlich und sehr bestimmt. Kathrin Fischer drückte Anzug und Überzieher derart aufdringlich auf Muellers Brust, dass er die Sachen greifen musste.

Mueller wusste, wann es Zeit war zurückzurudern. Und er wusste, wie man sein Gesicht wahrte. Lebenserfahrung pur. Er lächelte ebenfalls, hob kurz anerkennend die linke Augenbraue, schnappte sich die Sachen und streckte die freie Hand aus.

»Ja dann, Frau Fischer, auf gute Zusammenarbeit.«

»Da bin ich mir sicher.« Sie sagte es freundlich, lächelte noch breiter, nickte leicht und drückte seine Hand fest und entschlossen. Von Triumph keine Spur. Das rechnete Mueller ihr hoch an. Wahnsinn, dachte Mueller, mit diesem Lächeln könnte sie sogar schwäbische Hausfrauen von der vierzehntägigen statt der wöchentlichen Kehrwoche überzeugen.

Mueller streifte sich diesen lächerlichen weißen Anzug über und kam sich vor wie eines dieser Spermien in Woody Allens »Was Sie schon immer über Sex wissen wollten«.

Im Wohnzimmer und Schlafzimmer sah es aus wie nach einer aus Versehen an alle statt nur an Freunde adressierten Facebook-Party. Ein Chaos. Sie staksten über Möbelstücke, Einrichtungsgegenstände und Kleidung.

»Wurde der Einbrecher überrascht?« Mueller stellte die Frage eher sich selbst als seinem Assi.

»Sieht ganz so aus, Chief.« Er nahm seinen Notizblock und legte los: »Also, die Tote ist Miriam Peters, 1956 geboren und alleinstehend. Sie war als Juristin beim Regierungspräsidium angestellt und seit Kurzem in Altersteilzeit.«

»Hallo, Hans, ich wusste gar nicht, dass du schon da bist.« Mueller war freudig überrascht, Dr. Hans Kamen zu sehen, der vor der Leiche kniete.

»Hi, Pit!« Seit Hans mit einer sehr viel jüngeren Frau zusammen war, hatte sich auch seine Ausdrucksweise verjüngt. Zwar nicht immer passend und der Situation angemessen, aber mit »Hi« konnte Mueller gut leben. Mit Kamens Kleiderauswahl allerdings weniger. Die erinnerte immer mehr an die eines peinlichen Berufsjugendlichen. Mueller hatte sich zwar schon längst vorgenommen, seinen Freund auf seine seltsame, bisweilen ans Lächerliche grenzende Verjüngungskur anzusprechen und ihn wieder auf die Spur zu bringen, doch seit er selbst ein Techtelmechtel mit einer ebenfalls jungen Gespielin hatte . Wahrscheinlich war es besser, sich Tipps und Erfahrungswerte von ihm zu holen, anstatt ihn in den Senkel zu stellen.

Allerdings - dabei streifte Müllers Blick seinen Bauch -, in Sachen Körper würde er nie mit Hans mithalten können. Sein Freund, der Chef der Rechtsmedizin, war Besitzer eines unverschämt gut durchtrainierten Körpers. Und das, obwohl auch er schon längst die fünfzig überschritten hatte.

Einzig und allein mit seinem vollen Haupthaar konnte Mueller punkten. Oder auch wieder nicht, denn sogar Hans' Glatze fand allseits Zuspruch. Gudrun fand sie sogar »passend«. Genau so hatte sie sich ausgedrückt. Und zusätzlich noch das Prädikat »schönste Platte überhaupt, nach Bruce Willis« hinterhergeschickt.

Mueller griff heimlich an seine Love Handles. Die mussten unbedingt weg, aber er liebte seine Hefeweizen über alles. Auch rasieren sollte er sich öfters. Aber wahrscheinlich war gerade das in den Augen einer jüngeren Frau interessant. Mueller war sich da nicht sicher. Überhaupt, wenn er so nachdachte, dann hatte er Frauen im Allgemeinen und seine Gudrun im Besonderen noch nie wirklich verstanden, obwohl er schon ewig mit ihr zusammenlebte. Wie sollte er da eine Frau Ende dreißig verstehen!

»Seit wann amüsiert dich ein Tatort, Pit?«

Mueller fiel aus seinen Gedanken.

»Du grinst ziemlich belämmert vor dich hin. In welchen Gefilden treibst du dich denn rum?« Kamen legte gleichzeitig amüsiert und überrascht seine Stirn in Falten.

Verdammt, er musste das abstellen. So konnte er seinen Job nicht machen. Mueller räusperte sich und beschloss, seine Frage zu ignorieren.

»Okay, Hans, sag an! Was weißt du?«

Mueller sah, dass sein Freund kurz irritiert war über den abrupten Wechsel. Aber genau das zeichnete Mueller doch aus. Wenn es darauf ankam, war er voll da. Nicht umsonst trug er diesen Spitznamen Bluthund Mueller. Wenn er einmal auf einer Spur war, dann kannte er keine Gnade. Nachdem sein Ruf über die Jahre gelitten hatte - es fehlten spektakuläre Fälle, und Routine hatte sich in seine Arbeit eingeschlichen -, konnte er sich mit dem aufsehenerregenden Fall im letzten Jahr endlich wieder profilieren. Ein Serienmörder hatte ihm auf perverse Art dabei geholfen.

Kamen schüttelte ganz kurz und kaum sichtbar den Kopf. »Also.« Er musste sich neu konzentrieren. »Der Todeszeitpunkt liegt zwischen zweiundzwanzig und ein Uhr letzte Nacht. Auf den ersten Blick scheinen keine äußeren Einflüsse für ihren Tod verantwortlich zu sein. Es sieht ganz nach einem Herzversagen aus.«

Spranz nachdenklich: »Vielleicht hat sie den Einbrecher überrascht und sie ist so erschrocken, dass .«

Mueller deutete auf den Wohnzimmerschrank, auf dessen Ablage einige Medikamente lagen, und sagte: »Anzunehmen, bei der Art von Arzneien.«

Kamen hob eine der Schachteln hoch. »Ich hab kurz draufgeguckt, sie litt wohl hauptsächlich an Hypertonie. Neben Medikamenten für andere kleinere Beschwerden hatte sie vor allem Mittel, um ihren Bluthochdruck zu senken.«

»Das heißt aber nicht, dass sie gleichzeig ein schwaches Herz hatte. Lieg ich da richtig, Hans?«, fragte Mueller.

»Bei Hypertonie ist das individuelle Risiko für weitere Herz- und Gefäßkrankheiten zwar groß, aber sie muss nicht einhergehen mit einer Herzerkrankung. Und .« - Kamen deutet auf die Medikamente - ». sie hat auch tatsächlich kein explizites Medikament für ihr Herz.«

Mueller hob eine der Packungen auf, öffnete sie, runzelte die Stirn. Dann öffnete er eine nach der anderen.

»Sag mal, Hans, kann Bluthochdruck auch in dem Alter urplötzlich auftauchen?« Er drehte sich zu Spranz. »Geboren 1956? Stimmt doch, Spranz?« Sein Assi nickte.

»Urplötzlich würde ich jetzt nicht sagen, aber ja, gerade im Alter. Der fortschreitende Verlust der Gefäß-Elastizität lässt den Blutdruck ansteigen.«

»Die Diagnose muss demnach ganz neu sein, es fehlt keine einzige Tablette.« Mueller dachte nach und rieb seine Oberlippe mit Zeigefinger und Daumen. »So schlecht kann dann ihre Verfassung gar nicht gewesen sein.«

»Jetzt mal halblang mit den Vermutungen, morgen früh wissen wir mehr.« Kamen stand auf, zog Mueller zu sich und flüsterte ihm ins Ohr: »Heute Abend in deiner Werkstatt?«

»Ja, klar! Wie vereinbart. Aber du brauchst nicht zu flüstern. Ich habe Spranz auch eingeladen, aber der Gutste hat wieder mal etwas Besseres vor. Ich weiß nicht, ob ich ihn ein drittes Mal einladen werde.«

Mueller hatte seinen Assistenten zusammen mit Wilhelm und Hans Kamen zum zweiten Mal zum Umtrunk eingeladen. Beim ersten Mal hatten sie vor seiner Werkstatt neben der...

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